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 > Und so verpufft der „Aufschrei“

Salon

Sexismus-DebatteUnd so verpufft der „Aufschrei“

Von Alexander Kissler5. Februar 2013
picture alliance
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Es ist im Guten wie im Widrigen das Geschlecht, das den Menschen definiert.
Schrift:

Der „Aufschrei” der vergangenen Tage bedeutet die größte anzunehmende Niederlage für die Gender-Ideologie: Es ist das Geschlecht, das den Menschen definiert, nicht umgekehrt

Seite 1 von 2

Was haben wir nicht alles gelernt in den letzten Tagen über das Verhältnis von Politikern zu Journalistinnen, abends an Hotelbars. Da hat also – wir wissen es bis zum Überdruss – eine Redakteurin einen Politiker angesprochen. Dieser revanchierte sich mit einigen locker gemeinten Sprüchen, die die Redakteurin als unangemessen empfand. Ein schlappes Jahr später ließ sie die Öffentlichkeit daran teilhaben. Seitdem ist der Teufel los, werden alle Machos und Feministinnen, die bei drei nicht auf den Bäumen waren, durch die Talkshows und Magazine gehetzt, als sei die Republik ein einziges Sodom.

Das Offensichtliche wird dabei übersehen: Wie auch immer man zu den ranzigen Witzeleien des Rainer Brüderle, zur vielleicht gar altersdiskriminierenden Anrede der Laura Himmelreich und den vielfachen Weiterungen bis hin zum in Arbeits- und Werbewelt tatsächlich grassierenden Sexismus stehen mag: ganz unstrittig trafen da an der Hotelbar ein Mann und eine Frau aufeinander, die sich dieser Tatsache sehr bewusst waren. Ganz unstrittig ereifern in der Debatte sich Frauen, weil sie Frauen, Männer, weil sie Männer sind. Ganz offensichtlich ist dieser „Aufschrei“ die größte anzunehmende Niederlage für die Gender-Ideologie.

Bildergalerie: #aufschrei: Der ganz alltägliche Sexismus

Mit Abermillionen Staats-, also Bürgergeld subventioniert der Westen seit Jahren ein Ensemble kruder Überzeugungen. Aus wahrlich gebotener Gleichberechtigung wurde eine Chimäre namens Gleichstellung, aus dem biologischen Geschlecht eine soziale Rolle, für die gelten soll, was manches Bürgerpärchen über die Konfession seines Nachwuchses sagt: „Das soll es später selbst entscheiden.“ Rosa Strampler für Knaben, blaue Overalls für Mädchen, Bauklötze auch für Jennifer, Puppen für Joey und gewiss bald schon „Elter 1“ und „Elter 2“ in der Geburtsurkunde statt „Mutter/Vater“ und natürlich öffentliche Toiletten für alle, ohne diskriminierenden Entscheidungszwang für das eine oder das andere oder das dritte Geschlecht: So sah es aus, das gelobte Gender-Land.

Seite 2: Wie Gender-Theoretikerinnen die Diktatur der Natur brechen wollen

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… scheint das anders zu sehen. Männer und Frauen haben viel mehr gemeinsam, als sie trennt:

http://www.sciencedaily.com/releases/2013/02/130204094518.htm?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+sciencedaily+%28ScienceDaily%3A+Latest+Science+News%29

Aus der kulturvergleichenden Forschung ist ferner bekannt, dass die Aufteilung in zwei Geschlechter keineswegs zwangsläufig ist. Eine biologistische Sicht, wie dieser Artikel sie vertritt, ist daher doch sehr reduktionistisch und wenig differenziert. Und die abschließende Forderung nach "mehr Kultur" ist als Gemeinplatz im übrigen kaum an Banalität zu überbieten. Als schlösse sich das aus.

  • Antworten
Schneefreundin05.02.2013 | 12:00 Uhr

Intellektuelle Wahrhaftigkeit Mangelware

”Forschung” hört sich toll an und wird darum gern als Bezeichnung für Tätigkeiten entlehnt, die suspekt sind, weil sie von Prämissen ausgehen, die im Reich des wishful thinkings beheimatet sind. Das hat es schon immer gegeben, nicht erst seit der Rassen- und Genderforschung.

  • Antworten
Jonardo Tenner05.02.2013 | 13:41 Uhr

Danke

für diesen Artikel, der mit zum Besten gehört, was zum Thema in letzter Zeit zu lesen war. Es muss in diesem Zusammenhang ergänzt werden, dass Gender Mainstreaming zur offiziellen Politik der EU gehört- ungeachtet der enormen Unterschiede im Verhältnis der Geschlechter von Mitgliedsland zu Mitgliedsland. Etwas überspitzt könnte man behaupten, dass die EU mit der Nivelierung geschlechtlicher Eigenheiten das versucht, was den Kommunisten verwehrt war: die Schaffung des Neuen Menschen.

  • Antworten
Matthias E.05.02.2013 | 12:09 Uhr

Genau!

Ich unterstütze diesen Kommentar in allen seinen Aspekten. Diese ideologiebefrachteten Gedankenspiele selbsternannter "PhilosophINNEN" werden entweder schnell von der Realität eingeholt oder sie werden uns unweigerlich in die Abgründe des 20. Jahrhunderts zurückführen, nur daß die Auslese der Auserwählten diesmal nach anderen Kriterien erfolgen wird.

  • Antworten
Vernunftbegabt05.02.2013 | 13:53 Uhr

Danke-

ich empfehle allen auch den klugen Kommentar von @kultura hier http://www.cicero.de/berliner-republik/gescheiterte-familienpolitik-an-der-realitaet-vorbeiregiert/53394

  • Antworten
Matthias E.05.02.2013 | 15:47 Uhr

In Fact ist es krud

In Fact ist es krud tendenziös wie Sie "die steilen Thesen etwa einer Judith Butler" im Zshg. mit der #aufschrei-Angelegenheit versuchen als ideologische Äusserungen zu diskreditieren. In einer sachlichen Auseinandersetzung mit Judith Butler und anderen sog. postfeministischen/-strukturalistischen Theorien müßten sie zugestehen, dass diese Arbeiten weitaus höhere methodische und theoretisch anerkannte Maßstäbe anlegen, als bspw. dieser Artikel. Einige der Arbeiten Judith Butlers sind geradezu als Replik zu wenden auf die recht populistische, an den sog. common sense appelierende Äußerung von der unleugbaren biologischen "Evidenz" der zwei Geschlechter, wie sie hier vertreten wird. Zur Forderung nach "mehr Kultur" kann ich mich nur dem vorherigen Kommentar anschließen. Alles in allem ist die argumentative Struktur ignorant, mehr emotional als sachlich informiert, demz. fast schon indiskutabel in ihrer Ausschließlichkeit... Schwaches Niveau für Cicero.

  • Antworten
herzog05.02.2013 | 12:54 Uhr

Rückfall in prüde Zeiten

au weia wie uncool ist das doch heute geworden, in den frühen 70er hab ich mal ganz bewundernd zu einem Mädel gesagt "Mensch, was hast Du für tolle Titten" "Danke" sagte sie und freute sich über das Kompliment. Hätte sie gesagt "was hast Du für einen tollen Knackarsch" hätte ich mich auch nur gefreut und mich ganz sicher nicht sexistisch gemobt gefühlt.

Und dann heute der Stern, ausgerechnet der Stern mit seinen vielen locker bis nicht bekleideten Damen auf den Titelbildern zu den unmöglichsten Themen, nun ja, der Schuss ging nach hinten los........

Die Jornalisten dort - einfach nur uncool, sonst nichts!

  • Antworten
gerd.s05.02.2013 | 13:19 Uhr

Sexismus-Bütt

Ein sehr vernünftiger und vergnüglicher Beitrag. Chapeau!

  • Antworten
Heinrich Baumgarten 05.02.2013 | 13:40 Uhr

Gehirnwäsche

"Aus der kulturvergleichenden Forschung ist ferner bekannt, dass die Aufteilung in zwei Geschlechter keineswegs zwangsläufig ist."

Das gilt nur, wenn es um Quoten in für Frauen genehme Bereiche geht. Das deutsche Familien- und Kindschaftsrecht teilt entgegen Gender immer schön in zwei Geschlechter. Und welches hier am längeren Hebel sitzt, ist ein offenes Geheimnis. Gender ist nur eine weiteres zweifelhaftes Instrument um dort, wo es in den ideologischen Kram passt, pseudowissenschaftliche "Studien" aus dem Hut zu zaubern. Derlei Selbstreferenzialität wurde im Quotenmutterland Norwegen aus gutem Grund bereits vor über einem Jahr der üppig sprudelnde Geldhahn abgedreht, denn das dort auffällig gewordene sogenannte "Gender Gleichheitsparadox" ist keines, wenn Wissenschaft und nicht Gehirnwäsche das Ziel ist.

http://www.dijg.de/blog/gender-mainstreaming/gehirnwasche-statt-wissenschaft-92

Hierzulande muss von solchen Entwicklungen freilich mit Nebelkerzen wie #aufschrei abgelenkt werden, denn Gender hat schon zu viele staatliche Kostgänger- und Trittbrettfahrerinnen.

  • Antworten
ReVolte05.02.2013 | 15:34 Uhr

>Das gilt nur, wenn es um

>Das gilt nur, wenn es um Quoten in für Frauen genehme Bereiche geht.

Der Grund für die Datenerhebungen ist völlig unerheblich, was zählt, sind die Daten. Und wenn die Daten sagen, dass es international ein mannigfaltiges Spektrum an "Gendern" gibt, dann sagen die Daten das, und dann könnte man nur insofernd daran rütteln, als dass man es mit wissenschaftlich-korrekt falsifiziert. Jedoch nicht indem man sich in der Kommentarsektion eines Onlineartikles entrüstet a la "ich hab's ja schon immer gewusst, ist sowieso alles ne Feminazi-Verschwörung".

Tut mir ja leid, aber die Welt kann man leider nicht in Graustufen darstellen. Zu leugnen, dass die Kultur einen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Persönlichkeit hat -und nichts anderes ist logisch zuende gedacht eine Leugnung der Möglichkeit gewisser zwischengeschlechtlicher Überschneidungen in Teilbereichen, aufgrund der äußerst komplexen Natur des Gehirns-, heißt leider, zu leugnen, dass das Gehirn ist, was es ist, heißt also, naturwissenschaftliche Tatsachen und unumstößliche Logik aufgrund einer bloßen Überzeugung über den Haufen zu werfen. Da kann man sich auch gleich auf irgendeinen Gott berufen.

Willst du mir etwa sagen, dass die handvoll sexhungrigen Frauen, die ich kennen gelernt habe, garkeine Frauen sind? Oder dass die Frauen, die auf eine Informatikerlaufbahn hinstreben, etwa gar keine sind? Oder dass ich kein Kerl bin, weil ich gerne mit Kindern arbeite und eine Ausbildung zum Hauswirtschaftler absolviere? Die Antwort wäre übrigens, die "Logik" deines "Beitrags" konsequent angewendet, ja. Tja, dann ist mein Penis wohl eine Attrappe. Tschüss, Realität, hallo Schwarz-Weiß-Paralleluniversum! Twilight Zone und so!

Nur weil man NICHT ALLES frei nach Schnauze austauschen kann, kann man noch lange nicht GARNICHTS umräumen. Nur mal so.

  • Antworten
Torben05.02.2013 | 16:50 Uhr

Addendum

Und selbstverständlich gilt, selbst wo man dann wenig aktiv umräumen kann, ist das Grundmöbiliar von Apartment zu Apartment noch lange nicht immer gleich, und von Veränderungen aufgrund verschiedener natürlicher Einflüsse, die sich unserer unmittelbaren Kontrolle entziehen, brauchen wir garnicht erst anfangen. Sind selbstverständlich nicht alle Unterschiede der Kultur unterschiebbar, das war von mir sehr unglücklich dargestellt.

Hauptsache ist, es gibt Überschneidungen in vielen Bereichen, und die kann man mit welcher Leidenschaft auch immer nicht wegzaubern. Punkt. Keine Ansichtssache, sondern Fakt.

  • Antworten
Torben nochmal05.02.2013 | 17:20 Uhr

Realität

"Tschüss, Realität, hallo Schwarz-Weiß-Paralleluniversum!"

Ja, das trifft in Ihrem Fall offenbar zu, denn die Realität des oben genannten "Gender Gleichheitsparadox" existiert für Sie einfach mal nicht.
Darüber hinaus werden die Geschlechter zwar zu gesellschaftlichen Konstrukten von stark und schwach erklärt, das Opfer/Täter-Abo bildet dem entgegen dennoch die Basis einer vorgeblich Ebenbürtigkeit da Unterschiede marginal voraussetzenden Geschlechterpolitik feministischer Provenienz. Positive Diskriminierung schaut explizit in die Hose und nicht etwa nach Teilbereichen. Und das hiesige Familien- und Kindschaftsrecht zum Beispiel ist nicht etwa ein Schwarz-Weiß-Paralleluniversum, nein es ist Realität, denn was mit der feministischen Klassifizierung "Erzeuger" für Penisinhabern wie auch Ihnen Torben verbunden ist, kann jeden Tag in deutschen Jugendämtern und Gerichten beobachtet werden. Zumal Sie mit dieser Ausstattung - Attrappe her oder hin - für Alice Schwarzer bereits ein "potentieller Vergewaltiger" sind.

  • Antworten
ReVolte05.02.2013 | 17:56 Uhr

Tja, wenn es doch so einfach

Tja, wenn es doch so einfach wäre. Biologisch gesehen ist 'Sex' oder 'Geschlecht' aber nicht binär, sondern kennt viele verschiedene Ausprägungen.
Eine amerikanische Bloggerin hat unter dem Pseudonym 'Beatrice the Biologist' einen sehr interessanten Artikel zur Definition von Mann und Frau geschrieben, wenn auch aus anderem Anlass.
http://www.beatricebiologist.com/2012/02/biology-doesnt-support-gay-marriage.html
Lesens- und überdenkenswert...

  • Antworten
Bibs05.02.2013 | 15:42 Uhr

Es ist halt leider so,

dass das Internet Belege für alles und jedes liefert, auch für die abstrusesten Gedankenspiele. Und es finden sich in Amerika sicher auch Blogger, die die Welt für eine Scheibe halten und Darvin einen Lügner schimpfen. Bleiben wir mal schön bei uns und argumentieren mit eigenen Worten und Erfahrungen.

  • Antworten
Matthias E.05.02.2013 | 18:40 Uhr

#aufschrei oder letzte Zuckungen

Wäre schön, wenn der Aufschrei und die nun öffentlich Diskussion die Richtung nähmen, dass seit Jahrzehnten Männer benachteiligt werden und keine Alte-Männer Riege eine gläserne Decke gegen Frauen einzieht sondern tausende steuergeldfinanzierte Gleichstellungsbeauftrage, die nur Frauenbeauftrage sei dürfen, Genderforschungszentren an den Fleischtrögen der Gesellschaft hängen, die sie auch nicht so schnell wieder aufgeben werden. Will man für irgendetwas im wissenschaftlichen Bereich Förderung haben, dann gibt man ihm ein "gender" im Titel und das Geld fließt und niemand darf den Sinn der Forschung hinterfragen.

  • Antworten
GAST05.02.2013 | 15:42 Uhr

form follows function

ich möchte gar nicht versuchen den diskurs als solches zu bewerten // sinn oder unsinn ist hier nicht die frage, solange jeder seine scheibe mit nachhause nimmt.
verwunderlich ist jedoch das überschaubare angebot am vermeintlichem aufschrei-buffet. neben der klassikern macho-salami und der postfeministen-sülze bleibt dem etwas experimentierfreudigem gaumen nur noch die mit selbstkritik gespickte medien-mortadella als denkanstoß übrig - fettreduziert versteht sich.
aber was ist mit all denen, die gerne noch etwas mehr hätten und damit das spitzkalkulierte catering budget der sternredaktion sprengen würden?
in vielen sexismus debatten findet noch immer eine streng konservative konfliktlinienziehung zwischen männern und frauen statt nur eben auf sich abwechselnden spielfeldern. "dürfen männer das" "sollten frauen nicht" sind jedoch jene thilo sarrazine die mit jeder weiteren talkshoweinladung zur etablierung bestehender vorurteile beitragen. aber umfasst das thema in einer modernen gesellschaft nicht weitaus mehr als die bloße rolle des geschlechtes?
in meinem fitnessstudio gibt es einen eigens eingerichteten frauenbereich und spezielle frauen-sauna-zeiten in denen sich frauen geschützt vor den lüsternden blicken der männlichen mitglieder ganz ihrer weiblichkeit hingeben können. sicher eine gute sache, denn wer möchte auch schon bei seinen po-dehnungs übungen mit gierenden augen ausgezogen werden? aber wäre es da nicht konsequent gedacht, einen abgetrennten bereich innerhalb des frauenbereiches zu haben der nur den heterosexuelle Frauen vorbehalten ist um diese auch vor den wandernden blicken ihrer lesbischen leidensgenossinen zu schützen ?
unrealistisch - vielleicht, aber das wäre die konsequenz einer sexismus-debatte die das biologische geschlecht zum gegenstand des diskurses erklärt. also bevor der ganze aufschrei überhaupt verpuffen kann sollte erstmal ins richtige horn getutet werden.

  • Antworten
philip s.05.02.2013 | 15:44 Uhr

Willkommen...

...in der Steinzeit.....

  • Antworten
etone schmitz05.02.2013 | 16:05 Uhr

Judith Butler ist nicht wirklich das Problem,

da gibt es fragwürdigere Autorinnen - zumal sich Butler *gegen* einen "Differenzfeminismus" und dessen "totalisierende Gesten" wendet und dafür selbst aus der Frauenbewegung heraus angegriffen wurde.

Viel problematischer ist die Praxis, insbesondere der heute allgegenwärtige feministische "Bilanzierungstrick", männliche Privilegien in der modernen Gesellschaft stets, männliche Kosten dagegen niemals zu verbuchen. Auf diese Weise entsteht ein schiefes Bild unserer Gesellschaft, das so tut, als halte das moderne Zeitalter geschlechtsspezifische Zumutungen nur für Frauen bereit, nicht aber auch für Männer.

Letztlich wird nämlich mit einem pauschalen, ahistorischen und unsoziologischen Begriff von einem angeblich universellen "Patriarchat" unkenntlich gemacht, dass die vormoderne, ursprünglich in Aristoteles und der katholischen Bibel gegründete Geschlechterhierarchie längst - nämlich seit der Frühaufklärung - in eine nichthierarchische, komplementäre Geschlechtsrollenkonstruktion umgebaut worden ist, die der Mann mit einer verstärkten Unterwerfung unter die moderne Disziplinargesellschaft, inklusive seiner "privilegierten" Prekarisierung, Kriminalisierung und Militarisierung bezahlt hat.

Diese Geschlechtsrollenkonstruktion als "Konstruktion" anzugreifen, war daher durchaus ein richtiger Gedanke der Frauenbewegung. Leider wurde er nur in eine Richtung, nämlich einer selektiven Aufwärtsmobilität von Mittelschichtfrauen ausgebaut, was heute dazu geführt hat, dass der Feminismus eine kritische Theorie der Gesellschaft durch "Rosinenpicken" und banale moralische Erpressung ersetzt hat, die in Gestalt der vom Autor zu Recht angegriffenen Gender-Ideologie auftritt.

Leider ist auch Kisslers Artikel zu oberflächlich, um das Thema befriedigend zu addressieren - ein verärgertes Zurückranzen, das den Kern der Angelegenheit bestenfalls streift.

  • Antworten
djadmoros05.02.2013 | 17:34 Uhr

Steinzeit

war Matriarchatszeit, heißt es. Dazu passt ganz gut folgender lesenswerte Artikel, der mit den Worten schließt: "Die Werte der "Weiblichkeit" sind daher zeitgeschichtlich betrachtet Werte der fragilen Stagnation."

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article113392535/Weibliche-Werte-fuehren-zu-einer-Opfer-Haltung.html

Zumal überkommene geschlechtsspezifische Verhaltensweisen ja offensichtlich immer noch stagnieren, denn schließlich schreit Frau bei einer anerkennenden Bemerkung bzgl. ihrer körperlichen Reize auf, während hingegen sich gleichermaßen angesprochene Männer in der Regel erfreut zeigen. Würde die feministische Gender-Theorie zutreffen, müssten weit mehr Frauen und Männer kulturell dazulernen und sich in ihrem Verhalten annähern. FDP-Niebel hat zwar bemerkt, dass es wohl auch sexuell belästigte Männer gäbe, jedoch wurde er von frauenbewegter Seite für diesen "Herrenwitz" nur aufschreiend ausgelacht, denn Männer sind schließlich so und Frauen so – Schwarz vers. Weiß – Täter vers. Opfer...
Steinzeit.

  • Antworten
ReVolte05.02.2013 | 20:36 Uhr

Nicht ganz so pfiffiges

Nicht ganz so pfiffiges Denken gefällt sich gern in Tautologien, und Kisslers Text macht da leider keine Ausnahme: "Es sind das Mannsein des Mannes und das Frausein der Frau, worüber wir nicht hinaus können, nicht hinaus wollen." Mal abgesehen davon, dass unklar bleibt, wer hier so rigide "wir" sagt, ist die Plumpheit dieser Argumentation beängstigend: Mann bleibt Mann und Persil sowieso Persil, Beweis: Ein Mann hat eine Frau angequatscht.
Man muss die Gender-Gedankenwelt nicht unbedingt richtig finden, um zu wissen, dass sie immer noch ein weit höheres Niveau aufweist als dieser Versuch, ihr anhand eines gesucht aktuellen Beispiels eine schwere "Niederlage" anzudichten.

  • Antworten
Thomas ex Gotha05.02.2013 | 21:16 Uhr

Eine Frau auf einem Pferd?!?

Lieber Herr Kissler,
haben Sie den neuen Tarantino gesehen, Django Unchained?
Da reitet also Django mit seinem Partner Dr. Schultz auf einem Pferd in die Stadt ein.
Die weißen Stadtbewohner trauen ihren Augen nicht "A n***er on a horse?!?" Das ist doch gegen die Natur!
Sind wir jetzt gegen die Natur, wenn wir heutzutage einsehen, dass es eben nicht die Natur ist, die unterscheidet zwischen Schultz auf einem Pferd und Django auf einem Pferd. Es ist die Kultur; eben eine, in der Rassen als grundverschieden gelten. Und nur weil alle Welt glaubte, es gebe einen biologischen Grund hier klar zu unterscheiden, war das nicht richtig. (Wenn sie mögen können sie weitergehen, Stichwort: Rassenlehre. Das war eine Ideologie - und nicht Gender.)
Und auch, wenn wir heute einsehen, so hoffe ich, dass Rassen kein Maßstab für die Einteilung von Menschen sind, haben sich damals alle nach dieser Einteilung verhalten, obwohl sie nur biologisch behauptet, in Wahrheit von der Kultur antrainiert wurde.
Dass sich alle Schreihälse bei #aufschrei entsprechend ihrer Geschlechter-Identitäten Mann/Frau verhalten, ist noch lange keinen Beweis dafür, dass die Natur diese Unterscheidung geschaffen hat und nicht etwa die Kultur.

Sie schreiben "als gäbe es etwas Einfacheres als die Tatsache, dass wir mit einem solchen Geschlecht geboren werden." Ja, Sie vielleicht und ich auch. Aber Sie und ich sind eben nicht alle Menschen. Es gibt eben auch Menschen, die nicht eindeutig mit Penis oder Vagina auf die Welt kommen. Und die wurden lange Zeit verstümmelt - physisch und psychisch -, damit Leute wie Sie ihren Frieden haben und bloß nicht ihre einfältige Weltanschauung hinterfragen müssen.
Was bitte soll illiberal daran sein, Menschen NICHT zu beschränken - auf ein Geschlecht oder eine Rasse?

Ach ja. Und dann wollen Sie über Kultur reden. Dann machen Sie sich mal über Kulturen schlau, die nicht so schwarz-weiß gedacht haben wir die, von der Sie ausgehen. Dr. Google hilft: Two-Spirit.
Übrigens nervt mich das derzeitige Gepöbel gegen Männer auch. Häufig sind die Verallgemeinerungen genauso sexistisch wie das Gegockel auf dem Büroflur (selten erlebt), aber eine schlaue Antwort darauf sieht anders aus Ihre, nämlich so:
http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner

  • Antworten
Peter Knobloch 05.02.2013 | 23:06 Uhr

Die besondere Lebensform des Menschen

Ich wende mich ebenso gegen Pseudo-Menschenbilder, in denen oft Verfügungsgewalt steckt (Gender-Ideologie). Maßlosigkeit gehört zum Menschsein und so bleibt die Würde des Menschen oft auf der Strecke. Körper und Geist haben ihre Bedeutung, und zwar das sie verschiedene Funktionen der Bewältigung des Daseins wahrnehmen. Beide Körper und Geist sind unverzichtbar. Jedoch hat der Mensch immer seine Um-Welt geschaffen. Dafür braucht man Kultur. Er kann auch ohne Sitte, soziale Regeln, Normen etc. nicht existieren.

  • Antworten
bernhard jasper06.02.2013 | 11:19 Uhr

Realität

"Tschüss, Realität, hallo Schwarz-Weiß-Paralleluniversum!"

Die Realität besagten "Gender Gleichheitsparadox" zu leugnen bzw. zu ignorieren, ist für ein hypothetisches Paralleluniversum in dem die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer ist als unter ihnen, unabdingbar.
Und insbesondere diese Hypothese ist spätestens mit der ausschließlich nach biologischen Merkmalen ausgerichteten Frauenquote vom Tisch, denn weibliche, schüchterne, devote Männer werden genauso unter "hegemoniale Männlichkeit" subsumiert und "positiv" diskriminiert wie alle anderen Männer auch. Jene Diskriminierung schaut explizit in die Hose und nicht etwa nach irgendwelchen gendertheoretischen Teilbereichen.
Die Geschlechter werden zwar zu gesellschaftlichen Konstrukten von stark und schwach erklärt, dennoch bildet dem entgegen das Opfer/Täter-Abo DIE Basis einer feministisch dominierten allein Frauen zugute kommenden Geschlechterpolitik. Und das hiesige Familien- und Kindschaftsrecht zum Beispiel ist nicht etwa ein Schwarz-Weiß-Paralleluniversum, nein es ist Realität, denn was mit der feministischen Klassifizierung "Erzeuger" für Penisinhaber verbunden ist, kann jeden Tag in deutschen Jugendämtern und Gerichten beobachtet werden. Zumal Sie, @Torben, mit dieser biologischen Ausstattung für Alice Schwarzer bereits - O-Ton - ein "potentieller Vergewaltiger" sind – mit den bekannten Vorverurteilungen bei laufenden Gerichtsverhandlungen. Insofern spricht Schwarzer nicht etwa von Attrappen oder gendertheoretischen Teilbereichen, sondern von schwarz und weiß. Und mit dieser Geisteshaltung steht sie - so heißt es - ganz oben auf der Liste unserer "wichtigsten Intellektuellen". Tusch!
Soviel zu grauer Theorie, Realität und Paralleluniversum.

  • Antworten
ReVolte06.02.2013 | 11:44 Uhr

Lachen oder Weinen ?

Wenn ich als junge Frau mit (Entschuldigung) raushängenden Möpsen um Mitternacht in eine Bar zu angetrunkenen Männern gehe, kalkuliere ich eine wie auch immer geartete Reaktion ein, da ich ja mit so einer Bekleidung Aufmerksamkeit erregen möchte. Würde Niemand, zumindest mit den Augen, Interesse zeigen, wäre das sehr frustrierend.
Oder haben sich meine jungen Geschlechtsgenossinen so weit von der Realität entfernt? Sicher nicht. Oder doch?

  • Antworten
kultura06.02.2013 | 19:35 Uhr

@kultura

@kultura
Teilweise ist es so schlimm, daß manche aus einer solchen Begegnung direkt eine Satire fabrizieren:
http://belegt.wordpress.com/2013/02/16/wie-man-sich-wehrt-gegen-sexismus-und-das-patriarchat/

  • Antworten
peter meisel16.02.2013 | 16:45 Uhr

Meine Güte, der Artikel ist

Meine Güte, der Artikel ist ja wirklich von vorgestern. Und das in einem Magazin für "politische Kultur", wenn ich das richtig verstanden habe?

"Ganz unstrittig ereifern in der Debatte sich Frauen, weil sie Frauen, Männer, weil sie Männer sind. "

Unsinn. Frauen beschweren sich über Verhalten, das einige Männer ihnen gegenüber an den Tag legen.

Und was genau ist eigentlich so falsch an Bauklötzen für Mädchen und Puppen für Jungs? Abgesehen davon war rosa im 19. Jahrhundert noch die Jungenfarbe und blau die Mädchenfarbe. Hätte man wissen können. Zumindest, wenn man für ein Magazin für "politische Kultur" schreibt.

  • Antworten
chi-tace-acconsente19.02.2013 | 04:57 Uhr

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Tivoli zu Gotha, Gründungsstätte der deutschen Sozialdemokratie

Heute feiert die SPD ihren 150. Geburtstag. Doch ein 2. Parteijubiläum steht bevor: Im Tivoli…

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