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Bericht zur WM-Vergabe - Moralischer Persilschein für die Fifa

Der Eine spricht die Fifa von jeglichen Korruptionsvorwürfen frei. Der Andere attackiert die fehlerhafte Beweisgrundlage. Die zwei Vorsitzenden der Ethikkommission sollten das Bewerbungsverfahren der Weltmeisterschaften auf Rechtmäßigkeit prüfen, doch sie widersprechen sich

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Kamprath, Marie

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Die Kontroverse um den mysteriösen Ethikbericht zum WM-Bieterverfahren ist um ein Kapitel reicher. Eigentlich sollte der Krimi an diesem Donnerstag ein Ende finden. In Zürich entschied die Fifa-Ethikkommission unter dem Vorsitz des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert, weder Vergehen noch Verstöße bei der WM-Vergabe an Katar und Russland feststellen zu können. Die Doppelvergabe der Turniere am 2. Dezember 2010 in Zürich sei ohne Korruption verlaufen.Eckert bezeichnete das Bewerbungsverfahren als „durchdacht, robust und professionell“.

Eine Aberkennung der beiden Gastgeberrollen käme nach den Ermittlungen der unabhängigen Kammer nicht infrage.Das Magazin Cicero sieht das anders. Unter dem Titel „Rote Karte! Kein Fußball für Russland und Katar“ äußerten in der Oktober-Ausgabe des Magazins elf Prominente Kritik am Weltfußballverband. Weitere Skeptiker äußerten sich bei Cicero Online.

Nun freue sich die Fifa, „die Vorbereitungen für Russland 2018 und Katar 2022 fortzusetzen, die bereits weit fortgeschritten“ seien. Viel Zeit zur Freude blieb nicht. Der Chef-Ermittler, Michael J. Garcia, witterte gegen die Beurteilung, erhob Einspruch gegen den Freispruch. Die Fifa-Ethikhüter hätten auf der Grundlage fehlerhafter und unvollständiger Informationen entschieden.

Garcia wehrt sich damit gegen den 42-seitigen Bericht, der nicht nur seinen Namen trägt, sondern auch auf seinen eigenen Erkenntnissen beruht. Diese Zusammenfassung beinhalte laut Garcia fehlerhafte Darstellungen der Fakten. Das Papier ist ein Abriss von 200.000 Seiten umfassendem Material. 75 Interviews wurden in zehn Ländern geführt. In Gänze veröffentlicht wurden diese nie, trotz eindringlichem Wunsch von Garcia.

Mangelnde Transparenz ist für der Ethikkommission jedoch keine Neuausschreibung wert. Katar und Russland werden die Turniere austragen. Alles bleibt, eben ohne Beweise – das mulmige Gefühl, die Fifa backe sich ihre Ethik, auch. 

Äußern auch Sie Kritik an der Fifa und schreiben Sie uns unter rotekarte@cicero.de. Die Redaktion behält sich eine Veröffentlichung vor.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es fälschlicherweise, Garcia sei früherer FBI-Direktor gewesen. Das war er aber nie.

 

Die Stellungnahmen der Cicero-Elf und die Geschichte hinter dem Fifa-Korruptionsskandal lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des Cicero. Die digitale Ausgabe des Magazins für politische Kultur erhalten Sie nachträglich bei iTunes (iPad-App) oder im Online-Kiosk.

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