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 > Zwischen Antisemitismus und Israelkritik

Weltbühne
Linkes Denken

Zwischen Antisemitismus und Israelkritik

von 
Timo Stein
26. August 2011
picture alliance
Jude, Kippa, Israel, Antisemitismus, Antizionismus, Linke, Linkspartei,Palästina
Judenfeindlichkeit gibt es noch heute in der Linken

Die Linke und Israel – sie verbindet nach wie vor ein schwieriges Verhältnis. Aus anfänglicher Euphorie entwickelte sich Misstrauen, das in seiner radikalsten Ausprägung antisemitischen Mustern folgte.

Seite 1 von 4

Der Antizionismus hat innerhalb der Linken nach wie vor Konjunktur. Dabei war die nach dem Zweiten Weltkrieg im Entstehen begriffene Neue Linke dem Staat Israel zunächst äußerst positiv gegenüber eingestellt. Sozialdemokratie, linksliberale und christliche Linke setzten sich in den 50er und 60er Jahren an die Spitze einer Israel-Solidarität, die gleichzeitig auch einer innenpolitischen Oppositionshaltung gegenüber dem restaurativen Adenauer-Staat verschrieben war. Israel stieg nach Ansicht großer Teile der Linken plötzlich zu einem „antikolonialistischen Pionierstaat“ auf und wurde nicht zuletzt aufgrund der sich dort etablierenden Kibbuz-Bewegung zu einem sozialistischen Vorzeigestaat stilisiert, mit dem sich linke Hoffnungen und Visionen nach gesellschaftlich organisierten Alternativmodellen verbanden. In Folge dieser Israelfixierung geriet die Situation der Palästinenser völlig aus dem Blickfeld: „Nahostwahrnehmung war Israelwahrnehmung.

Noch zu Beginn des Sechs-Tage-Krieges Anfang Juni 1967 kam es zu zahlreichen pro-israelischen Solidaritätsbekundungen von Seiten linker Gruppierungen. Israel setzte sich schließlich militärisch gegen einen zahlenmäßig überlegenen arabischen Gegner, der von der Sowjetunion ausgerüstet worden war, durch und entfachte eine pro-israelische Begeisterung in bürgerlich-konservativen Kreisen der Bundesrepublik. Israel schien sich endgültig im Koordinatensystem des Kalten Krieges auf Seiten der USA zu positionieren und folglich Teil des Westens geworden zu sein. Die außerparlamentarische Linke quittierte dies mit der Aufkündigung des israelfreundlichen Konsenses. 

Eine gegen die Elterngeneration bewusst ausgeübte pro-jüdische, also pro-israelische Positionierung hatte nun ihre oppositionelle Sprengkraft verloren. Wenn Springer für Israel sei, dann müsse man als Linker nun dagegen sein, lautete das neue Credo.  Israel schien in den Augen der Neuen Linken nun Teil des „US-Imperialismus“ zu sein und imperiale Ansprüche zu verfolgen. Die philosemitische Mär vom Juden als dem besseren Menschen fiel in sich zusammen.

Der Nahost-Fokus der entstehenden Neuen Linken richtete sich nun fast ausschließlich auf die Palästinenser. Die sich 1964 konstituierende Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) inszenierte sich als Teil einer sozialrevolutionären Befreiungsbewegung, die sich innerhalb eines globalen Kontextes mit nationalen Bewegungen in Asien, Afrika und Lateinamerika solidarisch erklärte und ihre antizionistische Agitation in einen imperialismus-theoretischen Zusammenhang stellte. 

An der „Heimatfront“ solidarisierte sich die Neue Linke mit in der Bundesrepublik lebenden arabischen Al-Fatah-Anhängern und übersah scheinbar kritiklos Aussagen der palästinensischen Nationalcharta, in der die Nichtanerkennung des israelischen Existenzrechtes zum Ausdruck kam. Die Israelkritik der Neuen Linken verdichtete sich sukzessive zu einer sich radikal zuspitzenden antizionistischen Weltanschauung, die auch eine Gleichsetzung von Zionismus mit dem Nationalsozialismus beinhaltete.

Die Fatah stieß mit ihrer Strategie eines „Volksbefreiungskrieges“ antiimperialistischer Spielart auf offene Ohren der SDS-Linken. Zusammen mit anderen Gruppierungen  flankierte beispielsweise der SDS den Staatsbesuch des israelischen Außenministers Abba Ebans im Februar 1970 mit den Worten: „Der Besuch Abba Ebans, der als Vertreter eines rassistischen Staates in die Bundesrepublik reist, muss zu einer Demonstration und zum Protest gegen den zionistischen, ökonomisch und politisch parasitären Staat Israel und seine imperialistische Funktion im Nahen Osten werden [...]. Nieder mit dem chauvinistischen und rassistischen Staatsgebilde Israel.“ 

Lesen Sie mehr über den antizionistischen Terrorismus in der Linken.

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Wurde dieser Begriff nicht von Werner Fink, Kaberettist, erfunden?

  • Antworten
Winfried Kurt Walter26.08.2011 | 17:35 Uhr

Antizionismus! Nicht Antisemitismus!

... ist eine Krankheit die bei Westdeutschen Linken gelegentlich vorkommt, aber in Wirklichkeit ein Geschwür der Bürgerlichen und Konservativen ist. Es ist da - man spürt es, aber man sieht es nicht!

.

Amen

.

  • Antworten
David_ 26.08.2011 | 22:44 Uhr

Falsche Begrifflichkeit

Antisemitismus bedeutet Juden-Hass. Und nun möchte ich gerne die Namen derer wissen, beispielsweise in der Linkspartei, die Juden "hassen". Ist Kritik an der Regierung Israels Hass? Was ist mit den vielen Israelis, die Netanjahus Politik ablehnen? Sind das auch Antisemiten und damit quasi Selbsthasser?

Es passt mir überhaupt nicht, dass Kritik an der Politik Israels mit der bekannten Keule abgewürgt werden soll. Es beleidigt meine Intelligenz und es beleidigt meine aufrechte Haltung, Menschenrechtsverletzungen generell zu verurteilten - wer auch immer sie begeht. Ich bin Jahrgang 1974 und ich habe es satt, dass manche versuchen, mir meine Meinung als Antisemitismus auszulegen. Ich bin kein Anti-Irgendwas. Ich bin Mensch und ich wurde so erzogen, dass alle Menschen den gleichen Wert und die gleiche Würde haben. Und aus genau diesem Grund kann man zu den Vorgängen in Israel eben nicht schweigen!

  • Antworten
Andrea28.08.2011 | 14:41 Uhr

@Andrea

So wie sie das darstellen, steht es nirgends geschrieben in Timo Steins Artikel.
Kritik an der Politik Israels hat nichts mit Antisemitismus zu tun.
Es gibt viele Juden, die die Politik Israels kritisieren z.B Norman Finkelstein, deshalb ist er doch kein Selbsthasser. Also sorry aber das ist Unsinn.

  • Antworten
Claudi30.08.2011 | 11:25 Uhr

Norman Finkelstein

Sorry, mein lieber, Finkelstein ist fast schon der ultimative jüdische Selbsthasser. Wenn Sie miterleben, wie ich, wie er ein junges Mädchen zum Weinen gebracht hat, weil sie erwähnte ihre Grosseltern seien in Auschwitz von den Nazis ermordet worden - dass dreht ein Finkelstein jedem anständigen Menschen den Magen um.
Ich bin auch ein Gegner Nethanyahus und seiner Politik, doch dass man Israel nicht man die Selbstverteidigung zustehen will, ist zu mindest unterschwelliger Judenhass.

  • Antworten
Paul Russak01.09.2011 | 22:20 Uhr

Falsche Begrifflichkeit

Da gibt wohl nicht sehr viel zu verteidigen. Auch ich bin ein politisch Linker, Mitglied der Arbeitspartei und bis ca. 30 sogar Marxist, bis ich davon gesundete. Nur eine Frage: Sie schweigen nicht zu Israel, obwohl sie die Hintergründe offenbar nicht wissen. Warum schweigen sie den zu Syrien, zu Aegypten, Libyen, Darfur und dem Rest des Sudans, zu Somalia etc. wo es unvergleichlich schlimmer zugeht, als im Konflikt zwischen Israel und den Arabern? Dürfen Muslime alles, Juden sich nicht einmal verteidigen? Steht ihnen ihre Ideologie im Wege? Es ist die ach so typische Doppelmoral der gutmenschlichen "Israelkritiker". Pfui.

  • Antworten
Paul Russak01.09.2011 | 22:15 Uhr

Entlarvende Reaktionen...

...weil nichts sein kann, was nicht sein darf. Linke können per se nicht hassen oder irgendwasfeindlich sein. Sie "kritisieren" nur und manchmal machen sie das, indem sie Pflastersteine und Brandflaschen werfen und Autos anzünden. Wer ihnen das Messen mit zweierlei Maß oder die Nutzung von SA-Methoden vorwirft, der hat das große Ganze nicht verstanden.

Aber wehe ein "Rechter" spricht das Thema Frauen- und Freiheitsfeindlichkeit und religiöser Chauvinismus im Islam an. Dann haben wir es gleich wieder mit einem "Islamophoben" zu tun, der persönlich die Schuld am Massaker in Oslo trägt und deshalb bitteschön mundtot gemacht und ausgegrenzt gehört.

  • Antworten
Benjamin29.08.2011 | 11:47 Uhr

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