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 > Schleckerfrauen für unsere Kinder!

Salon

KinderbetreuungSchleckerfrauen für unsere Kinder!

Von Marie Amrhein17. Juni 2012
picture alliance
kinderwagen,kinderwagenmuseum,kinder,erzieherin,betreuungsgeld
Von Schlecker in die Kita
Schrift:

Schleckerfrauen als Kindererzieherinnen? „Bloß nicht!“ schallt es aus weiten Teilen der Gesellschaft. Unsere Kolumnistin Marie Amrhein plädiert dafür, den Gedanken doch ernsthaft zu erwägen und die Familienministerin bei diesem Vorhaben zu unterstützen

Seite 1 von 2

Ein Aufschrei ging durch die Presselandschaft als Ursula von der Leyen es wagte, Schleckerfrauen als mögliche Erzieherinnen ins Gespräch zu bringen. Warum aber diese Aufregung? Die Empörung ist groß: „Unseriös“, „absurd“, „ein Schlag in die Magengrube“ sei die Idee von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, ausrangierte Schleckerfrauen in Erzieherinnen umzuwandeln.

Warum eigentlich die ganze Aufregung? Es ist doch nichts weiter als ein Vorschlag, der zunächst einmal ein Gutes hat: Endlich ziehen die beiden verfeindeten Arbeits- und Familienministerinnen mal an einem Strang: Kristina Schröder hat die Idee ihrer schärfsten Konkurrentin begeistert aufgegriffen. Denn bundesweit fehlen zwischen 14.000 und 20.000 Erzieher. Etwa 160.000 Kindergartenplätze müssen noch bis zum August 2013 geschaffen werden – da geht vor allem der Familienministerin der Po auf Grundeis.

Nun also die Idee: Die Schleckerfrauen sollen’s regeln. Sogar Verdi ist ergriffen und springt auf den Zug auf . Und der Opposition fällt nicht mehr ein, als darauf zu drängen, die „vollwertige“ Ausbildung der Erzieherinnen sicherzustellen, so Manuela Schwesig, das soziale Gewissen der SPD in Persona. Brigitte Pothmer, arbeitsmarkpolitische Sprecherin der Grünen sieht es ähnlich.

Warum also lesen sich die Kommentare der landläufigen Medien so, als hätte Frau von der Leyen vorgeschlagen, unsere Kinder künftig entlassenen Gewaltverbrechern zur Aufbewahrung in die Hände zu geben? Ein Teil der Antwort ist schnell gefunden: Wir Journalisten, getrieben vom sekündlichen Gezwitscher der Konkurrenz, von Eilmeldungen und neuen Aufmachern im Stundentakt, können nicht schnell genug die nächste Sau durchs Dorf jagen, die dann auch ganz aufgeregt und herzerweichend quieken muss damit überhaupt noch jemand aus dem Fenster schaut.

Aber ein anderer Aspekt aber ist vor allem im vermeintlich objektiven Gewerbe des Pressewesens entlarvender. Es gibt auch hier Berufsgruppen, die mehr und andere, die weniger wert geschätzt werden. Die Schleckerfrau gehört zur letzteren. Ähnlich wie Al Bundy  in den 90ern das Ansehen der Schuhverkäufer in den Dreck zog, müssen sich die Schleckerfrauen jetzt neben der Pleite ihres Arbeitsgebers auch noch mit ihrem schlechten Image in der Öffentlichkeit auseinandersetzen. Sie stünden alle „unter Generalverdacht, nur den Hauptschulabschluss zu haben und auch nach bestandener Ausbildung nicht für Kitas geeignet zu sein“, beschwert sich ein Leser bei der Süddeutschen Zeitung.

Auf der nächsten Seite: Können Schleckerfrauen Erzieherin?

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Solche Ideen tauchen von Zeit

Solche Ideen tauchen von Zeit zu Zeit immer mal wieder auf (zuletzt wohl Arbeitslose als Altenpfleger).
Der Grundgedanke ist ja ganz richtig, wenn auf der einen Seite Unterbeschäftigung herrscht, und auf der anderen Personalbedarf.

Aber er ist zu direkt gedacht: Sicherlich sind einige der "Schlecker-Frauen" auch als Erzieherinnen geeignet, oder sogar dazu berufen, andere aber nicht.

Es wird aber auch unter den "Rossmann-DM-IhrPlatz-Müller-Bundnikowski-usw.-Frauen" einige geben, die mit entsprechender Weiterbildung als Erzieherinnen geeignet sind, wahrscheinlich besser als viele der "Schlecker-Frauen".

Es könnte also für alle Beteiligten besser laufen, wenn auch die geeigneten "Rossmann-etc.-Frauen" zu Erzieherinnen werden, so daß die "Schlecker-Frauen", die das lieber wollen, deren Plätze in den Drogeriemärkten einnehmen könnten.

Es bräuchte ja nicht mal auf Drogerie-Beschäftigte beschränkt zu sein. Auch wenn es dadurch scheinbar immer komplexer wird. Dabei wird eine eigentlich hilfreiche Einrichtung vergessen: Unser Arbeits-Markt.
Er basiert nicht darauf, daß Politiker bestimmten Personen oder -Gruppen bestimmten Arbeitsplätze zuordnen, sondern auf Angebot und Nachfrage.

Es sollten also "einfach" entsprechende (Weiterbildungs-)Angebote für angehende Erzieher(innen) gemacht werden, dann werden sich dort in erster Linie diejenigen einfinden, die sich zu dieser Tätigkeit "berufen" fühlen.

  • Antworten
Michael Hoffmann17.06.2012 | 10:43 Uhr

Muss jede Erzieherinn bei Schlecker gearbeitet haben?

Das Problem ist ja nicht, dass es unter den Schlecker-Mitarbeiterinnen keine geeigneten Erzieherinnen gibt. Aber ich halte es für sinnvoller, im gesamten Pool des Arbeitsmarktes nach geeigneten Kräften Ausschau zu halten als sich auf eine ganz bestimmte (relativ) kleine Gruppe von Arbeitssuchenden (die sich ausgenommen gut für symbolträchtige politische Aktionen eignen) zu konzentrieren. Ansonsten haftet den ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen immer das Manko an, dass nicht ihre sozialen Kompetenzen im Umgang mit Kindern Ausschlag gebend für die Umschulung war, sondern lediglich ihr Job bei Schlecker. Damit ist niemanden gedient.

  • Antworten
Schuermann17.06.2012 | 14:12 Uhr

Wie kommt die Autorin darauf?

Es ist überhaupt keine Abwertung, wenn gesagt wird, dass wahrscheinlich nur wenige "Schlecker-Frauen" zur Erzieherin geeignet sind. Ich bin Ingenieurin, gut ausgebildet, angesehen, etc., aber ich wäre eine katastrophale Erzieherin. Wahrscheinlich kennt die Autorin Kitas nicht von Innen, aber der Lärm hat mich teilweise nach 10 Minuten wieder rausgetrieben, nach 2 Wochen wäre ich wahrscheinlich krank geworden. Ganz abgesehen davon, dass ich didaktisch eine Niete bin. Und ähnlich wird es wahrscheinlich 90% der Bevölkerung gehen: sie sind einerseits nicht geeignet, haben andererseits aber auch keine Lust darauf. Ganz egal, wie ihre bisherige Ausbildung gelaufen ist. Und genau darum geht es den Kritikern. Nicht darum, jemanden verächtlich zu machen.
Was die Familienministerin da treibt, ist wieder mal blinder Aktionismus. Man hätte wirklich genügend Zeit gehabt, einen vernünftigen Plan auszuarbeiten, der sicher auch eine ordentliche Bezahlung für diese streßige wie wichtige Arbeit einschließt. Dann wäre der Beruf sicher auch für Männer attraktiver, was für alle Kinder nur von Vorteil wäre und wo sicher noch deutlich mehr Potential wäre, als bei ein paar Arbeitslosen.

  • Antworten
Susanne17.06.2012 | 19:04 Uhr

Eine traurige Diskussion

Dass etliche Leute über diese Idee so empört sind, wirft ein trauriges und entlarvendes Licht darauf, dass es im allgemeinen Bewusstsein eben doch Menschen erster und zweiter Klasse gibt. Warum haben manche Frauen es "nur" zur Schlecker-Kassierin gebracht? Vielleicht doch, weil sie ein, zwei oder auch mehr Kinder zu Hause hatten, die sie neben der Erwerbsarbeit großgezogen haben? Welche bessere Qualifikation kann es überhaupt für eine Erzieherin geben? Wer das alles geribbelt hat, dürfte einer frisch ausgebildeten, 25-jährigen Berufserzieherin mit Bestnoten kompetenzmäßig immer noch überlegen sein. Ich finde es total in Ordnung, ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen auch solche Arbeitsplätze anzubieten.

  • Antworten
Ursula17.06.2012 | 19:53 Uhr

Schleckerfrauen

Interessant ist aber, daß Schleckerfrauen zugetraut wird, sich auch als Erzieherinnen zu bewähren. Nur Müttern traut man diese Qualifikation nicht zu, vor allem Müttern, die ihre eigenen Kinder erziehen. Vielleicht sollten sie ihr Kind in die Krippe geben, in einer Drogerie arbeiten und sich anschließend als Erzieherin ausbilden lassen. Dann sind sie auch qualifiziert genug, ihre eigenen Kinder zu erziehen.

  • Antworten
H. S.17.06.2012 | 21:34 Uhr

Mütter - die völlig homogene Gruppe

Eigenartig, dass es gerne heißt: DIE Mütter. Sie sind die einizigen, die aus einem Kleinkind einen richtigen Menschen machen können (nicht das ganze Dorf, das man eigentlich bräuchte) oder sie sind alle kind- und kontrollfixierte Glucken.
Wer sagt, dass Mütter nicht qualifiziert sind, Kinder zu erziehen. Aber es gibt eben doch auch eine Gfruppe, die selber so bedürftig sind, die so sehr überfordert sind oder einfachs elber nicht den Hintergrund hatten, Kinder gut zu fördern. Und Mütter sind auch kein Dorf, dass sie alles abdecken könnten, was ein Kind so braucht. WAs ist denn daran so schlimm?

  • Antworten
Carlo Siemers18.06.2012 | 13:12 Uhr

Ad absurdum

Sehr guter Kommentar! Er trifft es auf den Punkt!!!

  • Antworten
DOBE18.06.2012 | 23:21 Uhr

Schleckerfrauen

naja so schlecht finde ich die Idee ja nicht aber mal zum Thema Erziehermangel. Es gibt so viele Kinderpflergerinnen die schon seid Jahren in Kitas arbeiten die aber wegen einem fehlenden Abschluß nicht Erzieher werden können. Warum bekommen diese Menschen die schon gezeigt haben das sie für den Beruf geeignet sind nicht die Chance auf eine Weiterbildung bzw. Umschulung zur Erieherin. Jeder Geselle kann Meister werden, egal was er für einen Schulabschluß hat. Bloß in diesem Beruf geht das nicht auch wenn man schon viele Jahre Berufserfahrungen gesammelt hat. Ich finde das so ungerecht.

  • Antworten
Stefanie22.06.2012 | 19:35 Uhr

Ich bin Erzieher und habe in

Ich bin Erzieher und habe in den Niederlanden meinen Sozialarbeiter/pädagogenschein anschließend gemacht, weil die Erzieherausbildung hierzulande ein Witz ist. Keine Gesprächstechniken, nur Kindergartenthemen, keine Störungsbilder etc. Insgesamt kann ich das schlechte Bild der "Kindergärtnerinnen" nachvollziehen. Wer was auf dem Kasten hat geht in der Regel in die Kinderheime oder bildet sich notgedrungen fort.

Im Ausland ist für Erzieher ein Studium nötig, damit der Nachwuchs professionell gefördert wird, weiterhin gibt es eine finazielle Entlohnung von denen die deutschen Kollegen nur träumen können. Verantwortung für 25 Kinder im Kiga oder 9 traumatsierte im Kinderheim = 2200 Brutto. In Deutschland haben Kinder keinen Wert, Erzieher kann hier scheinbar jeder machen, ist wohl ähnlich dem Angel- oder Führerschein, reine Pflichtsache.

  • Antworten
Michael Lüder25.06.2012 | 16:44 Uhr

Erzieherin von Schlecker

Ich habe nichts dagegen Erzieherinnen auszubilden, wenn Sie die Fähigkeit besitzen, diesen Beruf auszuüben. Da wäre mir auch egal, ob die vorher an der Kasse gesessen haben. Ich habe alleridings eine Erzieherin erleben dürfen, die auch aus einem dieser Schnellprojekte kam. Schlechtes Deutsch, keine Ahnung vom Beruf, lieb aber unfähig. In Ihrer Obhut sind innerhalb eines halben Jahres zwei Kinder in einen Teich gefallen, Ein KInd hat sich vor Ihren Augen den Arm gebrochen und ein Kind hatte Platzwunde am Kopf zu verzeichnen. Wenn also Schnellschuss, dann bitte geeignete personen. Am besten man lässt die Reihe der Interessentinnen/Interessenten vorher vier - scht Wochen hospitieren und zeigen, wass Sie können. Diese Zeit kann angerechnet werden, wenn die Eignung vorliegt und die Ausbildung beginnt.
a.

  • Antworten
angiejuliafinn15.07.2012 | 09:59 Uhr

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