Die liberianischen Staatspräsidentin ist Afrikas erster Frau, die demokratisch zum Staatsoberhaupt gewählt wurde.
Frau Präsidentin, Korruption, Armut, Kriegswehen – das fällt vielen Menschen ein, wenn sie an Ihr Land denken.
Ich weiß das. Und das ist nicht nur der Blick von außen, also Ihr Blick, sondern auch unsere eigenen Leute sind traumatisiert und haben Angst vor der Zukunft. Sie haben viel durchgemacht. Aber meine Regierung steht am Anfang und wir brauchen jetzt in erster Linie Zeit. Es tut sich manches. Wir kommen wieder auf die Füße.
Bleiben wir bei der Korruption: Sie durchzieht alle Ebenen der Verwaltung, auch die Polizei ist berüchtigt.
Liberia leidet unter der Abwanderung der Eliten, die schon vor und während des Krieges einsetzte. Unsere Maßnahmen gegen Korruption sind aber umfassend. Und Sie können mir glauben, dass ich nicht davor zurückschrecke, Leute zu entlassen.
Sie haben Karriere bei den Vereinten Nationen und der Weltbank gemacht. Warum tun Sie sich diesen abenteuerlichen Job überhaupt noch an? Sie können eigentlich nur verlieren dabei.
Das sehe ich nicht so. Ich bin meinem Land schuldig, Verantwortung zu übernehmen. Auch im Exil blieb Liberia das Land meines Herzens, meine Heimat. Ich bin hier aufgewachsen, wurde zur Politikerin, ich war hier inhaftiert, man wollte mich im Gefängnis wegen meiner Überzeugung umbringen. Das alles soll nicht umsonst gewesen sein.
In Ihrem Land wimmelt es von ehemaligen Kindersoldaten. 12.000 sollen es sein. Tickende Zeitbomben für eine Gesellschaft.
Sie sind in der Tat eine große Herausforderung für uns. Aber wir müssen diese Herausforderung annehmen und etwas daraus machen. Meine Lösung für das Problem: Diese Kids sollen zurück auf die Schulbank. Da lernen sie, ihren Verstand statt einer Waffe zu benutzen.
Ein großer Teil der Kinder ist aber zu alt für die Schule.
Dann sollen sie eben einen Beruf lernen. Wir müssen ihnen Angebote machen, Zukunft verheißen.
Wie kann der Westen Ihrem Land helfen?
Wir sind auf Hilfe von außen angewiesen. Alleine können wir das nicht bewältigen. Deshalb mein Appell an Europa: Verschließen Sie Ihre Augen nicht vor diesem Leid. Bundeskanzlerin Merkel und Heidemarie-Wieczorek-Zeul haben mir übrigens bestätigt, dass gerade Deutschland uns zur Seite stehen wird.
Wird es in Liberia Massengerichte geben wie etwa in Ruanda um die Kriegsverbrechen zu sühnen?
Nein. Dafür haben wir die Wahrheits- und Versöhnungskommission, vor der die Menschen aussagen können. Sie ist aber kein Gericht. In unserem Land leben so viele Täter – wir müssen lernen zu vergeben und wieder miteinander zu leben. Wer im Heute mitzieht und uns voranbringt, hat wegen des Gestern nichts zu fürchten.
Die Fragen stellte Christoph Wöhrle










