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 > Stefan Raabs Talkkonzept wird scheitern

Salon

TV-PolitquizStefan Raabs Talkkonzept wird scheitern

Von Antje Hildebrandt17. September 2012
picture alliance
Stefan Raab,Polittalk,Pro Sieben
Will sich übers Privatfernsehen an die politikferne Zielgruppe heranpirschen: Stefan Raab
Schrift:

Deutschlands erfolgreichster Entertainer will sich als Polittalker neu erfinden. Doch sein Konzept  hat einen entscheidenden Fehler

Seite 1 von 2

Wolfgang Kubicki ist nicht abgeneigt. Klar, könne er sich vorstellen, sich auf einen Schlagabtausch mit Stefan Raab einzulassen, sagt der Muhammed Ali der Liberalen. „Schon allein, um anderen nicht das Feld zu überlassen.“

Will sich der FDP-Fraktionschef  als Iron Man versuchen? Hat er schon heimlich Pfannenkuchenwenden trainiert? Keine Angst, es ist nicht Kubicki, der fremdgeht. Es ist Stefan Raab. Der Mann, der die Wok-WM erfunden hat, will sich als Polittalker neu erfinden. 

Ab dem 12. November tritt er einmal im Monat gegen einen Mann an, der zwar eloquenter ist als er, dem aber nach einem Jahr in der ARD die Puste auszugehen droht: Marktführer Günther Jauch. „Die absolute Mehrheit“, heißt die neue Talkshow. Und schon der prägnante Titel lässt erahnen, wohin die Reise geht: Noch weniger Talk, noch mehr Show!

Raab ist schließlich Entertainer, der innovativste, den Deutschland hat. Er hat schon die Wok-WM erfunden und das Zerschrotten alter Schleudern zur Unterhaltung erhoben. Entsprechend unkonventionell ist sein Zugang zur Politik.

Er wirbelt das Genre auf, indem er ein Element einführt, das man aus Castingshows kennt. Den Televote. Berufspolitiker, Promis und Normalos sollen pro Folge über gesellschaftlich relevante Themen debattieren. Die Zuschauer entscheiden per SMS oder Telefon, wer sie überzeugt hat. Nun hat ein Polittalk ungefähr so viel mit einer Castingshow gemein wie Gregor Gysi mit Usain Bolt. Im Talk geht es um Pro und Contra, in der Castingshow um On oder Off.

Dass sich der TED nicht eignet, um Menschen an die Politik heranzuführen, die sich sonst schnell wegzappen, wenn Besserwisser bei den „Jauchmaischbergerillnerwillplasbergs“ über den Fiskalpakt und andere Fisimatenten schwadronieren, hat schon der Flop der ZDF-Show „Ich kann Kanzler“ gezeigt.

Doch das schreckt den Raabinator nicht ab, es fordert ihn heraus. Er hat der ARD schon demonstriert, wie man eine Gewinnerin für den Eurovision Song Contest castet. Per Televote. Jetzt will er beweisen, dass sich dasselbe Instrument auch eignet, den Polittalk zu revolutionieren. Der, findet der Entertainer, sende einen „oft ins Koma“. Die immer gleichen Experten zerredeten die immer gleichen Themen. Der Erkenntnisgewinn: beschränkt.

Bei Raab soll der Zuschauer König werden. Damit er außer der Frisur und dem Charme auch die Argumente der Kandidaten nicht aus dem Auge verliert, hat der Moderator einen Kollegen vom Fach engagiert: Peter Limbourg, Nachrichtenchef der ProSiebenSat.1-Gruppe. Er soll die Ergebnisse zusammenfassen und, wenn nötig, Fachchinesisch übersetzen. Der Kandidat, der die absolute Mehrheit gewinnt, bekommt 100.000 Euro. 

Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um Bauchweh bei der Vorstellung zu bekommen, wohin dieser verschärfte Leistungsdruck führt. Schon jetzt leiden die Talkshows an der Morbus Kubicki: Sie müssen als Bühne für Kandidaten herhalten, denen es weniger um Argumente als um die  Selbstdarstellung geht.

Seite 2: Mission Impossible wäre der passendere Titel

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"Morbus Kubicki?"

an den Autor: könnten Sie freundlicherweise sagen, woruaf sie mit "morbus Kubicki" Bezug nehmen? Ich habe Kubicki eigentlich nur als scharfsinnigen, intelligenten und prägnant argumentierenden Strafrechtler wahrgenommen. Einer, der sicher auch mal direkt ist (wonach wir uns ja alle angeblich sehnen, dass Politiker ehrlich sind). Aber auf welches Interview oder Fernsehrauftritt Ihre Seitenhiebe sich beziehen, würde mich WIRKLICH interessieren. Meiner bisherigen Wahrnehmung entspricht das Bild nicht, das Sie Kubicki hier "nebenbei" attestieren.

  • Antworten
Leo17.09.2012 | 14:30 Uhr

Bezüglich Raabs

Bezüglich Raabs Elefantenrunde, auf die Sie sich am Ende des Artikels beziehen, haben Sie vergessen zu erwähnen, dass Raab 4 Jahre vorher eine solche schon einmal gemacht hat und dabei mit seinem Ergebnis näher am tatsächlichen Wahlergebnis lag, als alle anderen Umfragen.

Des Weiteren trieft aus ihrem Artikel aus jeder Zeile die Abschätzigkeit und Überheblichkeit gegenüber Raabs (Aus-)Bildung und seinem Werdegang. Nur weil er Metzger gelernt hat und viele Unterhaltungssendungen wie die WOK-WM erfunden hat, muss er noch lange nicht zu ungebildet sein, um eine Polit-Talkshow zu moderieren. Wenn es nach der Ausbildung ginge, dürften nämlich diverse Polit-Moderatoren nicht mehr in ihrem Job arbeiten, z. B. auch Herr Jauch, der, soweit ich weiß, sein Studium abgebrochen und keine abgeschlossene Ausbildung hat. Abgesehen davon ist Raab alles andere als ein ungebildet/politisch desinteressiert, um das zu sehen muss man sich nur mal die Wissensspiele bei "Schlag den Raab" ansehen, wo er regelmäßig durch große Allgemeinbildung auffällt.

Zum Schluss meine Meinung zur Sendung:
Abwarten und Tee trinken. Durch Raabs Konzept hebt er sich von sämtlichen anderen Politshows ab. Dass die öffentlich-rechtlichen Sender unter Polit-Talkshow verstehen, dass sich 5 Politiker zu den ewig gleichen Themen hinsetzen und sich zielllos diskutierend die ewig gleichen Phrasen an den Kopf werfen, während das parteieigene Klatschvieh im Publikum klatscht, heißt nicht, dass man eine Polit-Talkshow nicht auch anders aufziehen kann. Zudem kommt Raab zugute, dass er eine andere Zielgruppe hat, als sämtliche anderen Politshows. Ich kenne viele junge Leute, die sich für Politik interessieren, aber die üblichen Polit-Talkshows trotzdem nicht gucken, Raab aber vielleicht aufgrund des unterhaltsameren Konzepts schon. Der TV Total Erstwählercheck ist nämlich nicht beispielhalft für die jungen Wähler. Da wurden die Dümmsten der Summen vor die Kamera gestellt, damit es etwas zum Lachen gibt.

  • Antworten
Anja17.09.2012 | 19:20 Uhr

Ja, so ist das, wenn die Linke mal zu Wort kommt:

das blöde Unterschichten-Wählvolk wählt die doch tatsächlich auch noch.
Schön wäre es, wenn diese Tatsache den meisten der sogenannten "Politprofis" die Sprache verschlagen würde. Uns würde so viel hohles Gefloskel erspart bleiben und Leute wie der populäre Gysi hätten mehr Sendezeit, um ihre Inhalte zu verbreiten.Offensichtlich steigt die Zustimmung zur Politik der Linken, wenn nicht irgendwelche medien über die Linke mit Halbwahrheiten und Verdrehungen berichten, sondern die partei selbst zu Wort kommt.

  • Antworten
julius lieske17.09.2012 | 19:25 Uhr

Warten wir's ab!

Alles Kaffeesatzleserei bezüglich Raabs Polittalkplänen. Fakt ist, dass zu wenig junge Leute die langweiligen ARD-Talk-Arien, bzw. Illner im ZDF sehen wollen. Warum also nicht einen neuen Versuch in einem privaten Sender wagen? Die öffentlich-rechtlichen gehen (bis auf ein paar wenige Highlights) unter, ohne dass es die vielbeschworenen Aufsichtsgremien bemerken wollen. Zu weltfremd sind diese zusammengewürfelten Gremien aus Parteien, Kirchen, usw. Für sie alle sind nur Sitze (=wichtig?) und nicht die Probleme im Vordergrund.
"Morbus Kubicki" ist übrigens eine gute Klassifizierung für sich selbst "überwichtig" haltende Provinzpolitiker, die nur dann auf der Talkbühne erscheinen dürfen, sollte man quotengeschuldet die Abteilung "innerparteilicher Standardwiderstand" zeigen will.
Vielleicht kann sich Raab dazu aufraffen, nicht nur Politiker "reden" zu lassen, sondern diese auch -mit ihren bekannten Schwächen- darzustellen. Es ist schon lange höchste Zeit, nicht nur Namen einzublenden und an Zeit und Fakten vorbeigehende Sätze unkommentiert hinzunehmen.
Ich bin gespannt und werde am ersten "Raab-Sonntag" auf die Einschlafhilfe von Jauch verzichten.

  • Antworten
Frederik Weiss19.09.2012 | 20:28 Uhr

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