Sie sind die Spiele zum Brot, mit dem schon römische Kaiser ihre Völker stilllegten: Die europäischen Adligen. Nun jährt sich die Regentschaft Königin Elisabeths zum 60. Mal, und wir sollten den Royals für ihre Existenz dankbar sein. Obwohl sie unsere Steuergelder verschleudern und sich unmoralisch verhalten. Eine Glosse
Zum 60. Thronjubiläum der Königin von England sollten wir innehalten. Wir sollten in die Tiefen unserer Seele graben und uns bei Queen Elisabeth II. bedanken. Denn was wirklich mal gesagt werden muss: Die europäischen Royals sind fabelhaft.
Selbstverständlich wird sich der griesgrämige Demokrat gegen diese Liebeserklärung sträuben. Alles Schmarotzer! Wird er einwenden. Zutiefst undemokratisch, allem entgegengestellt, das uns die Aufklärung gebracht hat! Man denke nur an die Eskapaden des englischen Prinzen Harry, seinen lächerlichen Auftritt im Nazikostüm an einer Faschingsparty. Oder an die operativen Schnitzer im Gesicht von Charlène, Fürstin von Monaco. Eine Schande, wird er sagen.
Doch wir alle sitzen in der Gosse. Von der Arbeit sind unsere Hände spröde und rau, unser Gemüt bedrückt. Das Leben ist hart, wenn wir uns nicht wenigstens den Sternen zuwenden können. Und was sind die Royals anderes als leuchtende Himmelskörper im Universum unserer Bedeutungslosigkeit? Ihr Leben so schnulzig wie eine brasilianische Seifenoper, sind sie die Spiele zum Brot, mit dem schon römische Kaiser ihre Völker stilllegten.
Laben können wir uns an den Niederungen der schwarzen Schafe, die sich in jeder Königsfamilie herumtreiben. Am spanischen König Juan Carlos zum Beispiel. Der Ehrenpräsident der Umweltorganisation WWF in Spanien brach sich unlängst bei der Elefantenjagd in Botswana die majestätische Hüfte.
Oder an Sarah Ferguson, ex-Schwiegertochter der Königin von England. Sie erhielt keine Einladung zur Hochzeit von William und Kate, weil sie einem Boulevardjournalisten gegen Bezahlung Kontakte zum Königshaus vermitteln wollte. Sie sei zum kritischen Zeitpunkt betrunken gewesen, so die Erklärung der abgehalfterten Adligen.
Die schief geratenen Exemplare lassen die neue Generation Prinzen und Prinzessinnen umso heller strahlen. Sie frischen die königliche Blutlinie mit bürgerlichen Angetrauten auf. Victoria und Daniel von Schweden stellten das erste, unprätentiöse Foto ihrer Tochter auf Facebook.
Prinz William verzichtete an seiner Hochzeit auf einen Chauffeur und lenkte den dunkelblauen Aston Martin selbst, mit dem er seine eher unemanzipierte Ehefrau in majestätische Gefilde entführte. Oder die wunderbare Máxima der Niederlande, die uns völlig skandalfrei von Klatschmagazinen heraus anstrahlt.
Und dann gibt es noch die unvergleichliche Königin von England. Die eiserne Lady ihrer royalen Familie überstand den Tod der aufbegehrenden Prinzessin Diana und thront über den Scheidungen, Winkelzügen und schlechten Büchern ihrer minderbemittelten Verwandten. Ihre Untertanen lieben sie dafür und schwenken bei ihren Auftritten zu Tausenden Union Jacks.
Wen stört’s, dass wir sie nicht wählen können, dass sie unsere Steuergelder verschleudern, um sich unmoralisch zu verhalten? Unsere königlichen Hoheiten lehren uns die menschlichen Aspekte der Politik.
Europa ist durch die Finanzkrise geknickt? Prinzessin Catherine trägt Kleider von der Stange und die Queen entlässt ein paar ihrer Verwandten aus der königlichen Pflicht. Die Royals stabilisieren unsere Demokratie, denn sie richten unser Augenmerk auf die wirklich wichtigen Sachen: Geld, Gerüchte um Schwangerschaften und ausgefallene Hüte.
In diesem Sinne, zum 60. Thronjubiläum: Gott schütze die Königin!












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