Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Stetig stürzt das Abendland

Salon

Pieter Bruegels ZeitkritikStetig stürzt das Abendland

Von Beat Wyss7. Oktober 2012
Wikipedia
Bruegel,Ikarussturz,Gemälde,Abendland,Eurokrise
Pieter Bruegel der Ältere: „Landschaft mit Ikarussturz“, Öl auf Leinwand, 74 x 112 cm, Brüssel, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique
Schrift:

Das Abendland war schon immer im Begriff unterzugehen. Ein Blick auf den malenden Intellektuellen Pieter Bruegel legt nahe, dass es unklug wäre, die Europa- auf eine Eurokrise zu reduzieren

Vielleicht hilft es ja, unseren mit Melancholie geschlagenen Europapatriotismus aufzuhellen, indem wir uns klar werden, dass das Abendland immer schon im Begriff war unterzugehen. Es muss am Namen liegen, wenn über dieser Weltgegend die Sonne unentwegt sinken will. Auch Pieter Bruegel der Ältere hat es so empfunden. Das Dämmerlicht, in das seine „Landschaft mit Ikarussturz“ getaucht ist, belegte er daher auch mit einem humanistischen Argument. Als gelernter Kupferstecher gehörte er zu den Intellektuellen seiner Zeit. Sein Gemälde ist als gelehrsamer Kommentar auf Ovids Metamorphosen zu lesen.

Ein Fischer, ein Hirte und ein pflügender Bauer hätten den schwebenden Jüngling am Himmel gesehen, schreibt der augusteische Dichter; Bruegel malt die genannten Zeugen, um von der Sage ja kein Jota abzuweichen. Wir sehen den Verwegenen, wie er gerade ins Meer fällt, nachdem er der Sonne zu nahe kam, was das Wachs in den kunstvoll gefertigten Flügeln zum Schmelzen brachte. Er hatte den Rat seines Vaters Dädalus, nicht zu hoch zu fliegen, missachtet.

Spielt der pflügende Bauer zur Himmelsstürmerei etwa den währschaften Widerpart mit Bodenhaftung? Weit gefehlt: Bruegels Bauer bietet nur ein anderes Beispiel für Niedergang. Er steht für den Abschied vom Goldenen Zeitalter, jener Epoche ewigen Frühlings, als der Sammler von Feldfrüchten mit dem sich begnügte, was die freigiebige Natur ihm zum Essen gab. Der Ovid’sche Bauer ist hier biblisch überblendet und hört auf den Namen Kain, den Erfinder des Pflugs. Dessen Mord an Bruder Abel besiegelt im Bruegel’schen Weltbild den Kulturkampf zwischen dem Ackerbau der Sesshaften und nomadischem, dem goldenen Hirtendasein. Hinter dem Acker im Gebüsch liegt eine Leiche, Beleg für die eiserne Zeit der Gewalt. Jean-Jacques Rousseau sollte diese Denktradition später fortsetzen, als er Gold und Eisen als Ursache für die Ungleichheit der Menschen beschrieb.

Bruegels „Landschaft mit Ikarussturz“ ist Zeitkritik. Das Gemälde muss zwischen 1555 und 1569 entstanden sein. Der Krieg zwischen Spanien und Frankreich führte zur ersten kontinentalen Finanzkrise. Der Freiheitskrieg der Niederländer gegen die Spanier, der ebenfalls zu dieser Zeit begann, sollte ein paar Jahrzehnte später in den Dreißigjährigen Krieg münden – einen Kolonialkrieg im Gewand konfessioneller Konflikte. Es ging um nichts weniger als die Neuverteilung der Welt, bei der die alten katholischen Großmächte Spanien und Portugal gegen das anglikanische Großbritannien und das protestantische Holland als Verlierer hervorgehen sollten.

Bruegel glaubte wie Erasmus von Rotterdam an die Unteilbarkeit des Christentums. Der niederländische Humanist sah sich im Zeitalter der Polarisierung zwischen katholischer Inquisition und calvinistischem Gesinnungsterror auf verlorenem Posten: zwischen Scylla und Charybis, sagt uns das Gemälde. Denn der Maler führt uns vor das Panorama der Meerenge von Messina, wo, nach Homer, Odysseus bei der Passage sechs seiner Gefährten verlor.

Das kleine Werk hängt in Brüssel, wo Bruegel wirkte und begraben liegt. In jener Stadt, wo Karl V als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches 1555 abdankte, wird heute wieder um den Fortbestand der europäischen Einheit gestritten. Konfliktparteien sind eben jene Nationalstaaten, die aus den Trümmern des Dreißigjährigen Krieges hervorgegangen waren. Überblickt man die blutige Geschichte Europas, scheinen die vergangenen 67 Jahre relativen Friedens wie ein Wunder. Das eiserne Zeitalter der Kriege ist vorbei. Nur im Zank um das Gold, scheint es, sind wir die Alten geblieben.

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
1 Kommentar

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
US-Außenminister John Kerry
He speaks deutsch
von
29.04.2013
Religionsmonitor
Die Hälfte der Deutschen sieht den Islam als Bedrohung
von
29.04.2013
„Die Abenteuer des Joel Spazierer”
Schelmentum und Amoral
von
19.04.2013

zum Dossier Das Kunst-Dossier
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
September 2012
 des Magazins Cicero – Hier bestellen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
US-Außenminister John Kerry
He speaks deutsch
von
29.04.2013
Religionsmonitor
Die Hälfte der Deutschen sieht den Islam als Bedrohung
von
29.04.2013
„Die Abenteuer des Joel Spazierer”
Schelmentum und Amoral
von
19.04.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
Neues Dossier anlegen:

Noch treffender auf unsere

Noch treffender auf unsere Zeit und ihren Problemen bezogen finde ich das Bild Breughels "Der Blindensturz" von 1568: Der Blinde Führer einer Blindengruppe reisst, die Grube nicht sehend, alle anderen mit hinein.

  • Antworten
von Schnittlauch07.10.2012 | 22:04 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

20 Gründe, auf den Mars umzuziehen

zur Bildergalerie
Anzeige

Marie Amrhein

Sonntagskolumne: Mein Sozialstaat

Angie, gib' die Wohnung frei

Deutschland ächzt unter akutem Wohnungsnotstand

In Deutschland herrscht akuter Wohnungsmangel. So zumindest wirkt es für die Menschen in den Ballungsräumen der Republik. Und dabei geht es nicht nur um den schönen Altbau mit Balkon im Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzkölln


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Hollandes Offensive kommt zu spät

Frankreichs Staatschef Hollande will eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone. Auf einer…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
16%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
84%
Gesamtstimmen: 684
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang