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 > Die blockierte Nation

Weltbühne

USA im WahlkampfDie blockierte Nation

Von Josef Braml8. September 2012
picture alliance
Flagge,Bagger,USA
Symbolträchtig zerfleddert: Eine US-Flagge in einem Tornado-Gebiet
Schrift:

Die US-Politik ist kaum in der Lage, zumindest die akuten Probleme des Landes zu lösen. Die wirtschaftliche Schwäche vertieft stattdessen die ideologischen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern. Das untergräbt die Legitimation des Regierungssystems insgesamt.

Seite 1 von 3

Der amtierende US-Präsident Barack Obama hat vor vier Jahren einen Politikwechsel versprochen. Wer heute von Obama enttäuscht ist, versteht nicht, wie groß die Probleme waren, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Und er hat auch keine Vorstellung davon, wie das politische System in den USA funktioniert bzw. nicht mehr funktioniert. Man muss diese beiden Aspekte berücksichtigen, um auch die Entwicklung in den USA nach den Wahlen einschätzen zu können.

Zum einen haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten in den USA massive soziale und wirtschaftliche Probleme zusammengebraut, die mit der Wirtschafts- und Finanzkrise offensichtlich wurden: Verrottende Infrastruktur, mangelhafte Ausbildung, sinkende Realeinkommen, hohe Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und Armut, steigende Energiepreise, schwindende Kaufkraft, industrieller Verfall, fast unbezwingbare Schuldenberge – um nur einige zu nennen. Angesichts der langen Leporelloliste von Sünden vergangener Jahrzehnte wird es auch längere Zeit erfordern, um Abhilfe zu schaffen.

Zum anderen jedoch ist wegen dieser grundlegenden Probleme die Handlungsfähigkeit der Politik massiv eingeschränkt. Was viele nicht auf dem (Fernseh-)Schirm haben, die sich nur auf das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Präsidentschaftskandidaten fokussieren: Mindestens genauso wichtig wie das Rennen um das Weiße Haus sind die Kongresswahlen. 435 Repräsentanten des Abgeordnetenhauses und ein Drittel des 100-köpfigen Senats stehen alle zwei Jahre, also am 6. November ebenso zur Wiederwahl an. Es ist wahrscheinlich, dass mit den Wahlen 2012 einmal mehr eine Regierungskonstellation des „divided government“ gegeben sein wird, das heißt, dass die Partei, die den Amtsinhaber im Weißen Haus stellt, nicht über Mehrheiten im Kongress, der „anderen politischen Gewalt“, verfügt. Mindestens eine Kammer der Legislative, entweder der Senat oder das Abgeordnetenhaus, wird auch nach den Wahlen die Initiativen des Amtsinhabers im Oval Office blockieren.

In der derzeitigen Machtkonstellation sind Präsident und Kongress kaum in der Lage, wenigstens die akuten Probleme zu lösen. Im Gegenteil: Die wirtschaftliche Schwäche vertieft die ideologischen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern. Das verstärkt die Dysfunktionalität und untergräbt die Legitimation des Regierungssystems.

Seite 2: Keinerlei Kompromisse

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dann hätte das ganze ja doch was äußerst positives!

  • Antworten
curiosus_08.09.2012 | 11:53 Uhr

Schauen wir mal auf die Fakten

Lieber Herr Braml,
eine Vielzahl der von Ihnen genannten Probleme gibt es doch gar nicht wie von Ihnen behauptet seit drei Jahrzehnten (also seit 1982), sondern erst seit einigen Jahren wie bspw. die hohe US-Arbeitslosigkeit (erst seit 2008), steigende Energiepreise (seit 2003), sinkende Realeinkommen (seit 1999),... .

Und so blockiert wie von Ihnen behauptet ist die Nation USA nun auch wieder nicht. Während der ersten zwei Jahre seiner Regierungszeit hat Barack Obama über eine satte Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus verfügt – und so regiert wie er es immer wollte. Leider war die Mehrheit seiner Entscheidungen nicht dazu geeignet die US-Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen, sondern im Gegenteil – die Entscheidungen haben zum schwächsten Aufschwung seit der Depression geführt. Davon hatten die US Wähler verständlicherweise genug und haben bei den Wahlen 2010 für einen Patt im Kongress gesorgt.

Ferner schreiben Sie „Das Anwerfen der Notenpresse erhöht den Druck auf den Dollar und führt mittel bis langfristig zu Inflation.“ Diesen Zusammenhang haben wir zwar alle in der Uni brav gelernt, er existiert aber auch nicht mehr. Wie kann es sonst sein, dass sich die japanische Geldmenge in den letzten 20 Jahren fast verdreifacht hat, Japan aber im gleichen Zeitraum fast Deflation verzeichnete?

Denselben Effekt erleben wir seit einigen Jahren nun auch in Europa und den USA. Die Geldmenge wird um 100%+ erhöht, die Preise verdoppeln sich aber nicht. Und warum? Weil kein Unternehmer Preiserhöhungsspielraum hat – ganz einfach.
Die Zeiten ändern sich, einmal gelerntes ist leider nicht konstant (leider oder Gott sein Dank).
Viele Grüße
Stefan

  • Antworten
Stefan11.09.2012 | 00:10 Uhr

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