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 > Wie aus Namen Menschen werden

Salon

Chantal, Kevin, HannahWie aus Namen Menschen werden

Von Marie Amrhein13. April 2012
picture alliance
Geburt, Kindernamen, Marie Amrhein
Entscheidungen trifft die Generation Maybe ungern - erst recht nicht für ein ganzes Leben
Schrift:
Seite 2 von 2

Die Frage der Namensgebung erlegt den werdenden Eltern einen immensen Druck auf, der durch die neusten Studien zum Thema Kevinismus und Chantalismus noch erhöht wird. Denn nicht nur Lehrer und Personaler lassen sich von ihrem Schubladendenken leiten und vergeben schlechte Noten, beziehungsweise Absagen aufgrund des falschen Namens, wie schon seit Jahren gewarnt wird. Forscher der Humboldt-Universität in Berlin haben nun auch noch die Statistiken der Dating-Portale auseinander genommen und ermittelt: Das Profil eines Alexanders wird doppelt so häufig aufgerufen wie das von Kevin, auch wenn daneben nur noch das Alter und der Wohnort angegeben wurden. Ähnlich war es für Mandy und Chantal, im Vergleich zu Hannah und Charlotte. Welchen Rücklauf Rambo Ramon Rainer bei einem Dating-Portal zu erwarten hätte, kann man sich aufgrund der Daten nun selber denken.

Nicht nur Schullaufbahn und Karriere verpfuschen wir unseren Kindern also mit der falschen Entscheidung. Nein, auch noch das Liebesleben unserer gebeutelten Nachfahren haben wir auf dem Gewissen, wenn wir heute die falsche Entscheidung treffen.

Aber woher weiß ich, dass eine Henriette nicht eines Tages einen Amoklauf begeht? Oder dass wir eine dumpfbackige Ministerin mit Namen Thea bekommen, wenn unsere Tochter ihren ersten Job antreten will? Eine Entscheidung muss her, bevor das Kind überhaupt da ist. Bevor ich weiß, welche Fächer ihr in der Schule gefallen, welches Hobby sie sich erwählt, welche Freunde. Ob sie lieber auf Bäume klettert oder Puppenbetten im Moos baut?

Am besten wäre es vielleicht, den Schubladendenkern ein Schnippchen zu schlagen. Das würde für einen besonders seltenen Namen sprechen. Einen, der alle Personalabteilungsleiter, Lehrer und Dating-Börsen-Besucher in die Irre führt. Zofia? Kirara? Oder Litonya? Auf, auf jetzt. Es bleiben vielleicht noch ein paar Stunden, um einen Namen zu finden, der ihr das Leben rettet.

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Liebe Marie

Eine tolle Kolumne mal wieder.
Aber das aus dem Welt-Online-Artikel "Eine Umfrage hat vor Kurzem ergeben, dass jeder Fünfte unter 30 Auschwitz nicht kennt," glaube ich einfach mal nicht. Die haben sich da vertan. Ganz sicher. Schau: Ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich misstraue mit fester Überzeugung einer Studie – gegen die Autorität der Wissenschaft.
Im taz-Artikel sehe ich eine fruchtbare Fortsetzung der Debatte.
Klar. Unser größtes Problem ist die Komplexität, die Vielfalt. Unser immenses Wissen, desillusioniert uns. Wir wissen, dass unser Wohlstand auf Kosten der Dritten Welt geht, stehen aber unter Sachzwängen, so meinen wir, sodass wir trotz unseres schlechten Gewissens nicht mehr tun, als etwas ein paar Euro zu spenden oder an Petitionen teil zu nehmen. Immerhin.
So jetzt meine These, vielleicht für meine nächste Kolumne: Wir haben uns in unserem Freiheitsdrang jeglicher Werkzeuge entledigt, die Komplexität reduzieren: Früher Religionen, später Ideologien. Wir sind eine völlig verkopfte Generation und hadern mit dem Wissen, dass wir nicht alles wissen können, nicht alles lesen, tun, erreichen können. Da hilft nur Bauchgefühl. Öfter auf Intuition hören. Nicht jede Option abwägen. Denn mumm haben unvernünftig zu handeln, gegen den Verstand, allein dem Gefühl trauend. Die Welt ist ohnehin zu Komplex für Planungssicherheit. Befreit euch von der Idee, ihr könntet alles planen – vor allem das Glück eurer Kinder. Wer weiß schon ob mein Sprössling der nächste Kanzler oder ein etwa ein Drogenabhängiger wird. Als Eltern liebt man sein Kind ohnehin so wie es ist. Und nicht dafür, welchen Beruf es mal hat, welche Noten es mir nachhause bringt. Als Eltern kann man nur leiten, indem man vorlebt, Vorbild ist. Mehr nicht. Wer da kommt wird einmal ein eigenständiger Mensch, wie Du und Ich. Und wir wissen selbst gut, dass jeder von uns seinen Weg am Ende des Tages mit sich selbst ausmachen muss. Und auch beim Kinder großziehen mann man rein rational so viel falsch machen. Und so ist auch hier das beste Rezept, so denke ich, Bauchgefühl und Intuition. Und davon hast Du liebe Marie eine ganze Menge denke ich.

Und so wünsche ich Dir, dass Du vielleicht morgen aufwachst und es fällt Dir wie Schuppen von den Augen: Meine Tochter soll Lisa heißen. Warum auch nicht? Ich komme mit Peter auch zurecht, auch wenn ich mir selbst nie den Namen gegeben hätte. Marie finde ich übrigens sehr schön. Deine Eltern hatten vielleicht das richtige Bauchgefühl.
Ganz liebe Grüße und viel Glück!

  • Antworten
Peter16.04.2012 | 13:24 Uhr

Nomen: Wenn "Namen Leben

Nomen: Wenn "Namen Leben retten" sollen - kommt meine Meinung zu spät:

Antonius Stephan R...

  • Antworten
Antonius REyntjes16.04.2012 | 16:05 Uhr

Felix Kartte

Hallo lieber Cicero,

ich freue mich über die Verlinkung, werde aber mit zwei T, statt zwei R geschrieben. Könnt ihr das ändern? Danke :)

  • Antworten
Felix Kartte09.05.2012 | 23:07 Uhr

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