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Salon
Bibliotheksporträt

Wenn Bücher glücklich machen

von 
Ulrich Clewig
25. Februar 2012
Thomas Meyer / Ostkreuz
Kunst- und Kunstbuchsammler Max Hetzler in seiner Bibliothek
Kunst- und Kunstbuchsammler Max Hetzler in seiner Bibliothek

Seit Jahrzehnten verkauft der Berliner Galerist Max Hetzler Kunst für sechs- und siebenstellige Summen. Aber wenn es darauf ankommt, tut es auch ein Ausstellungskatalog für 40 Euro. Zu Besuch bei einem der leidenschaftlichsten Kunstbuchsammler Deutschlands

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Vor kurzem war Max Hetzler wieder einMal geschäftlich in New York. Und es kann kein Zweifel bestehen, dass die Reise erfolgreich verlief, zumindest auf persönlicher Ebene. Zum einen fügte es sich, dass die Galerie Paula Cooper, ein Fixpunkt der New Yorker Kunstszene, gerade eine Ausstellung mit den Architekturfriesen von Roy Lichtenstein zeigte. „Da musste ich mir natürlich den Katalog kaufen, denn diese Friese sind sehr selten zu sehen“, sagt Hetzler und nimmt ein circa vier Kilo schweres Buch vom Stapel der noch nicht registrierten Neuzugänge. Zum anderen schaffte er es während seines Aufenthalts mit etwas Glück auch noch in die große Willem-de-Kooning-Retrospektive im MoMA, die er auf keinen Fall verpassen wollte. Auch den Katalog hat er „natürlich“ mitgenommen. Obwohl es korrekter formuliert „die Kataloge“ heißen müsste. Es gab nämlich in der Buchhandlung des Museums zwei unterschiedliche Exemplare, eines broschiert, eines gebunden. Was macht man bloß in einer solchen Situation? „Man kauft alle beide!“ Und für einen Moment scheint Max Hetzler, einer der angesehensten und einflussreichsten Galeristen Deutschlands, als sei er eins mit sich und seiner Umwelt.

Es ist schon merkwürdig: Seit Jahrzehnten verkauft der Mann nun schon Kunst im hohen fünf-, sechs- und siebenstelligen Bereich; die Galerie, die er zusammen mit der Pariser Galeristin Samia Saouma – seiner Ehefrau – im Berliner Wedding führt, ist so groß, dass man sie auch für eine staatliche Kunsthalle halten könnte. Aber wenn es darauf ankommt, dann tut es auch ein Buch für 40 Euro. Und da das noch nie anders war, ist hier derweil so einiges zusammengekommen. In der Charlottenburger Wohnung der Familie erstreckt sich seine private Bibliothek über zwei Etagen. Unten sind die Kunstbände, oben die Werke zur Architektur, seiner zweiten Leidenschaft, sowie die Belletristik. Macht insgesamt grob geschätzt 20000 Bücher.

Wir stehen bei den Kunstbüchern, und es ist tatsächlich nicht mehr viel Platz an den Wänden. Im Raum befinden sich ein Sofa und ein paar Sessel, in einer Ecke ist ein kleiner, reizender Arbeitsplatz eingerichtet mit Möbeln des Ingenieurs und Designers Jean Prouvé, am Boden liegt ein Teppich des Malers Albert Oehlen, einem Künstler der Galerie. Ansonsten sieht man hier nur Bücher, viele, viele Bücher in einfachen, robusten Stahlregalen, die an den industrial chic der achtziger Jahre erinnern. Doch Max Hetzler, der gebürtige Schwabe, stapelt erst einmal tief, nicht die unsympathischste Eigenschaft von Menschen aus dem Südwesten. „Was Sie hier sehen, hat eigentlich keine Systematik. Ich erhebe weder wissenschaftlichen Anspruch noch Anspruch auf Vollständigkeit.“ Bücher, sagt Max Hetzler, habe er immer nur als Ausstellungsgänger und Amateur gekauft, geleitet von nichts anderem als seinem eigenen Interesse. Nur dass er eben mehr Ausstellungen gesehen hat als die meisten anderen.

Also kreist der Kernbestand um die Galerie und die Kunst der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre. Sicher, von manchen Künstlern habe er schon fast alles, das jemals irgendwo erschienen ist, gibt er zu. Joseph Beuys ist so ein Fall, Martin Kippenberger, dessen Porträt von Hetzler (mit Cowboyhut) im Nebenraum hängt, ein anderer. Er besitzt reiche Bestände zu Polke und Baselitz. Einmal, in den frühen achtziger Jahren, hatte er Gelegenheit, eine Ausstellung mit dem Maler Gerhard Richter zu machen. Die Folge: gut ein Meter Richter-Literatur.

Die ersten Bücher waren documenta-Kataloge...

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