Seit zwei Jahren kämpft Kanzlerin Angela Merkel um den Verbleib des EU-Mitglieds Griechenland in der Euro-Zone. CSU-Finanzminister Markus Söder erklärt im Gespräch mit CICERO ONLINE, warum er nicht mehr an eine Rettung glaubt
Seit zwei Jahren schon ist Europa, ist die deutsche
Regierung damit beschäftigt, die Griechen zu retten. Herr Söder,
warum haben Sie gerade jetzt das Gefühl, dass alle Bemühungen
umsonst sind, dass Griechenland fallen wird?
Die
Realität ist der beste Glaubwürdigkeitsmaßstab. In der
Griechenland-Frage hat sich nicht wirklich viel bewegt. Immer
wieder wurden Zusagen gemacht, die dann nicht eingehalten wurden.
Versprochene Reformen wurden verschoben. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) und die Eurozone haben ihre Forderungen an die
griechische Regierung klar gemacht. Doch aus den griechischen
Parteien heißt es nur, man könne keine Zusagen darüber abgeben,
dass die Forderungen nach der Wahl auch erfüllt werden. Es kann
nicht sein, dass Europa für Griechenland dauerhaft bezahlt. Die
Eurozone ist kein zahnloser Tiger.[gallery:CICERO ONLINE
präsentiert: Die Kandidaten für die Euro-Nachfolge]
Josef Ackermann warnte auf der Münchener
Sicherheitskonferenz vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone,
wenn Griechenland pleite geht. Es liegen große Ängste in der
Luft…
Die individuellen Risiken der einzelnen Banken
können die Vorstandsvorsitzenden wohl selbst am besten bewerten.
Aber ich habe den Eindruck, dass die Märkte selbst mittlerweile nur
noch wenig Hoffnung haben, was die Rettung Griechenlands betrifft.
Umgekehrt scheint ihnen eine Insolvenz weniger Sorgen zu machen.
Vielleicht hat man sich an den Finanzmärkten schon an den Gedanken
gewöhnt, dass Griechenland es nicht schaffen könnte.
Wie soll es also konkret weitergehen?
Auch
die Finanzmärkte wünschen sich eine klare Struktur und eine klare
Entscheidung. Ihnen ist ein stabiler Euroraum wesentlich lieber als
ein Fass ohne Boden. Mit der Wiedereinführung der Drachme und einer
Abwertung hat das Land die Chance, wettbewerbsfähig zu werden und
wieder auf die Beine zu kommen.
Das ist zurzeit nicht möglich, meinen Sie?
Unter dem Spardiktat, dem sich Griechenland derzeit unterwerfen
muss, lässt sich kaum Wachstum erzielen. Das aber wäre dringend
notwenig. Hinzu kommt der Aspekt der Demokratie. Es wird zu
erheblichen Verwerfungen kommen, wenn Europa den Griechen weiterhin
ständig die ökonomischen Bedingungen diktiert. Es wäre besser, die
Griechen entscheiden allein über ihr Schicksal.
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