Jump to Navigation
Startseite

Fernweh, Abenteuer & Exotik:

Warum reisen wir?

Reise Spezial
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Leben und Literatur

Salon
Elif Batuman

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Leben und Literatur

von 
Verena Auffermann
21. Dezember 2011

Absolut subjektiv: Die Amerikanerin Elif Batuman schreibt über Bücher – und über sich selbst. Ihr eigenes Lese-Glück überträgt sich mühelos auf die Leser ihres Romans. Nur Anton Tschechow muss leider draußen bleiben
 

Seite 1 von 2

Elif Batuman ist eine leidenschaftliche Autorin und Ich-süchtige Leserin. Sie wird von den Kritikern Amerikas und Deutschlands umgarnt, als hätte sie den Generalschlüssel für die gesamte Weltliteratur in ihrer ausgebeulten Jackentasche. Die 34-jährige Amerikanerin mit türkischen Wurzeln zeigt sich in ihrem ersten im „New Yorker" und in „Harper’s Bazar" teilweise vorabgedruckten Buch „Die Besessenen. Abenteuer mit russischen Büchern und ihren Lesern" als der ideale multikulturelle Scout. Das Buch ist eine Querfeldein-Fahrt durch die Welt der Bücher. Von Cervantes hat Elif Batuman gelernt, dass Lesen den größten Spaß macht, wenn man sich mit den Romanfiguren identifiziert. Oder, beschließt sie, noch besser ist es, wenn man das eigene Leben im Stil von Arthur Conan Doyle den Rätseln ihrer Autoren widmet. Unterwegs zur Recherche unternimmt sie abenteuerliche Reisen: Über Usbekistan zu Tolstois russischem Gut und in den Petersburger Eispalast, der zur Erinnerung an die ziemlich verrückte Zarin Anna erbaut wurde.

Bereits in der Einleitung schiebt Elif Batuman das wissenschaftliche Vokabular, über das Personen nach einem ausgiebigen Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft verfügen, zur Seite. Sie beginnt ihr „Leseabenteuer" mit der Frage, weshalb es Hans Castorp im Thomas Mann’schen „Zauberberg" so lange in einer Lungenheilanstalt aushält, ohne selbst krank zu sein. Ganz einfach: Hans Castorp liebt! Denn, so zitiert sie Thomas Mann, jede Krankheit ist „verwandelte Liebe". Diese Aussage nimmt sie zum Ausgangspunkt und beginnt ein Hin und Her zwischen ihren eigenen Lieblingen aus Fleisch und Blut, wie Eric, ihrem Lebensgefährten, oder Maxim, ihrem russischen Geigenlehrer, und den großen Liebhabern der Weltliteratur, vor allen anderen natürlich Graf Wronski aus Tolstois „Anna Karenina". Eric ist ein Stoiker, der an der Wucht seiner Freundin zerschellen muss, Maxim ist ein Russe, der seine temperamentvolle Schülerin Elif mit gewitzten Coups verblüfft und deshalb mir ihr auf gleicher Höhe ist. Und Wronski? Das ist ein eigenes Kapitel.

Lesen heißt wildern – und produktiv ­konsumieren

Elif Batuman gibt in alledem die intellektuelle Anti-Intellektuelle. Sie verstreut in den „Besessenen" Despektierliches über den Wissenschaftsbetrieb und seine Akteure, weil sie die Literaturgeschichte «pedantisch» und «anspruchslos» findet. Für sie hat nur Gültigkeit, was ihr eigener studierter Geist beglaubigt.

Man soll sich vor Menschen, die zu sehr lieben, in Acht nehmen. Elif Batuman gehört zu den Ausnahmen. Ihr Buch ist nicht vor Liebe blind, aber es ist aus Liebe entstanden. Und es bietet aufschlussreichen und amüsanten Stoff. Dieser «Stoff» hat viele Farben. Er bildet die Schattenrisse ihrer Biografie als Leserin ab und zeigt, was die intensive Beschäftigung mit Literatur auslösen kann. Der Geigenlehrer Maxim wird von Mozarts Violinkonzert weg in Puschkins Traumdarstellung aus „Eugen Onegin" hineingezogen. Nathalie Babel, Isaak Babels Tochter, Herausgeberin seiner Werke, ergreift auf einem Kongress das Mikrofon. Die Leute, berichtet sie, haben gesagt, Isaak Babel sei ein Schriftsteller, ein großer Schriftsteller. „Für mich war er mein Puppy", sagt sie und fügt nach einer langen Pause traurig hinzu: „Ich weiß nicht, woran ich bin." Babel war von der Aufgabe des „Beschreibens" besessen, Elif Batuman ist das auch.

Michel de Certeau, der französische Jesuit und Philosoph, hat gesagt: „Lesen heißt wildern" und dabei vom «aktiven Konsumieren» gesprochen. Dieser Anleitung folgt Elif Batuman unumwunden. Sie wildert und konsumiert so aktiv wie produktiv in den Büchern von Puschkin, Tolstoi, Isaak Babel, Dostojewskij und in Gontscharows „Oblomow". Sie arbeitet an dem Ziel, die Autoren zu „begreifen" und schließt sich vehement Gontscharows Ruf im „Oblomow" an, Personen zu beschreiben und sie nicht einfach „Diebe und Prostituierte" zu nennen. Und wie hält Elif Batuman es mit Tschechow, ach, Tschechow, den jeder renommierte amerikanische Schriftsteller zum Hausheiligen erklärt? Er führt bei Elif Batuman ein kümmerliches Dasein: Erzählungen liegen dieser rabiaten Romanleserin nicht.

Seite 2: Nicht die Schönheit – die Menschen und die Literatur stehen im Zentrum

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Joan Didions „Blaue Stunden“
Angst vor der Einsamkeit
von
Claudia Fuchs
13.05.2012
Patrick Modianos Roman
Auf der Suche nach dem verlorenen Paris
von
Martina Meister
13.05.2012
Barack Obama
Ein Hoch auf die Homoehe
von
Marie Amrhein
13.05.2012
Der amerikanische Patient
„Die USA sind marode“
Interview mit
Josef Braml
27.04.2012
US-Wahlen
Retten Amerikas Frauen Obama?
von
Christoph von Marschall
24.04.2012

zum Dossier Die BUCH-SEITEzum Dossier Literaturen
Aus Literaturen  
Dezember 2011

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
ZDF-Wutinterview Hooligan Horst und die hohe Kunst der Diplomatie
Facebooks Börsengang „Zuckerberg ist ein Hütchenspieler“
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Das Journal: Buchrezension Wie kommt Hölderlin auf den Pamir?
lesen: Journal Reines Gedankenkino
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Louise T. Blouin MacBain Ein erfolgreicher Feldzug durch die Kunstwelt
Die Karriere der Condoleezza Rice Wie schwarz ist Condi?
Chronist der Massenkultur Gurskys schöne teure Welt
"Die Gegensätze sind viel zu groß"
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Merkel-Projekt Was macht die Bundeskanzlerin heute?
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Hans-Olaf Henkel „Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“
Urheberrecht und Lobbyisten Die Copyright-Kriege
24h | letzte Woche | letzter Monat
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Springer-Ehrenpreis Wie Ayaan Hirsi Ali Breiviks Massenmord erklärt
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Warum der Hype? Sarrazin II, die Politik und der Markt
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Die Schweiz Das deutschfeindlichste Land Europas
Matussek und die Katholiken „Diese Verblödung war unerträglich“
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers stiftung neue verantwortung
Energiewende? Fehlanzeige!

Die bange Frage, ob die Energiewende bereits gescheitert sei, macht seit einiger Zeit die Runde…

zum Blogeintrag
Reise
Dossier

Reise Spezial

zum Dossier

Merkel, Kanzlerin, bissig, Gebiss, Jugend forscht Mundwasser
Dossier

Merkel, ihre Männer und die Macht

zum Dossier

Frage des Tages

Was fordert Athens Linkschef von Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Bildergalerie

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET
zur Bildergalerie

Thema der Woche

Merkel, ihre Männer und die Macht
zum Dossier

Die Juni-Ausgabe ab Donnerstag am Kiosk

Angela Merkel
Das Geheimnis der Glucke

„Mehr Steuern, mehr Staat!“
Gespräch mit Gabriel und Trittin

Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Anzeige
Video

Ein ganz normales Paar

Video
In Kooperation mit alle Videos
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben