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Weltbühne

Israels BefindlichkeitDie Welt steht Kopf in Nahost

Von Ulrich W. Sahm22. November 2012
picture alliance
Israel, Tel Aviv, Autobombe, Nahost
Seit Jahren ist der Süden Israels unter Beschuss
Schrift:

Seit Jahren wird Israel von Gaza aus mit Raketen beschossen. Wie lebt es sich in permanenter Angst?  Ulrich W. Sahm über die Befindlichkeit des kleinen Landes in Nahost

Seite 1 von 2

„Wir wollen keinen Waffenstillstand“, skandierten hundert demonstrierende Israelis in Beer Schewa. „Wir wollen, dass die Hamas eliminiert wird.“ Sie schwenkten Flaggen und forderten die Regierung auf, durchzugreifen. Allein am Dienstag sind zwanzig Raketen auf die größte israelische Stadt im Süden des Landes abgefeuert worden, wobei ein Haus einen Direkttreffer erhielt, ein Bus und Fahrzeuge beschädigt worden sind.

„Wir sind nicht bereit, weiter so zu leben“, sagte Tomer Vaknin, der die Demo organisiert hatte. Alle anderen Bürger der Stadt saßen zuhause, nahe Treppenhäusern oder in ihren Luftschutzkellen. Sobald die Sirenen heulen, haben sie nur wenige Sekunden Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Und dieser Zustand dauert für eine Millionen Israelis im Umkreis von 40 Kilometern rund um den Gazastreifen seit vielen Monaten an. Kinder gehen nicht mehr regelmäßig zur Schule. Man bleibt der Arbeit fern. Die Ben Gurion Universität wurde geschlossen.

Sderot, Aschkelon, Kibbuz Nachal Oz und Netivot leben seit zwölf Jahren mit regelmäßigem Trommelfeuer von über 12.000 Raketen. Die Kassemraketen mit nur 14 Kilometern Reichweite sind tatsächlich fliegende Ofenrohre mit angeschweißten Flügelchen und Stahlkugeln in den Sprengköpfen, um die tödliche Wirkung zu erhöhen.

In Israel hat man sich an den Beschuss der ärmlichen Kleinstädte im Süden „gewöhnt“. Verbittert sagte der ehemalige Bürgermeister von Sderot, Eli Moyal: „Die Regierung und das Land werden erst aufwachen, wenn sie ins Herz getroffen werden und auch das fröhlich-unbesorgt  rund um die Uhr feiernde Tel Aviv mit Raketen eingedeckt wird.“ Stolz kündigte in der vergangenen Woche der „Islamische Dschihad“ den Israelis „Überraschungen“ an, und verwirklichte sie.

„Eine Rakete ist in Zur Bacher gelandet“, meldete ein Freund telefonisch, während ich im verspäteten Zug der Deutschen Bahn auf dem Weg zu einem weiteren Vortrag zwischen Kempten, Halle, Saarbücken und Chemnitz saß. Ich rief meine Tochter Elinor an. Sie möge von unserer Terrasse aus schauen, ob ein Haus in Zur Bacher auf dem Hügel gegenüber fehle. Später stellt sich heraus, dass eine aus Iran an die Hamas gelieferte Fajr-5 Raketen mit einer Reichweite von über 70 Kilometern südlich von Bethlehem eingeschlagen ist.

Gleichzeitig hatten auch in Tel Aviv die Sirenen geheult. Raketen schlugen ein, etwa im obersten Stockwerk eines Wohnhauses in Rischon Lezion bei Tel Aviv. Die kreischenden markerschütternden Luftschutzsirenen wirken lähmend. Man fühlt sich schrecklich hilflos, denn man weiß nie, woher Gefahr kommt und denkt: Dieses können deine letzten Lebenssekunden sein. In Sderot, in Sichtweite des Gazastreifens, ist dank einer Spende pro-israelischer Christen jede Bushaltestelle mit einem vorfabrizierten Betonbunker versehen worden. In Kindergärten können sich die Kinder bei Alarm in Abwasserröhren aus Stahlbeton verkriechen.

In westlichen Medien heißt es, Israel habe die „Gewaltspirale“ durch die gezielte Tötung des Hamas Militärchefs, Planers von zahlreichen Anschlägen und Entführers des Soldaten Gilad Schalit, Ahmad Dschabari, ausgelöst. Doch dieses Narrativ ignoriert den monatelangen Raketenbeschuss.

Seite 2: Internationalen Bemühungen um eine Feuerpause oder gar „Frieden“ erweisen sich als wenig erfolgsversprechend

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Mein Mitleid mit den Israelis

Mein Mitleid mit den Israelis hält sich in Grenzen, die derzeitige israelische Regierung ist keinen Deut besser als die Hamas, im Umbringen Unschuldiger aber weitaus effektiver. Man kann nur hoffen, dass sich mit Ägypten und der Türkei eine Gegenmacht zu den bis zur Unterwürfigkeit gehenden (speziell deutsche Politik und Medien) westlichen Staaten ergibt. Nur auf Druck dieser Gegenmacht ist der Waffenstillstand zustande gekommen, hoffentlich hält dieser Druck an, und Israel sieht irgendwann ein, dass sich nicht die Welt Israel anpassen muss, sondern Israel der Welt. Ohne Räumung der besetzten Gebiete und dem Rückbau der Siedlungen dort kann es keinen Frieden geben. Ich gehe auch davon aus, dass die Netanjahu Regierung auch kein Interesse an einem Frieden hat, das zeigt deren bisherige Politik bestens auf.

  • Antworten
gerd22.11.2012 | 12:41 Uhr

treffende beschreibung

herr sahm zu lesen, ist wirklich eine wohltat und eine angenehme abwechselung zu dem chor der deutschen medien, die in sachen israel und wehrhafte juden erstaunlich diktatorisch mit eine stimme sprechen.
es gibt keine besatzung in gaza und die araber haben, statt etwas produktives daraus zu machen, sofort nach abzug der israelis mit dem raketenbeschuss begonnen.
so motiviert man israelis nicht, für den frieden weitere risiken einzugehen.

  • Antworten
mehrdad23.11.2012 | 22:47 Uhr

Danke

Ulrich, für die aufklärenden Artikel immer wieder. Wird rumgereicht. AM ISRAEL CHAI!

  • Antworten
Mij24.11.2012 | 13:51 Uhr

Also ich weis ja nicht woher

Also ich weis ja nicht woher ihr alle euer wissen über die sitouatin hier in Israel nehmt,die Medien berichten doch sowieso nur Halbwahrheiten ,und was sich gut verkauft,ich weis es besser ,die Hamas sind Terroristen,und mit Terroristen macht man keine Kompromisse ,so ist es in der ganzen Welt so ,ich will andere Länder sehen was die machen wenn sie ständig von Terroristen angegriffen werden.

  • Antworten
Peter24.11.2012 | 16:43 Uhr

Alles hat seine Zeit

Wie lange noch will sich Israel und auch die gesamte moderne Welt eigentlich noch ansehen, wie verblendete und uneinsichtige Terroristen aus dem Gaza-Streifen ihren völkerrechtlich legitimierten Nachbarn, der diese Region und so auch sie selbst auch noch mit Energie und anderen lebensnotwendigen Gütern versorgt, ständig mit todbringenden Raketen attackiert? Wenn Israel für jede aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Rakete die Energielieferung in dieses Gebiet für jeweils nur einen Tag stoppt, hätten die Angriffe auf Israel sehr schnell eine Ende, ohne dass die Israelis auch nur einen einzigen Bombeneinsatz fahren müssten. Allein die Frauen und Mütter, die dann ihren Kindern nicht einmal ein lebensnotwendiges Breichen kochen könnten, würden ihren gewalttätigen Männern und halbstarken Söhnen derart Mores lehren, das diesen das Hören und Sehen vergehen würde. Statt Raketen zu bauen sollten die Terroristen ihre fehlgeleiteten Kräfte besser dazu einsetzen, aus dem kargen Wüstenland eine blühende Landschaft zu machen, so wie es die Israelis in den relativ wenigen Jahren seit ihrer Staatsexistenz mit eindeutig sichtbarem Erfolg ja auch mit ihrem Land gemacht haben. Wenn sie wollten, könnten das die Palästinenser auch – allerdings nur, wenn sie zur Einsicht kommen würden, dass ein normales Leben nur im friedlichen Miteinander möglich ist, niemals aber so, wie sie es jetzt praktizieren. Mit Hass und Terror werden sie auf Dauer mit Sicherheit scheitern!

  • Antworten
ajuna25.11.2012 | 02:35 Uhr

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