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Salon

Norbert Bolz„Teamgeist ist der größte Feind des Geistes“

Interview mit Norbert Bolz27. September 2012
picture alliance
Norbert Bolz, Bildungsrevolution, Richard David Precht, Bildung, Cicero-Empfehlung
„Teamgeist ist der größte Feind des Geistes“
Schrift:

Wir brauchen keine Bildungsrevolution, sagt der Philosoph und Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Statt Reformen brauchen wir selbsbewusste Lehrer, statt Ganztagsschulen sollten sich die Eltern wieder selbst um ihre Kinder kümmern

Seite 1 von 3

Norbert Bolz lehrt als Professor für Medienwissenschaft am Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin. 2010 erschien „Die ungeliebte Freiheit“ im Fink Verlag.

 

Herr Bolz, Richard David Precht forderte jüngst eine Bildungsrevolution. Er bemängelt, die Schule würde alte Inhalte vermitteln, von denen letztlich nichts hängen bliebe. Und die Institution Schule mache aus neugierigen Kindern letztlich Lernautomaten. Er fordert ein radikales Umdenken. Was halten sie von dieser Bildungsrevolution nach Precht’schem Muster?
Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, wer diese sinnvollen Inhalte definieren soll. Der einzige Fachbereich, der in den Schulen wirklich unterrepräsentiert ist, ist die Ökonomie. Es sind uralte Tatsachen, dass das meiste, was in der Schule gelernt wird, wieder vergessen wird. Damit müssen wir uns abfinden. Zumal die Alternativen, die aufgezeigt werden, bei näherer Betrachtung sofort in sich zusammenfallen. Ich kenne nur eine einzige Alternative, die mir sofort einleuchtet und das wäre ein Zurück zum antiken lernen. Die Kinder würden dann Trivium und Quatrivium lernen. Alles andere lernen sie sowieso aus den Medien. Aber das ist natürlich ein Vorschlag, den kann ein Professor nur in einem Essay entwickeln, der hat keinen politischen Realismus.

Sie haben an anderer Stelle bereits zum Ausdruck gebracht, dass Sie Reformdiskussionen langweilen. Gewisse Unlösbarkeiten müssten also einfach in Kauf genommen werden?
Ja. Als vierfacher Vater von schulpflichtigen Kinder glaube ich, das Problem der Schulen ist nicht das Curriculum, sondern völlig überforderte Lehrer, die sich immer häufiger in Krankheiten flüchten. Überfordert sind die Lehrer nicht vom Stoff, sondern von Eltern, die immer größere Konsumentenerwartungen an die Schule richten, und zum anderen von der Verwaltung, die den Lehrern ständig neue Reformprogramme aufdrückt und sie in irgendwelche Schulungen hetzt. Hier werden sie dann mit sogenannten „neuen Formen des Lernens“ konfrontiert, die ihren eigenen Erfahrungen widersprechen.  Das klassische Beispiel ist der Frontalunterricht. Alle Welt, die über Pädagogik nachdenkt, ist dagegen. Die wirklich guten Lehrer, verstehen die Diskussion überhaupt nicht und die Schüler bestätigen mir immer wieder, dass diese gruppenbasierten Alternativmodelle zu nichts führen. Ich wünschte mir manchmal mehr Feuerzangenbowle und weniger Brüsseler Reformideen.

Sie sagen, Bologna sei die Europa-normierte Technisierung von Lehre und Forschung durch Module und Projekte. Sie sprechen von einer „Verstaatlichung des Geistes“. Was meinen Sie damit?
Damit meine ich, dass man unter dem Vorwand von Kompatibilität und Mobilität der Ausbildungsgänge in Europa und weltweit im Grunde nur die Verantwortung und auch die Kompetenz für reale Lernprozesse von denen nimmt, die eigentlich dafür verantwortlich sein müssten – die Lehrer. Stattdessen werden ihnen in irgendwelchen Gremien von außen Curricula vorgeben. Das entmutigt sie. Gleichzeitig lässt man sich von völlig absurden Vergleichsstatistiken europäischer Art – da wird beispielsweise dann Deutschland mit Island verglichen – in Aufruhr versetzen, statt ganz schlicht und einfach dafür zu sorgen, dass Lehrer qualifiziert ausgebildet und anschließend ordentlich bezahlt werden, und dann selbst entscheiden, wie die Lernprozesse konkret gestaltet werden. Das, was früher selbstverständlich war beim Lernen, ist heute geradezu zur Utopie geworden. Ich habe noch niemals auch nur einen einzigen Professor getroffen, der den Bologna-Prozess für gut hält. Das ist eine Katastrophe. Trotzdem wird der Anschein erweckt, als sei das eine geniale Reform.

Neben der Bachelorisierung beklagen Sie auch die Demokratisierung der Hochschulen. Verstehe ich Sie richtig, Sie wollen also weniger Demokratie wagen?
Mit dieser Formel würde ich mich natürlich für alle Zeiten unmöglich machen. Aber ich würde wenigstens mit Max Weber sagen: Demokratie da, wo sie hingehört. Vor 20 Jahren wurde über „Kunst für alle“ diskutiert, was dazu führte, dass der Hausmeister eines Museums über die Anschaffung eines berühmten Gemäldes mitentschieden durfte. Diese Absurditäten, die unter dem Stichwort „Demokratie“ laufen, stellen eine ernsthafte Gefahr dar. Warum lassen wir nicht mehr diejenigen Leute Entscheidungen treffen, die wirklich kompetent sind? Es ist eine verheerende Entwicklung, dass wir überhaupt kein Vertrauen mehr in die Leute setzen, die wir an die Schlüsselstellen von Lehre und Forschung gesetzt haben. Ähnliches lässt sich bei der Diskussion über Eltern als Entscheidungsinstanzen in Schulen beobachten. Es gibt für meine Begriffe nichts Schlimmeres, als die Schule und Schüler der Inkompetenz der Eltern auszusetzen. Das sind Entwicklungen, die für die Qualität unserer Bildungsanstalten verheerend sind.

In der Bildungsdiskussion wird vor allem systemisch argumentiert. Ist es nicht an der Zeit, den Fokus weg von Systemfragen zu lenken? Verengt der Blick auf das Schulsystem nicht Grundsätzliches?
Im Grunde ja, denn auch hier gilt: Feuerzangenbowle wäre mir wichtiger als PISA. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ein Schüler, der überhaupt keine Freizeit mehr hat, überhaupt ein angemessenes und besonnenes Verhältnis zum Stoff entwickeln soll. Wie ein Student, dessen Studium mittlerweile so durchgeplant ist, dass er von Seminar zu Seminar hetzt, Akademiker, also ein geistig selbständiger Mensch werden soll. Kurzum: Man setzt alles daran, diese jungen Menschen in Automaten zu verwandeln. Nachdenklichkeit, Besonnenheit und Fantasie, Muse, Freizeit und Freiheit werden beschnitten, weil man nur noch ein Ideal hat, nämlich das der Fachausbildung. Im Grunde geht es der Politik um die gigantische Fachhochschule. Genau programmierte Ausbildungsgänge um berufsfördernde Maßnahmen zu optimieren.

Seite 2: Wir brauchen eine schärfere Selektion

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Precht, Brodkorb, Bolz

Damit hätten wir schon einen dritten "Besserwisser" für den interessanten Fernsehabend. In gewisser Weise kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die drei Autoren in ihrer Argumentation mit ihrer Kritik - sowohl gegenseitigen als auch am System - irgendwie ergänzen.

  • Antworten
Gabriele Rack27.09.2012 | 15:13 Uhr

Der Widerspruch in einem Atemzug

Allein diese 2 Aussagen von Bolz widersprechen sich:
+Sie können mit einer Gruppenorientierung ein sehr stabiles Durchschnittsniveau finden, aber Exzellenz wird niemals aus Gruppen entstehen.+
und
+Sich etwas vornehmen, es aus eigener Kraft anzugehen und zu schaffen, ist die Bedingung von Exzellenz und Genialität. Dazu sind am Ende aber nur wenige fähig.+

Jeder Satz für sich genommen hat etwas Wahres. Wenn wir uns nun den Aufstieg Deutschlands zum Exportweltmeister ansehen, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass wir nicht durch Altgriechisch und Elitehochschulen dort hingekommen sind, sondern durch eine breite Bildung und ein hohes Durchschnittsniveau.
Und dass Einstein seine Erkenntnisse zur Relativitätstheorie an einer Elitehochschule entwickelt hätte, ist mir komplett neu.
Auch kenne ich kein Softwareprojekt, das ein einzelner genialer Entwickler zu Ende programmiert hätte, kein modernes Auto oder Flugzeug, das von einem einzelnen Genius Bolz'scher Prominenz erfolgreich produziert wird.
Teamwork mag dem Ego eines Professors vom Schlage des Interviewten Unbehagen bereiten, wenn wir uns jedoch die vielen Beiträge von ungezählten Doktoranden ansehen, die diese unzitiert zu Publikationen ihrer Doktorväter beitragen, dann möge Herr Bolz bitte genauer hinsehen und denken, bevor er uns ernsthaft Altgriechisch als Lösung aktueller Bildungskatastrophen empfehlen will.

  • Antworten
Bolzplatzverbot14.10.2012 | 20:11 Uhr

Bildungsdiskussion

Die verschiedenen Beiträge im Cicero zur Bildungsdiskussion finde ich lesenswert. Weiter so! Die gesamte Diskussion, wenn sie wie hier in voller Breite geführt wird, könnte sich als sehr fruchtbar erweisen. Precht und Hüther stellen weitreichende unerhörte Forderungen auf; Bolz entzaubert, wo es zu entzaubern gilt. Wer legt nach?

  • Antworten
gth27.09.2012 | 21:54 Uhr

Bolz irrt!

Bolz irrt!

Ich komme aus einer bildungsfeindlichen Familie und bin dazu noch Ausländer. Meine Eltern gelang es nie, eine gute Sprachführung vorzuweisen, denn sie lebten einerseits isoliert von der Mehrheitsgesellschaft und andererseits waren sie immer im Niedriglohnsektor tätig.

Mein Glück war die Tatsache, dass ich nicht in einem Stadtteil leben musste, der von bildungsfernen Migranten geprägt wurde und ich nach vier Jahren Babylon endlich an einer deutschen Nachbarin kam. Allein ihr verdanke ich viel, unter anderem dass ich trotz fremdenfeindlicher Umgebung nicht in der Gosse gelandet bin. Ich konnte vorher weder die Sprache meiner Eltern (Französich, Italienisch und Türkisch, Arabisch) noch die Landessprache. Eigentlich war es ein Sprachbrei aus fünf Sprachen mit einer fragwürdigen Grammatik, die durchsetzt war von Schimpfwörtern und Hauptsätzen. Bücher gab es zur Hause nie und die einzige Lektüre hieß Bildzeitung und Otto Katalog. Die Lehrkräfte unterstützen mich nicht, ganz im Gegenteil, sie hielten mich, immerhin bis zur sechsten Klasse, für dumm und faul und hatten wohl kein Problem damit, dass ich in der Klasse als personifizierte Idiotie galt. Es hätte nur ein hoher Papierhut und 2 Stunden Pranger gefehlt.

Nach wenigen Jahren konnte ich ein Abitur, heute gar einen sehr guten Studienabschluss vorweisen und werde nie vergessen, dass Bildung nicht eine Frage des Intellekts, sondern allein des Elternhauses ist und in mancher Stunde denke ich bitter daran, dass ich in der siebten Klasse meinem Vater geistig überlegen war. Folglich würde ich im zweiten Leben gerne Wolfgang heiße und Sohn einer Zahnärztin und Apothekers sein.

  • Antworten
Ethan Yilmaz28.09.2012 | 12:18 Uhr

Lieber Herr Yilmaz, sorry, aber Sie irren sich auch.

"..werde nie vergessen, dass Bildung nicht eine Frage des Intellekts, sondern allein des Elternhauses ist."

Besser wäre, wenn Sie es doch vergessen. Bildung als Solche ist weder eine Frage des Intellekts noch des Elternhauses, sondern einzig allein die Frage des eigenen Wissendrangs. Ohne Motivation läuft da nämlich garnichts. Kennen Sie den Spruch: "Ein Pferd kann man zur Tränke führen, indess saufen muss es selbst"?! Eine sehr weise Erkenntnis, wie ich finde. Und selbst wenn Sie das Pferd zum Bodensee führen würden, so gälte auch dort, dass ohne den Durst des Pferdes kein Wasser von einem zum anderen Ort fließen würde.

Ich komme übrigens auch aus einer bildungsfeindlichen Familie, bin allerdings, -wie meine Eltern auch- "biodeutsch". Meine Bildung(incl. des zweiten Bildungswegs-Abiturs) verdanke ich indess weder meinen Eltern, noch der Schule/Lehrer, der Gesellschaft oder sonstigen Personen, sondern reinweg mir selbst, weil ich nämlich schon als kleines Kind immer ziemlich neugierig und wissens"durstig" war. Ja?

  • Antworten
Medley29.09.2012 | 00:26 Uhr

Ethan, Glückwunsch - aber

haben Sie nicht alles SELBER geschafft, ohne Tuntenpädagogik?
Und sind Ihre Kinder nicht in der angenehmen Lage, in einem Akademikerhaushalt großzuwerden?
Sehen Sie, so funktioniert Integration.
Wozu also "Wolfgang" heißen?

  • Antworten
Krischan29.09.2012 | 10:20 Uhr

Aha

Na dann wissen wir ja, wem wir die Bildungsverweigerung vieler Migranten zu Verdanken haben.Einer migrantenfeindlichen Umwelt.
Ich bin selber Migrant und meine Eltern wollten,das ich so viel lerne wie möglich,weil jeder normale Mensch weiß, das man ohne die Landessprache und Bildung keine Zukunft hat.Auch wurden wir nicht gezwungen,im so genannten Ghettos zu wohnen, so wie es ständig vermittelt wird und unsere Nachbran waren trotzdem freundlich.Fremdenhass konnte ich nie feststellen,sehr wohl aber Mißtrauen,was wohl jede Nation kennt, die auch mit Mißbrauch bei Einwanderung zu känpfen hat.Menschen eines Landes,daß nicht von Einwanderung betroffen ist,können das kaum nachvollziehen,hätten aber mehr als Verständniß,wenn sie die gleichen Verhältnisse hätten.

  • Antworten
Goldesel29.09.2012 | 16:17 Uhr

Es ist schon verblüffend, mit

Es ist schon verblüffend, mit welchen simplen, populisisch undifferenzierten, aber ungeheuer lauten Thesen Herr Bolz sich hier aus der Deckung wagt. Sicherlich ist das Vorgehen seiner verwegenen Hybris geschuldet, was irgendwie noch nachvollziehbar erscheint, wenn man auf dem Feld der eigenen Profession so wenig reüssieren kann. Viel schlimmer erscheint aber, dass diese Aneinanderreihung von Plattheiten einerseits von nicht nur partieller Ahnungslosigkeit, sondern andererseits auch von mangelndem Respekt gegenüber den sinnvollen Veränderungen in der Didaktik und Methodik der schulischen Praxis zeugen. Dass es nach wie vor zahlreiche Fehlentwicklungen gibt - geschenkt. Man denke nur an die völlig unausgereiften Verfahren zur Inklusion in Niedersachsen oder das Gerangel um einen für Schulzwecke geeigneten Kompetenzbegriff. Trotzdem: Was soll an "gruppenbasierten Alternativmodellem" auszusetzen sein, solange sie ein hohes Maß an Verbindlichkeit für alle Schüler mitbringen? Mittelerweile gibt es ein ganzes Spektrum davon, aber Herr Bolz lebt offensichtlich noch immer seinen eigenen traumatischen Schultraum. Mit der Realität hat das an vielen Stellen herzlich wenig zu tun. Zu suggerieren, dass Frontalunterricht generell die bessere Lösung sei, zeigt schon aufgrund der Allgemeineit der Aussage die Unkenntnis des schulischen Alltags an vielen Schulen. Wenn dann als Beleg nur die eigene kleine Welt, respektive die eigenen Kinder herangezogen werden, stellt sich zunächst die Frage nach dem konkreten schulischen Umfeld. Jede Verallgemeinderung ist hier deplatziert. Ebenso peinlich, weil ideologisch verblendet und allen empirischen Ergebnissen widerprechend ist die Aussage, allein die Eltern seien bei vorhandenem Aufstiegswillen für das Scheitern verantwortlich. Hier werden vorsätzlich strukturelle Ursachen ignoriert und, wie es ja seit einige Jahren Mode ist, wird die Verantwortung wieder dem Individuum zugeschoben. (Ach ja, und familiäre Liebe heilt dann alles). Kommt mir das nicht bekannt vor? Ach ja, die Arbeitslosen sind ja auch alle Schuld an ihrem Desaster, deswegen muss man ja auch den Druck erhöhen. Altes Denkmuster, einfältiger Versuch! Peinliches Ablenkungsmanöver von gesellschaftlich zu verändernden Strukturen, die z.B. eine bessere Durchlässigkeit im Schulsystem oder eine bessere schulische Individualförderung ermöglichen sollten. Der totale intellektuelle Rohrkrepierer bleibt allerdings der Vergleich von Neukölln mit Schwabing und der daraus abgeleiteten These, das System könne ja gerade wegen des Vorhandenseins dieser sozialen Unterschiede nicht Schuld sein. Selbstverständlich ist das Schulsystem nicht Schuld an den unterschiedlichen sozialen Milieus, Akteure des gesellschaftlichen und politischen Systems aber sehr wohl. Außerdem ist aus dem Vorhandensein dieser gravierenden Unterschiede erst recht der Schluss zu ziehen, nicht nur, aber auch in der Schule Rahmenbedingungen zu schaffen, diese Unterschiede zu kompensieren und auch dem Potential der gesellschaftlich benachteiligten Kinder die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten. Das kann man sowohl volkswirtschaftlich als auch soziologisch und ethisch rechtfertigen. Vollends peinlich und fast zum Fremdschämen ist die Beschwörung des einsamen intellektuellen Helden, der in seinem Kämmerchen unter schwersten Entbehrungen ein genialisches Meiterwerk schafft. Da ist das Selbstbild von Meister Bolz wohl doch etwas zu stark durchgeschlagen. Seine Ausführungen scheinen aber noch etwas anderes zu verraten. Wenn sich schon die Ahnungslosigkeit auf den Bereich der Schule erstreckt, so muss man doch annehmen, dass die Ausführungen zu den Universitäten dank der eigenen Profession einen höheren Realitätsgehalt aufweisen. Dann ist allerdings zu vermuten, dass es nicht gut steht um die TU Berlin und man dort Lehrveranstaltungen eher nicht didaktisiert. Die schlimmsten Auswüchse bestehen dann vermutlich immer noch darin, dass Referenten eine Buchseite mit Schriftgröße 10 auf eine Folie kopieren und vorlesen.
Bedauerlich sind die grob vereinfachenden Ausführungen insofern, als sie von den teilweise treffenden Bemerkungen ablenken. So ist der von ihm angeprangerte Reformstress an deutschen Schulen mittlerweile legendär. Auch seine kritischen Anmerkungen zu PISA und der einseitigen Fachausbildung sind m.E. durchaus nachvollziehbar. In diesen Kontext passt auch das oft zitierte Abitur nach 12 Jahren. Man würde ein Jahr gewinnen, heißt es. Hier stellt sich die Frage: Wer gewinnt und was gewinnt sie/er?

  • Antworten
z28.09.2012 | 19:18 Uhr

In Neukölln haben wir kein

In Neukölln haben wir kein soziales Problem, sondern Menschen aus einer klar unterlegenen Kultur. Daraus folgen dann soziale Probleme, also Sekundärphänomene. Übrigens gehört solch ein Pamphlet voller persönlicher Attacken, wie wir es von Ihnen lesen können, eigentlich zensiert, d.h. gelöscht.

  • Antworten
DerPferd29.09.2012 | 14:20 Uhr

@Ethan

@Ethan
"werde nie vergessen, dass Bildung nicht eine Frage des Intellekts, sondern allein des Elternhauses "

Das ist mit die Aussage von Bolz, worin irrt er also?

  • Antworten
Totoncha29.09.2012 | 11:21 Uhr

Sehr vernünftig!

Was Bolz sagt, scheint mir durchweg vernünftig zu sein. Kulturelle Evolution bedarf der Leistungen Einzelner; daran führt kein Weg vorbei. Ich erinnere mich gut, wie wir - meine Mitschüler und ich - schon vor reichlich drei Jahrzehnten über Gruppenarbeit usf. gelästert, dafür den von Pädagogen so sehr verachteten Frontalunterricht geschätzt haben, sofern er denn von einem wirklich kompetenten Lehrer durchgeführt wurde.

Bolz hat recht, wenn er an Humboldt erinnert. Freiheit und Einsamkeit bilden für Humboldt die "vorwaltenden Prinzipien" dessen, wie eine Universität organisiert zu sein habe. Außerdem braucht der oder die Talentierte eigentlich nur noch eine vortreffliche Bibliothek und von Zeit zu Zeit das Gespräch mit einem oder einer ebenso Talentierten.

Was haben wir stattdessen, was wird sich durch die nächste "Bildungsrevolution" noch verschlimmern? Administrative Geschaftlhuberei, die Herrschaft des Pädagogen über den Kenner seines Faches, Taschenspielertricks statt Durchdringung.

  • Antworten
Dahlmanns29.09.2012 | 12:12 Uhr

@DerPferd. Unterlegene Kultur

@DerPferd. Unterlegene Kultur? Was soll dieses armselige Superioritätsgefasel? Jene, die so etwas nötig haben, lenken doch nur von ihren eigenen Unzulänglichkeiten ab. Bildung lautet das Zauberwort. Gute Bildungschancen für alle - unabhängig von sozialem Status und Hintergrund. Eugenisch orientierte Rückwärtsgewandtheit a la Sarrazin - das ist das letzte, was Deutschland braucht.

  • Antworten
Marion Kraske29.09.2012 | 23:49 Uhr

Macht mal die Augen auf

Liebe Leute,
ihre macht euch zu viele Gedanken um die Menschen die es trotz der Eltern und der Schule schaffen.
Die Ignoranz von Herrn Bolz und einigen Kommentatoren hier ist schon bemerkenswert.
Herr Bolz erkennt einerseits an das die (die kappe Mehrheit) Eltern inkompetent sind. Andererseits soll der Staat denen dann das Feld überlassen. Was dabei rauskommt sieht man ja.
Die Eltern erzeugen also gemeinsam mit der Schule 10-20% Schulabgänger die zu nichts zu gebrauchen sind. Weil wir als Gesellschaft weder Industriemalocher noch Kanonenfutter benötigen. Was wird aus dennen?
Was wollt ihr Ignoranten den mit den Systemversagern machen? Gaskammer?

  • Antworten
DerStachelImFleisch30.09.2012 | 07:40 Uhr

Meinung

Meinung zu Medley:
Alle Kinder sind durstig nach Wissen. Dies ist keine besondere Eigenschaft eines Einzlenen, sondern menschlich. Leider kann diese angeborene Eigenschaft durch ein bildungsfeindliches Elternhaus stark eingeschränkt werden. Der Mensch lernt z.B. am Modell und lernwillige Eltern sind ein gutes Modell, während arbeitslose Eltern unfreiwillig ihren Kindern die Botschaft vermitteln, dass man ohne Betätigung auskommen kann. Dies war nie die Absicht der Eltern, doch Kinder sehen nur einen arbeitslosen Vater, der Bewerbungen abschickt und sonst zu Hause tätig ist. Dagegen betrachten andere Kinder ihre Väter als jemanden, der jeden Tag Arbeit verrichtet und so entsteht ganz unabsichtlich ein Leistungsethos, dass Kinder von Arbeitslosen nie erfahren können. Kinder lernen in den ersten Jahren sehr viel und die Entwicklung ist nicht mehr einzuholen.

Meinung zu Krischan
Nein, die Beherrschung der deutschen Sprache wurde mir eindeutig durch diese Umwelt gewährleistet. In einem heruntergekommen Stadtviertel von Berlin oder Frankfurt würde ich einen anderen Sprachcode benutzen. Der Name Wolfgang bezieht sich auf das Elternhaus, nicht auf die Integration, dennoch ist es für mich selbstverständlich, dass meine Urenkel Wolfgang, Lisa und Alima heißen werden. Der Journalist Aly heißt mit Vornamen Götz, nicht Mohammed, Achmed oder Ethan.

Meinung zu Aha
Gut für Sie, schlecht für mich. Ich erfuhr in Deutschland die sehr kranke Irrlehre, dass es Rassen gibt und eine Wertigkeit der einzelnen Rasse. Die Erfahrungen waren bitter und ähnlich den Schwarzen in den Vereinigten Staaten drehte ich die Sache einfach um und die Deutschen wurden zu Untermenschen und Dreck. Dies alles hat sich nach einer kurzen Zeit verändert, der Vernunft sei Dank!
Meinung zu DerPferd
„Unterlegene Kultur“
Welche Kultur? Warum unterlegen? Ich fasse es mal als idiotische Aussage auf.
Meinung zu Totoncha
Nein Bolz verharmlost die soziale Probleme, denn zuerst vertritt er die Meinung, dass Migranten aus gewissen Umgebungen zwar oft in bildungsfeindlichen Umgebungen aufwachsen, um im Nachhinein die Erziehung im Elternhaus den staatlichen Institutionen vorzuziehen. Wer soll daraus noch schlau werden?
Ich kann Bolz im ersten Teil zustimmen, doch in diesen Fällen ist das eine Misshandlung des Geistes.

  • Antworten
Ethan Yilmaz30.09.2012 | 10:19 Uhr

Lehre statt Leere

Prof.Norbert Bolz hat Recht. Vor jeglichem Teamgeist sollte zunächst
der Individualgeist geschult werden.Wobei "Geist" streng genommen, eigentlich "Intellekt" meint.Geist wohnt allen innen und meint vielmehr Gemüt.
Die klassische Vorbildung, wie sie Norbert Bolz bevorzugt, wäre das
humane Ideal.Ein Vorsatz, der aber leider nur einer Elite von Bewußten
vorbehalten bleibt.Human science, gekrönt mit der Kenntnis des Altgriechischen, ist dann das absolute Höchstmaß.Mich fordern im älter werden schon die lateinischen Grundkenntnisse heraus, liegt wohl
an meiner verlangsamten Lernkompetenz.Aber man lernt eben nie aus...
So sollten den Schülern einfach Lernanreize statt eine einseitige
"Paukermentalität" vermittelt werden.Wer Englisch lernt, kann
das natürlich mit einem Exercise-Book,einem Grammar- Book und Frontalunterricht vollziehen,wobei ihm schnell die Lernmotivation schwindet.
Würde man dagegen von Dan Brown " The Davinci Code " als workbook
vorlegen, würde das Abenteuer Lernen viel leichter gelingen.Noch
besser die Klassiker der Weltliteratur - immer wieder - Schritt für
Schritt als Herausforderung zur Diskussion stellen." Der Club der
toten Dichter", der Ideallehrer, hier überhöht, mahnt seine Schüler:
"Carpe diem ".Er spornt sie an,dramatisiert,reißt mit...verba docent, exempla drahunt.In einer anderen Filmversion mußte ein Lehrer schwererziehbare Schüler auf den Weg der Tugend bringen.Auf einer
Insel,isoliert von der Außenwelt, bewegt (motiviert) er sie beim Strandlauf.Dabei wird er zum "Teamplayer", Lerninhalte werden praktisch -Ping-Pong - von Schüler zu Schüler übertragen. Vielleicht eine Idealisierung,vielleicht aber auch ein Weg zur Leistungssteigerung.Der beste Lehrer ist man selbst.Was ich lernen will, bleibt haften.Autodidactical or self studied...Der Wechsel zwischen Individual- und Gruppenlernen bringt den mentalen Erfolg.

  • Antworten
bernd30.09.2012 | 18:28 Uhr

Treffend

"Überfordert sind die Lehrer nicht vom Stoff, sondern von Eltern, die immer größere Konsumentenerwartungen an die Schule richten, und zum anderen von der Verwaltung, die den Lehrern ständig neue Reformprogramme aufdrückt und sie in irgendwelche Schulungen hetzt. Hier werden sie dann mit sogenannten „neuen Formen des Lernens“ konfrontiert, die ihren eigenen Erfahrungen widersprechen."

Besser hätte ich es als Lehrer an einem Gymnasium nach dreißig Jahren Berufserfahrung nicht ausdrücken können. Derzeit erlebe ich, wie neuerdings Schüler nach den G8-Reformen mit immer geringeren Kenntnissen und Fähigkeiten in Oberstufenkurse eintreten, dafür aber ihr gesammeltes Unwissen jederzeit als wundervoll ausgearbeitete Präsentation vorführen können. Das ist nicht das, weswegen ich ursprünglich mal Lehrer geworden bin, aber gegen den Glauben an die heilsbringende Wirkung von Gruppenunterricht kommt man nicht an. Das mag für sprachliche und gesellschaftswissenschaftliche Fächer akzeptabel sein, für eine Naturwissenschaft bedeutet es nach meiner Überzeugung das Ende von Wissen und Können.

  • Antworten
FS01.10.2012 | 08:59 Uhr

Teamgeist ist der größte Feind des Geistes

TEAM = "Toll ein anderer machts" (Uralter Spruch, aber wahr!)

  • Antworten
Wolram Wiesel01.10.2012 | 21:53 Uhr

Kulturelle Evolution

Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand, und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann.

Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, müssen Machtstrukturen aufgebaut werden. Dazu bedarf es einer "Verwandlung des Geistes" (Religion = Rückbindung auf künstliche Archetypen), um die makroökonomischen Konstruktionsfehler und die daraus resultierende, systemische Ungerechtigkeit und Beschränktheit aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes auszublenden:

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/09/von-den-drei-verwandlungen.html

  • Antworten
Stefan Wehmeier02.10.2012 | 16:30 Uhr

Ansichten eines Insiders

Als Lehrer verfolge ich die durch Richard David Prechts Ruf nach einer „Bildungsrevolution“ (http://www.cicero.de/salon/richard-david-precht-bildung-schule-wir-brauchen-eine-bildungsrevolution/51963?seite=1) wieder aufgeflammte Diskussion über das deutsche Bildungswesen schon eine ganze Weile. Da ich selbst sozusagen im Zentrum der Debatte stehe, hier einige kritische Anmerkungen:

1) Die Diskussion wird vor allem von Personen geführt, die keine Berufserfahrung als Lehrkräfte haben. Meist sind es Stimmen aus dem Bereich der Universität, die allerdings, sofern sie in der Lehre aktiv sind, unter ganz anderen Bedingungen arbeiten. Nun will ich es Leuten wie Norbert Bolz, Gerald Hüther oder Richard David Precht gar nicht absprechen, durch ihre fachliche und gedankliche Expertise gewinnbringende Impulse für eine Weiterentwicklung von Schule liefern zu können. Doch – und das ist letztendlich der entscheidende Faktor – in die tatsächliche praktische Gestaltung des Unterrichts haben sie keinen hinreichenden Einblick. So wird das Phänomen Schule letztendlich auf der Basis der viele Jahre zurückliegenden eigenen Erfahrungen (Precht) oder der Berichte der eigenen Kinder (Bolz) beurteilt. Nun kann sich jeder Berufstätige selbst fragen, wie kompetent ein Außenstehender seine Tätigkeit beurteilen und durch Ratschläge verbessern kann. Für die meisten Berufe würden sich hier doch enge Schranken ergeben. Nur, warum sollte dies für den Lehrerberuf anders sein? Kann man aus der Perspektive des Beobachters wirklich ermessen, welche Chancen und Probleme sich bei der Umsetzung bestimmter Unterrichtsziele ergeben? Oder befindet man sich nicht vielmehr in der Rolle des – sicherlich mit viel theoretischem Fachwissen ausgestatten –
Fußballfans, der beim Fernsehabend über die Aufstellung des Trainers herzieht? Folglich lassen viele der aktuell aufkommenden Forderungen und Ratschläge die Frage der Umsetzbarkeit in die Praxis völlig ausgeblendet.

2. Die Diskussion wird sehr stark von Verallgemeinerungen und fast schon dogmatischen Ansichten geprägt. So geht Precht davon aus, dass alle Schüler durch ihre „Potenziale an Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität“ zu „Rennpferde[n]“ gemacht werden könnten und dies aber unter anderem aufgrund der geringen „Anzahl der Begeisterten, Neugierigen und Kreativen unter deutschen Lehrern“ nicht möglich ist. Nobert Bolz macht umgekehrt pauschal die „Konsumerwartungen“ der Eltern für die Bildungsmisere verantwortlich und qualifiziert Teamarbeit als „Feind des wirklichen Geistes“ ab. Aussagekräftige empirische Belege für diese Aussagen werden in den Artikeln nicht aufgeführt. Dabei ist die Erfahrung vieler Lehrkräfte aus dem Unterricht eine ganz andere: Hier zeigt sich, dass in der Schule eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Charaktere aufeinandertreffen, die somit auch verschiedene Bedürfnisse haben. So hat man eben nicht nur neugierige Hochbegabte mit Entdeckungsdrang in den Klassen, sondern auch Schüler, die lieber nach festen Vorgaben mit klar umrissenen Anforderungen arbeiten. Während ein Teil der Klasse sich besser im Rahmen einer möglichst freien Teamarbeit verwirklichen kann, kommen andere mit einem lehrerzentrierten Unterricht besser zurecht. Auch können Lehrerzimmer und Bürokratie nicht generell als Sammelbecken für besonders unkreative Persönlichkeiten betrachtet werden und eine Verallgemeinerung der Erziehungsvermeidung eines Teils der Eltern auf alle wird der Sache nicht gerecht.

Hier zeigt sich aus meiner Sicht das eigentliche Problem, für das, was immer wieder als Bildungskrise gesehen wird: Die Schule des 21. Jahrhunderts muss einer Mannigfaltigkeit an unterschiedlichen Persönlichkeiten und individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Dies ist eine große Herausforderung, bei der sowohl das System als auch die einzelne Lehrkraft immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Ohne Frage besteht also in vielen Punkten noch Verbesserungsbedarf. Doch sind Forderungen ohne konkreten Praxisbezug und ungeprüfte Pauschalisierungen dabei wenig hilfreich.

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Christian König02.10.2012 | 17:31 Uhr

Ansichten eines Insiders

Als Lehrer verfolge ich die durch Richard David Prechts Ruf nach einer „Bildungsrevolution“ (http://www.cicero.de/salon/richard-david-precht-bildung-schule-wir-brauchen-eine-bildungsrevolution/51963?seite=1) wieder aufgeflammte Diskussion über das deutsche Bildungswesen schon eine ganze Weile. Da ich selbst sozusagen im Zentrum der Debatte stehe, hier einige kritische Anmerkungen:

1) Die Diskussion wird vor allem von Personen geführt, die keine Berufserfahrung als Lehrkräfte haben. Meist sind es Stimmen aus dem Bereich der Universität, die allerdings, sofern sie in der Lehre aktiv sind, unter ganz anderen Bedingungen arbeiten. Nun will ich es Leuten wie Norbert Bolz, Gerald Hüther oder Richard David Precht gar nicht absprechen, durch ihre fachliche und gedankliche Expertise gewinnbringende Impulse für eine Weiterentwicklung von Schule liefern zu können. Doch – und das ist letztendlich der entscheidende Faktor – in die tatsächliche praktische Gestaltung des Unterrichts haben sie keinen hinreichenden Einblick. So wird das Phänomen Schule letztendlich auf der Basis der viele Jahre zurückliegenden eigenen Erfahrungen (Precht) oder der Berichte der eigenen Kinder (Bolz) beurteilt. Nun kann sich jeder Berufstätige selbst fragen, wie kompetent ein Außenstehender seine Tätigkeit beurteilen und durch Ratschläge verbessern kann. Für die meisten Berufe würden sich hier doch enge Schranken ergeben. Nur, warum sollte dies für den Lehrerberuf anders sein? Kann man aus der Perspektive des Beobachters wirklich ermessen, welche Chancen und Probleme sich bei der Umsetzung bestimmter Unterrichtsziele ergeben? Oder befindet man sich nicht vielmehr in der Rolle des – sicherlich mit viel theoretischem Fachwissen ausgestatten –
Fußballfans, der beim Fernsehabend über die Aufstellung des Trainers herzieht? Folglich lassen viele der aktuell aufkommenden Forderungen und Ratschläge die Frage der Umsetzbarkeit in die Praxis völlig ausgeblendet.

2. Die Diskussion wird sehr stark von Verallgemeinerungen und fast schon dogmatischen Ansichten geprägt. So geht Precht davon aus, dass alle Schüler durch ihre „Potenziale an Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität“ zu „Rennpferde[n]“ gemacht werden könnten und dies aber unter anderem aufgrund der geringen „Anzahl der Begeisterten, Neugierigen und Kreativen unter deutschen Lehrern“ nicht möglich ist. Nobert Bolz macht umgekehrt pauschal die „Konsumerwartungen“ der Eltern für die Bildungsmisere verantwortlich und qualifiziert Teamarbeit als „Feind des wirklichen Geistes“ ab. Aussagekräftige empirische Belege für diese Aussagen werden in den Artikeln nicht aufgeführt. Dabei ist die Erfahrung vieler Lehrkräfte aus dem Unterricht eine ganz andere: Hier zeigt sich, dass in der Schule eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Charaktere aufeinandertreffen, die somit auch verschiedene Bedürfnisse haben. So hat man eben nicht nur neugierige Hochbegabte mit Entdeckungsdrang in den Klassen, sondern auch Schüler, die lieber nach festen Vorgaben mit klar umrissenen Anforderungen arbeiten. Während ein Teil der Klasse sich besser im Rahmen einer möglichst freien Teamarbeit verwirklichen kann, kommen andere mit einem lehrerzentrierten Unterricht besser zurecht. Auch können Lehrerzimmer und Bürokratie nicht generell als Sammelbecken für besonders unkreative Persönlichkeiten betrachtet werden und eine Verallgemeinerung der Erziehungsvermeidung eines Teils der Eltern auf alle wird der Sache nicht gerecht.

Hier zeigt sich aus meiner Sicht das eigentliche Problem, für das, was immer wieder als Bildungskrise gesehen wird: Die Schule des 21. Jahrhunderts muss einer Mannigfaltigkeit an unterschiedlichen Persönlichkeiten und individuellen Bedürfnissen gerecht werden. Dies ist eine große Herausforderung, bei der sowohl das System als auch die einzelne Lehrkraft immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Ohne Frage besteht also in vielen Punkten noch Verbesserungsbedarf. Doch sind Forderungen ohne konkreten Praxisbezug und ungeprüfte Pauschalisierungen dabei wenig hilfreich.

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Christian König02.10.2012 | 17:32 Uhr

Ohje

Ich kann sie nicht mehr hören, diese Experten, die ganz genau wissen, welche eine einzige Lehrmethode die einzig richtige ist. Herr Bolz, lassen Sie sich gesagt, man kann jede Methode falsch anwenden. Nur weil einer eine bestimmte Methode auswählt, ist er noch kein guter Lehrer. Er muss sie auch adäquat anwenden. Das geht bei lehrerzentriertem wie schüleraktivierendem Unterricht mit schöner regelmäßig schief.

Und was den Hausmeister anbetrifft. Warum sollte er nicht über die Anschaffung eines Kunstwerkes mitbestimmen? Weil er qua Amt keine Ahnung hat? Die haben nur die wichtigen Elfenbeinturmbewohner? Sind Sie sicher, dass Sie den Künstlern damit gerecht werden?

Aber aus seiner Ablehnung von Demokratie in der Kultur schließt Herr Bolz dann auch auf die Ablehnung der Demokratie in der Bildung. Und so meint der vierfache Vater, dass Eltern in Schule nichts zu sagen haben sollten. Bitte, sei'n S' konsequent. Halten S' den Babbel.

A. Igel

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Alfred Igel16.10.2012 | 18:56 Uhr

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