Große Häuser, wichtige Werke: Es muss nicht immer gutgehen, wenn Verlage und Museen gemeinsam versuchen, junge Leser an die Kunst heranzuführen
Man kann noch von Glück sagen, dass nicht gleich alles gut wird am Ende dieses Buches: Immerhin können die Hintermänner der Bösen entwischen, und immerhin entdeckt das wiedervereinte Elternpaar nicht gleich seine Liebe neu. Aber gewundert hätte das auch niemanden mehr am Ende des Kinderkrimis "Das Geheimnis des Raben"von Karin Hagemann, nach zweihundert Seiten für Zehnjährige, in denen der Zufall der elf Jahre alten Heldin sonst bis an die Grenzen der Glaubwürdigkeit glücklich in die Hände spielt.
Dabei ist die Geschichte eigentlich nicht ohne Reiz: Ein Schreibwettbewerb lockt Fritzi und ihre Freundin Klara ins Frankfurter Städel-Museum, und um sich durch eines der Gemälde dort zu einer Kriminalgeschichte inspirieren zu lassen, müssen sich die beiden die Bilder eben ganz genau anschauen. Mit wohlkalkulierter Ansteckungsgefahr, schließlich haben Museum und Verlag die Idee zu einem Buch wie diesem gemeinsam ausgeheckt. Die literarische Präsenz und Präzision, die es für ein solches Unternehmen braucht, erreicht das Buch leider nur, wenn es um den Umgang mit Kunstwerken geht.
Eine Gemälde-Fälschung mit verwickelten Spätfolgen
Fritzi und Klara bleiben an Auguste Chabauds gut hundert Jahre altem "Hotelflur" hängen, dem in rot und schwarz gehaltenen Ölgemälde einer Teppichkreuzung, auf dem ein Frauenbein treppauf verschwindet. Und sie entdecken Tage später zufällig, dass sich die Farbe des Schlüsselanhängers geändert hat, der vor einer Zimmertür baumelt. Alles klar: Das Bild ist inzwischen nicht nur in einer Restaurationswerkstatt aufgefrischt, sondern dabei bestimmt kopiert und im Museum schließlich ausgetauscht worden!
Doch so einen Verdacht muss man erst einmal beweisen können. Aber Fritzi ist ohnedies gerade Detektivin in eigener Sache, da kommt es auf einen Fall mehr oder weniger auch nicht mehr an: Fritzi ist ihrer verschwundenen Mutter auf der Spur. An ihrem elften Geburtstag hat Vater Kalli ihr zwar ein Paket von Mutter Sally gegeben, aber erzählen möchte er dann doch nichts.
So muss Fritzi eben selbst herausfinden, dass ihre Mutter Malerin ist, dass Sally kurz vor ihrer Flucht, als Fritzi noch ganz klein war, in einen Fälschungsfall verwickelt war – und dass just das Kunsthändlerpaar, mit dem die Mutter damals zu tun gehabt hatte, unter anderem Namen wieder aufgetaucht und in die Chabaud-Sache verwickelt ist.
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