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Zu Fuße nach Venedig

Von Lisa Zeitz7. März 2011
Die Rialtobrücke in Venedig in der Abenddämmerung
Die Rialtobrücke in Venedig in der Abenddämmerung
Schrift:
Canaletto gilt als der bedeutendste der venezianischen Vedutenmaler. Sigismund Streit, ein deutscher Kaufmann, sorgte dafür, dass zwei seiner Bilder auch in Berlin gesehen werden konnten
Venedig ist eine Wunderwelt aus Wasser, Stein, Luft und Licht, die sich über Jahrhunderte nur wenig verändert hat. Schaut man auf Canalettos Ansicht des „Canal Grande nach Südosten vom Campo Santa Sofia zur Rialtobrücke“, glaubt man für einen kurzen Augenblick, die heutige Lagunenstadt vor sich zu haben. Man meint fast zu hören, wie die Ruder der Gondolieri beim Eintauchen ins Wasser klatschen und die kleinen Wellen glucksend gegen die Fassaden der alten Paläste schwappen, an denen scheinbar schon damals langsam der Putz abbröckelte. Die zart getönten Schönwetterwolken verleihen dem Gemälde eine Heiterkeit, die dem Betrachter suggeriert, dass ihm an einem Tag wie heute nicht nur Venedig, sondern die ganze Welt offenstünde. Giovanni Antonio Canal, genannt ­Canaletto (1697 bis 1768), der bedeutendste der venezianischen Vedutisten, war schon ein älterer Herr, als er diese Ansicht um 1760 malte. Ganz im Hintergrund ist ein Stück der Rialtobrücke zu erkennen, ansonsten hat er hier keine der berühmten Bauwerke wie den Dogenpalast oder den Markusdom dargestellt. Der Künstler hat das fast zwei Meter breite Bild als Auftragsarbeit für den deutschen Kaufmann Sigismund Streit geschaffen und deshalb dessen Residenz, den Palazzo Foscari mit seinen spätgotischen Spitzbogenfenstern, in den Blickpunkt gerückt. Vom kleinen, angrenzenden Platz aus, dem Campo Santa Sofia, kann man damals wie heute für wenige Münzen mit dem Traghetto über den Canal Grande übersetzen. Diese Überfahrt hat auch Streit täglich getätigt. Auf der anderen Seite des Kanals lagen die Handels- und Schifffahrtsbehörden sowie das Bankenzentrum der Stadt, wo er seinen Geschäften nachging. Sigismund Streit war das, was man heute als einen Selfmademan bezeichnen würde. 1687 als Sohn eines Huf- und Waffenschmieds geboren, besuchte er ab seinem zehnten Lebensjahr das Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster. Schon als er vierzehn war, verlor er beide Eltern und zog daraufhin zu Verwandten nach Altona. Lange hielt es ihn dort nicht. Bald wanderte der Jüngling „zu Fusse nach Venedig“, wie er später schrieb. Dabei erlebte er bittere Armut: „am Tage war Wasser und trucken Brod meine Speise“, berichtete er. Nur nachts leistete er sich „für 1 ½ Groschen was Warmes und ein Lager auf dem Heu-Boden“. Venedig muss ihm wie verzaubert vorgekommen sein. Nach einigen Jahren, die er dort mit niederen Diensten verbrachte, arbeitete er sich „mit vielen Zähren, Beständiger Arbeit und äusserster Sparsamkeit“ zum wohlhabenden Kaufmann hoch. Eine Familie aber gründete Streit nicht und war, bei einer Reise nach Deutschland im Jahr 1724, auch von seinen Verwandten in Berlin hoch enttäuscht. „Die Meinigen in Berlin“, schrieb er später an den Direktor des Grauen Klosters, befänden sich „auf sehr niedrigen Wegen“. Niemanden hätte er unter ihnen gefunden, von „deme ein solides Dencken zu hoffen“ sei. Einen Großteil seines Vermögens vermachte der Kaufmann daher seiner alten Schule, inklusive seiner Bibliothek, Dutzenden von kostbaren Werken italienischer Malerei und 60 000 Taler. Damit wurde das – heute noch existierende – Graue Kloster zum bestausgestatteten Gymnasium von ganz Berlin. Um seine Bildungsideale, seinen Ruhm und den Venedigs fortleben zu lassen, knüpfte Streit genaue Auflagen an die Stiftung. Er bestimmte zum Beispiel, dass Italienisch Unterrichtsfach wurde, und legte fest, dass die Schüler zu einer jährlichen Festveranstaltung selbst verfasste Reden auf Griechisch, Lateinisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Italienisch halten sollten. Vor allem mit der Kunst pflanzte der Kaufmann seine Italienliebe noch Generationen von Gymnasiasten ein. Seine Gemälde hingen in einem Hörsaal und beeindruckten Schüler wie den jungen Karl Friedrich Schinkel. Heute befinden sich diese und eine zweite Vedute Canalettos als Leihgabe der Streit’schen Stiftung in der Gemäldegalerie in Berlin.
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Ausgezeichnet!
Meine "..lücke" geschlossen zwischen Sigismund Streit und Canaletto.

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Uschi Barbieri16.03.2011 | 00:00 Uhr

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