Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Die Diktatur der Clowns

Weltbühne

Schamloses RegierenDie Diktatur der Clowns

Von Slavoj Žižek26. Juli 2012
picture alliance
Silvio Berlusconi,Wladimir Putin,Diktatur,Despoten,Autokraten
Da haben sich zwei gefunden: Putin und Berlusconi
Schrift:

Langsam, aber sicher breitet sich das Virus des autoritären Kapitalismus über den ganzen Globus aus. Wladimir Putin und Silvio Berlusconi sind bei diesem Kulturbruch die neuen Archetypen für schamloses Regieren auf eigene Rechnung

Seite 1 von 3

Wenn es eine Person gibt, so Peter Sloterdijk, der man in 100 Jahren Denkmäler setzen wird, so ist dies Singapurs Ex-Premier Lee Kuan Yew, der Erfinder und Begründer des sogenannten „Kapitalismus mit asiatischen Werten“. Das Virus dieser autoritären Form des Kapitalismus ist dabei, sich langsam, aber sicher über den ganzen Globus auszubreiten. Bevor Deng Xiaoping mit seinen Reformen begann, besuchte er Singapur und pries das Land ausdrücklich als Vorbild, dem China folgen solle. Dieser Wandel ist von welthistorischer Bedeutung: Bislang schien der Kapitalismus untrennbar mit der Demokratie verbunden zu sein – natürlich gab es von Zeit zu Zeit Rückfälle in die direkte Diktatur, doch nach ein bis zwei Jahrzehnten setzte sich die Demokratie wieder durch (denken wir nur an die Beispiele Südkoreas oder Chiles). Heute dagegen ist diese Verbindung zwischen Demokratie und Kapitalismus unterbrochen.

Bildergalerie: Der Hochmut der Despoten

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die Demokratie zugunsten des kapitalistischen Fortschritts aufgeben sollten – wir sollten uns jedoch den Beschränkungen der parlamentarisch- repräsentativen Demokratie stellen. Walter Lippmann, die Ikone des amerikanischen Journalismus des 20. Jahrhunderts, spielte eine Schlüsselrolle für das Selbstverständnis der US‑Demokratie. Trotz seiner fortschrittlichen politischen Haltung (er setzte sich beispielsweise für eine faire Politik gegenüber der Sowjetunion ein) vertrat er eine Theorie der öffentlichen Medien, die einen beklemmenden Wahrheitseffekt hat. Er prägte den Begriff des „manufacturing consent“, der Fabrikation von Konsens, der später durch Chomsky berühmt wurde – allerdings fasste Lippmann ihn positiv auf.

In seinem Buch „Public Opinion“ aus dem Jahr 1922 („Die öffentliche Meinung“, 1964) schrieb er, dass sich eine „herrschende Klasse“ erheben und der Herausforderung stellen müsse – er sah die Öffentlichkeit wie Platon als große Bestie oder verwirrte Herde, die sich im „Chaos lokaler Meinungen“ verrennt. Folglich müsse die Herde der Bürger von einer „spezialisierten Klasse“ regiert werden, „deren Interessen über die Örtlichkeit hinausreichen“ – diese elitäre Klasse solle als Wissensmaschinerie fungieren und so den Hauptmangel der Demokratie umgehen: das unmögliche Ideal des „omnikompetenten Bürgers“. Das ist die Art und Weise, wie unsere Demokratien funktionieren – mit unserer Zustimmung. An Lippmanns Äußerungen ist nichts Mysteriöses, sie verweisen auf offenkundige Tatsachen; das Mysteriöse ist, dass wir darum wissen und das Spiel dennoch mitspielen. Wir tun so, „als ob“ wir frei wären und uns frei entscheiden könnten und akzeptieren dabei nicht nur stillschweigend, sondern „fordern“ regelrecht, dass ein (in die Form unserer freien Rede eingeschriebenes) unsichtbares Gesetz uns diktiert, was wir tun und denken sollen. Wie Marx bereits vor langer Zeit erkannte, liegt das Geheimnis in der Form selbst.

In diesem Sinne ist in einer Demokratie jeder normale Bürger ein König – aber ein König in einer konstitutionellen Demokratie: ein König, der nur formell entscheidet und dessen Funktion darin besteht, Verordnungen zu unterzeichnen, die ihm von der ausführenden Verwaltung vorgelegt werden. Das Problem demokratischer Rituale gleicht daher dem großen Problem der konstitutionellen Monarchie: Wie lässt sich die Würde des Königs wahren? Wie kann man den Anschein aufrechterhalten, dass der König tatsächlich entscheidet, obwohl jeder weiß, dass es nicht so ist? Was wir die „Krise der Demokratie“ nennen, entsteht folglich nicht, wenn die Leute aufhören, an ihre eigene Macht zu glauben, sondern, im Gegenteil, wenn sie den Eliten nicht mehr vertrauen, die sich an ihrer Stelle auskennen und die Marschrichtung vorgeben sollen, wenn bei den Leuten die Angst aufkommt, dass „der (wahre) Thron leer ist“ und die Entscheidung nun „wirklich“ bei ihnen liegt. „Freie Wahlen“ beinhalten demnach also immer einen minimalen Aspekt von Höflichkeit: Die Machthabenden tun höflich so, als hätten sie nicht wirklich die Macht, und bitten uns, frei zu entscheiden, ob wir sie ihnen geben wollen.

  • 1
  • 2
  • 3
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
3 Kommentare

Weiterführende Links

Jugendstudie Hitler war doch Demokrat, oder?

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Schweizer Exzesse
Warum man die Marktradikalen zum Teufel jagen muss
von
01.05.2013
Liebe Diktatoren:
So nageln Sie Ihren Interviewer an die Wand
von
11.04.2013
G+J-Chefin Julia Jäkel
Zwischen Journalismus und PR
von
10.04.2013
Agenda 2010
Die verleugnete Erfolgsgeschichte der SPD
von
11.03.2013
Ware Frau
Prostitution abschaffen!
von
08.03.2013

zum Dossier Comeback der Autokraten?
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Juli 2012
 des Magazins Cicero – Hier bestellen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Jugendstudie Hitler war doch Demokrat, oder?

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Schweizer Exzesse
Warum man die Marktradikalen zum Teufel jagen muss
von
01.05.2013
Liebe Diktatoren:
So nageln Sie Ihren Interviewer an die Wand
von
11.04.2013
G+J-Chefin Julia Jäkel
Zwischen Journalismus und PR
von
10.04.2013
Agenda 2010
Die verleugnete Erfolgsgeschichte der SPD
von
11.03.2013
Ware Frau
Prostitution abschaffen!
von
08.03.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Schön provokant

Ich habs gern gelesen, obwohl der Autor ganz offensichtlich provozieren und polarisieren will. Und dabei allzu leichtfertig übersieht, dass sich eine Menge Leute "hier unten" sehr kreative und ernsthafte Gedanken darüber machen, wie Demokratie besser und tatsächlich gelingen kann. Sie fällt nicht vom Himmel - eine offenbar überraschende Erkenntnis.

Wir versuchen leidenschaftlich, aus gutem Glauben und vollem Herzen dagegen anzukämpfen, dass uns die korrupten Mächtigen immer weiter verarschen (wie wir gestern wieder mit dem Wahlgesetz und der Ohrfeige für die Konservativen, die Korruption dezent auf eine Spitze treiben)!

  • Antworten
Mark Henckel26.07.2012 | 11:46 Uhr

Na ja

Die autoritären Regierungen waren eigentlich immer nur dann erfolgreich, wenn es galt aus einem armen Land ein mittelreiches Land zu machen. Singapur ist da eine Ausnahme, aber ob der Nachfolger von Lee Kuan Yew die gleiche Autorität hat, bezweifle ich. Taiwan und Südkorea zeigen eigentlich, dass das nicht zu erwarten ist. Auch in Japan hat das MITI an Einfluß verloren. Ich denke, dass das so auch sein muß, da wohlhabende Staaten so komplex sind, dass keine Bürokratie sie steuern kann.

  • Antworten
Robert26.07.2012 | 13:46 Uhr

Polit-Clowns

Wenn es um Polit-Clowns geht, so können Sie gleich die SPD-Führungstroika abbilden....... Wenn es nicht so traurig wäre: Vor bald 100 Jahre - am Tag des Einmarsches der kaiserlichen Truppen in Belgien und weniger als 2 Jahre nach der SI-Friedenskonferenz in Basel (!!!) - stimmte die SPD-Reichstagsfraktion den Kriegskrediten zu!!! Hat sich die SPD je dafür entschuldigt? Was wäre aus Deutschland und Europa geworden, hätte sich die SPD damals für den Frieden entschieden? Dann wären die City of London und die Wall Street ganz böse geworden.

  • Antworten
Ernst Laub26.07.2012 | 19:35 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

Erste Figuren, letzte Ideen – die Karikaturen der Woche

zur Bildergalerie
Anzeige

Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Christian Jakubetz - unhipster
Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
15%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
85%
Gesamtstimmen: 752
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang