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 > Ein Preuße im Shitstorm

Salon

StiftungspräsidentEin Preuße im Shitstorm

Von Alexander Marguier29. September 2012
picture alliance
Hermann Parzinger,Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz,Humboldt-Box,Schlossplatz
Im Hintergrund den Berliner Dom: Hermann Parzinger muss sich auch um die Humboldt-Box kümmern
Schrift:

Hermann Parzinger bringt als Chef der „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ derzeit die Feuilletons gegen sich auf: Grobheit und Einfalt werden ihm wegen der Umzugspläne der Alten Meistern vorgeworfen 
 

Seite 1 von 3

Dafür, dass Hermann Parzinger die derzeit meistverachtete Person im deutschen Kulturbetrieb ist, wirkt er einigermaßen gefasst. Leute, die ihn gut kennen, behaupten allerdings, die Contenance des 53‑Jährigen sei reine Fassade; tief im Inneren sei der Präsident der Berliner „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ empfindlich getroffen – geradezu fassungslos über die Vorwürfe, die seit einigen Wochen auf ihn niederprasseln.

Einen Kulturbanausen und Bilderstürmer hat man ihn geschimpft, wobei das noch die harmloseren Verbalattacken in Richtung dieses feingliedrigen, zurückhaltend wirkenden Mannes mit dem grau melierten Vollbart waren. Im medialen Shitstorm, den etliche bisweilen gar nicht sonderlich feinsinnige Feuilletonisten heraufbeschworen haben, herrscht offenbar die totale Enthemmung. Gerade so, als hätte ein Kartell von Kunstkritikern nur auf die passende Gelegenheit gewartet, um endlich auch mal so richtig die Sau rauslassen zu können: Boulevard meets Museum.

Wie konnte es so weit kommen? Das Unglück nahm seinen Lauf am 12. Juni dieses Jahres mit einer, fast könnte man sagen: Petitesse von zehn Millionen Euro. Das ist natürlich nicht ganz wenig, aber im Vergleich zum 260 Millionen Euro schweren Gesamtetat der Preußen-Stiftung dann eben doch eher ein Trinkgeld. Ein gut gemeintes allemal, denn diese Summe, die an jenem frühsommerlich-heiteren Dienstag bei Beratungen zum Nachtragshaushalt im Bundestag der von Parzinger geleiteten Kulturinstitution zugeschlagen wurde, sollte so etwas sein wie die Initialzündung für eine Neuordnung der Berliner Museumslandschaft. Dieses Projekt firmiert inzwischen fast nur noch unter dem bündigen Titel „Rochade“, und es ist – anders als die Feuilletonpanik vermuten lässt – ein ziemlich alter Hut. Was Hermann Parzinger in seiner unaufgeregten Art jedenfalls als „die Lösung aller Probleme“ beschreibt, kommt je nach Standpunkt entweder einem Befreiungsschlag gleich oder aber einem Hütchenspiel mit viel Trickserei und ganz, ganz bösem Ende für die schönen Künste.

So viel zur Ausgangslage: Berlin verfügt mit seiner Gemäldegalerie über eine der bedeutsamsten Sammlungen Alter Meister weltweit. Beherbergt wird sie von einem erst 1998 eröffneten Museum, das dafür zwar maßgeschneidert wurde, sich jedoch in einer etwas ungünstigen innerstädtischen Brachenlandschaft neben der Philharmonie und in Sichtweite des Potsdamer Platzes befindet. Ebenfalls ganz in der Nähe liegt die Neue Nationalgalerie mit ihrem berühmten Mies-van-der-Rohe-Bau aus dem Jahr 1968 – der als Ausstellungsfläche für insbesondere die Kunst der Klassischen Moderne schon seit Anbeginn aus allen Nähten platzt; nur ein kleiner Bruchteil der Bestände kann überhaupt dort gezeigt werden.

Seite 2: Das Museum soll inis 21. Jahrhundert gelangen

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Neue Nationalgalerie soll event-location werden!

Machen Sie es sich nicht zu einfach, herr Marguier? Von "Wutbürgern" ist die Rede - es handelt sich aber um eine stattliche Garde international renommierter Kunsthistoriker, die diese Petitionen gegen den Umzug unterzeichnet haben. Und um nahezu alle, die dieses Fach in der Lehre der drei Berliner Universitäten vertreten.
"Wutbürger?"

Herr Marguier, wir haben in Berlin eine Gemäldegalerie, die funktioniert, sie ist schön und leicht zu erreichen. Wenige hundert Meter von der Museumsinsel entfernt.
Und wir haben in Berlin ehrgeizige Personen, die nach dem riesigen MOMA-Rummel in der Nationalgalerie nun glauben, so was könne man jetzt immer wieder machen.
Die Neue Nationalgalerie soll "event-location" werden, ihr Inhalt kommt in die Gemäldegalerie, so denkt man sich das.
Darum gehts, um nichts anderes.

Schade nur, daß Berlin pleite ist, daß Flughafen und Schloß mehr kosten als da ist usw. usw. Ob wir da in wenigen Jahren noch Geld für eine neue Gemäldegalerie haben werden?

Für mich sind die Pläne von Parzinger, Grütters usw. pure Utopie. An der Realität vorbei. Die Finanzen werden uns alle wieder auf den Boden der Tatsachen bringen.
Bald schon!
Bis dahin lohnt es sich, die Gemäldegalerie - so, wie sie ist, soll sie bleiben - zu verteidigen!

  • Antworten
E. Neumann03.10.2012 | 12:51 Uhr

Die Stiftung spielt Hazard mit den Alten Meistern

Das Rätsel, warum ein angeblicher Kulturkampf entstanden ist, ist ganz einfach zu lösen: Weil die Stiftung unseriös nicht zuerst Schritt 1 und dann Schritt 2 tut: Zuerst den nötigen Platz für die Alten Meister an der Museumsinsel schaffen und danach dann mit der Gemäldegalerie umziehen.

Statt dessen will sie ein Hazardspiel mit den Alten Meistern treiben: nur mit dem Versprechen "eines belastbaren Stufenplans" für einen Neubau will sie erst einmal Gemäldegalerie und Skulpturengalerie im Bode-Museum eindampfen, für auf jeden Fall sieben Jahre, wie Herr Parzinger eingesteht. Von "Garantie des Bundestages für einen Neubau" hat übrigens kein Verantwortlicher der Stiftung jemals in der Öffentlichkeit gesprochen - wohlweislich.

Was von einem "belastbaren Stufenplan" zu halten ist, zeigt die Erfahrung. Der vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung voll durchgeplante Masterplan von 1999 sagte z.B.im Jahr 2000 über die Bauzeiten:

Pergamonmuseum 2005-2010 (tatsächlicher Beginn: im nächsten Jahr); Altes Museum 2003-2007 (Beginn: in den Sternen); Neues Eingangsgebäude 2002-2006 (heute wird immer noch an der Baugrube gearbeitet); u.s.w.

Und damals war die Finanzierung sicher! Gegen dieses gigantische Risiko wendet sich die Petition, dagegen wenden sich verantwortungsbewusste Feuilletonredakteure. Und darauf geht Herr Parzinger mit keinem Wort ein.

  • Antworten
Wolfgang Guelcker14.10.2012 | 08:45 Uhr

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