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 > Von Despoten und anderen Würstchen

Weltbühne
Diktatorensöhne

Von Despoten und anderen Würstchen

von 
Marie Amrhein
12. Februar 2012
picture alliance
Diktatorensöhne, Baschar al-Assad, Kim Jong Un, Syrien
Kim Jong Un und Baschar al-Assad - welche berufliche Karriere sie wohl ohne ihre Väter gewählt hätten?

Sie wachsen in goldenen Käfigen auf, verbringen ihr Leben unter falschen Freunden, in einer Realität voller Illusionen. Wer kann ihnen verdenken, dass sie im Erwachsenenalter falsche Entscheidungen treffen, die Diktatorensöhne dieser Welt?

Seite 1 von 2

Als Diktatorensohn hat man es nicht leicht. Das wird sich auch Baschar al-Assad dieser Tage denken, wenn er zwischen all den Befehlsgebungen zum Totschießen seiner Untertanen überhaupt zum Nachdenken kommt. Erst heißt es erwachsen werden unter einem Vater, der dem Zögling zwar einen überragenden Prominentenbonus verschafft, der aber von den Schulfreunden nur bedingt oder aber hysterisch übertrieben geliebt wird. Da wird schon im Kindergartenalter eine schwere kognitive Verzerrung anerzogen, werden Wahrheit und Lüge gebeugt, echte und falsche Freunde tummeln sich bei Versteckspielen im heimischen Garten.

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Da nimmt es nicht Wunder, dass diese Jungen auch später den Zugang zur Realität vermissen lassen und sich hin und wieder in Fehleinschätzungen verlieren. So wie der junge Teodorin Obiang, Sohn des äquatorialguineischen Diktators, der eine 380 Millionen Dollar teure Jacht orderte, die er offenbar mit gestohlenem Geld bezahlen wollte. Aber nach welchen Vorbildern soll einer leben, dessen Herr Papa als Nummer acht der reichsten Führer dieser Welt die Forbes-Liste ziert während sein Volk von einem Euro am Tag lebt?

Jungen wie diese müssen raus in die Welt, müssen andere Menschen kennen lernen, andere Lebensweisen, andere Länder. Glück scheint da derjenige zu haben, dessen Vater ihm eine schulische und universitäre Laufbahn im Ausland ermöglicht. So könnte man meinen. Es zeigt sich aber, dass auch der Aufenthalt außerhalb der diktatorischen goldenen Gitterstäbe  keinesfalls den Horizont erweitert.

Immer wieder gerne genommen bei der Erziehung der Nachwuchs-Tyrannen ist die Schweiz. Kim Jong Un, erfolgreich inthronisierter  Sohn des im vergangenen Jahr verstorbenen, landauf landab geliebten nordkoreanischen Führers Kim Jong Ils, besuchte in der Schweiz ein Internat und soll sich dort als fleißiger und stiller Mitschüler hervorgetan haben. Einmal aber, so berichtet ein ehemaliger Mitschüler, habe Kim Jong Un seine Bediensteten „zusammengeschissen“ als ihm die vorgesetzten Spaghetti mit Spiegeleiern nicht geschmeckt hatten.

Ebenso in der Schweiz ereignete sich folgender Vorfall, der den väterlichen Potentaten Muammar al Gaddafi so erzürnte, dass er dem Land den Heiligen Krieg erklärte und es als „Mafia der Welt“ bezeichnete. Die Schweizer Behörden hatten es gewagt, Sohn Hannibal und dessen Frau zu verhaften – diese hatten ihr eigenes Kindermädchen schwer misshandelt.

Alexander Lukaschenko, Vater des kleinen Kolja, lässt während seiner Arbeitszeit vorzugsweise weißrussische Demonstranten niederprügeln und ist bekennender Fan Adolf Hitlers. Für seien Sohn, so heißt es, hat er sein eigenes Geburtsdatum kurzerhand umdatiert: Auch er habe nun am 31. August Geburtstag und nicht mehr am 30. August, wie es all die Jahre zuvor zelebriert worden war. So kann der Vater mit dem Sohn gemeinsam feiern.

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Von Despoten und anderen Würstchen

Ich möchte nicht mit ihnen tauschen, mit den Söhnen der Diktatoren dieser Welt. Für einmal bin ich glücklich darüber, dass den Töchtern die Schuhe erspart bleiben, in die die Söhne zu schlüpfen gezwungen werden. Aber werden sie wirklich gezwungen? Durfte der schwergewichtige Nordkoreaner in der Schweiz nicht den Begriff der Freiheit und der Demokratie kennenlernen? Vor seinen Mitschülern als Sohn des eigenen Chauffeurs ausgegeben, hatte er die Chance, anderes zu sehen. Und durfte nicht Gaddafi jr. seine Geparden im Zoo von Wien in Vollpension geben, bevor er sich den Studien von, hm ja, von was eigentlich, und der Walzerseligkeit hingab? Und wie oft mag Assad jr. am Trafalgar Square gestanden sein, ohne sich entscheiden zu können, in welche Richtung er gehen sollte, um ein Optimum an Unterhaltung zu finden?
Sie hatten die Wahl! Die Wahl, entweder in die zu großen und gleichzeitig drückenden Schuhe der Väter zu steigen, und deren Weg weiter zu gehen, oder sich, vom sie erdrückenden Vaterbild zu befreien und die eigenen Schuhe zu wählen.
Sie haben die Schuhe der Väter gewählt, sie werden sich dem Ergebnis ihrer Wahl stellen müssen.

  • Antworten
esther scheiner12.02.2012 | 22:46 Uhr

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