Digitale Monster à la Facebook, Twitter & Co fressen uns nicht nur unsere Zeit, sie machen uns auch krank. Das behauptet zumindest eine hysterische Industrie an Ratgebern. Vielleicht leiden wir ja aber auch nur an einem Aufmerksamkeitsdefizit
Das Internet frisst uns unsere Zeit, macht uns krank, führt geradewegs in den Burnout und richtet auch noch eklatante volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe an. Die Aufmerksamkeits- und Burnouthysterie in Deutschland macht auch vor dem Netz nicht halt. Das trifft sich prima für alle, die daraus ein florierendes Ratgeber- und Medikamentenmodell gemacht haben. Alle andere können sich mit ein paar wenigen Kniffen aus der Multitasking-Hölle befreien.
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Man könnte jetzt warnen vor Facebook, Twitter, dem Netz, den Mails, den Handys und überhaupt dem ganzen Teufelszeug, das uns krank und arm macht. Wer wollte schon widersprechen, wer hat sich nicht schon mal dabei ertappt, im Internet Dinge zu tun, die nur mäßig effizient oder sinnvoll sind? Und was man da nicht so alles hört mit Krankheiten und Symptomen, die suggerieren, dass der Mensch als solcher ziemlich am Ende ist...
Seit neuestem gefallen sich einige Arbeitgeber darin, ihre besondere Fürsorge für ihre Mitarbeiter mit einer sehr speziellen Anweisung unter Beweis zu stellen: Am Feierabend und am Wochenende haben Diensthandys auszubleiben und auch Mails sollen nur noch im dringendsten Fall beantwortet werden. Also demnach so gut wie nie. Nimmt man es genau: Was ist schon so dringend, dass es nicht bei näherer Betrachtung doch noch liegen bleiben könnte?
Man könnte also leicht auf die Idee kommen, dass jetzt doch noch alles gut wird. Man hat ja schließlich so einiges gehört in den letzten Jahren: vom Menschen, der vom und im Netz und seinen ganzen mobilen Ablegern demnächst aufgefressen wird. Noch jemand ohne Burnout, hätte man am liebsten spöttisch in die Runde gefragt, wenn es mal wieder darum ging, dass Handys und das Netz uns kaputt machen. Jeder, der sich mal irgendwie ein wenig schlapp fühlte, sprach vom Burnout - und beim vorwurfsvollen Blick auf Rechner und Handy war klar, wer schuld war.
Dauerkommunikation immer und überall: Man stößt im Regelfall auf sehr wenig Widerspruch, wenn man behauptet, das alles werde noch mal unser Untergang sein. Diese ewige Erreichbarkeit, diese Daddelei. Und tatsächlich, schaut man sich dann mal bei den Gewohnheiten derer um, die wir Älteren gerne als „junge Leute“ bezeichnen: Die vermutlich schlimmste Strafe für sie bei einer Party wäre vermutlich ein Smartphone-Verbot. Selbst die eigenen Kinder starren, allen missbilligenden Blicken zum Trotz, selbst beim Essen aufs Handy, auf den Laptop, das Tablet. Schließlich passiert im nichtigkeits-hyperventilierenden Netz ja immer irgendwas, und sei es noch so unwichtig. Man schickt sich Botschaften aus dem Urlaub („Liege im Sand, alles super!“), aus dem Bus („Sitze im Bus, alles super!“) und vermutlich auch direkt aus der Toilette (Sie können es sich denken...).












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