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Weltbühne

Mehr Patriotismus wagenDer Klebstoff unserer Gesellschaft

Von Christoph von Marschall13. Juli 2012
picture alliance
Fahne,USA,Stars,Stripes,Patriotismus,Amerika
Schwenkt die Fahnen! Was wir Deutschen von den USA in puncto Patriotismus lernen können
Schrift:

Am 4. Juli feierten die Amerikaner wie jedes Jahr bekanntlich höchst patriotisch ihre Unabhängigkeit. Wir Deutschen sollten uns ein Beispiel nehmen, denn auch hierzulande können wir mehr Patriotismus wagen – er ist nämlich der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält

Seite 1 von 2

In Cincinnati, Ohio, im Herzen des alten Industriegürtels der USA, fiel der Nationalfeiertag der USA in diesem Jahr mit der Eröffnung der World Choir Games zusammen – mit der Chor-Olympiade.

Am Independence Day, dem 4. Juli, feiern die Amerikaner bekanntlich höchst patriotisch die Unabhängigkeitserklärung von 1776, die zur Gründung der USA führte. Die Chor-Olympiade blickt derweil über die amerikanischen Landesgrenzen hinaus: Nationale Gegensätze sollen hier durch den gemeinsamen Gesang überwunden werden. 362 Chöre aus 64 Nationen aller fünf Kontinente wetteiferten elf Tage lang um die Medaillen. Davon allein 70 aus China, dem Weltmacht-Rivalen in spe, Ensembles aus Iran und Israel – insgesamt 15.000 Teilnehmer, alle friedlich versammelt.

Die Stadt ist an diesem Tag vor allem mit US-Fahnen geschmückt, zumeist in moderater Größe, einige „Stars & Stripes“ auch im XXL-Format. Natürlich wird im Eishockey-Stadion bei der Eröffnungsfeier die amerikanische Hymne gesungen. Alle stehen auf. Die Amerikaner legen mit andächtigem Blick die Hand aufs Herz und singen ergriffen mit. Wie selbstverständlich schließen die lokalen Politikgrößen in ihre patriotischen Wort den „Dank an Gott“ ein, „dass wir in der großartigsten Nation der Erde leben dürfen“.

Vielen anwesenden Deutschen geht das ein bisschen zu weit. Für sie sieht es so aus, als dienten die ausländischen Gäste nur als Kulisse für die amerikanische Selbstbeweihräucherung. Und was soll das überhaupt heißen: „Großartigste Nation der Erde“? Geht’s nicht eine Nummer kleiner? Von Chinesen, Kroaten, Russen und Türken hört man weniger Kritisches. Es scheint, als seien sie Vergleichbares von Zuhause gewohnt. Oder als schauten sie sich ab, was sie von den Amis in puncto Patriotismus lernen können.

Drei Tage später, bei den ersten Siegerehrungen im Chor-Wettbewerb, haben dann schließlich auch Chinesen, Kroaten, Russen und Türken ihre XXL-Flaggen dabei und schwenken sie begeistert, als ihre Sänger aufs Siegertreppchen steigen. Auch sie singen inbrünstig ihre Hymnen mit kraftvoller Freude, mehr mitreißend als auftrumpfend.

Vergleichend fällt auf, dass andere Nationen in Cincinnati zurückhaltender mit ihren nationalen Insignien umgehen: Schweizer beispielsweise, die Niederländer, die Neuseeländer – und die Deutschen. Und noch eines wird deutlich: Die Amerikaner kommen offenbar gut damit zurecht, dass sie zur Halbzeit des Sängerwettstreits noch keinen olympischen Champion hervorgebracht haben. Von Missgunst keine Spur. Klar, auch sie wollen einen ihrer Chöre ganz oben sehen. Aber dennoch feiern sie die Sieger in der Kategorie „Folklore“ aus Venezuela begeistert, obwohl der dortige Staatschef Hugo Chavez sich gerne betont USA-kritisch gibt. Neidlos geben sie den chinesischen Chören standing ovations. Und niemand rümpft die Nase, als die Chinesen ihrem Nationalstolz noch eine Spur bedenkenloser Ausdruck verleihen, als die US-Bürger am 4. Juli.

Was also ist Patriotismus? Wie drückt man ihn aus? Und wo sollte er seine Grenzen finden, weil er sonst in unangenehmen Nationalismus oder gar Chauvinismus übergeht?

Offensichtlich spielen unterschiedliche nationale Temperamente und Traditionen eine Rolle. Die Völker haben verschiedene Bedürfnisse und unterschiedliche Empfindungen, was als „normal“ gilt und was möglicherweise auch zu weit geht. Dass viele Deutsche – anders als noch vor 20 Jahren – inzwischen wieder die Nationalhymne mitsingen, dass sie bei sportlichen Großveranstaltungen à la Fußball-Welt- und Europameisterschaft Fahnen schwenken oder den eigenen Körper mit schwarz-rot-goldenem Fanutensil schmücken, quittieren die meisten Amerikaner mit Erleichterung.

Seite 2: Die Distanz der Deutschen zu den nationalen Symbolen nach dem 2. Weltkrieg wirkte beunruhigend

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Der große Unterschied

Der große Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Patriotismus ist das Selbstverständniss der Länder.

Amerika versteht sich als ein großer Topf in dem millionen unterschiedliche Menschen vermischt sind. Der Stolz darauf, kann sich nur schwer gegen andere Völker oder Nationen richten, da diese ja auch in den Topf gehören.

Deutschland versteht sich aber als das Land in dem die Deutschen wohnen. Die Anderen sind hier bestenfalls willkommene "Besucher".

Daher kann ein deutscher Patriotismus leichter in Chauvinismus übergehen als der amerikanische.

  • Antworten
Marque13.07.2012 | 18:13 Uhr

Dass Patriotismus eine quasi

Dass Patriotismus eine quasi biologische Notwendigkeit ist wie etwa der Bedarf nach Nahrung glaube ich nicht. Gesellschaften können auch funktionieren, wenn sie nicht Symbole und historische Ereignise zelebrieren, die eine diffuse Form von Zusammengehörigkeitsgefühlen auslösen sollen. Patriotismus ist auch nicht so klar abgrenzbar von Nationalismus, als dass nicht etwa durch eine Überhöhung der eigenen Bedeutung oder der eigenen Rolle im Verlauf historischer Ereignisse implizit oder explizit eine Herabsetzung Anderer stattfindet. Dazu gab es ja erst vor Kurzem entsprechende Forschungen mit Fußballfans.

Worauf es in einer globalisierten Welt mit grenzenüberschreitenden Aufgaben und Problemen eher ankommt wäre eine ebenso grenzenüberschreitende Solidarität mit anderen Menschen, egal woher sie kommen. Und dazu kommt für mich noch ein praktischer Aspekt: Was kann ich denn dafür, dass ich innerhalb der Grenzen des eines politischen Gebildes geboren bin? Dafür folgt doch nicht, dass ich klüger, schöner, besser, schlechter, hässlicher oder dümmer bin als andere Menschen. Auf den Ablauf von Ereignissen oder Leistungen anderer Personen hat man selbst doch gar keinen Einfluss. Warum darauf stolz sein? Auf Errungenschaften der Demokratie? Die müssten doch selbstverständlich sein, schlimm genug, dass sie es nicht sind! Die Zeit, die man mit Stolzsein verschwendet, sollte man lieber darauf verwenden, die Welt ein Stück besser zu machen.

  • Antworten
Ayetho14.07.2012 | 00:08 Uhr

Das deutsche Überlegenheitsgefühl

basiert nicht zuletzt auf der kritischen Distanz zu sich selbst. Insofern muss man natürlich darauf verzichten, sich naserümpfend über den billigen Chauvinismus anderer erhaben zu fühlen, wenn man selber Fähnchen schwenkt. Der Mangel an deutschem Patriotismus ist im Grunde ein ganz perfider Snobismus, dem auch mit Kampagnen von RTL und Bild nach dem Motto "Du bist Deutschland" auf Dauer nicht beizukommen sein wird, wenn die Nationalmannschaft bei der nächsten WM wieder nur Dritter wird.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann17.07.2012 | 21:21 Uhr

gut getroffen

auch ich beobachte die Arroganz der Anti-patrioten gegenüber jenen "Proletariern", die noch niedere Gefühle zeigen ... sie widersprechen sich damit, denn ihre größten Gegener müssen dann Zuwanderer sein, die ihren Patriotismus nicht hinterfragen - wie zb meine Landsleute

  • Antworten
alina02.09.2012 | 16:27 Uhr

Es fehlt das Zusammengehoerigkeits Gefuehl in D

weil es von Oben her gezielt abgeschafft wurde. Es war und bleibt verpoent sich als deutscher Patriot zu bekennen.Wir haben Politiker die ganz offen davon sprechen das dt.Volks muss ausgeduennt und ausgetauscht werden.Selbst in der Schule wurde bewusst gegen Patriotismus gesteuert.
Wir haben eine Fussball National Mannschaft von denen nur wenige die dt.National Hymne mitsingen weil sie wahrscheinlich garnicht genug
deutsch sprechen oder andere Loyalitaeten haben...Es ist laecherlich
In USA ist das anders.Dort ist jeder Amerikaner...schon den Kitas wird
Patriotismus gezeigt....und zwar feiert nicht jeder den 4.Juli aber ich sehe auch niemanden der freiwillig am Nationalfeiertag arbeiten geht weil er den Tag ablehnt.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant21.07.2012 | 16:09 Uhr

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