Markus Lüpertz - „Wenn Sie in eine Boutique gehen, sind Sie ein Monster“

Einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart, Markus Lüpertz, erklärt, warum er trägt, was er trägt

„Ich bin ein echter Fan von mir, deswegen behandele  ich mich gut“: Markus Lüpertz in seinem Atelier  nahe Berlin. Der Maler, Jahrgang 1941, zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart
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Markus Lüpertz ist einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Er lebt und arbeitet in Berlin und Düsseldorf.

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Was heißt Inszenierung? Ich inszeniere mich nicht. Sondern ziehe mich einfach gut an. Ich mache mich beim Malen dreckig und habe anschließend das Bedürfnis, mich einigermaßen zu kleiden. Mehr nicht. Wenn man über gewisse Mittel verfügt, ist das doch selbstverständlich. Es tut nur keiner mehr, deswegen fällt man auf. Selbst in Italien. Ich habe diesen Verfall in Cortona beobachtet, wo ich ein Haus habe. Die Männer laufen inzwischen herum wie amerikanische Schauspieler nach Feierabend: Dreiviertelhosen, Schlappen an den Füßen, Ranzen.

Es hat damit zu tun, wie sehr man sich mag. Ich bin ein echter Fan von mir, dewegen behandele ich mich gut. Dieser Anzug stammt aus dem Jahr 1984, von meinem englischen Schneider Wilkinson. Aber der ist leider inzwischen tot. Auch mein italienischer Schneider ist gerade gestorben. Sie sehen, die Schneider sterben aus. Jetzt trage ich die Sachen auf. Immerhin, ein Anzug von 1984! Meine Westen (meist mit doppelreihiger Knopfleiste und aus Samt) und Hemden lasse ich auch nach meiner Vorstellung schneidern.

Die roten Schuhe sind von Scheer in Wien. Ich gehe nicht zum Vergnügen am Stock (oft silbern mit Totenkopf-knauf), ich hatte einen Autounfall. Und ich habe keine Lust, mit der Stützgeh-hilfe vom Sozialamt rumzulaufen – also habe ich versucht, das zu kultivieren. Wenn man schon ein Krüppel ist, sollte man das wenigstens anständig machen. Gegen Läden und Boutiquen habe ich nichts. Aber es gibt nichts in meiner Größe. Wenn Sie heute in eine Boutique gehen, sind Sie ein Monster. Sie sehen den Verkäufer und wissen genau, der hat nichts Erwachsenes. Dabei bilde ich mir ein, eine völlig normale Figur zu haben.

Aufgeschrieben von Lena Bergmann

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