David Cronenberg zelebriert mit der Verfilmung von Don DeLillos Roman „Cosmopolis“ den Untergang des Kapitalismus. Im Interview mit Cicero Online sprach er über den positiven Aspekt der Eurokrise, seine allgemeine Verwirrung und den Untergang der Independant-Industrie
Herr Cronenberg, auch wenn es einen im Film immer wieder
schmunzeln lässt, die asymmetrische Prostata Eric Packers verweist
nicht zuletzt auf die Unregelmäßigkeiten des menschlichen Seins.
Welche Rolle spielt der Körper des Hauptdarstellers Ihrer Meinung
nach in „Cosmopolis“?
Zuerst einmal muss ich sagen,
dass ich nicht über ein derart abstraktes Denken zum Film oder zu
den Figuren im Film gelange. Meist sind es die ganz grundlegenden
Fragen, wie: Wer ist dieser Charakter? Warum trägt er die Kleidung
die er trägt? Wie sehen seine Haare aus? Wie spricht er? Hat er
einen Akzent? Aber Sie haben recht: Eric Packer ist ein zutiefst
gespaltener Charakter. Er sitzt in dieser schallisolierten
Limousine, in der ihn der Lärm der Stadt nicht erreicht,
abgeschnitten von der Außenwelt. Er hat keinerlei Verbindung zu
seinem Körper – er kann weder mit ihm umgehen, noch sich mit ihm
identifizieren. Er hat auch keine Verbindung zu dem Körper seiner
Frau. Jeden Tag konsultiert er einen Arzt, beinahe so, als müsste
dieser ihm bestätigen, dass er überhaupt einen Körper hat. Eric
Packer lebt in einer abstrakten Finanzwelt, voller Zahlen,
digitaler Datenströme und virtueller Investitionen. Hier ist er
abgeschnitten von seinem eigenen Menschsein und damit auch von der
Wirklichkeit.
Sehen wir hier eine Parallele zu „eXistenZ“? Auch hier
sind die Figuren durch eine virtuelle Welt miteinander verbunden,
durch die Welt des Spiels. Die Grenzen zwischen virtueller und
momentaner Realität verschwimmend zusehends
miteinander.
Das stimmt, auch hier gibt es diese
Verbindung zum virtuellen Leben. Eric Packer ist ebenfalls ein
Spieler, er spielt mit dem Geld anderer Leute. Spekulanten sind
nichts weiter als Spieler. Aber daran habe ich nicht gedacht, als
ich „Cosmopolis“ drehte.
An was haben Sie dann gedacht?
An ganz
traditionelle filmische Kategorien. Beispielsweise, welche Linse
ich benutze. Komme ich damit sehr nahe, oder bleibe ich zurück? Und
welchen Einfluss nimmt das auf den Dialog? Abstrakte Konzepte
helfen mir dabei nicht. Es hilft mir auch nicht, darüber
nachzudenken, was andere Leute von meinem Film erwarten könnten.
Bei jedem Film ist es so, als hätte ich vorher noch nie einen
anderen gemacht. Ist Robert Pattinson nun eher ein Vampir oder ein
Banker an der Wall Street... Wen interessiert das? Paul Giamatti
hat bestimmt an die 200 Filme gedreht. An die denke ich auch nicht.
Jeder Film bietet die Chance, eine neue Geschichte zu erzählen.
Aber dennoch gibt es Themen, die bei Ihnen immer
wiederkehren, denkt man an „Crash“, „Eastern Promises“ oder „A
Dangerous Method“. Gibt es menschliche Qualitäten, die Sie
besonders interessieren?
Ich habe keine Checkliste an
Dingen, die ich unbedingt im Film behandeln will und dann akribisch
abhake. Ich weiß nicht, warum mich manche Dinge mehr faszinieren
und andere weniger. Manchmal bekommt man ein gutes Skript, aber es
fesselt einen nicht, also sollte es besser jemand anderes machen.
Was mich an „Cosmopolis“ faszinierte, war der Dialog. Ich dachte
mir, diese Worte würde ich gerne ausgesprochen hören.













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