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 > Europa braucht mehr direkte Demokratie

Weltbühne
Mitbestimmung

Europa braucht mehr direkte Demokratie

von 
Ralf-Uwe Beck
Anne Dänner
10. November 2011
picture alliance
Demokratie 2.0, Volk, direkte Demokratie, Mehr Demokratie ev, Griechenland
Immer mehr Menschen fordern: „Echte Demokratie – jetzt"

Wie kann europäische Demokratie und Politik am besten gestaltet werden? In Zeiten von Schulden- und Finanzkrisen ist das nicht immer leicht zu beantworten und vor allem nicht leicht zu gestalten. Ein Plädoyer für die direkte Demokratie

Seite 1 von 2

Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst der direkten Demokratie. Was, wenn mitten in der Finanzkrise sich auch noch das Volk einmischt und womöglich mitentscheiden will? Worüber sollte es auch entscheiden? Über den Rettungsschirm, Sparprogramme, Euroausstieg? Für Deutschland läuft die Diskussion ins Leere. Wir sind das einzige Land in der Europäischen Union, das noch nie einen nationalen Volksentscheid erlebt hat – kein von oben angesetztes Referendum und schon gar keine von der Bevölkerung angestoßene Volksabstimmung. Der bundesweite Volksentscheid ist zwar im Grundgesetz angelegt, aber nicht ausgeführt. Doch die aufgeheizte Debatte kommt den Gegnern der direkten Demokratie gerade recht: Wenn dies jetzt möglich wäre, wo kämen wir da hin!

Bildergalerie: Eine kleine Geschichte des Euro
  • Eine kleine Geschichte des Euro
  • 1979: Gründung des Europäischem Währungssystem
  • Französischer Präsident Mitterand will eine Währungsunion
  • 1990: Freier Kapitalverkehr
  • 2002: Vertrag von Maastricht
  • Euro-Tower in Frankfurt
  • 1995: Der Name "Euro" wird geboren
  • Europäische Zentralbank löst EWI ab
  • 1999: Die Wechselkurse des Euro werden festgelegt
  • 2001: Griechenland wird in die Währungsunion aufgenommen.
  • 2002: Einführung des Euro
  • Jean-claude Trichet, Präsident der EZB
  • 2007-2009: Neue Länder treten der Währungsunion bei
  • 2009: Euro-Krise bahnt sich an
  • Griechenland in der Euro-Krise
  • Europäischer Rettungsschirm
  • Irland in der Euro-Krise
  • Portugal in der Euro-Krise
  • Spanien entkommt bislang nur knapp der Euro-Krise
  • Italien soll sich nun auch in der Euro-Krise befinden
  • Verlängerung des Euro-Rettungsschrims?

Parlamente haben die Finanzmärkte entfesselt

Aber Moment bitte: Sind wir da nicht schon? Mitten in der Finanzkrise. Und wer hat uns dahin gebracht? Genau, Regierungen und Parlamente, nicht das Volk. Seit die USA 1973 mit dem Goldstandard die festen Wechselkurse über Bord geworfen haben, sind die Finanzmärkte Schritt für Schritt dereguliert worden. 1986 ließ Margret Thatcher die britischen Finanzmärkte liberalisieren – der Rest Europas zog nach. 1990 schaffte die schwarz-gelbe Regierung unter Helmut Kohl die Börsenumsatzsteuer ab. Insgesamt verabschiedete der deutsche Bundestag bis Ende 2009 mehr als hundert Rechtsakte zur Deregulierung der Finanzmärkte– flankiert von Rahmensetzungen der EU. Das Bruttoinlandsprodukt aller Staaten zusammengerechnet, also die Wertschöpfung der realen Wirtschaft, hat sich in den vergangenen 20 Jahren auf rund 63 Billionen Dollar verdreifacht. Der Wert der synthetischen Finanzmarktprodukte – entstanden etwa durch die Wetten auf die Entwicklung von Börsenkursen – hat sich in der gleichen Zeit auf rund 600 Billionen Dollar verdreihundertfacht. Ein Gespenst geht um ... Die Abgeordneten trauen sich nicht einmal mehr selbst über den Weg. Symptomatisch für das schwindende Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft sind die Schuldenbremsen, mit denen sich die Politik selbst an die Kandare legt. Das erinnert an Odysseus, der sich am Mast des Schiffes festbindet, damit er dem verlockenden Gesang der Sirenen nicht erliegt.

Die Bürger als Sparkommissare

Vor diesem Hintergrund wirkt es zynisch, wenn Politiker den Bürgerinnen und Bürgern komplexe und weitreichende Entscheidungen nicht zutrauen. Wenn das Volk seinen Willen in Volksabstimmungen klären und erklären könnte ... dann gingen die Ausgaben der öffentlichen Hand zurück, die Schuldenaufnahme ebenso und es würden sogar weniger Steuern hinterzogen. Das jedenfalls zeigen Studien aus der Schweiz im Zusammenhang mit den sogenannten Finanzreferenden, also gesetzlich vorgeschriebenen Abstimmungen über öffentliche Ausgaben. Hier wurden die Kantone, in denen das Volk häufig direkt über Finanzfragen entscheidet, mit solchen verglichen, wo das nur selten passiert. Das Ergebnis: Wo die Bevölkerung mitentscheidet, ist die Haushaltslage stabiler.

Die von den Bürgerinnen und Bürgern zu Hause geübte Kompetenz, in längeren Zeiträumen zu denken und nicht nur zwischen den Scheuklappen der Legislaturperioden, wäre ausgesprochen hilfreich auch für finanzpolitische Überlegungen. In einem Europa, das mehr sein soll als eine von Eliten mühsam zusammengehaltene Pseudogemeinschaft, müssen die Bürgerinnen und Bürger in die Überlegungen, was die öffentliche Hand leisten soll und sich leisten kann, einbezogen werden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Papandreous Abstimmungspläne demokratisch gewesen wären

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Mitbestimmung Europa

Ein Artikel, der voll ins Schwarze trifft. Er müßte auch in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht werden, die die Politiker und das allgemeine Volk liest. Bild, Stern, Bunte, Handesblatt und ......

  • Antworten
19Flor4910.11.2011 | 19:52 Uhr

Eine schweinerei ist das! In

Eine schweinerei ist das! In letzter Minute hat man papandreu die Pistole an den Kopf gesetzt. der EU fehlt es tatsächlich an Demokratie. Aber warum lassen sich das die Griechen so einfach gefallen? Ich hätte zu gerne die 20 Uhr Nachrichten aus Griechenland an diesem Tag geschaut um vllt ansatzweise zu verstehen, mit was für einem Geschwätz die Medien den bürgern die entzogene volksentscheidung verkauft haben.

  • Antworten
phillip11.11.2011 | 12:24 Uhr

Einige EU Laender geben ihren Buergern die Rechte

in Sachen EU usw. abzustimmen und es gibt den Menschen dort die Moeglichkeit sich zu wehren wenn sie nicht mit gewissen Sachen,die geplant werden,einverstanden sind.Leider ist das in der BRD nicht der Fall eine Tatsache die sicherlich auch fuer die EU Muedigkeit verantwortlich ist.Die dt.Waehler trauen ihren Volksvertreter nicht zu ihre Interessen zu vertreten weil zu viele Entscheidungen getroffen werden die nicht mit dem was die Deutschen wollen uebereinstimmen.Da fing mit dem Euro an ,die Mehrheit der Deutschen haette lieber die DM behalten und wie es aussieht hatten sie recht.

  • Antworten
Karin S.Bryant11.11.2011 | 14:33 Uhr

langsam wird es Ernst

Wenn auch der Deutsche Michel lange braucht bis Er läuft, aber letztendlich wird er laufem. Man sah es damals beim Mauerfall,immer kann man sein Volk nicht belügen.Die Politik begeht ein Hochverat,an dem Land und dessen Bürgern.Die Gesetze werden tagtäglich gebrochen, dass Recht gebeugt die Werte dieses Landes verkauft.
Aber einmal ist schluß egal wie es auch endet,man hat dieses Land und die gesamte Eu dem Ami zum Fraß hingeworfen.Der IFW will kontrolle über die Staaten erhalten, um diese noch mehr auszubeuten.Darum sage ich Euch steht auf und wehrt Euch,nicht die Griechen, Spanier, Portugiesen oder Irländer und Italiener sind Schuld.Sondern die Herren über dem Teich,jagd den Teufel aus dem Land und die Macher der großen Banken dazu.Wir sind niemand etwas schuldig,denn Wir sind nur die Opfer.

  • Antworten
Dietmar Mathies11.11.2011 | 23:52 Uhr

Europa

Gestern feierten wir Franzosen den 11. November 1918 und gedenken unseren Millionen von Toten des I. Weltkrieges. Es ist ein wahrlich schauerlicher Tag und uns ist nicht zum feiern zumute. Warum?

Es ist müssig, hier eine Geschichtsstunde über die Entstehungsgeschichte dieses Desasters erneut nieder zu schreiben. Darüber haben klügere Menschen, als ich es bin, viele gescheite Aufsätze, Bücher, wissenschaftliche Arbeiten und grandiose Werke geschrieben. Man kann sie alle nachlesen.

Die Frage, die uns alle an diesem Tag bedrückt ist, hat die Menscheit etwas dazu gelernt? Ich fürchte NEIN!

Nach dem Ende des Krieges zwischen Schneider – Creuzot und Krupp, die beide prächtig an diesem Krieg verdient hatten, wurde, forciert durch einen rachsüchtigen alten Roublard wie Georges Clemenceau, gegen den Willen der amerikanischen Alliierten, der unsägliche Versailler Vertrag diktiert. John Maynard Keynes hat die Delegation damals verlassen, weil er gewusst hat, dass dieser Knebelungsvertrag zu einem Aufblühen des Faschismus und Revanchismus in Deutschland führen muss. Er behielt auf grauenhafte Weise recht! Hitler kam, der Rest ist bekannt.

Die grossen alten Männer, die das Fiasko des I. und II. Weltkrieges durchlitten haben, setzten sich zusammen und schworen sich: NIE WIEDER ! Sie waren die Väter Europas, das die Grundidee eines friedlichen, vereinten und freundschaften Zusammenleben unter den europäischen Völkern verwirklichen wollte. Zu dieser Idee bekenne ich mich als geschichtsbewusster Mensch mit ganzem Herzen.

Zu einem vereinten und friedlichen Europa gehört aber auch die Freiheit und Unabhängigkeit. Europa ist wirtschaftlich stark und politisch schwach. Es ist in all den vielen Jahren nie gelungen, eine demokratische, wirtschaftliche, fiskale und politische Union eines vereinten Europas zu schaffen.

Europa ist nicht demokratisch legitimiert. Das Europaparlament leidet an der deutschen Krankheit. Es werden Parteifreunde durch Listenplätze in das EU – Parlament entsendet. Es gibt kaum direkt gewählte europäische Abgeordnete. Noch schlimmer ist es bei der EU – Kommission, die nach nationalen Egoismen durch die Regierungschefs der Nationalstaaten gekürt werden und niemanden, nicht einmal dem europäischen Parlament verantwortlich sind. Der Kommissionspräsident wird unter den Nationalstaaten ausgekungelt. Der Ratspräsident, dessen Sinn auch noch niemand verstanden hat, soll dem ganzen präsidieren! Wem, was, wo, wann?

Eine einheitliche Wirtschafts – Fiskal – und Sozialpolitik existiert nicht. Gleichwohl wurde der Euro als gemeinsame Währung eingeführt, was zu einem weiteren Fiasko führen musste.

Eine einheitliche Aussenpolitik wurde nie formuliert. Jeder Nationalstaat macht was er will. Die einen sind in der NATO, der nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes der Feind abhanden gekommen ist und sich krampfhaft um neue Kriege bemüht, die die Amerikaner in ihrem völlig geisteskranken Machtwahn in der ganzen Welt anzetteln, die anderen sind gar nicht in diesem altbackenen Militärbündnis, das längst aufgelöst werden müsste, um nicht immer wieder in neue Abenteuer der Amerikaner hineingezogen zu werden.

Geschichtslose Krämerseelen, die nichts von dieser grossartigen Idee von EUROPA verstanden haben, schwingen heute das grosse Wort in Europa. Die grossartige Idee ist noch da, aber den Sinn hat niemand mehr verstanden!

Was ist geblieben von dieser grossartigen Idee? Chauvinistisches Gewäsch über andere EU – Familienmitgliedern, durch Billiglöhne finanzierte Rekord - Exportüberschüsse zu Lasten ärmerer EU – Staaten, eine ausser Rand und Band geratenen Finanzindustrie, die das Sagen hat in Europa, schlecht ausgebildete Politiker, die diese Spiele nicht mehr durchschauen, kriechende Pudel des zur Besichtigung freigegebenen Untergangs der moralisch und finanziell bankrotten USA, die ihr Heil schon wieder in einer neuen Drohkulisse gegen den Iran sucht.

So haben sich das die Gründerväter Europas im Jahre 1950 in Rom nicht vorgestellt!

„Wenn bei uns die Ideen populär werden, dann bleibt die Popularität, die Idee geht gewöhnlich zum Teufel.“

(Kurt Tucholsky)

  • Antworten
Rainer Kahni12.11.2011 | 12:56 Uhr

Kompliment zu "Europa"

ich habe schon sehr viele Artikel und Kommentare zu diesem Thema gelesen, doch selten ist es gelungen, das so auf den Punkt zu bringen. Kompliment an Ihren analytischen Sachverstand. Es braucht mehr Leute mit diesem Gedankengut und dem Herz an der richtigen Stelle.

  • Antworten
Paul Westhoff12.11.2011 | 22:14 Uhr

Zeit zu handeln

Die Beiden arbeiten für den Verein "Mehr Demokratie". Der setzt sich für die Einführung des bundesweiten Volksentscheids und andere Demokraiethemen ein - im Moment zum Beispiel für die Abschaffung von Überhangmandaten. Dabei kann jeder mitmachen.
Für grundlegende Änderungen braucht es einen langen Atem. Aber die Anti-AKW-Bewegung hat uns ja gezeigt, wie es geht.

  • Antworten
Ronald Pabst14.11.2011 | 15:03 Uhr

Europa braucht mehr direkte Demokratie

Das Magazin Cicero hat einen ausgezeichneten Artikel, gerade aus deutscher Sicht, geliefert. Leider ist viel zu wenigen Leuten hierzulande bekannt, dass im Parlamentarischen Rat eine starke Minderheit Volksentscheide für notwendig hielt, dass selbst die Alliierten noch am 12.5.1949 den neuen Verfassungsentwurf eigentlich durch das Volk, nicht durch die dafür überhaupt nicht gewählten Landtage hatten angenommen sehen wollen. Das haben die Ministerpräsidenten den Militärgouverneuren ebenso ausgeredet wie ein gleiches Wahlrecht, das doch im Grundgesetz steht - die 5%-Klausel hat der Parlamentarische Rat noch am 5.5.1949 ausdrücklich abgelehnt, darin in Übereinstimmung mit dem Weimarer Staatsgerichtshof, der 1929 die Unvereinbarkeit derartiger Wahlgesetzklauseln mit der verfassungsmäßigen Gleichheit der Stimmen festgestellt hatte. Dass gem. Art. 20(2) das souveräne Volk in Wahlen und Abstimmungen entscheidet - und dass dies sogar vom parteienfreundlichen Bundesverfassungsgericht im Lissabonurteil vom 30. Juni 2009 zum unverzichtbaren, keiner Abwägung zugänglichen Kernbestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung erklärt wurde, zeigt eines überdeutlich: Die vollständige Ausschließung des Souveräns aus grundlegenden Entscheidungsprozessen ist - Repräsentativität hin, Repräsentativität her - mit dem Grundgedanken der Volkssouveränität, auf dem eigenem Bekunden nach auch das Grundgesetz fußt, unvereinbar.

  • Antworten
Prof. Dr. Heinz-Günther Borck17.11.2011 | 16:56 Uhr

Ja, Europa braucht unbedingt mehr direkte Demokratie

denn jede Entscheidung die in Bruessel getroffen wird ,,egal was, betrifft jeden einzelnen dt.Steuerzahler. Ueberhaupt ist es mir unverstaendlich dass es keine Abstimmung gab als die DM gegen den Euro ausgetauscht wurde.Danach wurden alle Sachen real teurer auch wenn die Buerokraten und Politiker das Gegenteil behauptet haben.
Es gibt Themen die darf man den Politikern nicht ueberlassen weil man sich nicht darauf verlassen kann dass sie in deutschen Interesse handeln.In vielen EU Laendern gab es direkte Abstimmungen nur in der BRD nicht, das macht viele Deutsche wuetend und gibt das Gefuehl dass 'wir' nur zahlen duerfen aber nicht bestimmen wie unsere Steuergelder verwendet werden. Schliesslich koennten von dem Geld das heute schon nach Griechenland geflossen ist etliche deutsche Schulen renoviert und Strassen instand gehalten werden und wahrscheinlich auch die Ueberweisungen an Hartz IV Bezieher decken.

  • Antworten
Karin S.Bryant27.11.2011 | 15:27 Uhr

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