Die EM ist aus. Alles beim Alten: Spanien ist Europameister. Und warum? Weil die Deutschen ihre Hymne nicht sangen und ihre Tugenden vermissen ließen. Eine Glosse
Skandal! Vaterlandsverrat! Die deutsche Nationalelf ist nicht etwa ausgeschieden, weil das das Spiel so mit sich bringt, weil es beim Fußball nun mal so ist, dass eine Mannschaft zwangsläufig verliert. Nein, wir sind ausgeschieden, weil die Spieler vor dem Spiel die Hymne nicht mitsangen, sich dem urdeutschen Liedgut verweigerten.
Das haben auch die Töpperwahns, die Rubenbauers sowie politische Hinterbänkler meist aus Unionsreihen erkannt und über das berühmte Vier-Buchstaben-Blatt das Singen der Nationalhymne für obligatorisch erklärt.
Die Italiener haben es uns ja vorgemacht. Sangen uns vor der Halbfinalniederlage in Grund und Boden. Intonierten inbrünstig ihr „Fratelli d'Italia“: „Lasst uns die Reihen schließen / Wir sind bereit zum Tod / Wir sind bereit zum Tod / Italien hat gerufen!“ Und bei uns? Vereinzelte sangen verschüchtert mit, wenige, die bereit waren, für ihr Land in den Tod zu ziehen. Diese Deutschlandlied-verweigernden Nutella-Werbe-Bubis. So unpatriotisch gewinnt man kein Spiel!
Dass dieselben singenden Italiener dann im Finale gegen nichtsingende Spanier sang- und klanglos ausgeschieden sind, gut, kann passieren. Und dass es nichtsingende Spanier waren (weil es nichts mitzusingen gibt), die den dritten (!) großen Titel nacheinander holten. Reiner Zufall.
Trotzdem: Den Deutschen fehlte es nicht nur am Gesang, überhaupt fehlten die Tugenden. Es fehlten die Typen, der Leitwolf, die Hierarchie. Wie soll auch der nette Jogi, der für Cremchen wirbt und verstohlen mit Balljungen witzelt, ernstzunehmend „Dischziplin“ einfordern?
Gut. Ja, ja, die Spanier. Haben auch einen netten Trainer, flache Hierarchien, kommen ohne Leitwolf und Drecksau aus. Egal. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.
Dabei haben wir am heimischen Fernseher und in den professionell vermarkteten Jubelzonen doch alles gegeben, uns in Schwarz-Rot Gold gehüllt, immer wieder betont, wie unverkrampft wir dabei sind, wie stolz, endlich wieder stolz sein zu dürfen.
Ganz unverkrampft ließen wir dann auch Nachrichtenschönling Ingo Zamperoni unseren Zorn spüren. Schlimm genug, dass uns das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen in der Halbzeitpause einen Halbitaliener vor die Nase setzte, ließ sich dieser ARD-Don-Juan doch tatsächlich auch noch zu dem Satz hinreißen: „Möge der Bessere gewinnen!“. Der Bessere? Um Gottes Willen, der Bessere? Nein, Zamparoni, der das Schelmen-Gesicht in die Nachrichtenwelt einführte, legte nach: „Ich weiß jetzt nicht, was mein Gesicht Ihnen verrät, aber seien Sie versichert, dass ich innerlich zerrissen bin.“ Zerrissen. Zerrissen?! Bekenne, Zampano! Wissen wir doch spätestens seit Roland Kochs Doppelter-Staatsbürger-Kampagne, dass unmöglich zwei Herzen in einer gesunden Bürgerbrust schlagen können.














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