Es ist ein US-amerikanisches Politspektakel, das in den demokratischen Wahlkämpfen weltweit nachgeahmt wurde: das TV-Duell. Ab dem 3. Oktober prallen die Präsidentschaftskandidaten vor einem Millionenpublikum aufeinander. Cicero-Online-Korrespondent Malte Lehming entfitzt eine mediale Wissenschaft
Die Parteitage sind absolviert, die Anhänger mobilisiert, die Spendengelder fließen. Doch das wichtigste Ereignis im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf kommt erst noch – die erste TV-Debatte von Barack Obama und Mitt Romney am 3. Oktober in Denver. Das ist der Tag des direkten Vergleichs. Auge in Auge. Fünfzig bis sechzig Millionen Zuschauer werden erwartet. Gut möglich, dass an diesem Abend eine Vorentscheidung fällt.
Amerika liebt den Showdown. Hier wurde das Duell-Format erfunden und perfektioniert. Ob Haarschnitt, Haltung, Körpersprache oder Rhetorik: Alles wird einstudiert, nichts dem Zufall überlassen. Ob Kleidung, Mimik, Gestik oder Spontanität: Jedes Detail des Gegners wird analysiert und auf Schwächen untersucht. Wer kann punchen, einen Witz landen, den anderen nervös machen, ohne unseriös zu wirken? Wie lässt sich Fachkompetenz suggerieren, ohne zu dozieren?
Mit großer Intensität bereiten sich beide Lager auf ihren Auftritt vor. Romney zieht sich dazu in das Haus eines Freundes in den Bergen von Vermont zurück. Sein „Sparringspartner“ oder Trainer ist Senator Rob Portman aus Ohio, der Obama spielt. Zwei Minuten pro Antwort sind erlaubt, alles wird auf Video aufgezeichnet und anschließend ausgewertet.
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Obamas Sparringspartner ist Senator John Kerry aus Massachusetts. Der demokratische Präsidentschaftskandidat von 2004 erinnert nicht nur äußerlich an Romney – groß, etwas steif und ungelenk –, sondern kennt diesen auch bestens aus dessen Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts. Beide verbindet eine herzliche Abneigung. Weil Romney in den Vorwahlen eine Reihe von Debatten gegen seine republikanischen Mitbewerber bestreiten musste, liefert er dem Obama-Camp recht aktuelles ideales Anschauungsmaterial.
Die Ablaufdetails der Fernsehdebatten sind das Ergebnis oft langwieriger Verhandlungen. Dürfen die Kontrahenten während der 90 Minuten das Stehpult verlassen? Dürfen sie Aufzeichnungen mitbringen? Darf das Publikum applaudieren? Wie ist die Beleuchtung, die Kameraeinstellung, die Temperatur im Studio? Am Ende wird alles in einem Vertrag geregelt.










