Zwei Diven, zwei Welten: Karin Wielands Doppelbiografie von Leni Riefenstahl und Marlene Dietrich
Leni und Marlene: Ihren einzigen gemeinsamen Auftritt hatten die beiden deutschen Kinodiven denkbar spät. Als Greisinnen verbringen sie in Thea Dorns Theaterstück „Marleni" eine wirre Nacht zusammen, beschimpfen sich gegenseitig als Amihure und Nazinutte, bis sie sich schließlich, die Zeit heilt alle Gegensätze, in den Armen liegen. Mit jedem Jahr, sind sie sich einig, entferne man sich schließlich „ein Stückchen weiter von den Tatsachen (…) Bis sie nur noch kleine schwarze Punkte am Horizont sind." Einzige Wermutstropfen bei der Premiere Anno 2000 im Hamburger Schauspielhaus: Marlene Dietrich ist da schon acht Jahre tot. Und Leni Riefenstahl wurde vorsichtshalber gar nicht eingeladen.
Dass sich in den Schilderungen des zeitlichen Umfelds das eine oder andere wiederholt, stört kaum: Karin Wieland erzählt lebendig und ergänzt ihr Zeitbild mit leichter Hand durch Zitate von Publizisten wie Sebastian Haffner oder Harry Graf Kessler. Doch wenn dann die eigentlichen Filmkarrieren beginnen, geschieht etwas, das man leider nur zu oft bei Star-Biografien erlebt: Alles Private, noch die flüchtigsten Affären scheint interessanter als das künstlerische Werk. Filminteressierte haben erstaunlich wenig von diesem Band, dessen These auf dem Umschlag lautet: „Weiblich und selbstbestimmt, schön und erfolgsverliebt: Was jungen Frauen heute als Ideal vorschwebt, wurde im Berlin der Zwischenkriegszeit von zwei Filmschauspielerinnen erfunden."
Nun wäre es doch interessant, dies einmal an Dietrichs frühen Filmen zu überprüfen. Wie viel „Marlene" etwa steckte schon in ihren Stummfilmen, noch bevor sie mit dem Hollywood-Regisseur Josef von Sternberg ihren Mentor fand? Doch nur zu einem einzigen der noch erhaltenen Stummfilme findet sich eine Ausführung der Autorin. Illustriert wird das entsprechende Kapitel mit einem typisch lasziven Porträtfoto mit brennender Zigarette, das angeblich 1930 in Berlin entstanden ist. Tatsächlich handelt es sich aber um ein bekanntes Porträt, das Josef von Sternberg um 1931 oder 1932 in Hollywood inszenierte – und das Marlene laut ihrer Tochter stets besonders schätzte. Wäre es indes eine frühere Berliner Aufnahme, wie das Buch behauptet, würde es den Sternberg-Anteil an der Prägung des Dietrich-Images erheblich schmälern.
Aber tatsächlich haben weder Dietrich noch Riefenstahl das Ideal der selbstbestimmten Filmschaffenden in ihrer Zeit erfunden. Der erste weibliche Filmstar der Welt, noch dazu als Produzentin die oberste Kontrollinstanz ihrer eigenen Auftritte, war nämlich die Dänin Asta Nielsen. Mit ihren von 1911 an in Berlin produzierten Filmen wurde sie nicht nur der erste Kassenmagnet, sie prägte durch die Wahl der Themen auch nachhaltig das Bild der modernen Frau. Karin Wieland indes degradiert die einflussreichste Frau im europäischen Stummfilm zur bloßen Konkurrenz des Dietrich-Idols Henny Porten: „Mit viel Geld und Werbung wird Nielsen zum großen Filmstar aufgebaut."
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Riefenstahl Ihren Vorteil ausnutze











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