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 > Das Euro-Endspiel hat begonnen

Weltbühne

Spanien am Abgrund Das Euro-Endspiel hat begonnen

Von Eric Bonse6. Juni 2012
Picture Alliance
Nach Griechenland, Irland und Portugal fällt jetzt auch Spanien
In der Eurokrise fallen die Staaten wie Dominosteine
Schrift:

Merkels Strategie gegen die Eurokrise ist krachend gescheitert: Spanien steht am Abgrund und kann sich nicht mehr über die Kapitalmärkte finanzieren. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist zwar noch längst nicht pleite, doch die Anleger spielen nicht mehr mit. Das lange gefürchtete Endspiel der Eurokrise hat begonnen

Seite 1 von 2

In der Eurokrise fallen die Staaten wie Dominosteine. Nach Griechenland, Irland und Portugal ist nun offenbar Spanien an der Reihe: Das Land kann sich nicht mehr über die Kapitalmärkte finanzieren, wie Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag gestand. Es war ein dramatischer Offenbarungseid, der den Anfang vom Ende des Euro bedeuten könnte.

Zuvor waren die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen in die Nähe der „Todeszone“ von sieben Prozent geklettert. Damit wurde es für Madrid endgültig zu teuer, sich an den Märkten Geld zu beschaffen. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist zwar noch längst nicht pleite, Spanien ist nicht Griechenland, doch die Anleger spielen nicht mehr mit. 

Damit verfliegt die Illusion, Europa habe die Lage im Griff. Und es wird offensichtlich, dass die deutsche Strategie zur Eindämmung der Krise auf ganzer Linie gescheitert ist. Strenge Disziplin für die Staaten und freies Spiel für die Märkte hieß das Rezept aus dem Kanzleramt. Durch Druck von innen und außen, so die Theorie, werde sich die Lage nach und nach verbessern.

Der neue Fiskalpakt, so verkündete Kanzlerin Angela Merkel noch im März, werde den Euroländern ein paar Monate Luft verschaffen. Mit Schuldenbremsen nach deutschem Muster und tief greifenden Strukturreformen könnten sich die überschuldeten Staaten wieder fit für die Märkte machen. Der Fiskalpakt sei ein „Meilenstein“, fügte sie stolz hinzu.

[gallery:Griechenland unter: Karikaturen aus zwei Jahren Eurokrise]

Doch Merkels Strategie griff schon damals zu kurz. Wo immer ihre Therapie umgesetzt wurde, verschärfte sich die Krise. Irland und Portugal geht es heute, zwei Jahre nach der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm, nicht besser als vorher, im Gegenteil: wahrscheinlich brauchen beide Länder neue Hilfspakete. Und in Griechenland droht der völlige Absturz.

In der jüngeren Wirtschaftsgeschichte ist es noch keinem Land gelungen, sich durch Kürzen und Schrumpfen seiner Schulden zu entledigen. Ohne Wachstum geht es nicht. Merkel ignorierte diese grundlegende ökonomische Einsicht jedoch ebenso wie den Hinweis vieler Experten, dass hinter der Schuldenkrise immer noch eine Bankenkrise steckt.

Beides rächt sich nun. Der Schrumpfkurs, den Berlin und Brüssel Spanien verordnet haben, führte geradewegs in die Rezession. Das Land, das noch vor fünf Jahren traumhafte Wachstumsraten aufwies und ein vorbildliches Budget vorlegte, erscheint heute als der kranke Mann Südeuropas.

Und die Bankenkrise, die nach dem Platzen der Immobilienblase entstand, droht jetzt in eine Staatsschuldenkrise umzuschlagen. Denn die Banken brauchen frisches Kapital, das sie an den Märkten nicht mehr bekommen. Nun soll der Staat einspringen - doch das könnte Madrid überfordern.

Seite 2: Für Spanien ist kein Platz mehr unterm Euro-Rettungsschirm...

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Spanien,

"Das Land, das noch vor fünf Jahren traumhafte Wachstumsraten aufwies und ein vorbildliches Budget vorlegte" hat das Wachstum auf Pump finanziert, und genau diese Schulden erdrücken es jetzt.

  • Antworten
VerySeriousSam06.06.2012 | 12:36 Uhr

Die "Topökonomen"

Leider ist das, was Sie hier behaupten absolut falsch. Nicht die Schulden erdrücken die Länder, sondern die Zinsen. USA, Großbritannien und Japan, aber auch Deutschland sind höher verschuldet und werden nicht davon erdrückt. In Schwierigkeiten sind die maroden europäischen Banken, die mit ihrer glänzenden Lobbyarbeit es fertig gebracht haben, die Finanzkrise in eine Staatsschuldenkrise umzuwidmen. Nur wenn dieser Wahrheit Rechnung getragen wird und alle Eurostaaten füreinander einstehen, wird ein Weg aus der Krise möglich sein. Das ständige gegeneinander Ausspielen und verurteilen bringt nämlich überhaupt nichts. Gerade Deutschland trägt besondere Schuld an der Misere der Währungsunion, weil es seit Jahren unter seinen Verhältnissen lebt und damit gegen den Geist und die Verträge verstößt.

  • Antworten
popper06.06.2012 | 20:58 Uhr

Wer trägt die Kosten?

Das Euro-Endspiel hat begonnen. Herr Bonse, besser kann man die gegenwärtige Situation nicht ausdrücken. Die Euro-Theorien waren gut gemeint, die Praxis ist anders. Weil das Schicksal der öffentlichen Finanzen viel zu eng mit dem der Banken verknüpft ist, kann es verheerend und grausam werden. Dieses ganze Spiel ist von Interessenpolitik geleitet. Wer hat die Folgekosten zu tragen? Es wird sehr teuer.

  • Antworten
bernhard jasper06.06.2012 | 15:25 Uhr

VerySerious

Falsch, Spanien hat das Wachstum eben nicht auf Pump finanziert. Das Staatsbudget war sogar vorbildlich. Die Schulden hat der Privatsektor angehäuft, das Geld kam dabei nicht zuletzt aus Deutschland, das damals kaum Investoren anlocken konnte...

  • Antworten
Eric B.06.06.2012 | 16:23 Uhr

Bisher hat sie nicht einmal Problembewusstsein erkennen lassen.

Gut beschrieben, Herr Bonse. Parallel dazu im Spiegel heute "Ahnungslos in die Euro-Dämmerung".

Der Euro ist nicht mehr zu retten. Merkels Mantra, dass dann auch Europa scheitert, ist einfach falsch. Richtig wäre in dieser Situation, endlich einzugestehen, dass die gemeinsame Währung am Ende ist. Bezahlen müssen wir alle, so oder so.

Die Schaffung einer Fiskalunion ist mit den Verfassungen nicht machbar, ergo kann man den Weg, soll es noch halbwegs demokratisch zugehen, vergessen. Es sei denn, Merkel will auch noch das letzte bisschen Demokratie aufs Spiel setzen, zutrauen würde ich es ihr. Sagte sie doch schon im letzten Jahr: Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.

  • Antworten
-simon-06.06.2012 | 17:03 Uhr

Stimmt nicht

Die Merkelsche Strategie hat nur wenige Monate funktioniert, weil die Spanier Fehler gemacht haben. In den spanischen Regionen hat man die Neuverschuldung weiter laufen lassen, als in Madrid schon gespart wurde. Warum? Die Regionen wurden von der PP regiert und die wollte nicht sparen, um so in Madrid an die Macht zu kommen. Hat auch funktioniert, nur rächt sich das jetzt ganz furchtbar. Bei den spanischen Banken hat man auch die Augen ganz feste zugedrückt.

Und jetzt, wo man die "Brandmauern" auf fast 1 Billionen Euro hochgezogen hat, will Spanien eine gesichtswahrende Lösung, weil man nicht als der Looser dastehen will, der man eigentlich ist.

Der "Supermann" Monti hat auch schon an Glanz eingebüßt und Berlusconi hat schon mal "im Spaß" angekündigt aus dem Euro austreten zu wollen. Wenn Monti dann nächstes Jahr sein Amt an einen Nachfolger übergeben wird, wird die Panik sicher durch die Decke gehen.

Von Griechenland redet man besser nicht. Ich glaube die Griechen haben gar nichts richtig gemacht.

Bei Portugal und Irland scheint es gut zu laufen und in Osteuropa ist auch nichts explodiert.

Kurz, Merkels Strategie hätte funktionieren können. Viel ist zum Besseren verändert worden, Merkel sei Dank, aber es war dennoch zu wenig. Die Länder die nicht unter der Beobachtung der Troika standen, die also selber handeln konnten, haben es verpfuscht. Die Griechen haben sogar aktiv dagegen gehandelt und sabotiert wo es ihnen möglich war. Sie sollen in der Hölle schmoren.

  • Antworten
Robert06.06.2012 | 17:19 Uhr

@robert

Merkels Strategie hätte funktionieren können? Na ja. wie gesagt, beim Eu-Gipfel im März hat sie noch gesagt, die Krisenländern hätten nun einige Monate Zeit, sich zu fangen und die verlangten Reformen umzusetzen. Kurz danach spielten die Märkte wieder verrückt - weil Merkels Finanzminister Schäuble offen über einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion redete. Seither gehen auch die Spreads in Italien und Spanien wieder hoch. Und dann kam Bankia - also die Schieflage einer Sparkasse, die ganz offensichtlich nicht mit striktem Sparkurs der Regierung zu lösen ist. Merkels Strategie passt einfach nicht zur Bankenkrise, was man übrigens auch in Irland beobachten kann.

  • Antworten
Eric B.06.06.2012 | 22:42 Uhr

Bankenkrise

Wie man die Bankenkrise lösen kann weiß ich auch nicht. Theoretisch so wie man das in Island (auf Druck der Bürger, gegen vielerlei Widerstand) gemacht hat - die Gläubiger müssen verzichten. In der Realität wird man wohl nur einen Zusammenbruch verhindern und sonst die Banker machen lassen. Es ist ja interessant zu verfolgen was im Bankensektor passiert. Asiaten und Angelsachsen ziehen ihre Gelder ab - deshalb fällt der Euro zum Dollar. Südeuropäische und britische Tochterbanken werben Gelder in Deutschland ein und Kredite in Südeuropa werden wo möglich reduziert. Das ist eine Rutschbahn nach unten. Deren unteres Ende ist erreicht wenn die Südeuropäer sich aus den eigenen Sparguthaben finanzieren können. Wie man allerdings die Kreditsumme in Südeuropa reduzieren kann - ohne Katastrophe - weiß ich nicht. Für die Menschen heißt das 20 - 25 Prozent Arbeitslosigkeit und für die Jugendlichen 50 Prozent Arbeitslosigkeit. Auf Jahre. Das ist so wie in Nordafrika vor der Revolution. Die Vorstellung, dass Merkel mehr tun kann als einen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern, wie er jetzt in Griechenland kommen wird, scheint mir unmöglich. Eurobonds et. al. würde nur uns auch noch in den Abgrund reißen - wirtschaftlich und politisch. Die Wahren Finnen waren da ein politischer Warnschuß und die Freien Wähler laufen sich hierzulande schon warm. Wenn die Hoffnung auf Merkel nicht mehr zieht, dann wird es für alle Europäer duster.

  • Antworten
Robert07.06.2012 | 20:59 Uhr

@Eric B.

Weder noch. Sie verstehen unter Spanien den spanischen Staatshaushalt. Was ist aber, wenn man mit Spanien zusätzlich die spanische Privatwirtschaft versteht? Dann ist Spanien plötzlich nicht mehr so vorbildlich. Hat es doch die kreditfinanzierte Immobilienblase trotz Warnungen der EU-Kommission schlichtweg ignoriert und nichts dagegen getan.

Spaniens Wachstum basierte auf ausländischen Krediten, die nicht über spanische Bonds liefen, sondern über den Interbankenmarkt der privaten spanischen Banken.

  • Antworten
Humanpirat06.06.2012 | 17:37 Uhr

Wunschdenken

Ich denke, Merkels Kurs ist richtig. Es ist reines Wunschdenken, dass "Wachstumsimpulse" die Krise nachhaltig überwinden helfen. Wer soll glauben, dass sich in den Krisenländern etwas grundlegend ändert, wenn Deutschland und die anderen Geberländer sich mitruinieren? Wer soll glauben, dass man politischen Einfluss der Geberländer akzeptieren wird, wenn etwa Spanien nicht einmal die Vorgaben des Schutzschirms erfüllen mag? Die Schuldenparty wird vielmehr weitergehen (übrigens hat Merkel sie auch hier keineswegs beendet), und der Knall wird nur umso apokalyptischer, wenn auch die Kreditwürdigkeit der überforderten Nordländer erschöpft ist.

  • Antworten
Helgoo06.06.2012 | 20:07 Uhr

Noch mehr "Topökonomen"

@Helgoo
Warum weigern Sie sich so beharrlich, zur Kenntnis zu nehmen, dass nicht Staaten übermäßige Schulden gemacht haben, sondern Banken. Nun kann man ja darüber streiten, was man unter Wachstumsimpulsen verstehen will. Doch ohne Wachstum der Wirtschaftsleistung in den kriselnden Staaten geht es nicht. Wir haben uns jahrelang einreden lassen, Wohlstandsmehrung sei das Ziel, haben aber außer Acht gelassen, dass diese Formel so gar nichts darüber aussagt, wo sich dieser Wohlstand akkumuliert. Deutschland ist kein Geber- sondern immer noch ein Nehmerland. Dieses falsche Gerade vom deutschen Zahlmeister hält einer sachlichen Analyse nicht stand. Deutschland ist, wenn auch mit einem Pyrrhussieg, Gewinner der Währungsunion. Da wir die ganzen Jahre auf Kosten der anderen gelebt haben, wäre es an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen und mit Eurobonds oder der EZB als Lender of last Resort die Südländer vor dem Ruin zu schützen. Mit Kreditwürdigkeit hat das im Übrigen überhaupt nichts zu tun. Es geht den sogenannten Märkten um Zinstreiberei gegen schutzlose Staaten. USA, Japan oder Deutschland sind viel höher verschuldet als Spanien Portugal oder Irland. Warum wird hier nicht auf höhere Zinsen insistiert. Ganz einfach, weil diese Länder Zentralbanken haben, die ihrer Aufgabe nachkommen und in Bedrängnis gekommene Staaten unbegrenzt finanzieren. Nur Europa leistet sich unter der "Führung" Angela Merkels einen Run auf den Niedergang der Währungsunion, weil man nicht begriffen hat, dass nur der Sparen kann, der etwas ausgibt. Wenn ich 100 Euro zur Bank trage und eine Rendite dafür will, muss die Bank einen findet der den Betrag plus Zins erwirtschaftet. Einige Europäer glauben, wenn alle sparen, werden auch alle wettbewerbsfähig. Ja? - Allerdings nicht in Europa und der restlichen Welt, sondern auf dem Mond oder Mars.

  • Antworten
popper07.06.2012 | 19:01 Uhr

Welche Krise?

Angela Merkel hat heute das Betreuungsgeld beschlossen und die Fußballnationalmannschaft besucht. Hätten wir eine Krise hätte sie für beides keine Zeit.

  • Antworten
paula herzog06.06.2012 | 23:02 Uhr

"traumhafte Wachstumsraten

"traumhafte Wachstumsraten aufwies und ein vorbildliches Budget..."
Das war nucht nachhaltiges Wachstum auf tönernen Füßen. Dieses "traumhafte Wachstum" brachte Spanien im ranking der Gesamtverschuldung ganz nach vorne. Die privaten Unternehmer (Ohne Bankensektor)sind traumhaft 3 x so hoch verschuldet wie deutsche und 2 x so wie US-Unternehmen. Private Hashalte haben auch "traumhaft" hohe Schuldenzuwächse. Traumhafte Blasenbildung. Und der Abbau des Staatsdefizits ist eine Folge der EU-Subventionen und der niedrigen Zinsen durch den Euro (1995: 12 %).

  • Antworten
Traumhaft07.06.2012 | 07:00 Uhr

Mir graust!

Nun wird gemeldet dass Merkel Macht an Bruessel abgeben will....
So wird die deutsche Selbstbestimmung abgeschafft,dt.Steuerzahler dazu verdonnert die Schulden der PIIGS mit zu zahlen weil es angeblich um mehr geht als Europa... Solche Entscheidungen sollten nur getroffen werden wenn jeder dt.Waehler dazu seine Stimme gibt. Leider wird das nicht geschehen und in absehbarer Zeit werden alle EU Buerger gleich arm sein.... was fuer Aussichten.

  • Antworten
Karin S.Bryant07.06.2012 | 14:00 Uhr

Herr Bonse sieht nur noch durch die Brüssel-Brille

warum so vage, Herr Bonse?

Sagen Sie doch deutlich, was Sie wollen:
- Die PIGS-Länder machen keine Strukturreformen
- alles weiter wie bisher: Konjunkturprogramm-Strohfeuer und Immobilienblasen
- Deutschland zahlt die offenen Rechnungen
- Den Rest erledigt die EZB mit Gelddrucken

Großartig. Da ist es mir der Kurs von Frau Merkel aber deutlich lieber; selbst wenn er – weil die schwachen Euro-Partner ihren Teil nicht beitragen - scheitert und der Euro zerbricht.

Dann eben wieder ohne Euro, dafür aber auch ohne perfekte Schulden- und Inflationsunion.

  • Antworten
Leopold08.06.2012 | 09:11 Uhr

leopold

Wie viele andere Leser bin auch ich der Meinung, dass die aktuelle Krise vor allem eine Bankenkrise ist, die sich zu einer Staatsschuldenkrise entwickelt hat. In Spanien sieht man dies überdeutlich. Deutschland zahlt dafür nicht allein die Rechnung, Frankreich und Italien zahlen genauso. Deutschland "leidet" auch nicht am stärksten - im Gegenteil: es profitiert am meisten (siehe Nullzins am Anleihemarkt). Weil dies so ist, hat Deutschland auch das größte Interesse, den Laden zusammenzuhalten.

  • Antworten
Eric Bonse - Lost in EUrope08.06.2012 | 18:19 Uhr

Bankenkrise

Ich halte die Bankenkrise für ein Symptom nicht für die Ursache. Die Ursache ist die fehlende Wettbewerbsfähigkeit, genauer das Missverhältnis von Produktivität zu Löhnen. Der Bau kann mit ungelernten Arbeitern, etwa mit Migranten aus Nordafrika, Rumänen und ungebildeten Spaniern, zusammen mit den Finanziers realisiert werden. Außerdem steht die Bauwirtschaft nicht in Konkurrenz mit den Asiaten oder den Deutschen. Das heißt, wenn man Wirtschaftswachstum braucht, pumpt man eine Immoblase auf und schon läuft es wirtschaftlich und politisch. Siehe auch USA oder Ostdeutschland nach der Vereinigung. Blasen passieren nicht, die werden gemacht.

  • Antworten
Robert10.06.2012 | 17:42 Uhr

Ein neues Bild von Europa

Auch deutsche Familienunternehmer haben sich jetzt öffentlich geäußert und auf die zerstörerische Kraft der Konzepte der „Europolitiker“, die „Risiken der Rettungsmaßnahmen“ beschrieben, und auch auch wie man lesen konnte, gelobt, dass es aus deutscher Sicht keine Vergemeinschaftung der Schulden geben soll. Die Rezeption US-amerikanischer Sicht („Vereinigte Staaten von Europa“), kann meiner Meinung nach auch nicht funktionieren. Europa ist lediglich eine Sammlung von gewachsenen autonomen Staaten. Kein einheitlicher Nationalstaat, wie z.B. die USA. Daher die großen Schwierigkeiten und unüberbrückbaren Differenzen im Zeitalter der Globalisierung. Wir Deutschen wollen auch nicht, dass unser Land aufgelöst wird, die Franzosen sicher auch nicht, und alle wichtigen Entscheidungen und Kompetenzen nach Brüssel oder Luxemburg delegiert werden. Ich sehe ein anderes Denkmodell, das man als kooperierende Staaten bezeichnen kann. Die Staaten können ihre Jahrhunderte alten Identitäten bewahren, geben zwar Teile ihrer Autonomie auf, das ist jedoch ein anderes Modell als die USA es hat. Wir akzeptieren auch, dass wir im Weltmaßstab kleine Länder sind und träumen nicht den Traum vom europäischen Imperium, sind von daher jedoch keine Nationalisten und sind für Integration und gegen eine zweifelhafte Abschottung. Jedoch ist ein modernes Europa heterogen, es gibt keine Einheitlichkeit, schon im Hinblick auf die ökonomische und kulturelle Substanz und den zukunftsorientierten Entwurf des eigenen Landes. Wir wollen uns auch in Zukunft kein völlig dereguliertes System vorstellen, die Entwicklungen erleben wir gerade aktuell. Wir setzen auf Stabilität des Bewährten und sind offen für Neues. Wir sind sozusagen Traditionalisten, die sich der Modernität verplichtet fühlt. Unser Zutrauen auf die gegenwärtige politische konzeptionelle Kompetenz ist von daher gleichwohl gering entwickelt, angesichts der Entwicklungen bekommt man den Eindruck, die Politik reagiert nur noch. Zumindest hätte sie die Aufgabe die gegenwärtigen Entwicklungen besser zu beschreiben und Antworten anzubieten, die verstanden werden, um von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert und mitgetragen zu werden. Die Zeit der Politik mit dem goldenen Zügel scheint auch vorbei, dafür sind die Summen die im Raum stehen auch für Deutschland viel zu groß. Das Wort „deutsche Führung“ taucht in der Debatte wieder auf.

  • Antworten
bernhard jasper08.06.2012 | 11:04 Uhr

Haben wir nicht genug eigene

Haben wir nicht genug eigene Probleme, als das wir uns auch noch
um die aller anderen Euroländer kümmern könnten?

  • Antworten
BK12.06.2012 | 13:31 Uhr

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