Madeleine K. Albright
Madame Secretary.
Die Autobiographie
Aus dem Amerikanischen von Holger Fliessbach und Angela Schmitz. C. Bertelsmann,
München 2003. 672 S., 28 €
Als Buchautoren geht ehemaligen US-Außenministern ein schlechter Ruf voraus.
Zu Recht. Mal belästigen sie mit trivialer Geschichtsphilosophie, mal mit Trivialitäten des Amtes. Oder sie ergehen sich in politischer Rechthaberei. Bei Madeleine Albright dominiert ein anderer Ton. Verglichen mit dem triumphalistischen Gestus ihrer Vorgänger tritt sie bescheiden auf. Scheitern ist ihr nicht zum Fremdwort geworden. An der Führungsrolle der USA lässt sie zwar keine Zweifel aufkommen, wohl aber daran, ob das Land auch in Zukunft diese Aufgabe wird schultern können. Sie zeichnet das Bild einer nervösen Supermacht, die sich schwer tut, ihren Weg zu gehen. Zu viele machtverblendete Ignoranten seien im Spiel, die mit den Mitteln von vorgestern die Welt von morgen regieren wollen. Und mehr noch beklagt Albright die Architektur der Macht: Außenpolitik ist ortlos geworden und droht im Wettstreit konkurrierender Bürokratien zerrieben zu werden. Lakonisch berichtet sie, dass es ihr nicht gelungen sei, die außenpolitische Führungsrolle ihres Ministeriums gegen Pentagon und Geheimdienste zurückzuerobern.
Welcher andere amerikanische Außenminister hat sich je bei den Opfern einer fehlgelei- teten Politik entschuldigt?
Albright bittet um Verzeihung dafür, dass der Westen zusah, wie in Ruanda 800.000 Menschen abgeschlachtet wurden. Ihre Sätze sind bar jeden politischen Kalküls.
Und darum glaubwürdig. Wer so schreibt, kann auch mit anderen hart ins Gericht gehen – etwa mit der europäischen Außenpolitik der späten neunziger Jahre. Dass Europa die Weltpolitik heute von der Seitenlinie aus beobachtet, liegt nicht allein an den Ideologen um George W. Bush. Bereits in der Clinton-Ära waren Frankreich und Deutschland drauf und dran, ihr politisches Kapital in Washington zu verspielen. Chirac, weil er die Machtinteressen der «Grande Nation» hinter populistischer Amerika-Kritik versteckte, Kohl und Schröder, weil sie unfähig waren, eigene Interessen überhaupt zu formulieren. Folglich schrumpfen die stärksten europäischen Staaten in Albrights Text zu historischen Fußnoten. Umso wortreicher und wütender zeigt sie sich, wenn es um Israel und die Palästinenser geht. Schonungslos schildert sie, wie Scharon, Netanjahu und Arafat bei diversen Treffen in den USA auftraten: als Obstruktionspolitiker, die sehenden Auges jede Friedensinitiative ruinierten. Wie sich die Historiker dereinst an Madeleine Albright erinnern werden, steht dahin. Was ihr selbst am liebsten wäre, hat sie in einem Satz niedergelegt: «Sie hat sich bemüht.» Das ist auch das Mindeste, was über ihr Buch zu sagen wäre – und zugleich ein Vielfaches mehr, als man über andere Autoren aus dem politischen Metier sagen kann. Selbst wenn sie Henry Kissinger oder Hillary Clinton heißen.
Zu Recht. Mal belästigen sie mit trivialer Geschichtsphilosophie, mal mit Trivialitäten des Amtes. Oder sie ergehen sich in politischer Rechthaberei. Bei Madeleine Albright dominiert ein anderer Ton. Verglichen mit dem triumphalistischen Gestus ihrer Vorgänger tritt sie bescheiden auf. Scheitern ist ihr nicht zum Fremdwort geworden. An der Führungsrolle der USA lässt sie zwar keine Zweifel aufkommen, wohl aber daran, ob das Land auch in Zukunft diese Aufgabe wird schultern können. Sie zeichnet das Bild einer nervösen Supermacht, die sich schwer tut, ihren Weg zu gehen. Zu viele machtverblendete Ignoranten seien im Spiel, die mit den Mitteln von vorgestern die Welt von morgen regieren wollen. Und mehr noch beklagt Albright die Architektur der Macht: Außenpolitik ist ortlos geworden und droht im Wettstreit konkurrierender Bürokratien zerrieben zu werden. Lakonisch berichtet sie, dass es ihr nicht gelungen sei, die außenpolitische Führungsrolle ihres Ministeriums gegen Pentagon und Geheimdienste zurückzuerobern.
Welcher andere amerikanische Außenminister hat sich je bei den Opfern einer fehlgelei- teten Politik entschuldigt?
Albright bittet um Verzeihung dafür, dass der Westen zusah, wie in Ruanda 800.000 Menschen abgeschlachtet wurden. Ihre Sätze sind bar jeden politischen Kalküls.
Und darum glaubwürdig. Wer so schreibt, kann auch mit anderen hart ins Gericht gehen – etwa mit der europäischen Außenpolitik der späten neunziger Jahre. Dass Europa die Weltpolitik heute von der Seitenlinie aus beobachtet, liegt nicht allein an den Ideologen um George W. Bush. Bereits in der Clinton-Ära waren Frankreich und Deutschland drauf und dran, ihr politisches Kapital in Washington zu verspielen. Chirac, weil er die Machtinteressen der «Grande Nation» hinter populistischer Amerika-Kritik versteckte, Kohl und Schröder, weil sie unfähig waren, eigene Interessen überhaupt zu formulieren. Folglich schrumpfen die stärksten europäischen Staaten in Albrights Text zu historischen Fußnoten. Umso wortreicher und wütender zeigt sie sich, wenn es um Israel und die Palästinenser geht. Schonungslos schildert sie, wie Scharon, Netanjahu und Arafat bei diversen Treffen in den USA auftraten: als Obstruktionspolitiker, die sehenden Auges jede Friedensinitiative ruinierten. Wie sich die Historiker dereinst an Madeleine Albright erinnern werden, steht dahin. Was ihr selbst am liebsten wäre, hat sie in einem Satz niedergelegt: «Sie hat sich bemüht.» Das ist auch das Mindeste, was über ihr Buch zu sagen wäre – und zugleich ein Vielfaches mehr, als man über andere Autoren aus dem politischen Metier sagen kann. Selbst wenn sie Henry Kissinger oder Hillary Clinton heißen.










