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 > So ist die Welt

Salon
Thriller von Marlene Streeruwitz

So ist die Welt

von 
Daniela Strigl
5. November 2011
picture alliance
Streeruwitz Portrait Schmerzmacherin
Fehlen in der ungeschönten Wirklichkeitsbeschreibung von Streeruwitz natürlich nicht: Schmerzmittel

Weltnähe statt klimaktischer Übersteigerung. Nur auf den ersten Blick bedient sich Marlene Streeruwitz mit ihrem neuen Roman bei Thrillern amerikanischen Vorbilds. 

Seite 1 von 2

Seit geraumer Zeit flirtet die Schöne Literatur deutscher Sprache heftig mit ihrem schmuddeligen Verwandten, dem Thriller. Und auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte Marlene Streeruwitz diesem Trend in ihrem neuen Buch Tribut gezollt. Dessen Heldin Amy alias Amalie Schreiber ist 24, jedenfalls am Ende des Romans, der im Dezember 2010 beginnt und bis in unsere Gegenwart reicht, bis zum September 2011. Amy gehört einer Generation an, der eine geradlinige berufliche Laufbahn verwehrt ist. Sie hat ein BWL-Studium abgebrochen und diverse Jobs hinter sich, zuletzt bei einer Agentur, die eher ihr vorteilhaftes Äußeres profitabel einzusetzen gewillt war als ihren Intellekt. Und dieses Äußere ist auch Amys Atout in ihrer neuen Karriere: im tschechischen Ausbildungszentrum einer internationalen Sicherheitsfirma.

«Beauty is a weapon like any other device», verkündet dort der höchst undurchsichtige Mr. Gregory aus London in bester James-Bond-Manier. Und ein Hauch von James Bond war es wohl auch, was Amy an dessen Angebot reizte: etwas Handfestes zu tun, das auch noch aufregend ist, etwas, worin eine junge Frau ihren Mann stehen kann. Denn zur Zeit, das malt Streeruwitz in der Exposition des Romans prächtig aus, ist der Wodka ihre einzige Leidenschaft: «Sie konnte nur mit Alkohol authentisch sein, und niemand wollte Klugheit von ihr. Formbar. Das war gewollt, und an ihr war das angezweifelt worden. Also machte sie sich formbar, und mit dem Wodka tat es nicht weh. Mit dem Wodka wurde es noch richtig interessant.»

Gruppensitzungen, Rollenspiele, Trainingseinheiten: Sie, die nicht hineinpasst in die strenge Familie, will abhauen – noch lieber aber würde sie hineinpassen. Die Gesetze des Thrillers aber verlangen, dass ein Ereignis das reibungslose Funktionieren des Individuums stoppt. In «Die Schmerzmacherin» befreit die Heldin einen scheinbar vom Himmel gefallenen Gefangenen, bald darauf verunglückt ihr Freund Gino, ein Callboy mit Herz und Magistergrad, und zwar gemeinsam mit Cindy, der toughen, die schöne Neue neidvoll beäugenden Ex-Stasi-Agentin. Amy hat – offenbar nicht nur alkoholisch bedingte – Erinnerungslücken, ihr fehlt ein ganzer Tag. Erst als sie in London eine Fehlgeburt erleidet, entdeckt sie ihre Schwangerschaft: eine moderne Marquise von O., weniger tugendhaft, gewiss, aber doch eine Missbrauchte. 

lesen sie auch, wie sich die Geschichte wendet

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