Jump to Navigation
Startseite

Fernweh, Abenteuer & Exotik:

Warum reisen wir?

Reise Spezial
  • Magazin
    • Berliner Republik
    • Weltbühne
    • Kapital
    • Salon
    • Themen der Zeit
    • Merkel-Projekt
    • Kolumnen
    • Blogs
  • Mediathek
    • Bilder
    • Videos
    • Karikaturen
    • Titelbilder
  • Bücher
  • Service
    • Impressum
    • Anzeigen/Media
    • Redaktion
    • Autoren
    • Presse
    • Über uns
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Kann Musik Lärm sein?

Salon
Orchester in Jetlautstärke

Kann Musik Lärm sein?

von 
Daniel Hope
14. Januar 2012
picture alliance
Sängerin Vicky Leandros in Berlin: Wo übt sie, ohne gleich Nachbarn zu belästige
Sängerin Vicky Leandros in Berlin: Wo übt sie, ohne gleich Nachbarn zu belästigen?

Die größten Geheimnisse der Musik findet man oft im Pianissimo. Trotzdem: Selbst eine zarte Flöte hat eine Lautstärke von bis zu 118 Dezibel. Werden deswegen alle Orchestermusiker im Alter an Hörschäden leiden? Und was ist mit ihren Nachbarn?
 

Es war zehn Tage vor Weihnachten in London, und ich hatte mir damals vorgenommen, meine neuen Hausbewohner ganz sanft an meine Übungsphasen zu gewöhnen. Ich fing deshalb mit einem Stück von Johann Sebastian Bach an, das ich vorsichtig und leise anstrich. Es dauerte nur wenige Minuten, da klingelte es Sturm an der Tür. Draußen stand ein Mann im Unterhemd und brüllte mich an: „Mensch, mach mal leiser! Leiser!!“ Offensichtlich glaubte er, es mit einer Stereoanlage zu tun zu haben. Von Geige oder Bach wollte er nichts wissen. Nicht gerade die feine englische Art oder eine herzerwärmende Adventsbegrüßung. Beim nächsten Mal hat er dann gleich die Polizei gerufen, der die Sache allerdings, wie ich schnell merkte, ziemlich unangenehm war. „Tut uns leid, Sir“, sagten die Beamten, „aber wir müssen nun mal jeder Beschwerde nachgehen, so absurd sie auch sein mag.“ Die Polizisten wurden zu regelmäßigen „Besuchern“ bei mir, und zum Entsetzen des Nachbarn unterhielten wir uns gerne lässig bei einer Tasse Tee über Musik und Kunst.

In Amsterdam, wo ich später wohnte, erlebte ich das genaue Gegenteil: Da fragten mich die Nachbarn, ob ich sie im Voraus informieren würde, wenn ich übe, sie hörten es so gern. Aber das war ein seltener Glücksfall.

Viele Kollegen kennen das Problem, speziell die Sängerinnen und Sänger mit ihren Stimmübungen, die ja auch nicht immer ein Hörgenuss sind. Es wird wütend gegen die Wände geklopft oder von vorneherein die Polizei gerufen. Besonders schwer haben es die Pianisten, weil sie obendrein viel Platz für ihr Instrument benötigen. Manche lassen sich um ihren Flügel herum eine schalldichte Kabine bauen, die zwar kaum Töne nach außen dringen lässt, aber alles andere als ein gemütlicher oder gar inspirierender Aufenthaltsort zum Musizieren ist.

Und in der Tat, Musikinstrumente können laut sein, selbst jene, denen man das zunächst gar nicht zutraut. Ein Flötist, zum Beispiel, muss bis zu 118 Dezibel an seinem rechten Ohr verkraften. Eine Geige ist kaum leiser, und wenn die vereinten Blechbläser im Orchester losdonnern, können sie es, was die Lautstärke angeht, leicht mit einem startenden Jet aufnehmen. Aber kann Musik wirklich Lärm sein? Laut einer Untersuchung des Umweltbundesamts in Berlin aus dem Jahr 2009 haben 11 Prozent der Kinder den Lautstärkepegel ihres mp3-Players immer am oberen Anschlag. Wohl sagen die Experten, dies sei nicht weiter problematisch – doch die meisten Geräte schaffen es weit über die Lärmgrenze von 85 Dezibel, was die Chancen auf Hörschäden im Alter drastisch erhöht.

Es leuchtet mir ein, dass man sich auch um die Musikerohren sorgt, für Arbeitnehmer in lärmbelasteten Industriebetrieben werden ja auch Schutzvorkehrungen getroffen. Deshalb gelten seit 2008 die Richtlinien der Europäischen Union für den Arbeitsschutz in der Musikindustrie. Sie besagen, dass insbesondere das Gehör einem großen Risiko ausgesetzt ist. Weniger das des Publikums, sondern das der Musiker im Orchester, deren Ohren zeitweise mit Lautstärken beschallt werden, wie sie im sonstigen Leben von Presslufthämmern erzeugt werden. Und wenn ich an viele Musikerkollegen aus der Popbranche denke, die im Lauf ihrer Karriere erhebliche Gehörschäden davongetragen haben, muss man zugeben, dass es Musik gibt, die auch schädigend wirken kann.

Andere Wissenschaftler allerdings bezweifeln diese Theorie und behaupten, das menschliche Ohr reagiere auf Musik ganz anders als auf störende Geräusche, und erst recht auf Lärm in Fabrikhallen oder auf Baustellen. Ein tropfender Wasserhahn treibt manchen schon zur Raserei, der bei dezibelstarker Musik von Wagner oder Richard Strauss ins Schwärmen gerät.

Die Komponisten der Gegenwart werden darauf in Zukunft womöglich zu achten haben, dass ihre Werke nicht die höchstzulässigen Dezibelwerte überschreiten, weil Uraufführungen – wie bereits in einem Fall geschehen – sonst von Orchestern verweigert werden. Davon ganz abgesehen findet man oft gerade die größten und schönsten Geheimnisse der Musik im Pianissimo… In diesem Sinne, Ihnen allen einen sanften und ruhigen Start ins neue Jahr!

Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Familienbetrieb Klais
Bonns Orgeln spielen in der Weltklasse

Musik und Krise
Bloß nicht ans Geld denken

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Jüdische Musik
Des Führers Lieblingsplatten
von
Daniel Hope
05.05.2012
Urheberrechtsurteil
Wie geht der Streit zwischen YouTube und Gema weiter?
von
Harald Schumann, Anna Sauerbrey
21.04.2012
Klatsch-Kulturen
Andere Länder, anderer Applaus
von
Daniel Hope
14.03.2012
Seltene Sprachen
Wie im größten Lärm ein Wort entsteht
von
Lutz Seiler
02.02.2012
Wiederentdeckung
Walter Braunfels, der unerhörte Komponist
von
Eva Gesine Baur
19.12.2011

zum Dossier Das Musik-Dossier
Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 
Januar 2012
 des Magazins Cicero – Hier bestellen

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die BUCH-SEITE

zum Dossier

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
24h | letzte Woche | letzter Monat
ZDF-Wutinterview Hooligan Horst und die hohe Kunst der Diplomatie
Facebooks Börsengang „Zuckerberg ist ein Hütchenspieler“
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Das Journal: Buchrezension Wie kommt Hölderlin auf den Pamir?
lesen: Journal Reines Gedankenkino
Olaf Scholz Der Macher im Parlament
Louise T. Blouin MacBain Ein erfolgreicher Feldzug durch die Kunstwelt
Die Karriere der Condoleezza Rice Wie schwarz ist Condi?
Chronist der Massenkultur Gurskys schöne teure Welt
"Die Gegensätze sind viel zu groß"
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Merkel-Projekt Was macht die Bundeskanzlerin heute?
Merkels Europapolitik Die Kanzlerin hat verloren
Hans-Olaf Henkel „Wir brauchen ein Fukushima beim Euro“
Urheberrecht und Lobbyisten Die Copyright-Kriege
24h | letzte Woche | letzter Monat
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Springer-Ehrenpreis Wie Ayaan Hirsi Ali Breiviks Massenmord erklärt
Verwilderung der Sitten Fußball als Kampfsport
Warum der Hype? Sarrazin II, die Politik und der Markt
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Republik der Rechthaber Sarrazin, der Euro und die Brüllaffen
Die Schweiz Das deutschfeindlichste Land Europas
Matussek und die Katholiken „Diese Verblödung war unerträglich“
heute-show Welkes Spiel mit der Politikverachtung
Die Emanzipation ? ein Irrtum?
Claus Kleber Selbstdemontage eines Nachrichtenstars
Gedicht zum Israel-Iran-Konflikt Was spricht in Günter Grass?
Piraten Digital naiv, neoliberal und gefährlich
Anzeige

DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers stiftung neue verantwortung
Energiewende? Fehlanzeige!

Die bange Frage, ob die Energiewende bereits gescheitert sei, macht seit einiger Zeit die Runde…

zum Blogeintrag
Reise
Dossier

Reise Spezial

zum Dossier

Merkel, Kanzlerin, bissig, Gebiss, Jugend forscht Mundwasser
Dossier

Merkel, ihre Männer und die Macht

zum Dossier

Frage des Tages

Was fordert Athens Linkschef von Merkel?
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage
Euro, Krise, ratingagenturen, Tod des Euros, AAA+, Herabstufung
Dossier

Des Euros letztes Stündlein?

zum Dossier

Bildergalerie

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET

WIM WENDERS - PLACES, STRANGE AND QUIET
zur Bildergalerie

Thema der Woche

Merkel, ihre Männer und die Macht
zum Dossier

Die Juni-Ausgabe ab Donnerstag am Kiosk

Angela Merkel
Das Geheimnis der Glucke

„Mehr Steuern, mehr Staat!“
Gespräch mit Gabriel und Trittin

Inhaltsverzeichnis
Hier bestellen

Anzeige
Video

Ein ganz normales Paar

Video
In Kooperation mit alle Videos
Merkel-
Projekt

Was macht
Angela Merkel heute?
Anzeige
Add to Google

Anzeige

© Cicero 2012
  • Impressum
  • Nutzungsbedigungen
  • Stellenangebote
  • Weitere Titel des Ringier Verlags: Monopol - Magazin für Kunst und Leben