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 > „Sexuelle Anziehung ist nur eine Seite der Medaille...“

Salon

Gay Lives„Sexuelle Anziehung ist nur eine Seite der Medaille...“

Interview mit Robert Aldrich16. Juni 2012
picture alliance
gay, homo-ehe, aldrich, homosexualität, schwul, lesbisch
"Liebe ist viel subversiver als Sex"
Schrift:

Die Homoehe ist das bestimmende Thema im amerikanischen Wahlkampf geworden. Warum immer wieder diese Aufregung? Cicero hat mit dem Historiker Robert Aldrich gesprochen, der zur Weltgeschichte der Homosexualität forscht

Seite 1 von 3

Robert Aldrich ist Professor für Kolonialismus und europäische Geschichte an der University of Sydney

Herr Aldrich, in Ihrem Buch „Gay Lives“ zeichnen Sie die Lebensgeschichten von 80 schwulen Männern und lesbischen Frauen nach – vom alten Ägypten bis in die Gegenwart. Sie haben festgestellt, dass es Homosexuellen trotz massiver Verfolgungen in allen Teilen der Welt immer auch gelang, zu leben und zu lieben …
Viele der Menschen, von denen ich in meinem Buch erzähle, haben natürlich extrem unglückliche Leben geführt. Viele von ihnen starben einsam, einige von ihnen wurden ihrer Homosexualität wegen sogar hingerichtet. Aber andererseits bin ich auch auf überraschend viele glückliche Lebenswege gestoßen, auf romantische Beziehungen und erfüllte Sexualleben.

Ich glaube, dass uns das etwas über die Widerstandsfähigkeit der menschlichen Psyche sagt und auch etwas darüber, dass Menschen sehr geschickt darin sind, Räume zum Ausleben ihres Begehrens zu schaffen – selbst wenn es ihre Umwelt ihnen zu verbieten scheint.

Barack Obama hat sich vor ein paar Wochen offiziell für die Homoehe ausgesprochen. Wie kommt es, dass Rechte für Schwule und Lesben in einem Land wie den Vereinigten Staaten immer noch so ein kontroverses Thema sind?
Obamas Erklärung hat mich, ehrlich gesagt, überrascht. In keinem anderen entwickelten Land ist der Einfluss religiöser Fundamentalisten so groß wie in Amerika. Die Homoehe ist dort deshalb ein besonders heikles Thema, obwohl einige Umfragen zeigen, dass sie inzwischen von der Mehrheit der Amerikaner unterstützt wird.

Woher kommt der immer noch intensive Hass bestimmter Bevölkerungsgruppen auf Schwule und Lesben? 
Rechte für Homosexuelle scheinen eine der letzten Bastionen für rechte Fundamentalisten zu sein, die in den vergangenen Jahrzehnten ihre Kämpfe gegen Frauenrechte, gegen Scheidung und Verhütung, gegen sexuelle Aufklärungin den Schulen und andere in ihren Worten „moralische“Themen verloren haben.

Homosexuelle erfüllen für sie dabei eine Sündenbockfunktion. Sie bringen sie fälschlicherweise mit politischem Aufruhr in Verbindung, mit moralischer Korruption und anderen gefährlichen Verhaltensweisen – in dieser Hinsicht sind sie tatsächlich Stalinisten und Nazis nicht unähnlich.

Schwule und Lesben sind für sie ein Symbol für Lust und Toleranz, für die Erfindung neuer Lebensstile. Über diesen Umweg gelingt es ihnen auch, auf andere Minderheiten zu zielen, die anzugreifen nicht mehr ganz so einfach ist wie früher.

Natürlich ist auch in anderen entwickelten Ländern nicht alles rosig, was die Rechte von Schwulen und Lesben betrifft. Heiraten oder Kinder adoptieren dürfen sie zum Beispiel auch in Deutschland nicht …
Selbst in den europäischen Ländern oder auch bei uns in Australien gibt es immer noch strikte Grenzen, was die soziale Toleranz von Homosexualität betrifft, vor allem, wenn es um Fragen von Erbschaft, Aufenthaltsstatus und Adoption geht. Auch hier müssen wir noch einen weiten Weg zurücklegen: Schwule Männer werden immer noch von einigen als Pädophile gesehen, immer noch wird oft davon ausgegangen, dass homosexuelles Verhalten die soziale Ordnung unterminiert. Es muss zu mehr echter Akzeptanz kommen und vor allem zum Schutz durch konkrete Gesetze.

Gibt es Liebe unter gleichgeschlechtlichen Paaren?

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Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb zwischen zwei Menschen gelebte »Lust und Libido« ein Recht auf Ehe begründen soll. Die Einrichtung Ehe ist als Wirtschaftseinheit mit einem gewissen Maß an entsprechender Rechtssicherheit zwecks Fortpflanzung und Kinderaufzug gedacht. Ich kann daher den Sinn der sog. Homo-Ehe nicht erkennen. Für sämtlicher Bedürfnisse kinderloser Paare — homo- wie heterosexueller — sind eingetragene Partnerschaften gänzlich ausreichend. Es ist m.E. übrigens auch nicht nachvollziehbar, weshalb Partnerschaften nicht auch zwischen Paaren oder Gruppen ohne sexuelle Beziehung, wie z.B. geschiedene Mutter mit verwitwetem Schwiegervater (um mal nur eines von vielen denkbaren Beispielen zu nennen) erlaubt sein soll.

  • Antworten
Tuvia Deuczman22.06.2012 | 01:10 Uhr

Ja,

dann wäre eine Ehe nur dann eine Ehe, wenn Nachwuchs in die Welt gesetzt wird. Mit der Geburt des ersten Kindes erhält die Beziehung dann den rechtlichen Status einer Ehe. Und wer soll den registrieren? Das Finanzamt.

  • Antworten
Katharina K.23.06.2012 | 06:47 Uhr

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