Antiamerikanismus - Die USA sind der einzige Garant für Freiheit

Anlässlich Merkels Obama-Besuch wird in Deutschland wieder der Antiamerikanismus wach. Dabei sind die USA die einzige Schutzmacht für jeden Freiheitsliebenden dieser Welt

Ein junges Liebespaar küsst sich vor der Flagge der USA: In Deutschland schaut man eher skeptisch auf Amerika
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Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Im Dezember 2014 erschien der von ihm herausgegebene Band „Religion. Facetten eines umstrittenen Begriffs“ bei der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig.

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Alexander Grau

Noch nie war das deutsch-amerikanische Verhältnis nach dem 2. Weltkrieg schlechter als heute. Soweit sind sich die meisten Kommentatoren einig. Und auch über die Ursachen dieser Verstimmung herrscht weitgehend Konsens: die Präsidentschaft von George W. Bush, Afghanistan, der Irak-Krieg und natürlich die NSA-Affäre. Das alles habe, so die mehr oder minder übereinstimmende mediale Meinung, das Vertrauen der Deutschen in die Vereinigten Staaten nachhaltig erschüttert. Aller anfänglichen Begeisterung für Präsident Obama zum Trotz.

Doch diese Analyse greift zu kurz und beruht auf Augenwischerei. Die deutschen Vorbehalte gegen die USA sind älter und reichen tiefer. Der neue Antiamerikanismus ist ein alter Antiamerikanismus. Seine Grundlagen sind weder NSA noch George W. Bush oder Ronald Reagan, sondern die politische Romantik des 19. Jahrhunderts, ihre Aversionen gegen die westliche Zivilisation, gegen die individualisierte Massengesellschaft, die Technisierung aller Lebensbereiche und den kalten Zweckrationalismus des modernen Kapitalismus.

USA als Sitz des „internationalen Finanzjudentums“


Die Niederlage im 1. Weltkrieg sorgte dafür, dass diese antiaufklärerischen und antiwestlichen Strömungen in Deutschland nicht nur die akademischen und feuilletonistischen Diskurse beherrschten, sondern zunehmend auch die politische Auseinandersetzung. Die USA wurden zum politkulturellen Gegenentwurf stilisiert, zur undeutschen Heimstatt einer alles zersetzenden Moderne, eines rücksichtslosen Finanzkapitalismus und zum Sitz des „internationalen Finanzjudentums“.

Dass die USA, wie Umfragen zeigen, nirgendwo in Europa unpopulärer sind als in Deutschland, ist jedoch ein Ergebnis des 2. Weltkrieges. Bombenkrieg und bedingungslose Kapitulation stürzten die Deutschen in eine hoch ambivalente Gefühlsgemengelage. Denn zumindest in West-Deutschland war man sich bewusst, dass das Eingreifen der Amerikaner in den Krieg Deutschland zugleich vor dem Schlimmsten bewahrt hatte – der totalen Niederlage gegen die Sowjetunion. Dementsprechend dankbar war man unmittelbar nach dem Kriegsende. Marschallplan und Wirtschaftswunder taten dann ein Übriges – zumindest oberflächlich.

Schwelender Hass entlud sich in den 68ern


Doch wie das manchmal so ist: Was die Elterngeneration unterschwellig denkt, sich aber nicht zu auszusprechen wagt, das formulieren die Kinder umso deutlicher. Und so waren es die 68iger, denen es vorbehalten blieb, den latent schwelenden Hass gegen Amerika zu artikulieren.

Man muss kein großer Psychologe sein, um in den wütenden Protesten gegen die Bombardements Vietnams auch eine Übertragungsleistung und einen Entlastungsversuch zu sehen. Wer aus historischen Gründen nicht gegen die Zerstörung Deutschlands demonstrieren durfte oder wollte, dem bot sich in Fernost eine scheinbar unverdächtige Projektionsmöglichkeit.

Narzisstische Kränkung


Der zeitgenössische deutsche Antiamerikanismus ist psychologisch vor allem das Produkt einer tiefen narzisstischen Kränkung. Deren Ergebnis ist eine ausgeprägte antiamerikanische Neurose, die dazu führt, dass man sich hierzulande zwanghaft mit allen angeblichen Opfern amerikanischer Aggression und amerikanischen Dominanzstrebens solidarisiert. Dass dies zu bizarren Solidaritätsbekundungen mit den widerwärtigsten Autokraten dieser Welt führt, sei dies nun Saddam Hussein, Baschar al-Assad oder Wladimir Putin, bestätigt diese These nur auf besonders unangenehme Weise.

Und so ist es kein Zufall, dass seit den 70er Jahren ein mehr oder minder unverhohlener Antiamerikanismus wieder zum guten Ton in Deutschland gehört – und sei es, dass man sich symbolisch über die amerikanische Fast-Food-Kultur echauffiert, über Disney, McDonalds und Hollywood.

NSA, George W. Bush, Ronald Reagan, Richard Nixon – sie lieferten immer nur den Vorwand, um alte Reflexe zu mobilisieren und unerschütterliche Einsichten zu bestätigen. Wer die antiamerikanischen Ressentiments in Deutschland auf die Politik der USA zurückführt, verwechselt Ursache und Wirkung. Es ist der antiamerikanische Zerrspiegel, der dafür sorgt, dass alles, was Amerika macht (oder lässt), als Ausdruck yankeehafter Skrupellosigkeit oder amerikanischen Banausentums wahrgenommen wird – vorzugsweise als Mischung aus beidem.

Amerika steht aus deutscher Sicht für so ziemlich alles, was hierzulande verpönt ist: Individualismus, Selbstverantwortung, Staatsskepsis, Kapitalismus. Der Kern des deutschen Antiamerikanismus ist jedoch die Idee der Freiheit. Dass sie Konkurrenz mit sich bringt statt wohliger Gemeinwirtschaft und Dissens statt kuscheligem Konsens, ist aus deutscher Sicht schon schlimm genug. Dass man sie aber zur Not auch verteidigen muss, und sei es mit unschönen robusten Mitteln, sprengt nicht nur die deutsche Vorstellungskraft, sondern trifft sie an ihrem wundesten Punkt.

Und so haftete den deutsch-amerikanischen Freundschaftsbekundungen, wie wir sie auch in diesen Tagen wieder erleben werden, häufig etwas Zwanghaftes an. Zumindest aus deutscher Sicht waren sie von Anfang an aus schierer Not geboren. Aus diesem Grund hat man daher bald nach dem 2. Weltkrieg nach Auswegen aus der Abhängigkeit von den USA gesucht.

EU kann sich nicht selber schützen


Die naheliegendste Lösung war eine Allianz mit dem ebenfalls staatsverliebten und latent antiamerikanischen Frankreich. Es folgten konsequenter Weise Élysée-Vertrag, EG und EU. Die Europäische Union ist letztlich ein Produkt pankarolingischen Animositäten gegen die USA. Insofern war die Äußerung der US-Diplomatin Victoria Nuland („Fuck the EU“) durchaus verständlich.

Doch dummerweise ist die EU nicht einmal in der Lage, sich selber zu schützen, geschweige denn, in ihrem geopolitischen Vorfeld wirksam zu agieren. Dafür fehlen der politische Wille, die wirtschaftliche Potenz und – vor allem – die militärische Macht.

USA als unabdingbare Schutz- und Trutzmacht der Freiheit


Wie gefährlich daher eine militärische, wirtschaftliche oder politische Schwäche der USA ist, durften wir in den letzten Monaten verfolgen. Die Ereignisse in der Ukraine sind auch das Ergebnis eines machtpolitisch unbeholfenen Lavierens unter Präsident Obama. Nicht nur Syrien hat Putin gezeigt, dass die momentane Regierung der USA bestenfalls zögernd bereit ist, ernsthaft für die von ihr proklamierten Werte einzustehen. Zumindest mit Blick auf die Ukraine haben die USA jedoch, wenn auch etwas spät, in die Rolle der Führungsmacht der westlichen Welt zurückgefunden. Dass es genau diese wieder gefundene Standfestigkeit ist, die den Deutschen die USA einmal mehr suspekt macht und den durchschnittlichen Wohlstandsdeutschen mit Verständnis und Sympathie auf den kriminellen Autokraten Putin schauen lässt, bestätigt die deutschen Psychopathologien einmal mehr.

Doch machen wir uns nichts vor. In letzter Konsequenz hat jeder freie Mensch auf dieser Welt nur eine Schutz- und Trutzmacht: die Vereinigten Staaten von Amerika. Wer das bezweifelt, mag sich unter die Obhut Russlands oder Chinas begeben, deren Geheimdienste im Übrigen auch nicht anders agieren als die amerikanischen. Nur eines wird in Deutschland gerne vergessen: Wenn zwei das gleiche tun, ist es immer noch nicht dasselbe. Und in letzter Konsequenz sind Amerikas Macht und Amerikas Stärke der einzige Garant für alles, was uns lieb und teuer ist.

 

 

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