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 > Deutsche Panzer für die arabische Welt

Weltbühne

KonfliktregionenDeutsche Panzer für die arabische Welt

Von Michael Naumann4. Juli 2011
picture alliance
Deutsche Panzer nach Saudi-Arabien?
Deutsche Panzer nach Saudi-Arabien?
Schrift:

Deutschland will 200 Leopard-Panzer an die königliche Diktatur Saudi-Arabien verkaufen. Bislang galt die Regel, dass die Bundesregierung keine Waffenlieferungen in Konflikt-Regionen erlaube. Und der Nahe Osten ist mehr als eine abstrakte Konflikt-Region.

Seite 1 von 2

Die Bundesregierung hat den Verkauf von 200 neuen Leopard-Panzern an die königliche Diktatur Saudi-Arabien genehmigt. Bislang galt die Regel, dass Deutschland keine Waffenlieferungen in Konflikt-Regionen liefere. Der Nahe Osten ist mehr als eine abstrakte Konflikt-Region. Seit einem halben Jahrhundert haben gewaltige Kriege mit Millionen Opfern,  territoriale Grenzstreitigkeiten, Aufstände, Mordanschläge und terroristische Bewegungen das politische Tableau der arabischen Welt charakterisiert. Saudische Geldlieferungen finanzierten militante islamische Bewegungen – von den Taliban bis zu den Tschetschenen. 

Saudi-Arabien hat militärisch im Jemen und jüngst in Bahrain interveniert – stets im eigenen Interesse: Es galt, das mittelalterliche, monarchische Herrschaftssystem auch an der Peripherie zu stabilisieren. Dass das Königreich militärisch gefährdet ist durch seine Nachbarn, ist unwahrscheinlich. Gegen iranische Atomwaffenpläne helfen keine Panzer. Sehr wohl aber sind sie, wie Syriens Diktator Asssad gerade beweist, nützlich, um Aufstände niederzuwalzen. Dass auf der reichen Halbinsel Saudi-Arabiens ein Massenaufstand droht, wird niemand behaupten können. Hier geht es in erster Linie um die Emanzipation der maßlos unterdrückten Frauen – und die Beherrschung der Millionen Gastarbeiter aus Pakistan und Indien, die jederzeit des Landes verwiesen werden können. Demokratische Revolutionspotentiale werden im täglichen Geldsegen der Petrodollars ruhig gestellt.

Bleibt als möglicher Gegner Israel. Dass der allein herrschende Prinzen-Clan in Riyadh in der Vergangenheit eine mäßigende Rolle unter Israels feindseligen Nachbarn gespielt hat, steht ebenso fest wie die Tatsache, dass Israel im fundamentalistischen Religions-Establishment des Landes, den Wahabiten, keine Existenzberechtigung zugebilligt wird. Wie stabil die Machtverhältnisse innerhalb der saudischen Königsfamilien sind, bleibt jedoch so rätselhaft wie die Entscheidung der Merkel-Regierung, ihre Armee mit modernsten Waffen auszurüsten. Was der nächste König in Riyadh über Israel denkt, weiß niemand.

Der unvorhergesehene Umsturz in Ägypten hat nicht nur eine freiheitsliebende Jugend vorgeführt, sondern zugleich deutlich gemacht, dass unter der Masse der jungen Demonstranten Sadats und Mubaraks Arrangement mit Israel keineswegs die Zustimmung gefunden hat. Im Gegenteil.

Sollte die Machtposition der saudischen Regierung irgendwann gefährdet sein, werden sich die wohlgenährten Herrscher jenes ideologischen Kitts erinnern, mit dem ein Saddam Hussein seinen muslimischen Staat jahrzehntelang zusammen hielt: Ein ungebrochener israel-feindlicher Antisemitismus, den auch Syriens Herrscher seit Jahren im Libanon mitsamt der Hisbollah am Leben hält – Teheran zahlt. Irakische und syrische Juden wurden vor Jahrzehnten bereits vertrieben. Dass Teheran, Bagdad und Damaskus einmal große Metropolen jüdischen Lebens waren, ist längst vergessen.  

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Na dann wissen wir doch

Na dann wissen wir doch wenigstens, von wem die Panzer kommen, die in absehbarer Zeit vermutlich entweder gegen das eigene Volk oder gegen Israel eingesetzt werden. *Ironie off*
Da schämt man sich, Deutscher zu sein bei dieser Regierung.

  • Antworten
AnkeR.04.07.2011 | 22:25 Uhr

"Geld stinkt nicht"

"Bodenlose Scheinheiligkeit", diese Formulierung trifft den Kern. Einmal mehr folgt die deutsche Bundesregierung den Wünschen des Militärisch-industriellen Komplexes.
Der deutschen Munitions-, Waffen- und Rüstungsindustrie geht es einzig um fette Aufträge, Moral ist den Wirtschaftsbossen dieser Industriezweige kein Gedanke wert, ja vermutlich eher lästig.
Hier zeigt sich also exemplarisch die Abhängigkeit der Regierenden von denjenigen, die mit Geld alles finanzieren können und folglich auch die "Parteienfinanzierung" machtvoll unterstützen.
Die regierenden Parteien üben sich in "bodenloser Scheinheiligkeit", ansonsten würden sie ihre Abhängigkeit längst öffentlich eingestehen und eine Änderung des Parteiengesetzes betreiben, damit Spendengelder von Konzernen und Wirtschaftsverbänden nicht weiterhin in die Parteikassen fließen dürfen, um politische Entscheidungen ganz gezielt zu beeinflussen.

  • Antworten
Yvonne Walden05.07.2011 | 10:55 Uhr

Warum nicht?

Wie wäre es denn mal mit ein wenig Realismus. Im Herbst hat Obama mit den Saudis einen Waffendeal über 60 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Jetzt gibt es ein Afheulen in Deutschland wegen schlappen 1,4 Milliarden. Machen wir uns doch nichts vor, selbst der Krieg in Lybien das ca. 2% der weltweiten Ölförderung lieferte hat die Benzinpreise gesteigert. Ws passiert wohl, wenn Saudi-Arabien ausfällt, das mehr als 17% der weltweiten Ölförderung liefert und über ca. 22% aller bekannten Ölvorkommen verfügt. Es ist doch pure Heuchelei, so zu tun, das dem Westen die Freiheit von ein paar Millionen Menschen wichtiger sei, als eine (echte) Weltwirtschaftskrise, mit all ihren Folgen auch für den Weltfrieden. Solange wir auf Rohstofflieferungen aus Diktaturen angewiesen sind, ist keine moralisch haltbare Position möglich, da der Preis für diese Position, massenarbeitslosigkeit, soziale Konflikte Hunger und Krieg in vielen Teilen der Welt, ebenfalls amoralisch ist. Ein ethisches Dilemma aus dem uns nur die Technologie einen Ausweg eröffnen kann.

  • Antworten
Christop Kuhlmann05.07.2011 | 15:44 Uhr

Ìsrael

Soweit ich weiß unterstützt Israel diesen Deal, in diesem Aspekt ist der Artikel also ein klein bisschen am Ziel vorbei geschossen.

  • Antworten
gag10110.07.2011 | 14:40 Uhr

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