Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Theater zwischen Snob und Spießertum

Salon

Dieter HallervordenTheater zwischen Snob und Spießertum

Von Peter Laudenbach6. August 2012
picture alliance
Dieter Hallervorden,Didi,Schlosspark-Theater,Kabarett
Der Kabarettist und Regisseur Dieter Hallervorden steht in Berlin vor dem Schlosspark-Theater
Schrift:

In Dieter Hallervordens Schlosspark-Theater läuft ein Programm mit einem Personal, als seien die Uhren vor 30 Jahren stehen geblieben. Eine Zeitreise nach Berlin-Steglitz – und ein Protokoll einer persönlichen Wandlung

Seite 1 von 3

Dieter Hallervorden kennt jeder, der einen Fernseher hat. Didi, die Palim!-Palim!-Knallcharge mit dem etwas gröberen Humorverständnis, gehört zur eher tristen Popkultur der alten Bundesrepublik. Er steht in einer Reihe mit Heino, Dieter Thomas Heck und Derrick – lauter alte Bekannte aus der Spießerhölle des deutschen Unterhaltungsfernsehens. Die Exkursion in das kleine Theater, das Hallervorden seit drei Jahren im Südwesten Berlins betreibt, tritt man dann auch bei aller Liebe und dem festen Vorsatz, fair, neugierig und unvoreingenommen hinzuschauen, mit durchaus gemischten Gefühlen an. Hallervorden steht für eine Welt, mit der ich nie etwas zu tun haben wollte, eine Welt der schlecht sitzenden Herrenanzüge, der gebügelten Häkeldeckchen und überraschungsfreien Biografien. Eine Welt der Blondinenwitze, Zimmerpflanzen, Golf-Fahrer und der Angestellten, die spätestens ab 11 Uhr stoisch mit einem aufgeräumten „Mahlzeit!“ grüßen. Ich weiß, dass das ungerecht ist. Ich weiß aber auch, dass ich vor dieser bundesrepublikanischen Tristesse irgendwann ins Theater, in die Kunst und ins Nachtleben geflohen bin.

Schon die Fahrt ins kleinbürgerliche Steglitz hat etwas von einer Zeitreise. Je näher man Hallervordens Schlosspark-Theater kommt, desto mehr sieht Berlin aus wie Bielefeld oder Hildesheim: Auf den Einkaufsstraßen wechseln sich „Blume 2000“- und „Fielmann“-Filialen ab, in den Seitenstraßen ist es so ruhig und beschaulich, als würden die Leute, die hier wohnen, ihr Leben lang nichts anderes tun als arbeiten, fernsehen, Steuern zahlen und schlafen. Nur ab und zu sorgt ein Asia-Laden oder ein einsames Grafitto („Bullen raus“) für das Gefühl, noch im vertraut abgeranzten Berlin zu sein.

Das Theaterfoyer und seine Gäste halten dann auch, was die Anreise versprach: Männer mit Herrenhandtaschen, Damen mit fest betonierter Dauerwelle und ein Altersdurchschnitt, bei dem ich mich mit meinen 48 Jahren wieder unverschämt jung fühlen darf. Seltsam, dass es das alles noch gibt: ein Berlin ohne ausländische Touristen und Junkies, ohne Mitte-Hipster und Lederschwule. Das Berlin der gebügelten Hemden, C & A-Anzüge und Beamtenlaufbahnen.

Zwei Damen, beide deutlich über 50, eher korpulent und bestens gelaunt, haben es sich in der fünften Reihe auf ihren Plätzen gemütlich gemacht. Der Sekt für die Pause ist bestellt, der Tratsch aus dem Büro ist ausgetauscht, die Vorstellung kann beginnen. Gegeben wird heute Neil Simons Komödie „Ein seltsames Paar“, deren Humor schon in der Verfilmung mit Walter Matthau und Jack Lemmon etwas angeschwiemelt roch. Der Film ist von 1968 und sieht aus, als hätte man noch 1950, als hätte es Woodstock, die Beatles und den Summer of Love nie gegeben. Genauso die Inszenierung im Schlosspark-Theater. Man könnte sagen: ein klarer Fall von der andernorts oft so schmerzlich vermissten Werktreue. Die beiden Damen im Parkett freuen sich schon „auf den Hunold, der war in ‚Neues vom Bülowbogen‘ immer so sympathisch“.

Rainer Hunold ist ein Schauspieler, der mit seinem Pausbackengesicht vor allem Gemütlichkeit ausstrahlt. Die öffentlich-rechtlichen Serien, in denen er mit der Zuverlässigkeit eines deutschen Schäferhunds durch schlecht ausgeleuchtete Dekorationen stapft, heißen „Ein Fall für zwei“ oder „Der Staatsanwalt“. Das Land, das man dort sieht, ist ein Vorabenddeutschland der sedierten Konflikte, das mit der Wirklichkeit etwa so viel zu tun hat wie ein Fassbinder-Film mit Kukident-Werbung.

Bildergalerie: Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure
  • Die zehn wichtigsten Regisseure

Vielleicht ist es kein Wunder, dass die beiden Damen in der fünften Reihe des Schlosspark-Theaters Hunold so sympathisch finden. In seinem beschaulichen Vorabenddeutschland würden sie vermutlich auch gerne leben. Und weil der Schauspieler für sie zur Fernsehfamilie gehört, kommentieren sie anschließend entspannt wie auf der heimischen Wohnzimmercoach das Bühnengeschehen. Theater wird hier zur Fortsetzung des Fernsehens mit anderen Mitteln. Als im Lauf des Stückes ein putzwütiger Felix, gespielt von Hunold, seinem chaotischen Mitbewohner Oscar in der Zweck-WG der zwei geschiedenen Männer häusliche Ordnung beibringen will, kommentieren die Zuschauerinnen in der fünften Reihe das wohlig mit einem tief empfundenen Hausfrauen-Seufzer: „Geht doch.“ Ein Abend fast wie im richtigen Fernsehen, nur besser, weil man live dabei ist. Beim Rausgehen in der Pause sagt die eine zur anderen: „Was zu Hause ganz normal ist, wird hier zur Komödie.“ Hier haben sich definitiv ein Theater und ein Publikum gefunden.

Ein paar Tage nach der Aufführung des „Seltsamen Paares“ steht der Prinzipal nach einer Vorstellung seines Erfolgsstücks „Ich bin nicht Rappaport“ selbst auf der kleinen Guckkastenbühne, strahlt gerührt ins Publikum und freut sich über den Applaus. Didi Hallervorden sieht aus wie jemand, der das alles sehr genießt: sein kleines, schön herausgeputztes Theaterchen, den Beifall und den etwas sentimentalen eigenen Auftritt, weit entfernt von den alten Knallchargen-Klischees. Am meisten freut er sich vielleicht darüber, dass er sich selbst mit diesem Theater ein schönes Geschenk gemacht hat. Und der Besucher aus Kreuzberg sieht an diesem Abend auf seiner Exkursion im vermeintlichen Spießeruniversum eine Vorstellung, die es jederzeit mit den üppig mit jährlich gut zehn Millionen Euro subventionierten Inszenierungen von Claus Peymann am Berliner Ensemble aufnehmen kann – und das, obwohl sich Peymann bekanntlich für den Gröraz hält, den größten Regisseur aller Zeiten.

Seite 2: Bescheidene Subventionen vom Land Berlin

  • 1
  • 2
  • 3
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
2 Kommentare

Weiterführende Links

Intellektuelle in Deutschland Die Moral vom Fließband

heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Kabarettist zur Italien-Wahl
„Vielleicht mögen die Italiener Clowns”
Interview mit
Heinrich Del Core
27.02.2013

zum Dossier Alles Theater!
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Juli 2012
 des Magazins Cicero – Hier bestellen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Intellektuelle in Deutschland Die Moral vom Fließband

heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Kabarettist zur Italien-Wahl
„Vielleicht mögen die Italiener Clowns”
Interview mit
Heinrich Del Core
27.02.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Spießig und piefig ist auch das Staatstheater...

Hallervorden hat 100.000(!) Zuschauer im Jahr. Absolut sensationelle Zahlen für so ein Mini Theater.

Jetzt muß er nur noch ein Identifikations-Stück finden (sowas wie z.b. "Dinner for one") dann wird dieses Theater zum Klassiker. Egal wie das Staatstheater das finden mag. Angesichts der Subventionen die das spießige Pseudo-Revoluzzer Staatstheater kassiert ist Arroganz hier absolut fehl am Platze.

  • Antworten
kartoffelkopf06.08.2012 | 16:54 Uhr

Bonner Biedermeier

Man kann das Ganze natürlich von Berlin Mitte aus betrachten, oder auch von Steglitz aus. Man kann es aber auch mit wesentlich mehr Abstand betrachten. Und da wird man das Gefühl nicht los, dass das Bonner Biedermeier auch die heutige Republik noch sehr stark prägt (soz iemlich in allen Bereichen). Auch Berlin wirkt im Vergleich zu anderen Metropolen doch verhältnismäßig provinziell. Die Szene mag ja hipp sein, hipper als im Rest der Republik. Aber gerade bei Meese oder Eder - nur zum Beispiel; das ist im Theaterbetrieb auch nicht viel anders - hat man doch eher das Gefühl, dass hier ein paar Spätpubertierende den Bürgerschreck spielen wollen, als dass hier Kunst entsteht, die sich mit der Avant-Garde des 20. Jahrhunderts messen könnte. Das Gleiche ließe sich auch über die Architektur in Berlin sagen. In keiner europäischen Stadt sind in so kurzer Zeit so viele Millarden in die Architektur geflossen, und das Ergebnis ist dann doch an Banalität und Biederlichkeit kaum zu übertreffen.
Aber egal; vielleicht sollte man das erst einmal als solches akzeptieren. Jedenfalls hat die Szene in Steglitz, so wie sie hier beschrieben wird, fast schon einen gewissen Charme. Un das ist doch was...

  • Antworten
athe07.08.2012 | 09:34 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

Erste Figuren, letzte Ideen – die Karikaturen der Woche

zur Bildergalerie
Anzeige

Kisslers Konter

Dienstagskolumne von Alexander Kissler

Fetischisierung der Sexualität über die Grenzen hinaus

Im Zentrum der Kritik: Theodor-Heuss-Preisträger Daniel Cohn-Bendit

Kisslers Konter: Die Grünen geraten aufgrund früherer Positionen zur Pädophilie unter immer heftigeren Druck. Sicher ist: Das Thema wird die Partei noch lange beschäftigen


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Christian Jakubetz - unhipster
Ruhe bitte, wir arbeiten gerade!

Netzgemeinde? Digitaler Graben, gesellschaftliche Kluft? Unfug - tatsächlich handelt es sich…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
15%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
85%
Gesamtstimmen: 738
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang