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Weltbühne

Neue WeltordnungDie USA sind tot, es lebe China

Von Serge Schmemann16. September 2011
picture alliance
Die Zukunfts Chinas: Zwei Mädchen feiern den Nationalfeiertag
Die Zukunfts Chinas: Zwei Mädchen feiern den Nationalfeiertag auf dem Platz des Himmlischen Friedens
Schrift:

Mit dem 20. Jahrhundert endete auch die unangefochtene Vormachtstellung der Vereinigten Staaten. Im neuen Jahrhundert wird es eine deutliche Machtverschiebung Richtung China und Indien geben. Joseph Nye, Dambisa Moyo und Kishore Mahbubani streiten über die Konturen einer neuen Weltordnung

Seite 1 von 6

Sie scheinen sich weitgehend einig, dass sich in der Welt gerade eine massive Machtverschiebung vollzieht und die USA nicht mehr der bestimmende Akteur sind. Frau Moyo, was bedeutet das für die anderen?
Wenn Ihre Frage darauf abzielt, ob es für andere Länder und Regionen besser ist, eine größere Rolle in der Weltpolitik und in wirtschaftlichen und sozialen Prozessen zu spielen, dann lautet die Antwort ganz kurz: Ja. Seit Jahrzehnten klopft jeder, der Geld für Entwicklungsprogramme benötigt, bei den USA und den europäischen Ländern an. Der Westen gibt vor, wie in den jeweiligen Ländern eine Wirtschafts- und Sozialpolitik aussehen sollte. Oft hat das funktioniert, aber in vielen Ländern – zum Beispiel in meiner Heimat, in Afrika – ist dieser Ansatz gescheitert. Demografischen Hochrechnungen zufolge werden in den nächsten 30, 40 Jahren neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, und wir sind darauf ungenügend vorbereitet. China und viele andere Ballungsräume sind Energiefresser. Wir sind dafür nicht gerüstet, und wenn wir nicht in schwere Konflikte geraten wollen, muss etwas geschehen. Der Westen wird Zugeständnisse machen müssen.

Herr Mahbubani, Sie scheinen eine Angleichung zwischen Ost und West zu begrüßen. Erleben wir gerade eine solche Angleichung?
Ich glaube, den USA geht es weiterhin gut, und die Welt hat ein Interesse daran, dass es ihnen gut geht. Doch die konkurrenzlose Vorherrschaft, die die USA und der Westen in den vergangenen 200 Jahren erlebt haben, war aus historischer Perspektive ein außerordentlich künstlicher Moment. Während 1800 der vergangenen 2000 Jahre waren die zwei größten Wirtschaftsmächte durchweg China und Indien. Und im Jahr 2050 wird die wirtschaftliche Nummer eins wieder China sein, die Nummer zwei Indien, die USA werden an dritter Stelle stehen. Das ist die normale Ordnung. Im Großen und Ganzen ist das großartig, denn erstens werden Milliarden Menschen aus der Armut befreit, und zweitens gibt es gewissermaßen eine Rückkehr zum Normalzustand. Wenn man wie China und Indien in den vergangenen zwei Jahrhunderten im Vergleich mit der restlichen Welt ständig unterdurchschnittlich abschneidet, verliert man sein Selbstvertrauen. Deshalb konnten 100000 Briten mühelos über 300 Millionen Inder herrschen. Die Renaissance der asiatischen Kultur wird die größte und prägendste Entwicklung des 21.Jahrhunderts sein, und ich glaube, die neue Weltordnung wird aufregend und besser für uns alle sein.

Joseph Nye: Es wird in diesem Jahrhundert zwei große Machtverschiebungen geben. Eine vollzieht sich von West nach Ost, da gebe ich Kishore recht. Vor der industriellen Revolution lebte mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Asien, mehr als die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung war asiatisch. Mitte des 21.Jahrhunderts wird Asien also zu „normalen Verhältnissen“ zurückkehren.

Die zweite Machtverschiebung ist anderer Art, und wir haben uns bisher noch nicht genügend mit ihr befasst. Mit der Informationsrevolution verschiebt sich die Macht von den Regierungen zu nichtstaatlichen Akteuren. Wenn ich mir diese neue Machtverteilung vorstelle, fällt mir ein dreidimensionales Schachbrett ein: Das oberste Brett steht für militärische Macht. In dieser Hinsicht sind die Amerikaner die einzige globale Supermacht, und so wird es wohl in den nächsten Jahrzehnten bleiben. Sieht man sich das zweite Schachbrett an, das für die Wirtschaftsmacht von Staaten steht, dann ist die Welt multipolar. Auf dem untersten Schachbrett – das die transnationalen Beziehungen darstellt, also alles, was sich der Kontrolle von Staaten entzieht – ist die Macht chaotisch verteilt, eher im Stil einer Machtdiffusion.

Da gäbe es die internationalen Finanzströme, die größer sind als die Budgets der meisten Staaten. Da hätten wir nicht nur Terroristen, sondern auch Cyberterroristen, die sich nicht mehr physisch über Grenzen hinweg bewegen, sondern nur ein paar Daten schicken müssen, die man nicht zurückverfolgen kann. Da gäbe es den Klimawandel. Pandemien. In all diesen Bereichen spielen Osten und Westen keine Rolle. Solange der Osten, der Westen und auch der Süden nicht zusammenarbeiten, kann man diesen Herausforderungen nicht begegnen. Man muss Soft Power, aber auch harte, militärische Macht einsetzen, um die notwendigen Netzwerke und Institutionen zu schaffen. Und wenn Sie mich fragen, welches Land in der besten Position ist, dies zu tun: Es sind weiterhin die USA. Amerika ist immer noch die mächtigste Nation, aber es handelt sich um eine andere Art von Macht.

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Totgesagt leben länger

Was soll nicht alles tot sein dieser Tage? Die FDP, der Euro und nun die USA. Und was kommt? China als kommende witrschaftliche Supermacht?
Die Chinesen bezahlen ihr Wirtschaftswachstum mit dem Raubbau an menschlichen und natürlichen Ressourcen. Dass China die größte Bevölkerung der Welt hat, kann nicht verhehlen, dass große Teile dieser Bevölkerung keinerlei Loyalität zu Peking empfinden. Die Wirtschaftszentren beschränken sich auf Chinas Ostküste. Gleichzeitig ist Chinas Wirtschaft abhängiger als jede andere. Technische und wissenschaftliche Innovationen müssen importiert werden, wenn man sie niicht ausspioniert. Das sind die Folgen einer Gesellschaft, in der nichts frei ist - weder die Kunst, noch die Politik noch die Wissenschaft.
Westliche Industrien müssen es mit sich ausmachen, Auftragsarbeiten von chinesischen Arbeitskräften durchführen zu lassen, die keinen Arbeitsschutz, keine Sozialversicherungen, keinen Urlaub und keine gewerkschaftliche Vertretung haben, sondern dem Wohlwollen der chinesischen Unternehmer (mit besten Beziehungen zur KP) abhängig sind.
Das chinesische Wachstum ist begrenzt, weil seine Ressourcen begrenzt sind.

  • Antworten
Guido Hartmann18.09.2011 | 15:09 Uhr

China ho, USA low?

Unwarscheilinch!

Die USA ist Innovationsgeber. Auch mit den ganzen gekauten Patenten.
China hat durch den Kommunismus die Arbeit optimal organisiert.
Wirtschaftlich passt das.

Wir in Europa haben dann die Ethik und die Ökologie.
Mal siehen, wie lange man sich davon das "Täglich Brot" kaufen kann.

  • Antworten
Karl Letis19.09.2011 | 13:56 Uhr

Ich wundere mich immer wieder

Ich wundere mich immer wieder über die Zuschreibungen, wenn es um China geht. Die westlichen Unternehmen zahlen Bestechungsgelder oder betreiben Outsourcing gerade weil sie verhindern wollen, dass das durchdachte chinesische Arbeitsgesetzgebung nicht angewendet wird.

Es ist nicht im Interesse eines Unternehmens, sich an Arbeitsgesetze zu halten. Ein solches Interesse entsteht erst, wenn sich die Arbeitskraft nicht reproduzieren kann. Durch die Reservearmee aus dem ländlichen Raum ist das in China niccht der Fall.

Es ist auch wirklich schwachsinnig zu glauben, dass Kommunismus in der Lage ist, die Arbeit optimal zu organisieren. Woher sollen sie diese Fähigkeit haben ? Um optimale Organisation zu erhalten brauche ich einen optimalen Allokationsmechanismus. Eine optimale Simultanplanung einer ganzen Volkswirtschaft ist nicht drin. Es ist nicht einmal möglich für ein einzelnes Unternehmen in vernünftiger Zeit die optimale Ressourcenauslastung zu finden, und man ist auf heuristische, approximative Optimierungsalgorithmen auszuweichen.

Die USA haben die besten Forschungsinstitute der Welt - und wer arbeitet da ? Die größte ausländische geistige Humankapital stellt China in den USA. Die USA verursacht sozusagen einen Brain Drain und zieht die Intelligenz aus China ab, und nutzt deren Fähigkeiten um Patente zu produzieren.

Das Bildungsystem der USA ist in Wirklichkeit sehr schwach und die Forschung ist stark abhängig von China, Russland, Indien und Europa.

  • Antworten
Immigrant20.09.2011 | 08:03 Uhr

"Arbeit optimal organisieren"

"Arbeit optimal organisieren"

Dazu gehört auch, Störfaktoren auszuschalten.

Um es mal einfach anzugehen: Die Chinesen haben keine Spartengewerschaften, welche die komplette Volkswirtschaft lahmlegen können. Mann kann sich aber auch man das Ergebnis der Mitbestimmung in den Aufsichtsräten von Großunternehmen anschauen. Tja, das war Murks.

"optimalen Allokationsmechanismus"
Na ja. Die paritätischen Parteibuch-Eierköppe in den Arbeitsämtern dienen meiner Erfahrung nach ehr der "Dellocation von Arbeitkraft". Die würden ja selber arbeitslos werden, wenn sie alle vermitteln könnten. Der freie Markt hilft auch hier.
Das Finanzielle kann auch das Finakzamt organisieren. Die Fachvermittlung würde ich den Fachverbänden überlassen. Die Datenbank im Internet kann so bleiben.

"Eine optimale Simultanplanung einer ganzen Volkswirtschaft ist nicht drin"
Das kann man auch vergessen.
Die Menthalität und der Zusammenhalt sowie das gemeinsame Engagement für die chinesische Sache zählt. Das kann man hier vergessen.

"optimale Ressourcenauslastung" vs "heuristische, approximative Verfahren": Das ist ohnehin so. Es sei denn mal spielt Sim-City oder den DDR-Reunion-Gig.Ich würde hier nich rechen. Die Prämissen eines freien Marktes werden wirken.

"Die USA haben die besten Forschungsinstitute der Welt - und wer arbeitet da ? Die größte ausländische geistige Humankapital stellt China in den USA. Die USA verursacht sozusagen einen Brain Drain und zieht die Intelligenz aus China ab, und nutzt deren Fähigkeiten um Patente zu produzieren"

Na, also. Klappt doch. Hier kommt bestimmt keiner her. Bei den Steuern, Sozialbeiträgen, Regulierungswut, Gewerkschaften, Arbeitnehmerrechten, Ringelpitz-mit ANfassen, Öko-spinnern, Anti-Irgenwas im Staatsdienst oder bei Harz4, etc

"Das Bildungsystem der USA ist in Wirklichkeit sehr schwach"
Überwiegend.
Aber: Es geht auch so. Der Markt machts. Besser so als zu versuchen jeden einzenen Migranten, der gar nicht will mit unendlich viel Mühe auszubilden und den tallentierten Rest versauern zu lassen.

  • Antworten
Karl Letis21.09.2011 | 16:37 Uhr

Europa?

Was auffällt ist, dass im Beitrag nicht ein einziges mal das Wort Europa gefallen ist.

Das sollte einem zu denken geben.

  • Antworten
AlfredVail20.09.2011 | 13:57 Uhr

na ja...

Chinas Geisterstädte und Einkaufszentren: Immobilen-Crash - Eine Frage der Zeit

http://goo.gl/PF6aI

sieht nicht gut aus!

  • Antworten
erika20.09.2011 | 14:04 Uhr

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