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 > Öko-Konsum bedeutet nicht Bürgertum

Salon

Möchtegern-EliteÖko-Konsum bedeutet nicht Bürgertum

Von Konstantin Sakkas27. November 2012
picture alliance
Bürgertum, Öko-Bürgertum
Wer keine Bachfuge von einer Mozartsonate unterscheiden kann ist kein Bürger.
Schrift:

Mülltrennung, Solarkollektoren, Nachhaltigkeit gehören zur typisch deutschen, ideologischen Maskerade des Möchtegern-Bürgertums. Dabei definiert sich wahres Bürgertum über den Geist, nicht über das Materielle

Seite 1 von 2

Im neuen Buch von Christian Thielemann las ich kürzlich den Satz: „Das Wort ‚gutbürgerlich’ bedeutete in meiner Jugend nicht nur den Majoran zu Weihnachtsgans, sondern Bach, Beethoven, Brahms, Bruckner.“ Man muss kein unbedingter Fan von Thielemann sein (und nein, ich bin es auch nicht!), um doch den Kern Wahrheit herauszufischen, der in diesem Satz liegt. Bürgerlichkeit definiert sich nämlich nicht übers Materielle, sondern über den Geist. Das ist nicht nur kultiviert, es hat auch einen sozialen Hintergedanken. Geistige Kultur nämlich kostet nichts. Sie ist die einzige legitime Wurzel des Bürgerlichen.

Das hat auch historische Gründe. Die moderne deutsche Bürgerlichkeit, die zum Vorbild für ganz Europa wurde, hat ihre Ursprünge im 18. Jahrhundert. Die Kultur der deutschen Klassik und Romantik, ob in Literatur, Malerei oder Musik, ist hervorgegangen aus klein- und kleinstbürgerlichen Verhältnissen. Im Deutschland des späten Ancien Régime gab es, anders als in den reichen Nachbarstaaten Holland, Frankreich und England, kein relevantes Besitzbürgertum; die Blüte des deutschen Geistes wuchs empor aus weitgehend mittellosen Pastoren-, Schulmeister- und Handwerkerhaushalten. Das aber gab ihr erst ihren Schwung und ihre Größe, der bald ganz Europa begierig nacheiferte.

Das Bürgertum heute, das inzwischen 90 Prozent der Gesellschaft umfasst, hat sich hiervon weitgehend entfernt. Bürgerlichkeit ist ursprünglich und wesenhaft etwas Auratisches, heute wird sie ideologisch definiert. Schon das ist falsch. Bürgerlich ist nicht, wer für oder gegen einen Bahnhofsneubau auf die Straße geht (wobei das ein legitimes politisches Anliegen ist, zumal Stuttgart 21 tatsächlich ein großer Schwindel ist), sondern wer einen Sinn hat für das, was das Leben im Innersten ausmacht und erhält: für das Schöne.

Ebenso wenig lässt sich Bürgerlichkeit über Konsum oder Besitz definieren. Durch laktosefreie Milch und Solarkollektoren auf dem Dach kann man sich weder Moral noch Kultur kaufen. Nachhaltigkeit ist eine Ideologie, nicht die schlechteste vielleicht, aber keine bürgerliche Haltung. Doch das ist typisch deutsch: die ideologische Maskerade, mit der man sich Absolution von seinen Moral- und Kultursünden erhofft, quasi ein Emissionshandel im Privaten. Die Mülltrennung ist das reinigende Ritual einer gottlosen Gesellschaft, das täglich vollzogen werden muss, auch wenn jeder im Ort weiß, dass der Abfall in der nächsten Kreisstadt ja doch zusammengekippt und verbrannt wird (und, o Wunder, die Wälder sind immer noch nicht gestorben und die Weltmeere sind immer noch nicht über die Küstenufer getreten). Doch das zählt für den Ökospießer von heute nicht. Was zählt, ist nicht der Geist, sondern der Buchstabe des Gesetzes, dem sich so bequem gehorchen lässt, weil es so viel leichter ist, Papier von Plastik zu trennen, als endlich seinem Mann zu sagen, dass man seit zwei Jahren fremdgeht, oder mal damit aufzuhören, die eigenen Kinder zu schlagen.

Kultiviert ist nicht, wer Kalorien zählt und „nur Bio“ kauft (was, wie wir wissen, weder besonders gesund noch schön macht und ohnehin eine Veranstaltung für Besserverdienende ist), sondern wer genießen kann: ob es nun Boeuf Hohenlohe ist oder ein Hamburger. Dass die meisten so genannten Bürger von heute keine Bürger sind, sieht man am besten daran, dass sie nicht mehr frei handeln können (war im ursprünglichen Sinne, in der griechischen Polis nämlich, den Kern von Bürgerlichkeit ausmachte), sondern dass sie nicht mal mehr einen Bleistiftanspitzer kaufen können, ohne mit dem Verkäufer eine halbe Stunde lang über den Holzgehalt zu diskutieren.

Daran übrigens, einfach den Konsum einzuschränken, denkt keiner dieser Möchtegern-Bürger; dabei wäre das der direkte Weg zu mehr Nachhaltigkeit und der einzige Weg zu echter Bürgerlichkeit: die Beschränkung auf das, was einem gefällt und gut tut und was man wirklich braucht. Wenn man endlich einsähe, dass eine Tasse Kaffee am Morgen vollkommen ausreicht, könnten wir uns den ganzen Fair-trade- und Green-wave-Zirkus sparen.

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Wie bitte?

<zitat>Nachhaltigkeit ist eine Ideologie, nicht die schlechteste vielleicht, aber keine bürgerliche Haltung.</zitat>
Nachhaltigkeit ist mit naturwissenschaftlichen Methoden messbar und falsifizierbar. Daher ist der Ideologievorwurf absurd.

Was ist den der Sinn und Zweck einer bürgerlichen Lebensweise wenn nicht Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen?

  • Antworten
Andreas Säger27.11.2012 | 13:12 Uhr

Ich empfehle dem Autor

Ich empfehle dem Autor zusätzlich noch ein Buch von Ulrich Gruber, welches da lautet : "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit - Kulturgeschichte eines Begriffs ". Vielleicht ist er nach dieser Lektüre dazu imstande den Begriff richtig zu verwenden.

  • Antworten
Luìs20.12.2012 | 16:58 Uhr

Bürgerlichkeit

Diesem Artikel kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen. Es gibt immer mehr Wohnungen, da gibt es nur einen Fernseher im Raum, vielleicht noch einen Rechner, aber es gibt vor allem weder Zeitungen noch Bücher, nirgends. Bücherregale voller Bücher fehlen ganz.
Ein kluger Mensch sagte: Besitze nicht mehr als Du mit einem Gang tragen kannst. Im nächsten Leben
werde ich nichts mehr sammeln, denn mit einem guten Buch bist Du nicht allein.
Gruss
Tyll Ruhtenberg

  • Antworten
Tyll Ruhtenberg27.11.2012 | 13:36 Uhr

Bürgerlichkeit

muß man erwerben, sie läßt sich aber nicht kaufen. Niveau ist keine Handcreme, Stil nicht das obere Ende eines Besens. Sehr viele kennen von vielen Dingen zwar den Preis, nicht aber den Wert.

Das zieht sich durch die gesamte Gesellschaft, Bildung hat keine Lobby, sie kostet ja nichts. Geld fürs Theater? Das ist elitär, das braucht man nicht. Lieber ein Fußballstadion finanzieren, das ist dann mehr für die Allgemeinheit. Wie oben schon steht, Bücher kauft man nicht, lieber ein neues Computerspiel, am Besten einen Egoshooter. Oder im Urlaub, lieber am Strand liegen statt die ollen Ruinen besichtigen, Geschichte ist doch so ukewl.

Neulich fragte mich jemand ernsthaft, wo denn die kulturelle Leistung Europas sei, die unbedingt zu erhalten sei. Mein Hinweis, in der Literatur und der Musik, der Kunst allgemein wurde mit dem Hinweis abgetan, da sei Vergangenheit, so altes Zeug brauche niemand mehr.

Und die neue Linke, die Grünen stellen sich hin und behaupten ernsthaft, sie seine jetzt die bürgerliche Partei. Und das nur weil einige wenige grüne Schlagworte von der Mehrzahl der Mitbürger verwendet werden, meist ohne jegliches Hintergrundwissen. Gleichzeitg sind viele unbelehrbar, denn Wissenserwerb zum eigenständigen Abwägen ist nicht nötig. Es genügt wohl einfach nachzuplappern, was gerade hipp ist und seine Wohnung im richtigen Kiez zu haben, um sich bürgerlich zu fühlen.

Aber das ist nicht bürgerlich, das ist nichts anderes als der "Weg durch die Instanzen 2.0", nur ohne das Wissen, das die echten 68er noch hatten (und zum Schluß dann doch falsch anwendeten). Nur noch Fassade. Wie der zweite Aufguss beim Tee, dünn und ohne Substanz.

Eine Bitte an den Autor, die Wertung betreffend S21 gehört nicht hierhin, sie ist einfach nur peinlich. Es ist nicht bürgerlich, ständig anderen seine eigene Meinung aufdrücken zu wollen, noch dazu in solch beleidigter Manier. Und ob "bio" wirklich besser oder schlechter ist, ist noch gar nicht entschieden. Ich fühle mich als Bürgerlicher und verbitte mir daher solche ideologischen Belehrungen, denn meine Meinungen sind auf der Basis eigenen Wissens, reiflicher Überlegungen und eigener Recherchen entstanden und vor allem, manchmal kann ich meine Meinung genau deswegen auch mal ändern. Aber ich missioniere nicht damit und ich fühle mich nicht als besserer Mensch, nur weil ich eine bestimmte Meinung vertrete!

  • Antworten
Mauermer27.11.2012 | 15:33 Uhr

"Daran übrigens, einfach den

"Daran übrigens, einfach den Konsum einzuschränken, denkt keiner dieser Möchtegern-Bürger; dabei wäre das der direkte Weg zu mehr Nachhaltigkeit und der einzige Weg zu echter Bürgerlichkeit: die Beschränkung auf das, was einem gefällt und gut tut und was man wirklich braucht. Wenn man endlich einsähe, dass eine Tasse Kaffee am Morgen vollkommen ausreicht, könnten wir uns den ganzen Fair-trade- und Green-wave-Zirkus sparen."

Und wieder einmal Äpfel mit Birnen verglichen... Das Reduktion des Konsums ist der Nachhaltigkeit und Umweltgesichtspunkten geschuldet. Fair-Trade Produkte haben den Ansatz, den Menschen eine faire Bezahlung und Arbeitsbedingung zu sichern und zum Beispiel Kinderarbeit auszuschließen.

Nur mal ein kleiner Hinweis: Man muss sich nicht für eins von beidem entscheiden. Es geht, oh Wunder, beides gleichzeitig.

Zum Rest des Artikels... Naja. In einigen Punkten kann ich da schon zustimmen. Aber dieser latent agressive Unterton find ich unangebracht. Außerdem ändern sich die Definitionen und Konnotationen bestimmter Begrifflichkeiten nun einmal im Laufe der Zeit.

  • Antworten
Natalie Trageser27.11.2012 | 15:38 Uhr

Auch wenn ich Herrn Sakkas

Auch wenn ich Herrn Sakkas Ansicht, was die vermeintliche Käuflichkeit von "richtigem" Leben angeht, teile: Echte Bürgerlichkeit? Da wird mir aber schlecht. Klassische Musik hören als Ein"bürger"ungstest? Es scheint mir, da muss sich jemand abgrenzen um des Abgrenzens Willen, denn mit 90% Möchtegernbürgern will Herr Sakkas sich nicht gemein machen. Wer sind denn die anderen 10%, bitte? Gehört dazu z.B. auch der Herr Frege, Insolvenzverwalter der deutschen Tochter der Lehman Brothers, der 800000€ erhalten soll? Ich erwähne das deshalb, weil ich erklären will: Das finde ich skandalös, darüber kann ich mich aufregen. Und nicht über Leute mit Espressomaschine. Aber ehrlich gesagt reg ich mich auch über den Artikel auf, weil aus ihm Überheblichkeit spricht.

  • Antworten
Ulla Linnemann27.11.2012 | 16:14 Uhr

Nachtrag

sorry, es muss 800 Millionen Euro heißen

  • Antworten
Ulla Linnemann27.11.2012 | 16:19 Uhr

Ökokonsum bedeutet nicht Bürgertum

Man kann in Ermangelung von Käse die Mayonnäse auch aufs Brot schmieren: hauptsach man ist sie los... Es ist peinlich, wenn lohnschreibende Journalisten davon leben, Seiten (auf Papier oder virtuell) mit selbstverliebten Pirouetten ihrer vermeintlichen Brillanz zu füllen. Was ist der Nutzwert dieser Zeilen. Worin ist der Leser nun klüger. Chapeau - Herr Sakkas - wird er denken. Sie haben die Kirche wieder mal in die Mitte ihrer heilen Welt gestellt.

  • Antworten
Hans Peter Graf27.11.2012 | 17:25 Uhr

Wie bei Buddenbrooks?

Der Artikel ist zwar unterhaltsam, ich kann die darin getroffenen Aussagen aber in einigen Teilen nicht nachvollziehen. Denn manches klingt, mit Verlaub, nach Standesdünkel. Dass sich Bürgerlichkeit nicht darüber definiert, seine Lebensmittel im Bio-Markt einzukaufen oder drei mal pro Jahr in den Aktiv-Urlaub zu fliegen, ist klar. Allerdings ändern sich die Zeiten und man sollte nicht, wie es Herr Sakkas offenbar versucht, die gleichen Maßstäbe an Bürgerlichkeit ansetzen, wie sie zur vorigen Jahrhundertwende vielleicht gegolten haben. Es ist zwar eine romantische Vorstellung, dass die ganze Familie wie bei den Buddenbrooks abends beieinader sitzt und andächtig Mozartsonaten lauscht oder Goethes Werke liest. Aber das hat doch mit einer heutigen Form von Bürgerlichkeit nicht mehr viel zu tun. Als Voraussetzung für einen Bürger zu nennen, dass er das Vaterunser oder das Avemarie auswendig kann, würde auch nach der Definition von Herrn Sakkas per se sämtliche jüdischen und muslimischen Mitmenschen von der Bürgerlichkeit ausschließen. Und das kann es ja wohl nicht sein. Die Welt hat sich geändert und mit ihr die Definition, was ein Bürger ist.

Bürgerlichkeit bedeutet eine gewisse Aufgeklärtheit und Mündigkeit, bedeutet auch ethische und moralische Ansprüche an sich selbst, die Politik und die Gesellschaft. Und sicher zählt auch die Fähigkeit dazu, das Einkommen selbst zu erwirtschaften. Aber die Kenntnis klassischer Musik als Voraussetzung anzulegen, ist doch wohl zu kurz gedacht.

  • Antworten
Oliver Vogt27.11.2012 | 18:19 Uhr

Kleinbürgerliche Kultur

Die Gesellschaft hat sich aufgelöst in unterschiedliche Lebensformen mit unterschiedlichen Präferenzen. Schreibt man andere Gesellschaftmodelle ab, treten die Unterschiede auch deutlich zutage. Dabei taucht unter anderem ein offenbar unstillbares Verlangen nach Biedermeier zutage. Auch die friedlich-harmonisierte Wohnstube, in der ökologischen Diskussion, als vermeintliches „Biotop“, eine Auswirkung. Das sind auch Tendenzen zum „unverwechselbaren“ Eigenleben, auch zur unerbittlichen Ausgrenzung („wir kaufen nur beim Bio-Bauern“). Lifestyle als Brauchtum und Folklore. So aufgeklärt-zeitgenössisch, bis avantgardistisch sich das auch alles gibt. Wir leben in einer Zeit, die das Individuum begünstigt, der Selbstdarstellung, dem Sich-unterscheiden-Wollen wird Raum gegeben. Es ist doch rührend, wenn Teile der Gesellschaft in ihren Schrebergärten die Sonnenblumen hegen und pflegen. Das ist doch auch OK. so. Wenn daraus jedoch eine kleinbürgerliche politische Ideologie wird (und dafür sind Kleinbürger in der Geschichte bekannt), wird es problematisch.

P.S.: Die Espressomaschine wird auch in den Slums dieser Welt ihren Siegeszug antreten.

  • Antworten
bernhard jasper27.11.2012 | 18:23 Uhr

Halbbildung

Wenn sich der Bürger über einen spezifischen Wissenskanon definiert und in gewisser Weise profiliert, so wirkt es auf mich schrecklich Halbgebildet und am Kern von Bildung vorbei. Sicherlich ist Bildung (neben Leistung) das Kernstück des bürgerlichen Habitus. Doch was ist heute, was ist jetzt Bildung? Ich denke Bach und Mozart en detail zu kennen ist es sicherlich nicht. Wenn sie schreiben, es sei die Freiheit etwas zu tun, was den Bürger ausmacht, dann wird der Terminus Bildung am ehesten durch geistige Eigenständigkeit gefüllt. Warum ketten Sie diese aber an Bach und Mozart? Es ist mir unklar.

  • Antworten
Max Power27.11.2012 | 18:29 Uhr

Interessante Kernaussagen

Der Artikel hat mir gut gefallen. Die Zukunft der Menschheit sähe bei einem zunehmenden Verzicht auf materielle Güter zugunsten geistiger Inhalte vermutlich sehr viel rosiger aus als es jetzt der Fall ist, auch wenn ich nicht allzu optimistisch bin.

Eine neue Erkenntnis, ein neues geistiges Produkt (Literatur, Musik etc.) kann man zu sehr geringen Kosten an viele viele Menschen verteilen, ein neues Automobilmodell hingegen nicht. Denn: Information/Wissen sind (zu geringen materiellen Kosten) replizierbar, während für Materie der Energieerhaltungssatz gilt. Eine Schonung der knappen materiellen Ressourcen werden wir deshalb vermutlich weniger durch nachhaltigere Produktionsweisen bei unverändertem materiellen Konsum (Öko-Konsum sozusagen) erzielen, als durch den Umstieg vom Materiellen auf das Geistige, ganz ähnlich wie es im Artikel zu lesen ist.

In einem meiner Bücher schlug ich - als denkbare Unterstützung solcher Umstellungsprozesse - einmal die Auftrennung des Geldes in materielles und informatives Geld vor. Harry Potter als Download würde dann hauptsächlich informatives Geld kosten, und Joanne K. Rowling erhielte als Autorin hauptsächlich informatives Geld, für ein Auto müsste man dagegen primär materielles Geld auf den Tisch legen. Der Vorteil wäre, dass in einer materiell begrenzten Welt die Menschen weiterhin nach geistigen Inhalten streben (und darum wetteifern) könnten, während die begrenzten materiellen Ressourcen stärker geschont blieben. Auch könnte man auf recht einfache Weise für eine stärkere "Bildungsgerechtigkeit" quer über die sozialen Schichten sorgen.

Dass sich das Bürgertum - wie es im Artikel steht - sehr stark über das Geistige definiert(e), ist ein interessanter Aspekt. Vermutlich ist es auch deshalb nie wirklich mit dem Marxismus warm geworden, für den das Materielle stets vorrangige Bedeutung besaß.

  • Antworten
Peter Mersch27.11.2012 | 20:15 Uhr

Die Lösung des Problems muss

Die Lösung des Problems muss in einer Neugestaltung der Bildungspolitik bestehen. Oberstes Gebot muss die Erziehung hin zur Selbstreflexion werden, und zwar durch das Thema des inneren Zweikampfes, der Moral und des Verwerflichen. Bildung als solche fusst in all ihrer Komplexität auf drei Werken: Faust, Bibel, Odyssee. Wie kann man ein mündiger Bürger sein, ohne On Liberty oder Il Principe zitieren zu können? Wie kann man den Wert von Kunst und Ästhetik schätzen, ohne Botticellis Haltung zum Feuer der Eitelkeiten zu kennen? Kein Bürger könnte nach der Lektüre Otto Wels' eine Partei wählen, die sich stolz als Mitte(/Zentrum) bezeichnet. Bürgertum setzt Bildung vorraus, und die Aufgabe der Bildung hat der Staat übernommen. Man sollte denken, dass gerade Pfarrer und Pfarrerstochter an der Spitze desselben sich besonders um jene bemühen würden.

  • Antworten
Frank27.11.2012 | 22:50 Uhr

Mensch Mensch ...

... sowas aber auch. Ich habe einige Meter Bücherregale im Haus (gefüllt und gelesen), gehe immer mal wieder in klassische Konzerte UND trenne meinen Müll und lebe nachhaltig - ich finde den Artikel sehr hochnäsig, hauptsache, der Autor ist Vorbild in der beschriebenen Welt und damit ein echter Bürger. Brrrauchen wirrrrr vielleicht diesän? Unglaublich, mit solcher Gehässigkeit unterwegs zu sein.

  • Antworten
Bob Beredsam28.11.2012 | 07:19 Uhr

Widerlege, was niemand behauptet

Nach diesem System kann der Autor noch viele viele Artikel schreiben. Wer behauptet denn, dass "Bürgertum" sich aus Mülltrennung, usw. ergibt?

  • Antworten
sunraven28.11.2012 | 11:12 Uhr

Ein gelungener Artikel.

Ein gelungener Artikel. Tatsächlich ist von all den beschriebenen Personen der Taxifahrer am ehesten dem Bürgertum zuzuordnen: Er ist kultiviert und kommt selbst für seinen Lebensunterhalt auf. Darauf kommt es an; und es ist mehr, als die politisch und ökologisch korrekten pseudointellektuellen Dampfplauderer von sich behaupten können. Die ziehen es vor, als Bestandteile eines aufgeblähten öffentlich-rechtlichen Sektors, den wirklichen Bürgern auf der Tasche zu liegen.

  • Antworten
Michael Rieck28.11.2012 | 11:17 Uhr

Hochnotpeinlicher Artikel

Sollte die lächerliche Blasiertheit des Autors auch konstituierendes Element des ausgrenzenden Bürgertums sein, so ist zu schließen, daß vielleicht 5% der Bevölkerung dem Bürgertum angehören und jeder vernunftbegabte Mensch diesem wohl unter keinen Umständen angehören möchte. Jemand, der sich selbst auf ein Podest stellt, ist ungefähr genauso erhaben wie jemand, der sich selbst cool findet, cool ist.

  • Antworten
Dirty Fränk28.11.2012 | 15:04 Uhr

Bürgerlichkeit und Konservatismus

Danke für den Text, Herr Sakkas. Ich habe mir erlaubt diesen etwas ausführlicher zu kommentieren:
http://glitzerwasser.blogspot.com/2012/11/burgerlichkeiten.html

Für mich stellt sich die Frage, was hat die ursprüngliche Bürgerlichkeit mit Konservatismus zu tun. Nicht viel, wie hier gut dargestellt ist. Konservatismus folgt einer Utopie, während, vor allem, Bildungsbürgertum als unplolitischer Libealismus bezeichnet werden kann.

Solche Bezeichnungen wie „Wutbürger“ vernebeln in Wirklichkeit die Charakter dieser ideologischen Gruppierungen, die sich in ihrem selbst geschaffenen Habitat eingerichtet haben, wie der Spießer in seiner Miniwelt. Wutspießer wäre besser.

Man könnte darüber hinwegsehen, und den Leuten einfach ihren Spleen lassen, dass Problem ist jedoch, dass die Ökospießer ihre selbst geschaffenen Normen und Werte dem Rest der Gesellschaft diktieren wollen. Missionierende Spießer sozusagen. Und das hat nun mit Bildungs- oder Gutbürgertum nichts mehr zu tun.

  • Antworten
Quentin Quencher29.11.2012 | 07:44 Uhr

Ich bin die Inkarnation des

Ich bin die Inkarnation des Bürgers im Berliner Kabarett.
(aus "mein Leben, ein Vater, mein Corpus, mein Zellstoff-Kater"
Jakob Augstein, Sumpfblüten-Verlag)

  • Antworten
Jakob Augstein29.11.2012 | 08:09 Uhr

"o Wunder,

[...] die Weltmeere sind immer noch nicht über die Küstenufer getreten."

Gern möchte ich ob dieser Ignoranz auf folgenden aktuellen Beitrag in der ZEIT verweisen:

http://www.zeit.de/2012/48/Klimawandel-Marc-Morano-Lobby-Klimaskeptiker

Es bleibt die Verwunderung über einen derart undifferenzierten und zynischen Artikel auf der Homepage des Cicero.

  • Antworten
Sebastian29.11.2012 | 15:23 Uhr

Herr Sakkas und , der "Geist" und die "Bildung"

über bildungsbürgerliche Werte kann nur der/die jenige urteilen, welche sie auch ausübt. Aber Herr Sakkas, Sie sind der Inbegriff der Unfähigkeit des kritischen, kultivierten Denkens. Und Sie erlauben sich solche.....
einfach nur dreistdumm und verlogen

  • Antworten
R.A.29.11.2012 | 17:30 Uhr

Öko-Konsum-Bilderbuchbürgertum

Was will dieser Artikel uns eigentlich genau sagen? Außer der Abneigung des Autors gegen anscheinend einen Großteil der Bevölkerung hat sich bei mir nichts festgesetzt. Ja und ein Hauch von Arroganz schwingt in dem Artikel mit. Sind wir denn besser als der vermeintliche Ökoburger? Ernähren wir uns nur von klassischer Literatur und leben ansonsten in Askese? Ich bezweifele ganz stark, dass die oben genannten Autoren, diese Askes/ Armut selbst gewählt haben und ansonsten nicht gerne den Frauen/Wein/Drogen frönten...Das mindert nicht den Wert ihres Werkes, aber sie lebten bestimmt nicht in Armut, um sich ganz der Geisteswelt zu verschreiben. Natürlich ist das Streben nach Anerkennung- gesellschaftlicher sowie finanzieller Art- auch bei all diesen Künstlern ein Anreiz gewesen.
Wie können wir denn jetzt Jahrhunderte später feststellen, ob diese Bürgerlichkeit letzten Endes nicht auch nur ein bigottes Konstrukt war? Und dann lässt sich immer noch feststellen, dass auch dar biedermeiersche Bürgertum mit seiner heilen Welt doch viele Parallen zum heutigen "Ökobürgertum" aufweist, unter anderem den Gedanken der Flucht in eine heile Welt. Natürlich rechtfertigt dies nicht, einerseits sich für sehr "bio" zu halten und andererseits seinen Kindern die neuesten Mac-Books zu kaufen, aber who am I to judge? Und bestimme ich bzw der Autor was HEUTE Bildung ist?

  • Antworten
Sophia Lobo01.12.2012 | 15:23 Uhr

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