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 > Südtirol – ein Vorbild für den Nordkosovo

Weltbühne
Balkan

Südtirol – ein Vorbild für den Nordkosovo

von 
Petra Sorge
22. August 2011
picture alliance
Mitrovica, Kosovo, Serbien, Grenzstreit, Kfor, Balkan
In Mitrovica im Nordkosovo werden die Grenzen zwischen albanischen und serbischen Stadtteilen militärisch überwacht.

Auf ihrer Reise nach Serbien wird Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl auch die jüngsten Konflikte mit dem Kosovo thematisieren. Zwischen den Nachbarn tobt ein Handelskrieg, der jüngst auch ein Todesopfer forderte. Als Lösung für die Unruheprovinz Nordkosovo bietet sich eine Selbstverwaltung wie in Südtirol an.

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Eine kleine europäische Bergprovinz beherrschte immer wieder die Schlagzeilen: Separatisten, Bombenanschläge, Zwangsbesiedlung, zwei Bevölkerungsgruppen, die sich unversöhnlich gegenüberstanden. Dahinter standen zwei Großmächte, die um ihr Territorium stritten. Bereits kurz nach Kriegsende versuchte der unterlegene Staat, die Gebiete im Nachbarland zurückzugewinnen. Der UN-Sicherheitsrat tagte.

Die Rede ist nicht vom Kosovo, sondern von Südtirol. Die einst österreichische Provinz, im Friedensvertrag von St. Germain 1919 Italien zugeschlagen, war fast ein Jahrhundert lang Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Rund zwei Drittel der dortigen Bevölkerung ist deutschsprachig. Unter dem Faschismus von Benito Mussolini wurde das Gebiet zwangsitalianisiert; in den 1930er Jahren wanderten tausende italienische Industriearbeiter in die Nordprovinz. Nach dem Zweiten Weltkrieg eskalierte der Konflikt. Die überwiegend deutschsprachige Bevölkerung forderte eine Rückkehr ins ehemalige Habsburgerreich. Das war damals aber, mitten im Kalten Krieg, ausgeschlossen – Italien war Teil der westlichen Allianz, Österreich teilweise sowjetisch besetzt.

Das heutige „Südtirol“ heißt Nordkosovo. In der Nordhälfte der geteilten Stadt Mitrovica sowie in den Gemeinden Zubin Potok, Leposavic und Zvecan ist die Mehrheit der 40.000 Einwohner serbisch. Sie stellen eine Minderheit im überwiegend von Albanern bewohnten Kosovo. Die Kosovoserben im Norden lehnen die Zentralregierung in Pristina ab. Seit der Nato-Intervention 1999 versuchte das Nachbarland Serbien alles, um sich – wenn schon nicht das ganze Kosovo, so doch zumindest die nördlichen Grenzgebiete – wieder einzuverleiben. Spätestens mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo 2008 war klar, dass diese Bemühungen fruchtlos sein würden. Mittlerweile haben 77 Staaten das kleine Westbalkanland anerkannt, darunter Deutschland.

Serbien hat seitdem versucht, seinen Einfluss im Nordkosovo weiter auszubauen. Es finanziert eine parallele serbische Verwaltungsstruktur, stützt Schulen und Krankenhäuser. Außerdem zahlt Belgrad Subventionen an Benachteiligte und Roma-Minderheiten, die sich in den serbischen Gemeinden im Kosovo aufhalten. Seit 2008 ist Pristina die juristische Kontrolle über das Krisengebiet fast vollständig entglitten. Bis heute gibt es dort keine örtlichen Richter und Staatsanwälte. Allenfalls Vertreter der EU-Rechtsstaatlichkeitsmission Eulex versuchen im Nordkosovo für Ordnung zu sorgen. Vergeblich, wie sich zeigt: die Region gilt nach wie vor als eine der kriminellsten Europas, der Drogenschmuggel blüht.

Mit einem Embargo auf kosovarische Waren versucht Belgrad auch, den Nachbarstaat wirtschaftlich auszutrocknen. Pristina konterte im Juli mit einem Importverbot auf serbische Produkte. Es kam es zu einem regelrechten Handelskrieg. Die jüngsten Zusammenstöße, bei denen ein kosovarischer Polizist ums Leben kam, waren der Höhepunkt des Konflikts. Kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Serbien kam es in der kosovarischen Grenzregion erneut zu Zwischenfällen, als Angehörige der serbischen Minderheit Eulex-Polizeibeamte und Kfor-Soldaten blockierten.

Lesen Sie auch, was das Besondere an der Südtiroler Autonomie ist.

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das Modell ist auf dem Nordkosovo nicht anwendbar! Ganz Kosovo ist vielleicht gerade mal so groß wie Tirol und von daher können sie sich vorstellen wie groß der Norden ist!
Es wäre ähnlich als wenn man einem Wiener Stadtviertel die genannten rechte gibt! Zusätzlich würde diese Form Gewaltpotential bergen wenn man bedenkt das es Ziel serbiens ist den Staat Kosovo zu unterminieren und nicht das Ziel hat die Stabilität zu fördern!
Wir hätten dann mit einer ähnlichen Sitaution wie in Bosniens zu tun, welches durch die Rep. Srpska welche durch Mord und Vertreibung geschaffen wurde, absolut nicht funktionsfähig ist!

  • Antworten
Mynihu23.08.2011 | 11:32 Uhr

Balkan

Sehr richtig Mynihu!!!!
Nach all den vielen schrecklichen Dingen, die die Bosnier und Albaner auf dem Balkan erlitten haben, wurde ihnen ein Teil Bosniens weggenommen (Republika Srpska) und nun soll der endlich unabhängige Staat Kosovo geschwächt werden! Irgendwann ist Schluss! Die Opfer sind nicht entschädigt, von einer anständigen Entschuldigung keine Rede, dafür aber viel von Verherrlichung von Kriegsverbrechern. Als Fazit kann Europa nicht zulasssen, dass die Opfer noch mehr leiden, nur weil die Serben sich selbst als die größten Opfer empfinden.
Merkel verbrennt sich auf dem Balkan nur die Finger!!!

  • Antworten
Sana24.08.2011 | 02:48 Uhr

Balkan

Im Bosnien, Kosovo und im restlichen Ex-Jugoslawien sind grauenhafte Dinge passiert. Es ist daher schwer sachlich zu bleiben und seine Emotionen zurückzuhalten. Ich nehme an, dass Sie (Sana) selber aus dieser Region stammen und daher die dort herrschenden Umstände kennen. Die Leute im Balkan beschäftigen sich mehr, mit dem was in der Vergangenheit passiert ist, anstatt in die Zunkunft zu schauen. Und genau da liegt das Problem. Die Narben aus dem Krieg sind immer noch sichtbar und sie werden es auch sehr lange sichtbar bleiben. Die Traum vom Vielvölkerstaat ist längst ausgeträumt! Der Volkswille ist Unabhängigkeit. Ob jetzt in Bosnien mit der Republika Srpska oder im Kosovo. Die Diskussionen in Zusammenhang mit Kriegsverbrechern, Entschädigungen, Opfern usw. kann endlos weitergeführt werden, doch bringt es diese Nationen wirtschaftlich und sozial nicht weiter.

  • Antworten
Mile8714.09.2011 | 20:25 Uhr

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