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 > Ziellosigkeit als Prinzip

Salon
Robert Walser

Ziellosigkeit als Prinzip

von 
Timo Stein
25. Dezember 2011
picture alliance
Robert Walser, Der Spaziergang, Mikrogramme

Robert Walser war einer der rätselhaftesten Schriftsteller in der neueren Literatur. Kaum ein Autor war derart eng mit seinem Werk verwoben, wie der in Biel geborene Walser. Am ersten Weihnachtsfeiertag jährt sich der Todestag des Schweizers zum 55sten Mal

Seite 1 von 2

25. Dezember 1956. Eine trockene Kälte durchflutet den Abend. Eine Lautlosigkeit fällt wortkarg zu Boden. In grau-müdem Weiß liegt Stille über der Natur. Die Tannen des Waldes haben schwer zu tragen. Bedeckt von Schnee und Eis halten sie ihre hängenden Glieder in den flüchtenden Tag. Ehrfürchtig, schüchtern, gleichwohl verwegen und still. Ein Pfad zeichnet sich mühsam ordnend durch die Willkürlichkeit des Waldes. Abseits des Weges liegt eine Gestalt im Schnee. Es ist Robert Walser. Er liegt friedlich am Boden. Allein. Erfroren. Keinerlei Fußspuren, die seinen Werdegang bezeugen könnten. Walsers letzter Spaziergang wird Teil des eigenen literarischen Schaffens, Walser selbst wird an seinem letzten Tag zu seiner eigenen Romanfigur.

Robert Walser beschreibt diese Art des Todes bereits in dem 1907 erschienenen Roman „Geschwister Tanner“. Dort ist es der Dichter Sebastian, der von einem Spaziergang nicht mehr heimkehrt, sondern schneebedeckt im Wald aufgefunden wird. Allein mit sich und der Natur. „Die beste Musik für einen“ schreibt Walser, „der kein Gehör und kein Gefühl mehr hat“.

Robert Walser wird 1878 als siebentes von acht Kindern in Biel geboren. Die Mutter stirbt früh, der Vater schafft es nur mit Mühe, sich und die Familie durchzubringen. Bereits mit vierzehn verlässt Walser die Schule, er ist gezwungen eigenes Geld zu verdienen und beginnt eine Banklehre. Es ist der Anfang einer turbulenten Zeit, in der Walser in steter Regelmäßigkeit die Anstellungen wechselt. Genau wie seine Romanfiguren hält es Walser dauerhaft nirgendwo aus. Er arbeitet mal als Büroangestellter, mal als Verkäufer oder er schlägt sich mit kleineren Tätigkeiten durch. Gleichzeitig fängt er das Schreiben an und bringt 1898 seinen ersten Gedichtband heraus. Anfang des 20. Jahrhunderts zieht es Walser schließlich nach Berlin. Wirklich angekommen ist er dort jedoch nie.

In jenen Jahren entstehen die drei Romane Geschwister Tanner (1907), Der Gehülfe (1908) und Jakob von Gunten (1909). Jedoch gelingt es Walser nicht, sich in den literarischen Kreisen Berlins zu etablieren. Er war kein Romancier. Das Format des Romans, eines handlungsorientierten abschließenden Werkes, war im stets zuwider. Kurzum: Walser kehrt als gescheiterter Literat in die Schweiz zurück und widmet sich wieder kürzeren Prosastücken. 1917 erscheint mit der Erzählung „Der Spaziergang“ sein vielleicht berühmtestes Werk.

Lesen sie auf der nächsten Seite, wie Robert Walser die Ziellosigkeit zum Prinzip erhob

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Rätsel über Rätsel...

Was ist denn das: "zum 55sten Mal"???

  • Antworten
mehlboggxer27.12.2011 | 14:59 Uhr

Manchem ist die Munition von vornherein begrenzt...

55...

  • Antworten
Mustang27.12.2011 | 16:45 Uhr

Buchempfehlung zu Robert Walser

In Walsers letztem Lebensabschnitt hat ihn Carl Seelig in der Klinik besucht und mit ihm Wanderungen unternommen. Ein kleines Suhrkamp-Bändchen bewahrt die daraus entstandenen literarischen Kleinode über den Menschen Robert Walser.

http://www.amazon.de/Wanderungen-Robert-Walser-Bibliothek-Suhrkamp/dp/3518015540/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1325085860&sr=8-1

  • Antworten
Abt Propos28.12.2011 | 16:38 Uhr

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