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Salon

GerechtigkeitMit der Räuberleiter zu den Sternen

Von Marie Amrhein6. Mai 2012
picture alliance
Rente, Ursula von der Leyen, Maßstab, Räuberleiter, Sterne
Mit der Räuberleiter zu den Sternen?
Schrift:

Die einen verfügen über eine Rente von 700 Euro, die anderen über 29,6 Millionen Euro. Für die meisten ist der Himmel fern, anderen wieder ist er Heimat – im Vergleich zum unendlichen Universum. Gedanken zu den Maßstäben unserer Welt

An einem Winterabend, die ersten Sterne leuchten am Himmel. Das Kind schaut zum Vater herauf. Was das denn sei, da oben? Sterne. Ob es nicht da hoch könne, es würde so gerne einen von ihnen haben. Nein, das ginge nicht, antwortet der Vater, die seien viel zu weit weg. Kurzes Grübeln des Kindes. Dann die Idee: „Aber vielleicht mit einer Räuberleiter?“

Es ist alles eine Frage der Maßstäbe. Aber erklären Sie das mal einem zweijährigen Kind. Selbst wir Erwachsenen kommen ja nicht klar mit den Relationen unserer Nachrichtenübersättigten Zeit: Mit Unsummen an Milliarden, die für die Rettung der Banken herausgehauen werden, während gleichzeitig ein Bruchteil des Geldes für eine Reform fehlt, um Demenzkranken die richtige Pflege zukommen zu lassen. Während sich die einen wund liegen, werden den anderen schon wieder Boni aus einem ertragreichen Wirtschaftsjahr ausgezahlt. Und das nach der schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Selbsternannte Verfechter einer redlichen Politik wie Ursula von der Leyen und Michael Sommer streiten in Interviews über Mindestlöhne von 6,89 Euro oder 8,50 Euro. Im selben Nachrichtenfluss prangert der Spiegel die luxuriösen Renten deutscher Konzernbosse an. Daimler-Mann Dieter Zetsche etwa stehen demnach etwa 29,6 Millionen Euro zu,  wenn der das Altenteil ansteuert.

Wer im Supermarkt die dargebotenen Buttermarken nach dem günstigsten Angebot durchforsten muss, schüttelt dann etwa den Kopf über den neuen Rekord, den die Herrscherfamilie des Golfemirates Katar jüngst aufstellte, als sie vor einigen Tagen den „Schrei“ von Edvard Munch ersteigerte: 119,9 Millionen Dollar war ihnen das Kunstwerk wert.

Wer soll da noch den Überblick behalten? Dem Bedürfnis, heutige Werte in die richtigen Zusammenhänge zu setzen, kommen einige Seiten im Internet nach.  Denn nicht nur die Summen, mit denen so in der Öffentlichkeit hantiert wird, lassen Maßstäbe verschwimmen und die Sehnsucht nach Einordnung aufflammen. Nachrichten über Naturkatastrophen, wie die Ölpest im Golf von Mexiko im Jahr 2010 etwa, lösen zwar einen kurzen Schock aus – was aber die Zahlen über hunderte Meilen verseuchter Küstenlandstriche wirklich bedeuten, kann sich niemand so richtig vorstellen. Die BBC versucht, mit der Internetseite How Big Really? einen Eindruck dieser Maßstäbe zu vermitteln.

Dort zieht sich dann besagter Ölfilm auf einer Landkarte von Brandenburg an der Havel westlich von Berlin bis nach Frankfurt an der Oder nahe der polnischen Grenze. Ein anderer Vergleich zeigt, welche Auswirkungen die Atomkatastrophe von Tschernobyl in Europa zeigen würde, hätte der GAU in der deutschen Hauptstadt statt gefunden. Bis nach Island wären sie zu spüren gewesen.

Andere Seiten wie Magnifying the Universe oder interaktive Grafiken wie die aus dem Primax Studio in Ohio versuchen, das gesamte Universum überschaubar zu machen. Die interaktive Reise beginnt mit einem Mausklick bei 900 Yottametern, der geschätzten Gesamtgröße des Universums. Weiter geht es vorbei an der Galaxie Andromeda (1,5 Zettameter), über unser Sonnensystem, vorbei an Saturn und Neptun, die einem schon bekannt vorkommen. Dann kommt die Erde, der Mensch, rasend schnell fährt die Grafik weiter, dringt in Welten vor, die kleiner sind, als wir es uns jemals wirklich vorstellen können – vorbei am größten Virus (500 Nanometer) und zeigt, fast am Ende angelangt, klitzekleine Teilchen mit 0,000000001 Yoctometer an.

Bevor der Kopf an den irrwitzigen Zahlen zu zerbersten droht, blendet der Menschenverstand die Relationen schnell wieder aus. Der Geist ist zu klein, um all das zu erfassen. Eine Skala auf der das gesamte Universum erfasst ist, betrachten wir mit einem wohligen Schauer und wenden uns wieder unserem kleinen Leben zu.

Mit der Räuberleiter kommen wir gerade mal auf den Apfelbaum. Und das ist auch gut so.

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Und was der Autor uns damit sagen?

Dass es Arme und Reiche gibt? Dass die Spanne sehr groß ist? Na und? Das war schon immer so. Meine Eltern hatten auch wenig, ein Brathuhn mußte drei Tage lang reichen. Und? Ich lebe, habe einen guten Berufsabschluss gemacht und verdiene gut. Soll ich mich dafür schämen? Hätte ich statt Ingenieurwesen BWL studiert und eine entsprechende Karriere gemacht, könnte ich noch mehr verdienen. Und? Es war meine Entscheidung. So wie es die Entscheidung einer Mitschülerin unserer derzeitigen Azubine ist, für 400 Euro an der Tanke zu jobben statt eine Ausbildung zu machen. Ihr reicht es, sie wohnt ja bei den Eltern....

Man sollte halt nicht Ölscheichs mit Minijobbern vergleichen. Und die Finger von der sozialromantischen Tränendrüse weglassen.

  • Antworten
Mauermer06.05.2012 | 10:09 Uhr

Den Einfluß des Großen Geldes stoppen

Den Gedankenanstoß der Autorin (!) Marie Amrhein halte ich - ganz im Gegensatz zu "Mauermer" - für interessant und nachdenkenswert.
Der Griff zu den Sternen wird für die Menschheit ein schöner Traum bleiben, das Erreichen einer wirklichen sozialen Gerechtigkeit als langer Weg zu einem erstrebenswerten Ziel jedoch beileibe nicht.
Es liegt an uns selbst, hierfür zu kämpfen, und zwar politisch.
Wir wissen inzwischen, daß die sogenannten Systemparteien (CDUCSUSPDFDPGRÜNE) in Deutschland, also jene politischen Gruppierungen, die sich für "Marktwirtschaft" einsetzen, in Wahrheit jedoch dem Kapitalismus das Wort reden, das Ziel einer sozialen Gerechtigkeit längst aufgegeben haben.
Kapitalismus und Egoismus sind wie siamesische Zwillinge, Sozialismus und Demokratie allelrdings auch.
Wir haben also durchaus die Möglichkeit, an der Wahlurne unser Votum für eine andere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung abzugeben.
Solange es noch Parteien gibt, die nicht von den Lobbyisten des Großen Geldes beeinflußt worden sind, haben wir alle Chancen. Nur nutzen müßten wir sie, mehrheitlich.

  • Antworten
Yvonne Walden07.05.2012 | 14:28 Uhr

gerechtigkeit

Ja wo seid ihr alle mit eurem billigen Fortschrittsglauben..................
so könnte man fragen, wozu, da all diese Dinge durch die "Vernunft" korrigiert werden:

Das Paulinische Christentum, der Sozialismus aller Schattierungen, ist die KATASTROPHE!!..... dessen griechischer
Kern - expressis verbis - die "Kehre" M. H. erzeugt.

„endlich die Fabriken anzuzünden und die geschändete Erde ein wenig auszuräumen und zu entvölkern, damit wieder Gras wachsen, wieder aus der verstaubten Zementwelt etwas wie Wald, Wiese, Heide, Bach und Moor werden könne“.
Hermann Hesse.

Gut, als Mensch insofern man Kinder gezeugt hat, muß man eine Zukunft herstellen, und daran glauben!?.

Was werden diese heutigen Kinder euch einmal vorhalten, daß ihr wiedermal versagt habt, wie damals in den 30iger
Jahren des 20. Jahrhundert (falls da noch eine aktuelle Geschichtsscheibung vorhanden ist.)

Ach, ich glaube Ihr versteht den Ernst der Lage nicht, und rettet euch in einen Multikulturellen Universalismus, der den
Untergang beschleunigt. ( Die Verschlimmbesserung des abstrakten Guten!!.)

" ................ist mir dieser theologische Freiheitsbegriff jedoch suspekt. Der Mensch der europäischen Kultur hat mit seinem Gott – dem Begriff eines „barmherzigen Gottes“, gepaart mit einer auf eigenen Vorteil bedachten Intelligenz – eine unglaubliche Pest in die Welt gesetzt. Afrika ist zerstört worden und wird bis heute durch europäische Interessen zerstört, Südostasien ist zerstört. China wird jetzt irregeführt, was die ganze Welt in unglaublich große Gefahren bringen wird. Wenn erst einmal jeder Chinese sein eigenes Auto hat, geht die Welt kaputt. Wie wäre diese Entwicklung zu stoppen, ohne abermals Hunger und Armut herbeizurufen? Die Entwicklung ist nicht zu stoppen.". Peter Nadas.

Nichts anderes als der ungarische Schiftsteller (jüdischer Herkunft) Peter Nadas, sagt Martin Heidegger; nur, er versucht es zunächst philosophisch zu begründen.

Jüdisch-christlich-abendländisches Denken, davon und von Habermas etc. müssen wir uns verabschieden!!!
(nicht neu restituieren!!! wie Habermas plus Katholizismus; bzw. krampfhaft (siehe Euro) konstituieren!

Die Unterschiede der Ethnien innerhalb Europas sind erheblich: z. B. kannst Du das gesamte Norditalien sofort und ohne große Schwierigkeiten in ein Imaginäres Groß-Frankreich-Deutschland eingemeinden........ der Rest bleibt assoziiert bzw. ist zu stolz.
so long.........!!!.......soll sich mit Afrika assoziieren!!!!
Mit den Franzosen würde ich meine Grundsicherung teilen, nicht aber mit Griechen und
anderen "Afrikanern"...... so liebenswert diese Menschen alle sind;......nun gut, es kommt immer anders als man denkt.....................und deswegen geht die Chose á la longue in die
Hose;..... und sind Folgen der Überbevöllkerung mit weltweiter Verknappung von Rohstoffen, Vermüllung und Vernutzung der Meere, Venichtung der Tierwelt und
sonstige Umwelten.
Wer hatte mal den "Ausnahmezustand" im Sinn!!!!?? : Für die Doofen, es war Carl
Schmitt und der jüdische Denker Leo Strauss.

L G peter kloss, berlin

  • Antworten
petervonkloss27.05.2012 | 07:25 Uhr

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