Mit einem Nacktfoto, Sexbildern von sich und ihrem Freund und öffentlichem Händchenhalten provoziert die Bloggerin Alia Al Mahdi die ägyptische Öffentichkeit – und spaltet dabei die arabische Revolution
Sie ist untergetaucht und keiner weiß, wo sie steckt. Doch Alia al Mahdi ist überall. Ganz Kairo redet über sie und ihren Liebhaber Karim Amer – und die beiden liefern auch immer wieder neuen Gesprächsstoff. Yoko Ono und John Lennon, die einst mit ihren Aktionen das Establishment empörten, waren nichts dagegen. Die 20-jährige Kunststudentin und der 27-jährige Blogger reizen die konservative Gesellschaft Ägyptens bis aufs Blut und – wie sollte es anders sein – werden dafür von Salafisten mit Mord bedroht.
Es begann Anfang November, als Alia al Mahdi in ihrem „Blog einer Revolutionärin“ ein Nacktfoto von sich selbst postete. Sie schaut nicht besonders aufreizend, es ist eher ein forschender Blick: „Und, was sagt ihr jetzt?“, scheinen die Augen zu fragen. Als sei das Bild nicht schon Provokation genug, verkündet al Mahdi auch noch, dass sie einen festen Freund habe, und stellte das Bild eines Paares beim Sex ebenfalls auf ihre Seite. Nun ist ihr Freund auch nicht irgendwer, sondern ausgerechnet Karim Amer, der vier Jahre lang – wegen Beleidigung des Islams – im Gefängnis saß. Als die junge Frau dann auch noch verkündete, sie sei Atheistin, erreichte al Mahdi Stufe sieben auf der nach oben offenen Erschütterungsskala der Gesellschaft.
Kaum ließ das Beben nach, legte das Skandalpaar nach. Sie posteten ein verwackeltes Video. Es entstand, als die beiden in einem Park beim Händchenhalten erwischt und zum Sicherheitschef des Parks geführt wurden. „Zeigen Sie mir das Gesetz, das mir verbietet, meine Hand auf das Knie meiner Freundin zu legen“, hört man Amers Stimme aus dem Off. Im Bild ist das empörte Gesicht des Beamten zu sehen, der vom Schutz der öffentlichen Moral spricht.
„Diese beiden gefährden die Gesellschaft. Es geschieht ihnen recht, wenn sie eingesperrt werden“, lautet der Kommentar eines Betrachters unter dem Video. „Was die machen, hat mit Freiheit nichts zu tun“, sagt eine Kommilitonin von al Mahdi von der Amerikanischen Universität in Kairo. „Es geht denen doch nur darum, die Gesellschaft zu provozieren“, sagt sie.
Nächste Seite: Al Mahdis Kritik an den Aktivisten der Revolution










