Jump to Navigation
Startseite

Fernweh, Abenteuer & Exotik:

Warum reisen wir?

Reise Spezial
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Und unten die Wahrheit

Salon
Roman einer Generation

Und unten die Wahrheit

von 
Robin Detje
13. Oktober 2011
picture alliance
Literatur, Detje, Thomas Melle, Sickster, Buchmesse, Generation Y
Partyspaß als Lebensinhalt - Generaton Y

Thomas Melle hat einen großen Roman geschrieben. "Sickster" erzählt die Geschichte einer Generation, die nicht erwachsen werden darf

Die Literatur ist kein Erzählhandwerk, kein Beschreibungssport, keine Reportage aus dem eigenen Ich zur Selbstvermarktung und keine Diskurs­arena. In ihrem Kern ist die Literatur ein Wahn. Vor der Literatur kommt das Unglück an der Wirklichkeit. Es muss so groß und quälend sein, dass man sie aufgibt und sich eine neue Wirklichkeit aus Sprache schafft. Große Literatur ist eine Art gesellschaftlich akzeptierter Psychose. Und in den nackten Wahn muss die Literatur immer wieder zurückkehren, wenn sie sich nicht hohl und leer fortschreiben und zu einem endlosen Werbetext für die Existenz der eigenen Kunstform verkommen will.

In Thomas Melles Roman „Sickster“ ist der Wahn die logische Endstation für alle Figuren, für die der Autor ein Herz hat. Erzählt wird die Geschichte dreier erotisch ineinander verschränkter Abstürze aus der deutschen Wirklichkeit. Man quält sich aus dem Klammergriff der lebensuntüchtigen Eltern. Man fönt sich zum Karrieristen auf und säuft sich den Erfolg hinterrücks wieder kaputt. Man träumt von einer inneren Wahrheit, von einer Sekunde der wahren Empfindung, ganz handkemäßig. Man ballert der Welt den ewigen präpotenten Adoleszentenspruch in die Fresse: „Lieber fetzt alles richtig auseinander, als dass die Lüge mich falsch zusammenhält.“ Man macht ordentlich einen drauf und instruiert die scharfe Kellnerin: „Heute wird attackiert. Bis ans Limit gehen wir heute. Wir fahren am Anschlag, roter Bereich. Was geht noch heute Abend? Geht heute Abend noch was? Ich zahle.“ Und wahrlich, Melle fährt am Anschlag und liefert seine Figuren ganz, ganz unten ab. Tiefroter Bereich. Ganz unten, dort wartet für diesen Autor die Wahrheit. Die Mitte, aus der man noch glaubt, nach oben kommen zu können, ist der Ort der Lüge.

Ach, schrecklich krampfige Passagen gibt es in diesem Buch, wenn es plötzlich absatzweise die Welt erklären will. Ach, schrecklich dick aufgetragen wird manchmal die romantische antikapitalistische Empörung, und immer wieder kommt dieses Buch ins Flattern, flimmert und franst an den Rändern aus. Aber auf dem größten Teil der Strecke überwiegt beim Lesen großes Glück. Dann schreibt Melle mit traumhafter Sicherheit, spannt weite Bögen auf und zieht plötzlich alles auf atemberaubende Weise auf eine Sentenz zusammen: „Alles in der Vogue Gelesene bisher Quatsch, dachte Laura und ging Richtung Toilette.“

Wenn „Sickster“ denn schon das Buch einer Generation sein muss (und jedes Buch, das auf sich hält, muss das Buch einer Generation sein wollen, wobei sich der Generationswechsel im Literaturbetrieb alle fünf Minuten vollzieht), dann ist es das Buch einer Generation, die nicht erwachsen werden darf. „Erwachsenwerden“, das ist das Wort, gegen das all diese Figuren anrennen wie gegen eine Wand aus Stahlbeton. Es gibt einfach keinen Begriff mehr dafür. Es gibt keine positiven Vorbilder, keinen Weg dorthin, der Druck zur Selbstinfantilisierung als Konsument – von Waren, Drogen, Spaß – ist einfach zu groß. An ihrer Unfähigkeit, sich damit abzufinden, lässt Melle seine drei Gestalten namens Magnus, Thorsten und Laura hier verzweifeln.

Wo andere Texte kokett mit roten Tüchern wedeln, riecht dieser nach echter Gefahr. Wenn man ihn sticht, dann blutet er. Wo andere Autoren sportlich sind, hat dieser Kraft. Nun wird der deutsche Literaturbetrieb sich in seiner ganzen Gouvernantenhaftigkeit darüberbeugen und versuchen müssen, mit seinem „Wirklich sehr begabt!“-Gemurmel alles zu einem Mittelmaß zu zermahlen, vor dem sich niemand mehr fürchten muss. Da muss er durch. Thomas Melle ist ein großer Schriftsteller.

Thomas Melle: "Sickster", Roman; Rowohlt Berlin, 2011; 336 Seiten, 19,95 Euro

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Steven Spielbergs neuer Film
Ein Pferd namens Joey
von
Daniel Kothenschulte
09.04.2012
Kai Hermann
Auch Punks und Junkies haben eine Geschichte
von
Annette Meyhöfer
06.04.2012
Carolin Emcke
„Ich verehre Péter Nádas“
Interview mit
Carolin Emcke
02.04.2012
Alles richtig gemacht!
Wolfgang Herrndorf erhält Buchpreis
von
Frauke Meyer-Gosau, Ronald Düker
16.03.2012
Familienromane
Die Sehnsucht nach Halt im Patchwork-Zeitalter
von
Ulrich Greiner
23.12.2011

zum Dossier DETJES SCHWARZE BUCHSTABENzum Dossier Die besten Bücher des Herbsteszum Dossier Die BUCH-SEITEzum Dossier BELLETRISTIK
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Oktober 2011
 des Magazins Cicero – Hier bestellen

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
ZDF-Wutinterview Hooligan Horst und die hohe Kunst der Diplomatie
Facebooks Börsengang „Zuckerberg ist ein Hütchenspieler“
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Das Journal: Buchrezension Wie kommt Hölderlin auf den Pamir?
lesen: Journal Reines Gedankenkino
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Louise T. Blouin MacBain Ein erfolgreicher Feldzug durch die Kunstwelt
Die Karriere der Condoleezza Rice Wie schwarz ist Condi?
Chronist der Massenkultur Gurskys schöne teure Welt
"Die Gegensätze sind viel zu groß"
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Merkel-Projekt Was macht die Bundeskanzlerin heute?
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Hans-Olaf Henkel „Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“
Urheberrecht und Lobbyisten Die Copyright-Kriege
24h | letzte Woche | letzter Monat
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Springer-Ehrenpreis Wie Ayaan Hirsi Ali Breiviks Massenmord erklärt
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Warum der Hype? Sarrazin II, die Politik und der Markt
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Die Schweiz Das deutschfeindlichste Land Europas
Matussek und die Katholiken „Diese Verblödung war unerträglich“
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers stiftung neue verantwortung
Energiewende? Fehlanzeige!

Die bange Frage, ob die Energiewende bereits gescheitert sei, macht seit einiger Zeit die Runde…

zum Blogeintrag
Reise
Dossier

Reise Spezial

zum Dossier

Merkel, Kanzlerin, bissig, Gebiss, Jugend forscht Mundwasser
Dossier

Merkel, ihre Männer und die Macht

zum Dossier

Frage des Tages

Was fordert Athens Linkschef von Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Bildergalerie

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET
zur Bildergalerie

Thema der Woche

Merkel, ihre Männer und die Macht
zum Dossier

Die Juni-Ausgabe ab Donnerstag am Kiosk

Angela Merkel
Das Geheimnis der Glucke

„Mehr Steuern, mehr Staat!“
Gespräch mit Gabriel und Trittin

Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Anzeige
Video

Ein ganz normales Paar

Video
In Kooperation mit alle Videos
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben