Bankenkrise und betretene Machtlosigkeit bei den Staatenlenkern. Eigentlich sollte man die Bad Banker dort treffen, wo es wehtut, findet Kolumnist Til Knipper. Ein britischer Sir mit dem Rufnamen „Fred the Shred“ wurde bereits seiner Ritterschaft enthoben
Jetzt mal ehrlich, haben Sie noch die Hoffnung, dass beim Thema Banken- und Finanzmarktregulierung irgendetwas Substanzielles passiert? Gut, die Geldhäuser müssen ihre Eigenkapitalquoten ein bisschen erhöhen – ein Schuss, der auch nach hinten losgehen kann, wenn die Banken infolgedessen ihre Bilanzsummen verringern und dann weniger Geld an Unternehmen verleihen, Stichwort: Kreditklemme. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy fällt zum Thema Regulierung immer noch Pawlow-artig der Begriff Finanztransaktionssteuer ein. Der französische Präsident scheint in seinem Wahlkampfwahn so verzweifelt, dass er eine solche Regelung notfalls auch isoliert im 1. Pariser Arrondissement einführen würde.
Zugegeben, ich hatte das Thema für mich abgehakt bis zum 1. Februar 2012, als ausgerechnet die britische Regierung mit einer neuen Idee um die Ecke kam, der man ihre Wirksamkeit in puncto Regulierung zunächst gar nicht ansah. Downing Street No. 10 verkündete, dass Fred A. Goodwin, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Royal Bank of Scotland (RBS), die ihm 2004 von der Queen verliehene Ritterwürde „für seine Verdienste im britischen Bankensystem“ entzogen wird. „Fred the Shred“ (dt. „Fred der Zerschnitzler“), wie ihn Freund und Feinde aufgrund seiner Verdienste um rabiaten Personalabbau einst ehrfurchtsvoll nannten, entadelt. Das ist mal eine echte Bestrafung für einen der Hauptakteure der Finanzkrise. Er darf sich nicht mehr Sir nennen, keine Einladungen zu Veranstaltungen mit der Queen mehr. Stattdessen wird er unfreiwillig Mitglied des, sehr exklusiven, aber wenig ehrenwerten Clubs der Entadelten, dem unter anderen die Diktatoren Nicolae Ceau?escu und Robert Mugabe angehör(t)en.
1.033 Tage hat es gedauert. Nein, warten Sie, die Zahl ist zu klein für einen Text, in dem es im weitesten Sinne um die Finanzkrise geht. Also noch mal: ca. 89.251.200 Sekunden hat es gedauert seit der Lehman Brother-Pleite am 15. September 2008, dass man ausgerechnet in London, einem der wichtigsten Finanzplätze der Welt, eine wirksame Bestrafung für die Verantwortlichen erdacht hat: gesellschaftliche Ächtung, publikumswirksam durchgesetzt.
Ganz neu scheint mir die Idee nicht. In den Hamburger Elbvororten, in dem ein Großteil des einköpfigen Autorenteams von „Ökonomie und Alltag“ aufwuchs, gab es mal einen Kaufmann, dessen geschäftlicher Leumund nicht astrein war, und der die Absicht hatte, sich einen Ferrari zu kaufen. Bei der Hamburger Niederlassung der italienischen Sportwagenmarke beschied man ihn mit den Worten: „Herr X, wir suchen uns unsere Kunden selbst aus.“ Er musste sich dann mit einem Porsche bescheiden.
Die Methode lässt sich beliebig weiterdenken und ist international viel leichter umsetzbar als eine gemeinsame gesetzliche Regelung aller G20-Staaten. Restaurants in Manhattan könnten den verwöhnten Wallstreet-Bubis nur noch die Tische neben der Toilette geben oder ihnen ganz den Zugang verweigern. Die National Football League (NFL) könnte ihnen Tickets für den am Sonntag stattfindenden Super Bowl verweigern. Die teuersten Karten zum Preis von 16.000 Dollar ließen sich dann sicher schwerer absetzen, aber diese Mühe sollte die NFL im gesamtgesellschaftlichen Interesse aufbringen.
Und, zweites, großes Thema neben „Fred the Shred“, falls der Facebookgründer und passionierte Latschenträger Mark Zuckerberg nach dem jetzt angekündigten Börsengang seines Unternehmens durchdrehen sollte, jetzt schon mal eine Bitte nach Herzogenaurach: Adidas, teilen Sie ihm bitte mit, dass Sie sich die Träger ihrer Adiletten selbst aussuchen. Härter können sie ihn nicht treffen, dann müsste er barfuß gehen.













