Der Konflikt um die Mohammed-Darstellungen entzweit sogar die Vorkämpfer des Arabischen Frühlings. Lina Ben Mhenni, tunesische Bloggerin und Menschenrechtsaktivisten, nennt neben westlichen Urhebern und gewalttätigen Salafisten sogar noch einen dritten Schuldigen für die Ausschreitungen: die tunesische Regierung
Rauch lag über der Stadt, vor der US-Vertretung in Tunis herrschte Chaos. Salafisten und Sicherheitskräfte drängten sich vor dem Gebäude. Gegenüber räumte ein Mob die amerikanische Schule aus. Computer, Instrumente und Möbel – nur die Schulbücher ließen die Islamisten zurück.
Lina Ben Mhenni ist noch immer fassungslos, wenn sie an jenen 11. September zurückdenkt. Die tunesische Bloggerin war mit Kamera und Schreibblock gekommen, um über die Botschaftskrawalle zu berichten.
Jetzt sitzt die zierliche Schwarzhaarige in einem Café in Bonn; sie soll an diesem Tag einen Vortrag über die Scharia halten. Ben Mhenni kämpft seit Beginn der Jasminrevolution mit ihrem Blog „A Tunesian Girl“ unermüdlich für die Menschenrechte, 2011 wurde sie deshalb für den Friedensnobelpreis nominiert. Seitdem reist sie fast wöchentlich auf Konferenzen, um über die Situation in Tunesien zu berichten. „Seit Beginn der Revolution habe ich kein Privatleben mehr“, sagt Ben Mhenni, „jetzt lebe ich eben für mein Land.“
Die 29-Jährige erzählt, dass sie selbst im Internet Hinweise auf die Demonstration finden konnte. Die tunesische Polizei habe die Salafisten dennoch nicht gestoppt. „Wenn es darum geht, andere Demonstrationen zu unterbrechen, greift die Polizei in Tunesien immer sehr hart durch.“ Erst, als eine Sondereinheit des Innenministeriums eintraf, hätten die Angreifer umgehend aufgehört. Die Bloggerin senkt ihre Stimme: „Das ist doch sehr seltsam. Welche Verbindung besteht zwischen den Salafisten und dem Innenministerium?“
Es war das umstrittene Mohammed-Video eines US-amerikanischen Filmemachers, das die Demonstranten in Tunis so empört hat. Darin wird der Prophet als Tyrann und blutrünstiger Wüstenkrieger gezeigt.
Ben Mhenni setzt sich für freie Meinungsäußerung ein. Obwohl sie gläubige Muslimin ist, fühlt sie sich nicht von dem Film attackiert. Und doch sagt sie: „Die Menschen haben ein Recht zu protestieren – aber eben ohne Gewalt.“











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