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 > Ratlose Euro-Retter

Weltbühne
Quo Vadis, Griechenland?

Ratlose Euro-Retter

von 
Eric Bonse
10. Februar 2012
picture alliance
Schuldenkrise, Griechenland, Merkel, Euro
Quo Vadis, Griechenland?

Das griechische Schuldendrama geht trotz der Einigung auf einen neuen drakonischen Sparplan weiter. Diesmal steht Berlin auf der Bremse - kommt doch noch die Pleite?

Seite 1 von 2

Erst konnte alles nicht schnell genug gehen. „Die Zeit läuft ab“, warnte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker Anfang dieser Woche. „Wir sind schon in der Nachspielzeit“, sekundierte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Griechenland müsse schnellstmöglich die Bedingungen der internationalen Troika akzeptieren und neue drastische Sparpläne beschließen, hieß die unmissverständliche Botschaft noch Anfang dieser Woche.

Die Zeit drängt: Ohne neue Milliardenhilfen ist Athen am 20. März pleite. Dann werden alte Schulden fällig, und ohne den fest versprochenen europäischen Rettungsplan in Höhe von 130 Mrd. Euro kann die griechische Regierung nicht zahlen. Je schneller das grüne Licht aus Brüssel kommt, desto besser. Schließlich haben die Euro-Retter ja schon viel Zeit verloren - wegen der taktischen Spielchen in Athen.

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Doch nun haben es Juncker & Co. plötzlich gar nicht mehr eilig. Auf einer Sondersitzung der Eurogruppe am Donnerstag Abend in Brüssel stellte Juncker plötzlich neue Bedingungen: Vor einem Beschluss müsse das Parlament in Athen die neuen Sparpläne abnicken. Außerdem müsse die Umschuldung mit den Banken abgeschlossen werden. Juncker setzte ein neues Ultimatum: Bis nächste Woche Mittwoch soll Athen liefern - sonst gibt es keine neue Hilfe aus Europa.

Doch auch Mittwoch wird die Rettung nicht in trockenen Tüchern sein. Denn die Umschuldung dauert Wochen - und sie braucht neue Garantien aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF, die nicht über Nacht zu erwirken sein werden. Vor allem Deutschland steht auf der Bremse, denn jede neue Finanzhilfe muss vom Bundestag genehmigt werden. Bei einer Sondersitzung am Freitag in Berlin zeichnete sich bereits Widerstand aus den Reihen der schwarzgelben Koalition ab.

Die Retter stehen vor einem Dilemma: Einerseits muss alles bis Anfang März unter Dach und Fach sein, damit Griechenland nicht doch noch auf der Zielgeraden pleite geht. Andererseits wächst die Skepsis, dass das Land überhaupt willens und in der Lage ist, die neuen Sparpläne auch wirklich umzusetzen. Und dann ist da noch die Sorge, dass auch das neue Konzept der Troika zum Flop wird - so wie alle Rettungspläne in den letzten beiden Jahren.

Der jüngste Troika-Plan war erst nach wochenlangem Gezerre zwischen Deutschland, der EU, der EZB und dem IWF zustande gekommen. Der Währungsfonds war von dem bisher verfolgten Sparkurs abgerückt und hatte stattdessen Strukturreformen und eine noch größere Beteiligung der Eurostaaten und der EZB an der Umschuldung Griechenlands gefordert. Die Bundesregierung lehnte es jedoch vehement ab, den Rettungsplan aufzustocken. Berlin forderte stattdessen weitere harte Schnitte in Athen.

Nun soll beides kommen: weitere harte Sparmaßnahmen und neue Strukturreformen - vor allem im Privatsektor. Der Mindestlohn wird um 22 Prozent gesenkt, die Tariflöhne werden gedeckelt, Zusatzleistungen gestrichen. Es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und so das Wachstum zu fördern, heißt in im „Memorandum of Understanding“, das Premier Lucas Papademos an die Troika geschickt hat. Der Schuldenabbau sei der leichtere Part, begründete IWF-Chefökonom Olivier Blanchard die Kehrtwende. Nun müssten auch die Löhne gekürzt werden.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum die Wut der Griechen gegenüber Deutschland steigt

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Eine gewisse Ratlosigkeit

Die Unsicherheit in der Bewertung ist offensichtlich, schon im Hinblick auf die ökonomische Substanz Griechenlands. Auch scheint es nicht durch einen größeren Konsens geschlossen werden zu können. Nichts scheint so richtig zu gelingen. Die Unterschiede und sozialen Konflikte treten wieder deutlicher zutage. Der „Euro“ als endzeitliche Friedensordnung für den bisherigen Europa-Raum scheint nicht mehr zu funktionieren. Der „Euro" scheint die "Gemeinschaft" zu sprengen.

  • Antworten
bernhard10.02.2012 | 15:34 Uhr

Es bröckelt ...

In Athen bröckelt die Mehrheit der Regierungsparteien und in Berlin ebenfalls. Dabei sind die Einsparungen nur ein erster kleiner Schritt. Das Vertrauen in die griechische Politik ist in den letzten zwei Jahren sowieso endgültig geschwunden und die Märkte haben den Bankrott des Landes längst eingepreist. Laut Spiegel kann das Deutschland 30-50 Milliarden Euro kosten, etwa 400-700 Euro pro Bundesbürger. Alles Andere wird vermutlich erheblich teurer, denn niemand glaubt ernsthaft aus Athen das Geld jemals zurück zu bekommen. Das Klientelsystem in der griechischen Politik ist nur durch gesellschaftliche Umwälzungen abzuschaffen. Eine weiteren Subvention verzögert nur den notwendigen Neubeginn und kostet alle europäischen Politiker und Funktionäre die weiteres Geld verbrennen die Glaubwürdigkeit.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann11.02.2012 | 07:49 Uhr

Ratlose Euro-Retter

Tja, wer nicht hören will, der muß eben zahlen. Es gab eine Menge
Leute, die haben das jetzige Scenario ziemlich genau vorhergesagt.
Aber diese Leute wurden eben "abgemeiert". Europa-Feind, Nationalist,
rückwärts gewandt, Pessimist usw., usf.
Jetzt heißt es zahlen. Und das was jetzt passiert, das ist nur der Anfang. Aber auch das will wieder niemand hören.

  • Antworten
Wolfram Wiesel11.02.2012 | 17:29 Uhr

Durchhaltestrategien

Es ist doch schon nicht mehr die Frage ob Griechenland das
noch durchhält, sondern eine EU die mit dem Wackeln Portugals
und die durch die EZB versteckte baldige Zahlungsunfähigkeit
Italiens selbst finanziell aus dem letzten Loch pfeift.
Denn auf Dauer läßt sich der freie Kapitalmarkt durch künst-
liche Rettungsschirme, die keiner mehr fianzieren kann und
will, nicht austricksen.

  • Antworten
Pequod12.02.2012 | 12:12 Uhr

Fördern

Griechische Möglichkeiten:

- den privaten Immobilienkauf durch Europäier in Griechenland simpel gestalten und fördern
-Auslandeinsätze eigener Bürger in Europa mit Europa fördern, Befristete Arbeitsverhältnisse mit Partner abstimmen
- Tourismus Infrastruktur ausbauen bzw. werben/Investieren
- Großevent aufbauen, 2015 das Jahr Griechenlands mit Partys+Geschichte+Tunieren+Musikbands+Konzerte für Hellas usw. gibt so viel (Eventmanager, Prominente - man ist Griechenland -)
- 2012 zum Jahr der Philosopie zur Zukunft Griechenlands machen, Ideesammlung - Preisausschreibung in dieser Sache und und und....

  • Antworten
plüschio14.02.2012 | 17:48 Uhr

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