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Griechisch-europäische KriseCrash auf Raten

Von Eric Bonse18. Juni 2012
picture alliance
Athen,Wahlen,Neuwahlen,Griechenland,Regierung,EU,Parlament
Schwelbrand in Athen – fürs Erste unter Kontrolle
Schrift:

Der Weltuntergang wurde an diesem Wochenende in Athen abgewendet, doch die griechisch-europäische Katastrophe geht weiter. Das Wahlergebnis in Griechenland verschafft den Euro-Rettern nur eine Atempause. Alle Blicke richten sich nun auf Berlin

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Das war knapp. Nur um Haaresbreite hat Europa am Wochenende den Beginn einer fatalen Kettenreaktion verhindert. Hätte der radikale Linke Alexis Tsipras die Wahlen in Griechenland gewonnen, wäre der Zerfall der Währungsunion wohl nicht mehr zu verhindern gewesen. Tsipras ist zwar nicht so gefährlich, wie ihn deutsche Politiker gerne darstellen; doch sein „Nein“ zum Spardiktat hätte die mühsam aufgebaute Koalition der Euro-Retter zum Einsturz gebracht.

Nun soll es also Antonis Samaras richten. Ausgerechnet. Der Führer der Neo Demokratia gehört zwar der konservativen Parteienfamilie von Kanzlerin Angela Merkel an und gilt als überzeugter Europäer. Doch ein Reformer ist er ebenso wenig wie Tsipras. In Brüssel erinnert man sich noch mit Schrecken daran, wie unnachgiebig Samaras im letzten Jahr jede Zustimmung zum Sparkurs verweigerte. Auch dass es die Neo Demokratia war, die  Griechenland in die Schuldenkrise trieb, ist in Europa unvergessen.

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Dass die EU-Politiker nun ausgerechnet Samaras zum Hoffnungsträger ausrufen, zeigt, wie verzweifelt die Lage ist. Dass sie nun plötzlich Abstriche am Reformkurs machen wollen, auch. Selbst Bundesaußenminister Guido Westerwelle kann sich auf einmal vorstellen, das Reformprogramm zu strecken. Dahinter steckt die Einsicht, dass sich die im März, vor den Wahlen, formulierten Ziele nicht mehr halten lassen. Das damals verabschiedete zweite Hilfspaket über 130 Mrd. Euro ist längst Makulatur. 

Nichts stimmt mehr: Weder der Zeitplan noch der ökonomische Rahmen. Die Steuereinnahmen sind in den Athener Chaos-Wochen eingebrochen, die Kapitalflucht hat sich massiv beschleunigt, ein Banken-Run hat eingesetzt. Dass die neue griechische Regierung noch im Juni neue millardenschwere Kürzungen beschließt, wie ursprünglich gefordert, ist in dieser Lage undenkbar. Vermutlich darf man schon zufrieden sein, wenn es in zwei Wochen überhaupt eine Regierung gibt.

Bis Klarheit über die reale Lage und die wahren Absichten der neuen Athener Führung besteht, dürften Wochen ins Land gehen, wenn nicht Monate. Einerseits ist das gut, denn damit gewinnen die Euro-Retter wieder einmal Zeit. Andererseits ist das schlecht, denn die Märkte verlieren die Geduld mit den Laiendarstellern in Athen, Brüssel und Berlin. Anleger ziehen ihr Geld mittlerweile nicht mehr nur aus Griechenland, sondern auch aus Spanien und Italien ab. Wenn das so weiter geht, droht ein Crash auf Raten.

Der Weltuntergang wurde an diesem Wochenende in Athen abgewendet, doch die griechisch-europäische Katastrophe geht weiter. Und wie immer in den letzten Monaten richten sich nun alle Blicke fragend nach Berlin. Wird die Kanzlerin erneut die Hände in den Schoß legen – nach dem Motto: Ist ja alles gut gegangen? Wird sie auf den zweiten Wahlsieger dieses Sonntags, den Franzosen François Hollande zugehen? Bleibt es beim Sparkurs für Europa, oder gibt es doch noch ein Wachstumsprogramm? Und was wird mit den Banken, mit Spanien, mit Italien?

Das sind die Fragen, die die politische Agenda in Brüssel beherrschen. Und zwar nicht erst seit heute, sondern schon seit Wochen. Die Wahl in Griechenland war im Grunde nur ein mehr oder weniger willkommener Vorwand, der radikale Linke Tsipras nur ein nützlicher Idiot, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Griechenland ist längst abgehakt und abgeschrieben. Hinter den Kulissen in Brüssel geht es längst nicht mehr um dieses kleine, nur symbolisch wichtige Land. Es geht ums große Ganze. Beim nächsten EU-Gipfel am 28. Juni soll die Entscheidung fallen.

Seite 2: Der bisher verfolgte Sparkurs reicht nicht aus

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Der Artikel enthält 2

Der Artikel enthält 2 gravierende Denkfehler. Zum einen bedeutet die weitere Übertragung von Souveränitätsrechten eine Verfassungsänderung, die durch Volksabstimmung in Deutschland legitimiert werden müsste. Bisher aber hat keine Partei, auch die Parteien, die Eurobonds befürworten, sich dafür stark gemacht. Dabei kann man sicher sein, dass eine solche Forderung zur Verfassungsänderung auf der Basis einer Volksentscheidung, sowie das BVG dies fordert, auf große Zustimmung stieße.
Der 2. Denkfehler liegt aber einfach darin, dass Transferzahlungen nach Griechenland, Spanien oder Italien und Portugal nicht dazu führen, dass diese Länder auf Dauer mit den nordeuropäischen Ländern konkurrenzfähig sind, sondern würde zu dauerhaften Abhängigkeiten führen. Man muss sich in diesem Zusammenhang nur einmal die USA anschauen. Die armen Länder, wie etwa Mississippi, South Carolina sind seit dem amerikanischen Bürgerkrieg Transferempfänger in Abhängigkeit von den reichen Staaten des mittleren Westens und Nordwestens und ihre Chancen mit diesen zu konkurrieren, sind verhältnismäßig gering. Der gemeinsame Dollarraum hat auch nur die Ungleichheiten zementiert, die der Bürgerkrieg geschaffen hat. Einzige Ausnahme ist vielleicht Florida, die durch den Verzicht auf Erbschaftssteuer reiche New Yorker und andere wohlhabende US Bürger und aus dem Ausland dazu gebracht haben, hier ein Wohnsitz einzurichten. Das benachbarte Louisiana mit ebenso schönen Stränden hat aber nichts davon. Es ist eine Illusion zu glauben, ökonomische Ungleichheiten, kulturelle Unterschiede und politische Traditionen durch eine gemeinsame Finanzverfassung aneinander annähern zu können. Vermutlich besser ist es, diese Unterschiede endlich mal zur Kenntnis zu nehmen und auch zu akzeptieren. Das lässt sich mit unterschiedlichen Währungen einfach besser erreichen und wenn man schon eine einheitliche Währung haben will, muss man Mechanismen finden, die diese Unterschiede berücksichtigen. Transferleistungen lösen dieses Problem nicht. Ohne solche Mechanismen wird auch bei großzügigen Transferleistungen an die südeuropäische Staaten die Differenz zwischen den Nationen wachsen, weil diese Transferleistungen zunächst in den Konsum gehen und man nicht so einfach innerhalb von 2 oder 10 Jahren neue Industrien aufbauen kann. Sonst wäre Nordrhein-Westfalen sicherlich glücklich und nicht so not leidend wie es nun einmal ist. 40 Jahre Stahlkrise haben die immer noch nicht überwunden. Die Transferleistungen von Norditalien nach Süditalien haben auch nur dazu geführt, dass in Süditalien Korruption, Bürokratie und Autobahnen, die ins Nichts führen ,zu beobachten sind, während in Norditalien trotz Wirtschaftskrise eine Produktivität zu finden ist, die weit über der Produktivität vieler deutscher Provinzen liegt. Die Vorstellung, man könne die Euro Krise durch gemeinsame Haftung und Integration lösen ist genauso naiv wie die Vorstellung, man könne die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Mississippi auf das Niveau von New Jersey heben.

  • Antworten
Pelagone18.06.2012 | 15:50 Uhr

#Pelagone

Die Übertragung von Souveränitätsrechten fordert vor allem Kanzlerin Merkel. Ihr Fiskalpakt ist ein sehr weitreichender Eingriff in nationale und parlamentarische Befugnisse (Budgetrecht). Leider sagt sie das nicht, und meines Wissens plant sie auch keine Referenden. Von einer Transferunion ist in diesem Beitrag ebenfalls nicht die Rede. Sie wird in Brüssel auch nicht diskutiert. Was diskutiert wird, ist die Vergemeinschaftung von Chancen (Eurobonds) und Risiken (Bankenunion). Sie ist in der aktuellen Lage allerdings nur die logische Konsequenz einer gemeinsamen Währung. Wer sie ablehnt, muss auch sagen, wie der Euro funktionieren soll.

  • Antworten
Eric B.18.06.2012 | 21:37 Uhr

"Nur um Haaresbreite hat

"Nur um Haaresbreite hat Europa am Wochenende den Beginn einer fatalen Kettenreaktion verhindert."

Wir wissen nicht ob dem so gewesen wäre. Ein wichtiger Aspekt der ganzen Chose ist gerade, dass die Dominostein-Theorie zwar alle Leute in Angst und Schrecke versetzt, aber letztlich nur imaginiert ist. Es ist die Angst der Anleger, die alle volkswirtschaftlichen Probleme zu Alpenkämmen auftürmt, genauso wie es die Angst der Bürger zum Angstsparen verleitet. Wahrscheinlich ist der Vorteil Deutschlands der, dass wir diesen Zustand über viele Jahre schon per Talkshow hatten und daher die Bürger heute kaum noch schreckt. Die "german angst" ist zwar noch da, aber man hat sich daran gewöhnt, dass nächstes oder übernächstes Jahr die (europäische) Welt untergehen wird.

  • Antworten
Robert18.06.2012 | 19:20 Uhr

die griechisch-europäische Katastrophe

Am Wochenende hat Angela Merkel im Fernsehen zur griechischen Krise diesen bemerkenswerten Satz gesagt: "Das Ungerechte ist ja auch, dass die, die viel Geld haben, längst über alle Berge sind und ihr Geld ganz woanders angelegt haben. Und d
ie einfachen Leute müssen an vielen Stellen diese Dinge jetzt ausbaden - und das ist extrem ärgerlich."

Ärgerlich, ich lache mich weg.
Oh Frau Merkel, in welcher Welt leben sie eigentlich, in einer Märchenwelt?
Dabei bestreiten auch die meisten Griechen nicht, dass die griechische »Elite« die Schuldenkrise ihres Landes maßgeblich mitverursacht hat. Seit Jahren ist der Staat (und die Regierung) quasi im Besitz weniger reicher Familien. Zusammen mit einer dünnen Oberschicht haben sie die lange Zeit günstigen Zinsen der Europäischen Zentralbank genutzt, um mit üppigen Krediten ihr Vermögen zu mehren und Prestigeprojekte zu finanzieren. Sie pflegen einen schon fast obszönen Lebensstil, ohne dabei Steuern zu zahlen. Viele Jahre hat sich die Europäische Union nicht darum geschert, dass ihre Kredite die Taschen der reichen Griechen füllen. Jetzt fordern die europäischen Politiker die Kredite von den Ärmeren zurück.
Ja, es ist ärgerlich wenn man wie ein Schlafwandler Politik betreibt. Die Armen wurden bewusst in die Armut getrieben und daran tragen Politiker eine große Mitschuld.
Ja es ist einfach nur ärgerlich. Nein Frau Merkel, es ist eine Schande.

  • Antworten
Heinz Pütter28.08.2012 | 14:02 Uhr

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