Rasch hat Stewart sein Thema gefunden: Amerikas Rechte verweigern sich den Realitäten, messen mit zweierlei Maß, polarisieren und simplifizieren. „Ein Geschäftsmann, der Steuerlöcher ausnutzt, gilt als klug, aber wer Hunger leidet und Lebensmittelkarten braucht, gilt als gieriger Schmarotzer.“
Peng, peng, peng. Einmal in Fahrt, dreht Stewart immer mehr auf. „Von denen, die Fox-News schauen, glauben mehr Menschen, der Präsident sei ein Muslim, als an die Evolution.“ – „Wir setzen komplett auf hohe Ausgaben und eine starke Zentralregierung, wenn wir in Kriege ziehen, halten den Staat aber bei der Gesundheitsreform für überfordert?“ – Obama, der all diese Drohnen entsandte, um Terroristen zu töten, ist ein außenpolitischer Schwächling, weil er mit Ägyptens Muslimbrüdern spricht, die demokratisch gewählt wurden? Ja, war denn die Demokratie im Nahen Osten nicht das Hauptziel von Bushs Neokonservativen?“
Seinen stärksten Moment hat Stewart, als er gebeten wird, auf eine Frage aus dem Publikum zu antworten. „Warum soll ich nach vier Jahren immer noch Obama wählen?“ - Stewart zögert kurz, lächelt, dann sagt er nur einen Satz: „Weil der Gegenkandidat Romney ist.“
Wirkte Obama beim ersten TV-Duell gegen Romney eigentümlich schwach, so hat bei „The Rumble 2012“ eindeutig O’Reilly gegen Stewart das Nachsehen. Nur selten landet "Papa Bear" einen Treffer. Stewart meint, eine Gemeinschaft sei immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Darauf O’Reilly: „Wir sollen nur so stark sein wie die Schwächsten? Spinnst Du? Amerikas Fernsehen soll nur so stark sein wie CNN?“ Allein an dieser Stelle nimmt der Zuschauer wahr, dass es auch eine Moderatorin gibt – E. D. Hill von CNN.
Der Abend endet versöhnlich. Stewart setzt sich O’Reilly auf den Schoß, um zu demonstrieren, wie man mit gutem Willen und Kompromissbereitschaft auch die Blockade im Kongress überwinden kann. O’Reilly bereut, jemals für den Irakkrieg gewesen zu sein. Dann geht er sogar mit der eigenen Zunft ins Gericht. „Wenn Du im Radio oder Kabelfernsehen Hass verbreitest und eine radikale Meinung vertrittst, kannst Du viel Geld verdienen.“ Das ist kritisch gemeint.
Auch O’Reillys Ratschlag an die Jugend kommt von Herzen: „Arbeitet hart, seid ehrlich, findet eure Leidenschaft, verlasst mal das Internet, guckt euch die Welt an.“
Am Ende werden beide Kontrahenten mit stehendem Applaus
verabschiedet. Doch ihre Botschaft wirkt nach: Wenn wir zwei
fröhlich miteinander streiten können, gibt es eine Einheit, die
größer ist als jene angeblich unüberbrückbare Kluft, die Demokraten
und Republikaner trennt.










