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 > Skandal! Wo war der deutsche Leitwolf?

Salon

EM-AusSkandal! Wo war der deutsche Leitwolf?

Von Timo Stein2. Juli 2012
picture alliance
Cickero, Nationalhymne, Rubenbauer
Ja, warum singt ihr nicht?
Schrift:

Die EM ist aus. Alles beim Alten:  Spanien ist Europameister. Und warum? Weil die Deutschen ihre Hymne nicht sangen und ihre Tugenden vermissen ließen. Eine Glosse

Seite 1 von 2

Skandal! Vaterlandsverrat! Die deutsche Nationalelf ist nicht etwa ausgeschieden, weil das das Spiel so mit sich bringt, weil es beim Fußball nun mal so ist, dass eine Mannschaft zwangsläufig verliert. Nein, wir sind ausgeschieden, weil die Spieler vor dem Spiel die Hymne nicht mitsangen, sich dem urdeutschen Liedgut verweigerten.  

Das haben auch die Töpperwahns, die Rubenbauers sowie politische Hinterbänkler meist aus Unionsreihen erkannt und über das berühmte Vier-Buchstaben-Blatt das Singen der Nationalhymne für obligatorisch erklärt.

Die Italiener haben es uns ja vorgemacht. Sangen uns vor der Halbfinalniederlage in Grund und Boden. Intonierten inbrünstig ihr „Fratelli d'Italia“: „Lasst uns die Reihen schließen / Wir sind bereit zum Tod / Wir sind bereit zum Tod / Italien hat gerufen!“ Und bei uns? Vereinzelte sangen verschüchtert mit, wenige, die bereit waren, für ihr Land in den Tod zu ziehen. Diese Deutschlandlied-verweigernden Nutella-Werbe-Bubis. So unpatriotisch gewinnt man kein Spiel!

Dass dieselben singenden Italiener dann im Finale gegen nichtsingende Spanier sang- und klanglos ausgeschieden sind, gut, kann passieren. Und dass es nichtsingende Spanier waren (weil es nichts mitzusingen gibt), die den dritten (!) großen Titel nacheinander holten. Reiner Zufall.

Trotzdem: Den Deutschen fehlte es nicht nur am Gesang, überhaupt fehlten die Tugenden. Es fehlten die Typen, der Leitwolf, die Hierarchie. Wie soll auch der nette Jogi, der für Cremchen wirbt und verstohlen mit Balljungen witzelt, ernstzunehmend „Dischziplin“ einfordern?

Gut. Ja, ja, die Spanier. Haben auch einen netten Trainer, flache Hierarchien, kommen ohne Leitwolf und Drecksau aus. Egal. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Dabei haben wir am heimischen Fernseher und in den professionell vermarkteten Jubelzonen doch alles gegeben, uns in Schwarz-Rot Gold gehüllt, immer wieder betont, wie unverkrampft wir dabei sind, wie stolz, endlich wieder stolz sein zu dürfen.

Ganz unverkrampft ließen wir dann auch Nachrichtenschönling Ingo Zamperoni unseren Zorn spüren. Schlimm genug, dass uns das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen in der Halbzeitpause einen Halbitaliener vor die Nase setzte, ließ sich dieser ARD-Don-Juan doch tatsächlich auch noch zu dem Satz hinreißen: „Möge der Bessere gewinnen!“. Der Bessere? Um Gottes Willen, der Bessere? Nein, Zamparoni, der das Schelmen-Gesicht in die Nachrichtenwelt einführte, legte nach: „Ich weiß jetzt nicht, was mein Gesicht Ihnen verrät, aber seien Sie versichert, dass ich innerlich zerrissen bin.“ Zerrissen. Zerrissen?! Bekenne, Zampano! Wissen wir doch spätestens seit Roland Kochs Doppelter-Staatsbürger-Kampagne, dass unmöglich zwei Herzen in einer gesunden Bürgerbrust schlagen können.

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Seit der E-Jugend gelernt und immer mit großer Spielfreude und Einsatz auf technisch hohem Niveau trainiert. Dynamische Ordnungen, Bewegungen, Interaktionen, die auf kreative Spontanität und Systemrationalität angelegt sind, und dann diese Momente, wenn die besondere Gelegenheit kommt, geht man mit hohem Tempo in den 16-Meter-Raum, macht das Spiel schnell, spielt diese perfekten und gefühlvollen Pässe in die Schnittstellen der Abwehr des Gegners, aus denen die jeweiligen Tore entstehen. Da kann jeder Abwehrspieler der Welt nur schlecht aussehen. Das Körperliche und das Geistige, beides kommt im spanischen Spiel zusammen. Ein komplexes Wechselspiel. Im Raum immer orientiert, angepasst an die jeweilige Situation, blindes Verstehen, der Mitspieler antizipiert, Ball-Zirkulation im Sinne eines biologisch gedachten Organismus als Voraussetzung für die System-Funktion oder Spielphilosophie. Dem einzelnen Spieler wird jedoch auch der Selbstdarstellung, dem Sich-unterscheiden-Wollen auf dem Platz Raum gegeben, ganz ohne One-Man-Show, die nur die Medien für den marketingmäßigen Star-Kult brauchen. Im spanischen Spiel gibt es eine Symbiose aus Eigenständigkeit und System-Funktion. Eine verwirklichte Einheit von Kunst und Sport, mit der Anmutung eines Gesamtkunstwerkes. Ja, ein kreatives Potential ist heute da, die Freude daran, sie zu genießen und aufzunehmen, das ist es vor allem und in erster Linie und lässt die grauenerregenden Inszenierungen und Äußerungen bei dieser Europameisterschaft im Fußball in den Medien vergessen.

  • Antworten
bernhard jasper02.07.2012 | 15:38 Uhr

Der Name des Bundestrainers macht den Unterschied!

Ein Land, in dem die Bundestrainer "Jogi", "Berti" oder "Rudi" heissen (von "Tante Käthe" ganz zu schweigen) kann keine Titel holen, das ist auch richtig so.

Don Vicente klingt da schon ganz anders.

  • Antworten
Uhupardo02.07.2012 | 18:41 Uhr

Spanienlemminge

Hmmmm, wie hieß der Trainer des Europameisters von 1996?

  • Antworten
Fritz Fischer04.07.2012 | 13:52 Uhr

Verloren

Anständig verlieren muss man auch können. Wie ich hörte, wollten die Italiener ihre Prämien an die Erdbebenopfer in der Emila Romagna spenden. Die deutschen Spieler hätten sicher nichts gespendet. Aber 100.000 € für das Mitspielen bis zum Halbfinale einstreichen, empfinde ich fast als unanständig.

  • Antworten
Rehse03.07.2012 | 19:31 Uhr

Ja, früher

gab es noch die "Blutgrätsche" Georg Schwarzenbeck. (Ich verstehe nicht viel vom Fußball, aber an den Spieler kann ich mich erinnern).

Meine Güte, die deutsche Mannschaft hat das Halbfinale erreicht und Deutschland würdig vertreten. Reicht das nicht? Außerdem sehen die Spanier und Italiener besser aus. Auch im Fernsehen.

  • Antworten
Katharina K.14.07.2012 | 06:58 Uhr

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