Wir haben Modedesigner Michael Michalsky gefragt, wie er seine letzten 24 Stunden auf Erden verbringen würde. Auf jeden Fall braucht er Musik zum Sterben und wehe einer heult
Ich war schon bei zwei Wahrsagern, und beide haben gesagt, ich werde erst irgendwann zwischen 87 und 90 sterben. Jetzt bin ich 45, ich habe also noch Zeit. Aber trotzdem. An meinem letzten Tag würde ich relativ früh aufstehen, so zwischen sieben und acht, das mache ich sowieso, und daran würde ich auch nichts ändern. Normalerweise bin ich so ein Typ, der schnell für zehn Minuten unter die Dusche springt, und dann Klamotten an und weg. Aber an dem Tag würde ich baden, mich pflegen und mich besonders schön anziehen. Ich würde auch mal wieder einen Conditioner benutzen. An meinem letzten Tag will ich „bombe“ aussehen: meine Lieblingssneakers, meine Lieblingsjeans, weiße Socken, ein schwarzes T-Shirt, alles von mir selbst designt.
Dabei und auch für den Rest des Tages wird Musik als Soundtrack im Hintergrund laufen. Auf der Playlist, die ich schon vorher vorbereitet habe, sind alle meine Lieblingslieder von Madonna, Diana Ross und Pet Shop Boys drauf, viel Dancemusic, alles sehr uplifting, viel Elektronisches, ein bisschen chillig. Nonstop. Wenn ich abends sterbe, soll die Musik immer noch laufen.
Dann würde ich mich mit meinen fünf engsten Freunden zum Breakfast treffen. Ich bereue nichts, muss nichts bereinigen, ich will nur mit ihnen reden. Wir würden irgendwohin gehen, wo man Eggs Benedict bekommt, das ist mein absolutes Lieblingsessen. Alle Leute sind eingeweiht und dürfen mich nur treffen, wenn sie nicht heulen – das müssen sie garantieren. Außerdem müssen sie schwören, dass sie einmal im Jahr ein Fest für mich machen, bei dem es richtig kracht. Zu dem alle kommen, die ich kenne. Eine fette Gedächtnisparty in einer tollen Location, wo nur meine Lieblings- DJs auflegen. Alle müssten in Weiß kommen. Geweint werden darf auch dort nicht.
Danach gehe ich noch mal ins Büro, um zu checken, was dort los ist. Ich muss mich von den Leuten da verabschieden und noch ein paar Anweisungen für die neue Kollektion geben, damit das auch in meinem Interesse weitergeht. Nach einem ausführlichen Spaziergang über die Museumsinsel, durch das Regierungsviertel und Kreuzberg wären auch meine wichtigsten Freunde aus London eingeflogen, wo ich lange gelebt habe. Mit ihnen würde ich High Tea nehmen, wie in England. Im Adlon oder im Ritz Carlton, so richtig mit Earl Grey und Cucumber Sandwiches, Scones und Clotted Cream.
Schließlich gehe ich nach Hause und ziehe ein cooles Partyoutfit an, denn ich werde alle meine Freunde und alle Leute, die mir wichtig sind, inklusive Family, zu einem lustigen Fest zu mir nach Hause in Mitte eingeladen haben. Da gibt es viel zu trinken, auch etwas zu essen, alles querbeet: Ruinart-Champagner, Spezi, einen leckeren Robert-Weil-Wein, Kinderschokolade und Gummibärchen, deftige fränkische Küche, tolle italienische Sachen und japanisches Essen. Ich würde mich da nicht sinnlos betrinken. Ich möchte Quality Time mit meinen Leuten haben, Social Time. Das Leben genießen. Ich liebe ja Menschen, ich liebe soziale Kontakte. Ich möchte mich daran freuen können, dass ich ein so schönes Leben hatte.
Das Fest geht so lange, bis meine letzten Sekunden anstehen. Ich möchte nicht leiden, sondern wegtreten, wenn es am lustigsten ist. Zack. Bums. Wie vom Blitz getroffen. Mit einem Lächeln auf den Lippen.











