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 > Deutschlands peinliche Revolutionshelden

Weltbühne
Libyen

Deutschlands peinliche Revolutionshelden

von 
Hauke Friederichs
23. August 2011
picture alliance
libyen, tripolis, Gaddafi, Bundeswehr, Vereinte Nationen, Afghanistan
Deutsche Elitesoldaten: Heute in Afghanistan, morgen in Libyen?

Die Bundesregierung wollte keine Bomber nach Libyen schicken – und behinderte damit den Krieg der Nato-Verbündeten gegen Gaddafis Truppen. Kaum ist Gaddafi gestürzt, bietet Berlin nun Bundeswehrsoldaten für einen Bodeneinsatz an, den niemand plant.

Seite 1 von 2

In Tripolis ratterten noch die Maschinengewehre und die Granaten schlugen in Häusern ein, da meldete sich bereits im fernen Berlin der deutsche Außenminister zu Wort. Guido Westerwelle forderte Muammar al-Gaddafi auf, sich zu ergeben. Dann verlangte der FDP-Politiker, Libyens langjähriger Machthaber müsse vor ein internationales und faires Gericht gestellt werden. Schließlich bot er dem libyschen Volk Hilfe für den Wiederaufbau an und schloss einen Einsatz von deutschen Soldaten dabei nicht aus.

Noch vor wenigen Wochen hatte Westerwelle ein militärisches Vorgehen Deutschlands gegen Gaddafi rigoros abgelehnt. Doch jetzt, wo die Schlacht geschlagen scheint, stehen Deutschlands Revolutionshelden an der Seite des siegreichen libyschen Volkes. Kurz vor dem nahenden Sieg der Rebellenallianz wollen sie offenbar noch Einfluss auf die künftigen Machthaber gewinnen und lassen nichts unversucht, um sich im letzten Moment noch anzubiedern.

Doch der deutsche Eifer kommt nicht nur zu spät – er zeigt zudem, dass Deutschlands Außenpolitik in der Welt nicht mehr berechenbar ist. Die Rebellen fragten sich schon bei Westerwelles unrühmlichem Blitz-Besuch im Juli in Bengasi, was der Kriegsgegner aus Deutschland denn bloß bei ihnen wolle. Vor allem eines stellten sie zugleich klar: Die libyschen Bodenschätze würden sie künftig an Frankreich oder die USA verkaufen.

Anders als Westerwelle oder Merkel erfreut sich Frankreichs Präsident, Nicolas Sarkozy, bei den Aufständischen großer Beliebtheit. Zu Beginn des Aufstandes  hatte er die Rebellen in einem Alleingang anerkannt, sich für einen Militärschlag gegen Gaddafi stark gemacht und dessen Gegnern Waffen geliefert. Die Kämpfer wissen, ohne die militärischen Unterstützung durch die Koalition der Willigen hätten Gaddafis Söldnertruppen Bengasi eingeäschert und damit auch den Protest gegen den dienstältesten Diktator der Welt.

Deutschlands Ruf hingegen ist im Osten Libyens – dort, wo die Rebellion begann – nicht der beste. Mehrfach etwa forderten Vertreter der Rebellen Berlin auf, endlich das eingefrorene Vermögen des Gaddafis-Clans freizugeben und Flugzeuge des Machthabers, die in Deutschland beschlagnahmt wurden, den Rebellen zu übergeben. Bislang vergeblich. Nun solle das Geld bald fließen, versprach Außenminister Westerwelle.

Deutschland, das mittlerweile in Bengasi eine diplomatische Vertretung aufgebaut hat, sicherte dem Rebellenrat zudem bereits vor Wochen zu, Bundespolizisten zu schicken – allerdings nur dann, wenn die Sicherheitslage dies erlaube. Wann die Lage sicher genug für eine Polizeimission in Libyen sein werde, konnte und wollte kürzlich in der Bundespressekonferenz in Berlin weder der Sprecher des Auswärtigen Amtes, noch der Vertreter des Bundesinnenministeriums näher erläutern. Stattdessen wurden nur Spezialkräfte der Anti-Terror-Einheit GSG9 entsandt, um die eigenen Diplomaten zu bewachen.

Lesen Sie weiter, wie Deutschland seinen internationalen Ruf ruinierte.

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Der Kompass des Artikels

ist auch abhanden gekommen. Was denn nun? Die Deutschen sollten sich lieber nicht engagieren in Libyen. Aber der (konsequente) Abzug deutscher Truppen aus AWACS-Maschinen war auch falsch? Deutschland wollte keinen Krieg führen. Was ist daran nicht zu verstehen? Wo ist das Problem? Ich wollte keinen Krieg führen. Sie?

  • Antworten
Benjamin23.08.2011 | 16:19 Uhr

Deutsche Außenpolitik

Politik war immer schon die Kunst des Möglichen. Mit einem Koalitionspartner FDP, einem Außenminister Westerwelle und weiteren drei kaum dem Jugendalter entwachsenen Politikschülern wird auch eine so hoch kompetente Kanzlerin wie Frau Merkel dieser erhofften Kunst nicht entsprechen können. Der Verlust der FDP mag politisch sicher zu verkraften sein, der Ansehensverlust deutscher Innen-und Außenpolitik, durch die FDP zu verantworten, schadet unserem Land.

  • Antworten
Franz Spichtinger23.08.2011 | 17:51 Uhr

Ach Gottchen...

...ich kann's nicht mehr hören: "Deutschland ruiniert seinen Ruf", "Deutschland macht sich auf großer Bühne lächerlich", "Deutschlands peinliche Alleingänge" usw.

Gehen Sie, lieber Verfasser des Artikels, doch bitte einmal in New York, Paris oder London auf die Straße. Deutschlands Politik hatte, soweit ich das mit meinen bescheidenen 39 Lenzen behaupten kann, wahrscheinlich noch nie einen besseren Ruf. Selbst Abwarten wird uns als Tugend und taktische Klugheit ausgelegt - natürlich nicht in der Heimat, aber dort scheinen die Uhren offenbar ohnehin anders zu gehen.

Es gibt in puncto Diskrepanz zwischen Eigenbetrachtung und objektive Sicht von außen tatsächlich kein skurrileres Fleckchen Erde als Deutschland. Die Welt ändert sich rasant, aber das ändert sich augenscheinlich nie. Na ja, wenigstens eine Konstante, auf die man sich verlassen kann. Na denn, Mast - und Schotbruch.

  • Antworten
Christian24.08.2011 | 00:46 Uhr

Lybien

Deutschland hat eng mit Gaddafi zusammengearbeitet und wollte keinen Regimewechsel. Und auch keinen Krieg. Die sogenannten "Kolonialmächte" wollten diese Position zerstören und über das lybische Öl verfügen können.

  • Antworten
Bernhard Weiß24.08.2011 | 01:33 Uhr

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